Hannah in Uganda

20.09.2010 um 16:34 Uhr

Zurück

Nun ist es also soweit und nach einem Jahr in Uganda bin ich wieder zurück im Norden Deutschlands. Hinter mir liegt ein Jahr mit Aufs und Abs, mit vielen neuen Erfahrungen, außergewöhnlichen Erlebnissen und einer etwas anderen Lebensweise. Es war nicht immer alles nur total super, aber alles in allem bin ich schon wirklich froh, mich für dieses Jahr entschlossen zu haben. Ich würde es wohl wieder machen.

Nach den letzten Tagen in Kampala stand vor über einer Woche der Rückflug an. Jonas, Feli und ich sind von einem recht klapprigen Matatu in Kampala abgeholt und nach Entebbe zum Flughafen gebracht worden. Dort sind wir abends um elf losgeflogen. Schlafen konnte ich auf dem kleinen Sitz und bei der Kälte der Klimaanlage nicht wirklich. Das ging irgendwie auch in Brüssel nicht, wo wir ganze acht Stunden Aufenthalt hatten. Und einen kleinen ersten Kulturschock, was die Preise anging. Mittags sind wir weitergeflogen nach Hamburg. Dort bin ich von Mama, Papa, Marie und Paul abgeholt und nach Hause kutschiert worden, wo mich überraschenderweise ein Empfangskomitee erwartet hat - vielen Dank an Lena, Hanni, Möhrchen und Stella :) Mal ganz zu Schweigen von dem famosen Essen ;)

Nun versuch ich mich wieder an das Leben hier zu gewöhnen, das norddeutsche Schietwetter macht das nicht eben einfacher! Noch genieße ich die konstant warme Dusche, mein großes bequemes Bett, Käse, Schokolade, eine richtige Küche, das Autofahren... Gleichzeitig kommen mir die Straßen verdammt leer vor, die Supermarktregale voll und die Menschen oft alt. Außerdem gehts hier schon einfach geordneter zur Sache,  daran muss ich mich auch erst einmal gewöhnen... früher oder später wird es aber wohl klappen und vieles einfach wieder normal sein.

Da dies nun wirklich der letzte Eintrag ist, möchte ich mich nochmal bei allen fleißigen Lesern bedanken. Auch wenn ich nicht immer wusste, wer ihr wart - dass einige Menschen meinen Blog gelesen haben, habe ich schon gesehen und mich drüber gefreut. Ich hoffe, ich konnte euch ein paar interessante Einblicke in mein Leben in Uganda geben. Bei besonders großer Neugierde bin ich jetzt auch gern wieder da, um mich ausfragen zu lassen ;)

Machts gut :)

04.09.2010 um 09:13 Uhr

Ein Ende naht...

Tja, ist ja wohl mal wieder lange her, dass ich hier was geschrieben hab… und nun wird es wohl auch schon das letzte Mal von Uganda aus werden.

Der letzte Monat ist recht schnell umgegangen und es war noch Einiges los.

Hier in Fort Portal hab ich noch ein bisschen vor mich hingelebt, nicht mehr wirklich viel gearbeitet und was mit meinen Mitbewohnern unternommen, wenn die grad da waren (war auch mal zwei Mal für ein Wochenende allein zu Haus). Also mal abends los in die Stadt zum Beispiel. In den Club und noch ein paar Mal Pizza essen, mit einem Kollegen von David oder unserem Mentor.

Außerdem haben Ulli, David und ich am 24. August zusammen eine Abschiedsparty gemacht, zu der wir hauptsächlich Leute von der Arbeit eingeladen hatten, also vom Virika Hospital, CABCS und TBG. So 30 Leute sind das dann wohl schon bei uns gewesen und es war auch ein ganz netter Abend. Wir hatten den Großteil des Essens bei einem Cateringservice bestellt, Sodas, Bier und Wein besorgt und im Garten ein Feuer gemacht, um das nachher alle Anwesenden saßen und Geschichten zum Besten gegeben haben.

