always on the road

14.12.2005 um 12:43 Uhr

Offener Brief an Holzner-Figalla

Lieber Prof. Dr. Holzner-Figalla,

ich habe, und ich weiss das sehr zu schätzen, lange nichts mehr von dem (andere sagen auch der) Problem (bzw. problembehafteten) Relativsatzverschachtelung in der teutschen, oder auch deutschen, Sprachen vernehmen lasse, die jedoch - und diesen Einschub möge man mir verzeihen, wie er auch schon in vergangener Zeit des öfteren verziehen wurde - nach wie vor eine gewisse Unbill bei Mitmenschen verursacht, die a) sich nicht auf Satzkonstrukte, die aus mehr als einem Subjekt, Prädikat und Objekt bestehen, b) einem andere Kulturkreise angehören, oder c) sowohl der Schnittmenge aus a und b angehören, oder d) keinen Sinn für Sprachkultur haben, obwohl es ihnen doch wohl längst in Fleisch, Blut und - in Abhängigkeit ihres Sexus - in Gonaden bzw. Ovarien übergegangen sein müsste.

Als Vorschlag, diesen Umstand zu entschärfen, der über Kurz oder Lang - bei diesen beiden Wörtern ist mir nie ganz klar, ob sie gross oder klein geschrieben werden, genauso wenig wie ich weiss ob das gross mit scharfen s bzw. eszet (nicht die Schnitten, sondern die Letter ß) bzw. weiss mit dito, oder nicht - doch ich schweife ab. Als Vorschlag also entlehne ich die Metapher des Klammerns aus der Mathematik, mit der man die Präzedenz von arithmetischen Vorgängen steuern kann, und wende sie auf die unsere, deutsche Sprache an. Als Beispiel soll dieses kleine Fragment meines aktuellen Werkes "Von der Schanknutte zur Wanderhure - die Evolution des weiblichen Berufsbildes zu Zeiten Erwins des Haarigen" dienen, das ab dem 24.12. hoffentlich unter jedem Baume liegt (Seite 43ff.):

"[...] Johanna kroch (nach wie vor mit nur mit dem Fetzen Stoff bedeckt) an dem sabbernden Hund vorbei und vermied direkten Blickkontakt mit Reimer (der (wie auch schon am Vortag (und in den Tagen davor)) immer noch stark mürbe aussah) [...]"

In diesem Sinne,
Dr. Smegma-Konifere

05.12.2005 um 20:56 Uhr

Weiche Ziele

"Ich reite weiche Ziele - das habe ich immer schon getan. Es ist sozusagen mein Steckenpferd, ungeachtet der Tatsache, dass dies als ein drittklassiger Wortwitz aufgefasst werden könnte". LaRousse lächelte und blickte erwartungsvoll zu seinem Kunden auf. Edmund nickte salbungsvoll und kratze sich am Nackenschorf, der fast gänzlich abgetrocknet war. Nur ein kleines bisschen Feuchtigkeit wurde von seinen runzeligen Fingerkuppen ertastet. Ahh, herrlich. Endlich wieder trocken.

LaRousse knöpfte sich die Hose zu und summte "Gimme Gimme Gimme (A Man after Midnight)", allerdings so schlecht, dass Edmund es kaum wiedererkannte. Mit einer fast unmerklich langsamen Handbewegung schüttelte er die letzten Hautpartikel von seinen krummen Fingern - Möwenfedern gleich segelten sie langsam zu Boden und verbanden sich auf dem verwarzten Teppich mit den mannigfaltigsten Elementen, die ihr dunkles Dasein in dieser untersten Raumebene fristeten.

"Ich mache mir nichts aus weißen Leinwänden. Mein Ziel ist die Unterwerfung meines Gegenüber. Willen und Knochen - beides muss gebrochen werden" führte LaRousse seine Sichtweise fort. Edmund musste mal groß, aber das konnte warten. Es war spät. Das Sonnenlicht drang nur träge durch die graumelierten Fensterscheiben.

An den Stellen, an denene das Licht vergleichsweise leichtes Spiel gehabt hätte, in das Haus einzudringen, waren großflächige WindowColor Figuren angebracht. Ein fürchterlicher Reigen spießbürgerlichen Kleinmuts, finsterste Gesellen im Teddybär- und Diddl-Look, ein Strauß tumber Herrlichkeit, eine Geisterbahn ganz besonderer Art - Ja! Gewissermaßen ein Spiegelbild LaRousse'scher Unsäglichkeit. Edmund musterte LaRousse, den alten Kämpen aus der 10b. Er hatte sich sehr zu seinem Nachteil verändert.

Ungerührt der Situation fuhr LaRousse mit seinem Vortrag fort: "WindowColor ist die einzige Kunstform, in der ich mich vollkommen frei bewegen kann." - er taumelte auf Edmund zu: "Edmund, gib Dir einen Ruck! Auch Du kannst monatlich bis zu 10.000 Euro nebenbei verdienen! Ich habe alle Unterlagen hier", mit schweissnassen Fingern händigte LaRousse Edmund eine total verwichste Mappe mit grauenhaft fotografierten Damen mittleren Alters aus und fuhr, ohne mit der Wimper zu zucken, mit seinem Sermon fort: "gegen eine geringe Bearbeitungsgebühr wirst auch Du in den illustren Kreis der WindowColor Berater aufgenommen!". Edmund wusste nicht weiter und sprang schreiend über Tisch, Bank und diverse Stühle richtig Haustür, dem Sonnenuntergang entgegen.