the eyes of the toys they are moving
it's here that everything never lived is alive
Ich mache mich auf den Weg. Es ist kein weiter Weg, zumindest ist die
Distanz nicht sehr groß. Die Takelage ist aufgetakelt, der Anker
gelichtet, die Galleonsfigur flirtet oben ohne mit dem Spriet, Fogg und
Rah kühlen den Tee, ich sitze am Bug und blicke über die See zurück zum
Hafen. Der letzte Grog liegt lange zurück. Es ist nicht weit zu ihr,
nur einige schwankende Schritte unter Deck. Sie liegt dort in der
großen Heck-Kajüte mit den Fenstern hinaus aufs Kielwasser. Sie zählt
die Käfer, die sie gesammelt hat, in Gläser sortiert und getrocknet.
Nebenan auf dem Regal die Apparaturen aus Glas, Formaldehyd und Äther,
brennbar und konservierend wie die Natur.
Ihre dunklen Locken fallen über ihre kaffeefarbenen Schultern. Sie
steht auf und blickt zurück zum fernen Hafen, bedeckt ihren Körper
unwillkürlich mit der groben Decke aus der alten Truhe. Die Blicke
liegen weit hinter uns zurück, aber ihre Gegenwart scheint noch immer
auf uns zu lasten. Sie streicht mit zwei Fingern über den alten,
zerbrochenen Sextant. Früher haben wir ihn gebraucht um den Weg
zueinander zu finden, heute brauchen wir ihn nicht mehr. Uns verbinden
die Gene, der selbe Zweig der Weltenesche, aus dem auch der Rumpf
unseres Schiffs ist.
Ich lasse den faserigen Strick durch meine Finger gleiten, schenke dem
Mast einen Palstek und falle auf alle viere, ziehe mich langsam,
zögerlich über die Planken, schmecke den Harz, spüre das Salz auf
meiner Haut, atme die Gischt. Schiffe waren immer wichtig, sie
verbinden die Äste des Baumes, wie Brücken, nur ohne Dogma. Ich rolle
mich zur Seite und richte mich auf. Die Sonne sinkt an Steuerbord, ich
werfe einen Blick gen Heck.
Sie taucht ein Bein in das Glas mit Harz, steckt es an den Körper des
Käfers und sieht nur flüchtig auf, als ich herein komme. Die Planken
ächzen, der Rumpf grollt, nur ihre Finger scheinen ohne Zittern. Ich
schließe die Kabinentür und setze mich an meine Karten. Die
Unendlichkeit der Welt zerstört mein Kartenformat, ich forme den
Globus, bilde die Äste, spalte die Welt in Trauer und Langeweile.
Später zwinkert in der Ecke auf dem Schrank die alte Holzpuppe mit
ihren Lidern über leeren Augenhöhlen. Ihre Schwester aus Porzellan,
deren Schädel mehrfach gebrochen ist, verzieht spöttisch das Gesicht.
Ich wende meinen Blick ab und weiß um die Grimassen in meinem Rücken.
Irgendwann werden sie auf dem Grund liegen, durchtränkt von
Formaldehyd, der Äther strömt durch ihre Augenhöhlen. Es ist noch eine
lange Reise, Verbundenheit, Hass und Sorglosigkeit werden das Schiff
steuern, und alles was ich tun muss, ist den Strömungen zu folgen.
Xylo