Sonst war ich auch noch zwei Mal in Kampala. Am Wochenende vom 13. bis zum 15. August war da ein Filmfestival mit afrikanischen Filmen, von denen wir uns ein paar angeschaut haben. Und jetzt war ich gerade noch einmal für eine Woche in der Hauptstadt und hab  teilweise zusammen mit David, Ulli und ein paar anderen Leuten noch ne ganz nette Zeit gehabt. Einkaufen, Kaffee trinken gehen, im Guesthouse kochen, abends mal weggehen. Waren zum Beispiel einmal auf einer Jam Session im Nationaltheater. Außerdem sind wir für einen Tag nach Jinja gefahren – Ulli und ich wollten nämlich Bungee springen! Als wir morgens da angekommen waren und den Turm gesehen haben, von dem aus wir uns in die Tiefe stürzen sollten, waren wir uns aber gar nicht mehr so sicher und haben beide ziemlich Muffensausen bekommen. Aber wir hatten ja schon gezahlt und wollten uns nicht blamieren ;) Ich bin als erste gesprungen… nachdem ich das Seil um die Füße gebunden und Anweisungen bekommen hab, hieß es „3…2…1…Bungee!“ und ich hab mich gen Nil gestürzt. 44 Meter. Und ab dem Moment wo ich abgesprungen bin, hat es wirklich nur noch tierisch Spaß gemacht! Leider hat es mit dem Eintauchen ins Wasser nicht geklappt. Aber im Nachhinein wars auf jeden Fall toll, nicht nur der Sprung und der Adrenalinkick ansich, auch die schöne Umgebung in der man da springen kann, mit den Stromschnellen des Nils unter sich.

Nun ändert sich mal wieder das Wetter ein bisschen hier in Fort Portal und Kampala, nachdem wir echt viel Sonnenschein hatten, fängt es wieder an, mehr zu regnen. Besonders krass war das am letzten Mittwoch – das erste Mal, dass ich in Uganda Hagel erlebt hab! In Kampala war wirklich Sintflut angesagt, strömender Regen, Gewitter und eben Hagel. Das hat ziemlich viel Werbeplakate runtergefetzt, Bäume umgelegt und die Kanalisation natürlich komplett überlastet, weshalb es überall Sturzbäche gab und die Straßen teilweise geflutet waren, man hätte das Boda auch gut gegen ein Schiff tauschen können ;)

Jetzt bin ich auf jeden Fall noch einmal zurück in Fort Portal, allerdings nur für ein paar Tage. Alles ist ein bisschen im Auflösungszustand, das Haus ist leerer (David ist am Donnerstag geflogen, Jonas ist schon in Kampala, Ulli fährt da morgen hin) und der Kopf auch nicht mehr ganz im Hier und Jetzt. Am Dienstag werde ich wieder nach Kampala fahren, wo am Samstagabend mein Flieger nach Deutschland geht. Fühlt sich schon ein bisschen komisch an, dass das nun so bald ist. Irgendwie gab es immer wieder Situationen, in denen ich ein Ende herbeigesehnt hab und jetzt wo es soweit ist, weiß ich gar nicht so genau, ob ich das gut finde. Auch wenn es natürlich schon Einiges gibt, auf das ich mich freue :) Aber es wird auch genug Dinge geben, die ich vermissen werde…

Viele von euch werde ich nun auf jeden Fall bald wiedersehen! Ab nächster Woche Sonntag, wenn ich um kurz vor drei nachmittags in Hamburg lande.

Also: Bis bald!

01.08.2010 um 13:17 Uhr

Unterwegs

Nach 10 Monaten in Uganda hab ich nun Besuch bekommen von Mama und Papa. Und wir haben eine ganze Menge zusammen unternommen.

Am 9. Juli (Freitag) hab ich die beiden abends vom Flughafen in Entebbe abgeholt, wir sind mit einem Taxi nach Kampala reingefahren und waren zusammen im äthiopischen Restaurant essen, dabei hatten wir uns natürlich eine ganze Menge zu erzählen.

Am nächsten Tag ging es mit dem Bus nach Fort Portal, mit knapp sechs Stunden schon ein längerer Trip. Endlich angekommen haben die beiden ihr Hotelzimmer im Ruwenzori Travellers Inn bezogen, bevor wir abends bei Pier waren um das Spiel um den dritten Platz Deutschland vs. Uruguay zu gucken.

Sonntags sind wir dann mit Bodas raus zu den Crater Lakes gefahren. Vom Lake Nkuruba aus haben wir eine kleine Wanderung zu einem Aussichtspunkt gemacht, von dem aus man mehrere Kraterseen sehen konnte, außerdem waren wir noch im Lake Nkuruba schwimmen. Zurück in Fort Portal waren wir dann dank der trockenen Straßen von oben bis unten eingestaubt und rot, außerdem hatte Mama Bekanntschaft mit der teilweise etwas radikalen Fahrweise der Bodas gemacht… Nachdem wir zusammen auf dem Markt eingekauft haben, haben wir dann abends lecker bei uns gekocht und zum Essen aus Deutschland mitgebrachten Wein getrunken :) Danach wollten wir das Finale der Fußball-WM gucken – haben aber in kaum einer Bar noch einen Platz bekommen, weil es überall brechend voll war! Letztendlich hatten wir zwar nicht den idealen Blickwinkel, aber immerhin noch einen Sitzplatz. Da ich todmüde war, wollte ich mir die Verlängerung nicht mehr anschauen und bin mit dem Boda nach Hause. Mit Schlafen gehen war dann aber erst mal auch nichts. Per Sms und Anruf habe ich von anderen Freiwilligen erfahren, dass in Kampala während des WM-Finalspiels Bomben hochgegangen sind! Da einige von den anderen mich in Kampala vermutet hatten, waren sie ein wenig besorgt… vor allem deshalb weil eine der Bomben in Kabalagala in eben dem äthiopischen Restaurant hochgegangen ist, in dem wir noch zwei Tage zuvor gegessen hatten und in de vermutlich alle von uns DED-Leuten schon mal waren, da es nicht weit vom Landesbüro und dem Guesthouse entfernt ist. So wird so etwas plötzlich ziemlich greifbar… Gott sei Dank ist niemandem von uns etwas passiert, aber es gab in diesem Restaurant und in einem Rugbyclub über 80 Tote, Menschen die sich dort versammelt hatten um das Endspiel zu sehen… Die somalische Terrorgruppe al Shabaab hat sich danach zu den Attentaten bekannt, vielleicht habt ihr davon auch in den Nachrichten erfahren.

