always on the road

17.07.2005 um 22:19 Uhr

Bacchus

Ich blieb den ganzen folgenden Tag und verbrachte ein sehr inniges Wochendende mit Irmgard. Viel ist in den letzten Tagen passiert und ich versuche, meine Gedanken wieder auf geordnete Bahnen zu bringen. Noch immer hämmert mein Kopf und dieses fade Gefühl im Mund lässt sich trotz Einnahme von Mundbertpastillen nicht eindämmen. Was war nur passiert? Hier ein Versuch das Erlebte in Worte zu fassen...

Nachdem ich Frau Sodautschik durch Handreichung eines kühlen Bieres von Ihrem Hustenanfall befreien konnte, lud sie mich voller Dank auf ein Essen beim nur wenige Schritte vom eigenen Gehöft liegenden Griechen Bacchus ein. Da ich noch nichts gegessen hatte und die Arbeit auch warten konnte, willigte ich ein. Frau Sodautschik entschuldigte sich und verlies die Küche. Kurze Zeit darauf konnte ich deutliche Erbrech-Geräusche aus dem nebenan gelegenen Bad vernehmen. Mangels einer besseren Idee angelte ich mir ebenfalls ein Bier aus dem Kühlschrank und lies den güldnen Nektar in mich hineinfließen. Nach der dritten Flasche verspürte ich bereits einen leichten Glimmer hinter der Stirn. Frau Sodautschik hatte offensichtlich das Bad verlassen und intonierte laut lallend Lale Andersen.



Von diesen neuen Tönen angezogen trank ich das vierte Stützbier rasch aus und verlies die Küche. Im Flur wurde ich mit einem mir bis dahin unbekannten Anblick Frau Sodautschiks konfontiert. Sie hatte sich des eierschalenfarbenen Bademantels nebst der Vollplastik Badesandaletten entledigt und sich stattdessen in eine Art Toga gewickelt, die mit floralen Motiven übersättigt war. Die Verabeitungsqulität von Stoff und Dekoration war durchweg als mangelhaft zu bezeichnen und wies eindeutig auf eine von Frau Sodautschik selbst durchgeführte Fertigung hin. Vermutlich wurde das Kleidungsstück unlängst im Rahmen eines Volkshochschulkurses "Kreative Kleidungsgestaltung" hergestellt und von Frau Sodautschik als besonders gelungen und deshalb nur zu besonderen Angelegenheiten zu tragen erachtet.  An den Füßen truf Frau Sodutschik nun khakifarbene Espandrillos aus denen leise Sand rieselte, als sie von einem Fuß auf den anderen wankte - ein Gruß an unbeschwerte Tage an der Ostsee mit Bast-Badematte und Sonnenbrand in den Achselhöhlen.

Irgendwie törnte mich das alles nicht an und ich schlug vor, zum Griechen aufzubrechen. Frau S. musterte mich phlegmatisch, rollte geheimnisvoll mit einem Auge und marschierte dann schnurstracks auf die Haustür zu. Ich folgte ihr und trat in die sengende Hitze hinaus, die diese Gegend nun schon seit mehreren Tagen im Griff hatte. Wir gingen etwa 30 Meter schweigend nebeneinander her bis wir vor dem in der Sonne flirrenden Schild der Gasstätte Bacchus ankamen. Die Außenterasse war bis auf einen hechelden Hund unbesetzt. Angesichts des trostlosen Anblicks, den diesem Flecken Erde zueigen war, zogen wir es vor, im Inneren des Gasthofes Platz zu nehmen. Frau Sodautschik lümmelte sich auf eine Doppelsitzbank eines 5er Tisches und orderte einen doppelten Ouzo. Ich zog es vor, auf einem Stuhl Platz zu nehmen, um im Notfall schnell und ohne Probleme das Etablissement verlassen zu können. Außerdem prägte ich mir den Weg zum Notausgang ein, falls der Haupteingang durch Einsturz des Daches oder andere Katastrophen unpassierbar werden sollte.


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