Der Fall Sodautschik
Es war ca. 11:28 als ich die Loggia von Sodautschiks betrat. Sofort stieg in mir eine dunkle Ahnung auf: heute wird es besonders schwer werden. Ich öffnete die von jahrezehntelanger Witterung und schlechter Kunsstoffpflege mürbe und riefig gewordene Fliegengitterschutzverkleidung aus dem Hause Tesa und klopfte gegen die rustikale Holztür, die den Eingangsbereich zu Sodautschiks geheiligte Hallen markierte.

Etwa um 11:29 öffnete Frau Sodautschik die Tür und kurz darauf ihren
Mund - der saure Atem der mir entgegenschlug, deutete auf ein
ausgewachsenes Sodbrennen durch massiven Alkoholkonsum zu früher
Tageszeit hin, so dass ich Schwierigkeiten hatte, mein freundlich
süffisantes Lächeln aufrecht zu erhalten. Frau Sodautschik wirke
derangiert aber in der Substanz nicht unerotisch. Sie schloss den Mund
wieder um sich zu vergewissern, dass der halbzerkaute Zigarillo
(Dannemann) noch an der trockenen Unterlippe haftete. Sie musterte mich
mit blutunterlaufenen Augen.
Mit einem leichten Hüsteln
übertünchte ich diesen heimeligen Moment und schob mit sanfter aber
steter Bewegung meinen Fuß zwischen Tür und Rahmen - ein erster
Anfang war gemacht.