Für uns ging es dann am Montag mit einem Ausflug in den Semliki Nationalpark auf der anderen Seite der Ruwenzoris weiter. Wir sind mit dem Matatu hingefahren, um die Ausläufer der Ruwenzoris herum und schließlich auf der anderen Seite, wo man schon ins Kongobecken gucken kann, herunter. Im Nationalpark haben wir eine kleine Tour durch den Regenwald und zu den heißen Quellen gemacht, das ganze bei schwüler Hitze, der Nationalpark liegt nämlich ein gutes Stück tiefer als Fort Portal auf der anderen Seite der Berge, dort herrscht ein ganz anderes Klima. Nachdem wir etwas an der Straße gewartet hatten, ist dann ein Auto vorbeigekommen, das uns mit zurück nach Fort Portal genommen hat.

Dienstag (13.07.) war dann eher Schonprogramm angesagt, Mama hatte sich nämlich blöderweise im Flugzeug eine Erkältung eingefangen und war etwas angeschlagen. Während meine Eltern ein bisschen in Fort Portal rumgelaufen sind, hab ich Wäsche gewaschen, später haben wir uns am Pool vom Mountains of the Moon Hotel getroffen und mit David einen Cappuccino getrunken. Nachmittags sind wir dann zu TBG und nachdem Mama und Papa meinen Arbeitsplatz gesehen hatten, waren wir abends noch zusammen Pizza essen.

Am Mittwoch ging es dann wieder auf die Piste, nämlich mit dem Bus nach Kampala. Als wir dort angekommen waren, haben wir den Nachmittag im DED-Guesthouse verbracht, abends sind wir mit dem Boda quer durch die Stadt zum Ndere Centre, wo wir die Aufführung der Ndere Gruppe mit traditioneller ugandischer Musik, Tanz und Gesang angeschaut haben.

Ab Donnerstag hatten wir dann einen Mietwagen mit dem Fahrer Ismail, der sich noch als überaus hilfreich und kundig erweisen sollte. Nachdem wir im Supermarkt noch ein wenig Proviant eingekauft hatten (wobei unser Auto und das Gepäck wegen der Bombenattentate durchsucht wurden, bevor wir auf den Parkplatz durften), sind wir dann in Richtung Norden gefahren, zum Murchison Falls Nationalpark. Nach einem kurzen Stop in Masindi haben wir die asphaltierte Straße verlassen und sind auf unbefestigten Dirtroads weitergefahren. Dort hatte das Auto dann auch gleich einen Platten, so dass ein Reifen gewechselt werden musste. Dann ging es aber bald rein in den Nationalpark. Zunächst sind wir durch den Budongo Forest gefahren, wo wir schon Paviane, Warzenschweine und Hornschnäbel gesehen haben, später dann auch verschiedene Bockarten und Büffel. Bevor wir zu unserer Unterkunft gefahren sind, ging es noch zu den Murchison Falls, den für den Nationalpark namengebenden Nilwasserfällen. Beeindruckend, gewaltige Wassermengen die durch eine enge Schlucht in die Tiefe stürzen. Gegen Abend haben wir im Red Chilli Camp eine Hütte mit Extramatratze auf dem Boden bezogen (das Camp war komplett ausgebucht) und gegessen.

