always on the road

18.07.2005 um 21:30 Uhr

Suzukakia

Kurz nachdem Frau Sodautschik ihre Order abgesetzt hatte, erschien der Patron des Hauses. Wortlos entfernte er durch Einsatz eines mit Frittierfett getränkten Lappens die Speise- und Tropfspuren von unserem Tisch, die offensichtlich noch von den letzten Gästen herrührten und knallte uns die abgegriffelten Plastikhefter, in die lieblos die Speisekarte getackert war. Zwar hatte man sich die Mühe gemacht, die einzelnen Seiten durch Klarsichthüllen vor vorzeitigem Aufweichen zu bewahren, allerdings war das Lesen der Speisekarte durch die in mehreren Schichten aufgedampften Fett-, Soßen- und Speichelspuren ein schwieriges Unterfangen. An der Speisekarte haftete genug genetisches Material, um einen ganzen Jahrgang  Gerichtsmediziner für mehrere Monate zu beschäftigen.



Mit lautem Gefluche kündigte sich unterdessen die Rückkehr des Gastwirtes an. Er nestelte an seiner fleckigen Schürze und zückte einen Notizblock hervor, um unsere Bestellungen aufzunehmen. Als ich ihn freundlich anblickte, verengten sich seine Augen zu schmalen Sehschlitzen. Seine Mundwinkel verhärteten sich und sämtliche Knöchel traten hervor. Offensichtlich war man hier auf Streit aus. Ich ignorierte diesen Umstand vorerst und entschied mich für das Gericht B43, Suzukakia ("kleine Hacksteak mit Kritharaki, Zaziki, Pommes und verschiedene Salat"), während Frau Sodautschik den Klassiker A2, Gyrosteller, bestellte. Dazu eine Flasche Retsina und 2 doppelte Ouzo. Der Grieche knurrte etwas unverständliches und feuerte eine Stafette Blitze aus seinen Augenschlitzen auf mich ab. Dann verschwand er mit Riesenschritten in den Katakomben der Küche. Was hatte ich diesem Menschen bloß getan? Ich war verwirrt.

Frau Sodautschik hatte derweil Kontakt mit den drei Herren vom Nebentisch aufgenommen und becherte was das Zeug hielt. Wie sich herausstellte, waren die Herrschaften eine Wandergruppe aus Bad Bevensen die sich "auf der Durchreise" befanden und offensichtlich gerade die gemeinsame Kegelkasse auf den Kopf hauten. Ich hatte den Eindruck, langsam die Kontrolle über den Verlauf des Abends zu verlieren. Außerdem verspürte ich starken Harndrang. Ich erhob mich langsam und verlies gemessenen Schrittes die Szenerie in Richtung Herrentoilette.



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