Am nächsten Morgen sollte es dann losgehen mit der Safari. Dazu haben wir um sieben Uhr mit einer kleinen Fähre den Nil überquert, wir waren nämlich auf der Südseite, die meisten Tiere aber gibt es im Norden. Kaum waren wir drüben, ist ein Pavian in unser Auto gesprungen und hat uns das Frühstück, nämlich einen Bund Bananen geklaut! Das war aber beim Anblick allerlei Tiere bald vergessen. Nach Kaffernbüffeln, Uganda Cobs, Oribis, Wasserböcken, Kuhantilopen, Warzenschweinen und diversen Vogelarten haben wir bald die ersten Rothschild-Giraffen gesichtet. Meine neuen Lieblingstiere, stehen mit langen Hälsen in der Landschaft rum und sehen so unpraktisch und komisch aus, dass man meinen könnte, sie haben die Evolution nur versehentlich überstanden. Kurz darauf kam dann ein echtes Highlight: Wir haben nämlich einen Leoparden gesehen, der entspannt auf einem Baum saß und die Umgebung beobachtet hat! Dann sogar noch einen zweiten, den allerdings nur kurz. Nach einer kurzen Pause am Nildelta (der Nil fließt dort in den Albert-See) dafür dann tatsächlich zwei Löwen! Ein verletztes Männchen und ein Weibchen mit frisch erlegter Beute, irgendeinem Bock. Und ein paar Elefanten. Mittags sind wir mit der Fähre zurück auf die andere Seite. Später haben wir noch einen Bootstrip auf den Nil stromaufwärts zu den Murchison Falls gemacht, wobei wir Nilpferde, Elefanten, Büffel, Nilkrokodile (unter anderem ein Baby und ein riesiges uraltes, so dicht am Boot, dass ich Angst hatte, es würde raufklettern und uns alle auffressen ^^), eine Python, Eisvögel, Seeadler, Reiher und Störche gesehen haben.

Am nächsten Tag, Samstag, sind wir dann wieder aus dem Nationalpark rausgefahren. Haben dabei aber noch mal den Nil überquert und sind noch ein wenig durch den Nordteil gefahren, wobei wir noch ein paar Tiere gesehen und die weite Savannenlandschaft bewundert haben. Nachdem wir den Park verlassen hatten, sind wir an ehemaligen Flüchtlingscamps vorbeigefahren, die für Flüchtlinge des Bürgerkriegs im Norden errichtet wurden. In Norduganda ist es schließlich noch nicht allzu lange friedlich. Landschaftlich unterscheidet es sich auch ziemlich vom Süden, es ist wesentlich flacher und weniger fruchtbar. Nachdem wir noch einmal den Nil mit ein paar Stromschnellen überquert hatten, sind wir dann zurück nach Kampala, wo wir abends angekommen und diesmal beim Libanesen essen gegangen sind.

Am Sonntag (18.07.) ging es dann aber gleich mit dem Auto weiter, diesmal gen Osten. Bis nach Mbale haben wir dabei noch Anja, eine andere weltwärts-Freiwillige, mitgenommen. Nach Mbale wurde die Landschaft dann immer schöner, dort bilden Berge die Grenze zu Kenia. In diese Berge sind wir dann schließlich auch hochgefahren, mit tollen Ausblicken in die weiten Ebenen Ugandas. Mittags sind wir an den Sipi Falls angekommen, wo wir eine Coffeetour machen wollten, da in dieser Region um den Mount Elgon herum viel Kaffee der Sorte Arabica angebaut wird. Dafür ging es zu Fuß querfeldein über die Berge, an Matooke-Stauden, Mais und allerlei Kaffeebäumchen vorbei zu einem alten Coffee Farmer, der uns Kaffeepflanzen und -setzlinge gezeigt und den Wachstums- und Verarbeitungsprozess erklärt hat. Wir durften auch jeder ein kleines Kaffeepflänzchen pflanzen und nach uns benennen. Zurück am Ausgangspunkt unserer Tour, einer Lodge, haben wir noch beim Rösten und Stampfen des Kaffees zugeschaut, den wir dann frisch aufgebrüht trinken konnten. Nachdem wir gegen Abend unsere Unterkunft bezogen hatten, sind wir noch mit einem Guide zu den Hauptwasserfällen der Sipi Falls gekraxelt. Dabei ging es auf einem teilweise ziemlich schmalen und steilen Pfad durch Bananenplantagen, Maisanpflanzungen, an allerlei anderen Pflanzen und wasserschleppenden Kindern vorbei zu den Fällen, die schon recht beeindruckend waren. Auf dem Rückweg haben wir dann noch einen wunderschönen Sonnenuntergang bei spektakulärem Ausblick erlebt.

Am Montagmorgen ging es dann zurück in Richtung Kampala. Dabei haben wir aber noch einen Stop in Mbale gemacht, wo wir auf dem ziemlich großen Markt waren und einen in Jinja. Da sind wir erst ein bisschen in der Stadt rumgelaufen, haben nach Crafts geguckt und waren in einem Café und sind dann zur Nilquelle gefahren, dem Punkt wo der Nil aus dem Victoriasee austritt und außerdem noch einen geringen Teil seines Wassers aus einer unterirdischen Quelle bezieht. Am frühen Abend sind wir in Kampala richtig schön ins Verkehrschaos der Rush Hour reingekommen, sind aber letztendlich am Guesthouse angekommen und haben uns von Ismail, unserem Fahrer für fünf Tage, verabschiedet. Im Guesthouse war dann noch Kochen angesagt, wobei ich letztendlich die halbe Belegschaft mit Süßkartoffeln und Gemüse versorgt hab, da noch ein paar andere Freiwillige mit Zutaten und dem Wunsch mitzuessen angekommen sind ^^

Dienstag haben wir erst mal ein bisschen im Guesthouse entspannt, mittags sind wir dann in die Innenstadt von Kampala gefahren, sind dort ein bisschen rumgelaufen, waren im Café und sind am Parlament vorbei zum Craft Village hinter dem Nationaltheater, wo wir ein paar Crafts gekauft haben. Sind dann noch ein bisschen im Einkaufszentrum gewesen und haben Indisch zu Abend gegessen, bevor wir zum Nationaltheater sind, wo es gute Livemusik einer gemischten afrikanischen Truppe gab.

Am Mittwoch (21.07.) haben Mama, Papa und ich uns dann vorübergehend getrennt. Die beiden sind nach Entebbe (und am nächsten Tag zum Lake Bunyonyi) gefahren, ich hab erst noch ein bisschen im Guesthouse rumgegammelt und bin dann zu den „Graceland Gardens“ gefahren, wo die nächsten zwei Tage unser Abschlussseminar stattfinden sollte. Ein recht neues Hotel und teilweise geradezu luxuriös – in dem Zimmer, das ich mir mit Ulli geteilt hab, hatte ich ein verdammt breites Bett mit mehreren Kissen und einer richtigen Daunendecke! :D

Das Seminar war alles in allem ganz gut. Es war schön, noch einmal alle anderen Freiwilligen wiederzusehen, diesmal waren nämlich alle 21 von uns zusammen auf dem Seminar. Wir haben unser Jahr hier in Uganda reflektiert und evaluiert, uns mit der bevorstehenden Rückkehr nach Deutschland beschäftigt, in Gruppen Präsentationen zu Themen wie Globalisierung und Entwicklungszusammenarbeit gemacht und eine Fragerunde mit Vertretern der deutschen Entwicklungszusammenarbeit in Uganda gehabt. Es gab mal wieder fünf Mahlzeiten am Tag, bei denen uns ein dauerhungriges Kätzchen (von Lucas und mir „Hannelore“ getauft) um die Beine gestrichen ist und wir haben ständig Sirenen von vorbeifahrenden Polizeiwagen gehört – das Hotel lag nämlich an der Straße die zum Tagungsort des Gipfels der Afrikanischen Union geführt hat, der dieses Jahr mit starkem Sicherheitsaufgebot hier in Uganda stattgefunden hat. Am letzten Abend gab es noch einen Sundowner bei einem Hotel mit tollem Blick auf die Stadt und den Victoriasee.

Am Samstag (24.07.) hat für mich dann um vier Uhr morgens der Wecker geklingelt, während der Muezzin in der nahen Moschee schon zum Gebet gerufen hat, hab ich mich fertig gemacht und bin mit Solveigh in die Stadt, von wo aus wir den ersten Bus nach Kabale genommen haben. Bei der gut achtstündigen Busfahrt hab ich größtenteils gedöst, in Kabale hab ich noch ein bisschen was besorgt und bin dann an den Lake Bunyonyi gefahren, wo ich Mama und Papa wiedergetroffen hab.

Die nächsten zwei Tage am Lake (Sonntag und Montag) waren dann relativ entspannt und teilweise ein bisschen kalt, der See liegt nämlich recht hoch. Da waren teilweise schon zwei Jacken übereinander und Wollsocken angesagt… hab schon fast wieder vergessen, was es heißt zu frieren! Wobei das tägliche Schwimmen gehen trotzdem sein musste ;) Am Sonntag sind wir mit dem Einbaumkanu durch die Gegend gefahren, wobei wir froh waren, wenn wir es hinbekommen haben, mal einigermaßen geradeaus vorwärts zu kommen, es ist nämlich echt gar nicht so einfach, einen Einbaum zu lenken! Am Montag sind wir erst zum kleinen Markt am Seeufer gegangen, wo die Waren teilweise übers Wasser per Boot angeliefert und abtransportiert werden, dann sind wir – begleitet von ein paar neugierigen Kindern – den Berg hochgeklettert und haben von oben den Blick auf den Lake mit all den kleinen Inselchen und die ihn umgebenden terrassierten Hügel genossen. Abends haben wir (wie auch schon die beiden Tage vorher) noch einmal Crayfish gegessen, kleine Krebschen aus dem See.

Am Dienstag sollte es zurück nach Fort Portal gehen. Morgens sind wir mit dem Taxi vom Lake nach Kabale und von da aus (nach einem kleinen Konflikt mit Leuten von einem Busunternehmen, die uns ein bisschen verarscht haben, was die Abfahrtszeit des Busses anging… ) mit dem Matatu nach Mbarara. Da sind wir ins nächste Matatu umgestiegen, das uns nach Kasese gebracht hat. Wobei der Teil der Strecke wieder besonders schön war, durch Hügel mit Teeplantagen, über Berge und durch den Queen Elizabeth Nationalpark. In Kasese sind wir ein letztes Mal umgestiegen und haben kurz vor Fort Portal die Sonne hinter den Ruwenzoris untergehen sehen. Ich hatte dann noch das Vergnügen, in einem vollgestopften Matatu Durchfall zu bekommen, darauf möchte ich jetzt aber mal nicht weiter eingehen ;)

Am Mittwoch (28.07.) hat es in Fort Portal vormittags erst mal ziemlich geregnet, nachmittags ist es aber trocken gewesen, so dass wir mit dem Boda zum Lake Kyaninga fahren konnten, dem wunderschönen Craterlake mit der Lodge im Aufbau.

Am Donnerstag stand schließlich ein letzter größerer Ausflug auf dem Programm. Gute 35 km südlich von Fort Portal haben wir in den Bigodi Wetlands, einer recht sumpfigen Gegend, eine kleine Wanderung im üppigen Grün unternommen, dabei verschiedene Vögel und Affen sowie Tabak-, Kaffee- und Kakaopflanzen gesehen. Nachmittags haben wir dann ein Schimpansentracking im Kibale Nationalpark gemacht. Ganze dreieinhalb Stunden und geschätzte 10 km sind wir durch den Regenwald gerannt, bergauf und bergab, ohne Schimpansen zu Gesicht zu bekommen. Irgendwann hat dabei eine Herde Waldelefanten unseren Weg gekreuzt und wir mussten warten, bis sie verschwunden waren, da sie teilweise recht gefährlich sein können. Letztlich haben wir dann aber doch noch Schimpansen aufgetrieben, wenn sie auch weit oben in den Bäumen waren. Abends sind wir zurück nach Fort Portal und noch einmal schön zusammen Essen gegangen.

Am Freitagmorgen habe ich Mama und Papa dann zum Bus gebracht, mit dem sie nach Kampala und von da aus nach Entebbe zum Flughafen gefahren sind. Alles in allem hatte ich echt eine gute Zeit mit den beiden und bin froh, dass sie mich hier in Uganda besucht haben. Ich befürchte ohnehin schon, dass ich den meisten Leuten nicht wirklich begreiflich machen kann, was ich hier erlebt habe oder wie es hier ist. So können zumindest meine Eltern ein bisschen besser nachvollziehen, was ich so erzähle. Wobei ihre Version des Urlaubs hier wohl noch ein bisschen anders klingen wird als meine, schließlich waren für sie viel mehr neue Erfahrungen und Eindrücke damit verbunden.

Durch das viele Rumgereise in Uganda (sorry, dass hier keine Karte dabei ist ^^) ist mir auch mal wieder bewusst geworden, was für ein wahnsinnig schönes Land das größtenteils doch ist. Im Alltag vergisst man das ein bisschen. Eben deshalb hab ich auch noch mal ein paar Fotos hochgeladen, unter www.mydrive.ch. Einloggen könnt ihr euch mit dem Benutzernamen „Gast@HannahKBanana und dem Passwort „uganda“.

Nun muss ich mich wohl nach drei ausgefüllten Wochen on the road wieder auf den Alltag einstellen… allerdings nicht mehr für lange, mir bleiben inzwischen nur noch sechs Wochen hier! Und vermutlich wird diese Zeit auch noch schnell vergehen.

Ich werde mich aber auf jeden Fall noch mal melden :)

05.07.2010 um 14:23 Uhr

Crash and dust

Jetzt hab ich’s also geschafft. Jeden Tag fahr ich mit dem Fahrrad ca. 4 bis 5 km ans andere Ende der Stadt zur Arbeit, Hügel rauf und runter – bis jetzt ist dabei nie etwas passiert. Aber das konnte ja nicht immer so bleiben. Vor knapp zwei Wochen bin ich also gerade einen der besagten Hügel runtergefahren, als ein Auto aus irgendeinem Grund so dicht an mir vorbeigefahren ist, dass es mich richtig schön mitgenommen hat, ich irgendwie vom Fahrrad geflogen und noch ein Stück weit den Berg runtergeschlittert bin. Den Autofahrer hat das recht wenig gekümmert, der ist einfach weitergefahren. Ich bin allerdings mit einem Haufen höllisch brennender und verdreckter Schürfwunden an Schienbeinen, Knien, Ellbogen, Händen und der Hüfte zur überraschten Ulli ins Labor im Virika Hospital, wo ich die Wunden ein bisschen selbst gereinigt und desinfiziert hab, bevor sich eine Krankenschwester darum gekümmert hat. Wobei ich noch ein recht spezielles Erlebnis hatte: Als ich im Behandlungsraum auf der Liege lag, hat mich von der Deckenlampe eine Fledermaus unverwandt angestarrt, so etwas hab ich bis jetzt in einem Krankenhaus auch noch nicht erlebt. Allerdings schien sie nicht unbedingt aufs Blutsaugen aus gewesen zu sein ;)

Inzwischen ist zum Glück alles größtenteils verheilt, hatte schon noch Glück im Unglück. Auch mein Fahrrad ist einigermaßen heil geblieben. Der Autofahrer, der mich vom Rad geholt hat, ist aber leider nicht der einzige seiner Art hier in Uganda. Aus teilweise echt schrottigen Autos wird noch so viel Geschwindigkeit rausgeholt, wie irgendwie möglich, riskante Überholmanöver sind an der Tagesordnung und eigentlich fährt jeder nur so, dass er möglichst schnell an sein Ziel kommt. Die Zahl der Verkehrsunfälle ist hoch, oft auch die der Todesopfer.

Ziemlich krass ist das auch auf der Kinyamasika Road, der Straße, an der unser Haus liegt. Das ist eine schmale unbefestigte Straße die von der Hauptstraße abgeht und Autos und LKWs brettern da oft mit einer absolut wahnsinnigen Geschwindigkeit durch. Als Fußgänger oder Radfahrer bleibt einem gar nichts anderes übrig, als sich in Sicherheit zu bringen, Rücksicht wird nicht genommen. Im Moment ist das noch besonders schlimm, da Trockenzeit ist und mit jedem schnell fahrenden Fahrzeug auch eine riesige Staubwolke die Straße entlang kommt. Nachdem mir neulich fünf Laster und dementsprechend viel Staub entgegengekommen sind, hab ich mich gefragt, warum ich vorher eigentlich geduscht hab. Wenn der Regen länger ausbleibt, riecht sogar die ganze Stadt nach Staub und man kann verdammt froh sein, wenn grad Wasser aus der Leitung kommt und man sich wenigstens vernünftig waschen kann.

 

Ansonsten gucke ich immer noch viel Fußball und freu mich über die deutsche Mannschaft, finde es aber schade, dass Ghana als letztes verbleibendes afrikanisches Team am Freitag ausgeschieden ist. So eine krasse Stimmung wie bei dem Spiel Ghana – Uruguay hab ich hier auch noch nie erlebt, die Leute haben geschrieen und gejubelt, sind immer wieder aufgesprungen und waren nach dem Elfmeterschießen verständlicherweise ziemlich geknickt. Ich hab selten eine Bar so schnell leer werden sehen.

Die Arbeit hat mir in letzter Zeit eigentlich echt mal wieder Spaß gemacht. Wenn ich nicht grad mit den ugandischen Kollegen – die inzwischen fast alle für Deutschland sind - über Fußball gefachsimpelt habe (hab mich inzwischen an die hiesige Aussprache deutscher Spielernamen gewöhnt ^^), hatte ich nämlich meistens etwas zu tun. Teilweise mit Hilfe von George habe ich neue Schilder erstellt, die im Botanischen Garten zur Erkennung der Pflanzen aufgestellt werden sollen. Also habe ich erst diverse Baum-, Kräuter- und Blumennamen mit Informationen zur medizinischen Wirkung (wenn vorhanden) getippt, die kleinen Schilder dann gedruckt, ausgeschnitten und einlaminiert, morgen werde ich sie wohl mit George im Garten verteilen.

 

Ab Freitag ist es dann aber erst mal vorbei mit Alltag und Arbeit – da hole ich Mama und Papa nämlich in Entebbe vom Flughafen ab und werde in den drei Wochen, die sie hier sind, ein bisschen mit ihnen in Uganda rumreisen. Zwischendurch ist auch noch das Abschlussseminar vom DED in Kampala. Also wird es wohl etwas dauern, bis ich wieder von mir hören lasse. Bis dahin geht mir nicht ein im sommerlichen Deutschland ;)

 

PS: Eigentlich wollte ich hier mal wieder ein paar Bilder einfügen, hat aber mal wieder nicht geklappt. Das nächste Mal sollte es aber wieder ein paar bei myDrive geben :)

 

20.06.2010 um 11:06 Uhr

Fußballfieber

Auch hier greift es um sich! Und hat seit dem Eröffnungsspiel der WM am 11. Juni in Johannesburg selbst mich fest im Griff. Ich habe bis jetzt durchschnittlich jeden Tag mindestens ein Spiel geguckt und im Grunde genommen schon jetzt 5000 Shilling bei einem Tippspiel verloren ;)

Aber Fußball gucken in Uganda ist schon mal was anderes als in Deutschland, schon alleine deshalb, weil man keinen Fernseher zu Hause rumstehen hat, sondern immer raus in irgendeine Bar muss, wenn man ein Spiel sehen möchte.

Das Eröffnungsspiel habe ich mit Ulli zusammen in Kampala in einem äthiopischen Restaurant geguckt – mit Stromausfall und schwarzem Bildschirm während der Nationalhymnen, zum Glück war nach recht kurzer Zeit der Generator am Laufen. Das Spiel der USA gegen England haben wir ebenfalls in Kampala in einem Pub geguckt, wo in etwa die eine Hälfte der Anwesenden Amerikaner und die andere Hälfte Engländer waren, war schon ganz lustig. Ansonsten war ich halt hier in Fort Portal, entweder in der Bar eines Dänen, der einen Beamer hat, oder bei Pier in der Pizzeria. Und hier kann man sich wirklich nicht über mangelnde Stimmung beklagen, die Ugander gehen teilweise sehr laut und emotional mit, auch wenn sie gar nicht ihr eigenes Team anfeuern können! Weshalb sie sich dann überlegen, für wen sie bei dieser WM sind. Die meisten unterstützen entweder afrikanische Teams oder einen der Favoriten. Wobei man da auch noch seine Meinung ändern kann – am schönsten ist es schließlich, auf der Seite des Gewinners zu stehen ;)

Die ugandische Nationalmannschaft hat es leider nicht so drauf, ihr größter Erfolg war 1978 der zweite Platz bei der Afrikameisterschaft, was momentan wohl absolut illusorisch wäre. Angeblich soll man sich hier, in einem der korruptesten Länder der Welt, in die Nationalmannschaft einkaufen können, was durchaus so einiges erklären würde. Genug Talente gibt es wohl schon in Uganda und die Begeisterung für Fußball ist groß. Allein in der Nähe von unserem Haus gibt es drei Fußballplätze, auf denen ich auch oft Leute spielen sehe. Einige von ihnen in Trikots von Arsenal, Chelsea oder Manchester, die Premier League wird hier nämlich im Fernsehen übertragen und von vielen aufmerksam verfolgt, wobei man normalerweise auch für einen der großen Clubs ist.

Jetzt während der WM laufen die Spiele auch immer im Radio und da sich die meisten Menschen kaum einen Fernseher leisten können, ist das eine gängige Alternative. Als ich letzten Samstag auf dem Owino Market, dem größten Kleidermarkt in Kampala war, gingen um halb drei auf einmal überall die Radios an und aus allen Ecken konnte man das Spiel Südkorea vs. Griechenland hören. Auf der Rückfahrt von Kampala mit dem Bus lief Algerien vs. Slovenien, ich hab dann versucht anhand der paar Worte die ich verstanden hab (die Übertragung war auf Luganda, so wie die meisten Fußballspiele in der Regionalsprache kommentiert werden) und dem Erregungsgrad des Sprechers auf den Spielstand zu schließen.

Aber auch sonst mache ich hier einige neue Erfahrungen, mal ganz davon abgesehen, dass ich ordentlich Fußballvokabeln auf Englisch lerne ;) Zum Beispiel die deutsche Nationalmannschaft mal nicht von Deutschland aus zu supporten, wo das dann eigentlich alle tun, sondern in Afrika, umgeben von Menschen anderer Nationalität. Wobei mir das eigentlich noch mehr Spaß macht. Wo sonst wird man von allen Seiten beglückwünscht, wenn die Nationalmannschaft 4:0 gewinnt? Hab sogar eine Sms von einem Arbeitskollegen bekommen: „CONGRATULATIONS!!!“ Wobei der auch von Anfang an für Deutschland war ;) Leider hab ich dann nach dem letzten Spiel öfter ein „I’m so sorry!“ gehört… Also heißt es Daumen drücken für Mittwoch! Wobei das spaßig werden kann, hier unter den Ugandern für Deutschland und gegen Ghana (also eine afrikanische Mannschaft die immerhin noch Chancen hat weiterzukommen) zu sein ^^ Meine Nerven wird es ohnehin ruinieren. Die waren schon am Freitag kräftig beansprucht. Trotzdem: Wir packen das schon! Und werden am besten sowieso einfach mal Weltmeister ;D