HeadSpeakerBox

31.08.2006 um 22:02 Uhr

Succubus

von: sjAlfur   Kategorie: sjAUDIO

Zu aller erst eine Entschuldigung an alle, die hier kommentieren und auf die ich momentan nicht antworte. Ich bin momentan gerademal dazu in der Lage hin und wieder überhaupt etwas zu schreiben, Kommentare folgen dann... irgendwann...

Davon abgesehen sind wir heute auf der Suche nach einer Band für unsere Abschlussproduktion fündig geworden. Eigentlich haben wir jetzt bereits zwei Bands, aber die erste kommt von weiter weg und war daher nicht kurzfristig in der Lage, mit uns die Vorproduktion zu machen. Die Band, mit der wir uns heute getroffen haben, hatte ich einfach aus der Kontaktliste der Bands rausgesucht, die sich für eine Aufnahme an der SAE eingetragen haben. Es musste schnell gehen, und daher habe ich ehrlich gesagt die erstbeste genommen, die mir musiktechnisch einigermaßen entgegenkam.

Was ich dann aber heute im Proberaum von denen gehört habe (ein verspätetes Treffen schnell eingeschoben, Flexibilität bei ausgefülltem Zeitplan bewiesen, ein weiterer Schritt in den Alltag des gemeinen Toningenieurs...), war aber mehr als nur "okay, nehmen wir halt auf, ne?". Ich habe mich vorher immer beschwert, dass es kaum Bands in der Liste gibt, die interessante Musik machen, die irgendwie zumindest etwas meinem Geschmack entspricht. Meistens billigstes Metalgeholze, Nullachtfuffzehn-Schulband-Indie oder halt HipHop. Aber wie der Zufall es so will, war diese Band - zuimindest auf den ersten Blick bisher - ein Volltreffer. Ich hoffe jetzt auch, dass ich die jetzt gut produziere, nicht nur wegen meiner Abschlussnote, sondern auch, weil ich bei der Musik gerne ein Endergebnis präsentieren würde, was ich mir nachher auch selber in den CD-Player schmeißen würde...

Wäre ganz cool, denke ich...


sjÁlfur

29.08.2006 um 02:35 Uhr

and me, oh lord, i'm one

von: sjAlfur   Kategorie: sjAUDIO   Stichwörter: tangerine, dream

Jeder kennt vermutlich "House of the risign sun". Nicht jeder kennt vermutlich Tangerine Dream. Wer sie kennt wird sich entweder fragen, was die mit einem Lied wie "House of the rising sun" zu tun haben können, oder aber wird sich fragen, wie sie das Lied wohl umgesetzt haben.

So.

Sehr schön, so zur Nacht. Aber ich suche noch immer nach Ricochet II!!!


sjÁlfur

28.08.2006 um 01:35 Uhr

this is my truth, tell me yours

von: sjAlfur   Kategorie: sjálfur - selbst   Stichwörter: Fußball, damals

Liest jemand "kicker"? Nein? Gut, ich auch nicht. Fußball gucken, okay. Aber darüber lesen? Nö.  ABER: Es gibt zu jedem Saisonstart das Sonderheft mit der Stecktabelle, in die man die Papp-Vereinswappen je nach Platzierung steckt. Es war die Saison 1989/90, und mein Vater brachte mir und meinem Bruder dieses Heft mit. Damals, als noch so tolle Teams wie SG Wattenscheid 09 oder FC Homburg (beide sind irgendwo unterhalb der Regionalligen verschwunden) in der ersten Liga waren... die nächsten Saisons hatten wir dann ebenfalls diese Hefte, und wir saßen irgendwann Samstag abends vor der Sportschau und warteten darauf, dass endlich die Spiele vorbei waren und das eigentlich spannende kam: Die eingeblendete Tabelle! Sofort begannen wir in Rekordzeit kleine Papp-Wappen in die Tabelle zu stecken. Dummerweise wurde die Tabelle generell zu kurz eingeblendet um für das Stecken von 18 Vereinen auszureichen. Irgendwann sind wir auf die Idee gekommen, zu zweit erst eine Tabelle zu stecken, dann erst die andere...

Diese Saison habe ich nach Ewigkeiten mal wieder die aktuelle Stecktabelle, die mittlerweile auch die Regionalligen umfasst. Drei Spieltage sind um und meine Tabelle ist, dank Internet, noch immer aktuell. Aber irgendwann werde ich wohl wieder in den alten Habitus verfallen und die Wappen so stecken, wie es mir gefällt... und dann wird der FC Bayern München zum mindestens siebten oder achten Mal in meinem kleinen Kosmos in die Zweite Liga absteigen. Und da es jetzt auch Regionalliga gibt... muahahaha!

sjÁlfur 

27.08.2006 um 04:55 Uhr

OMFEN!

von: sjAlfur   Kategorie: sjAE   Stichwörter: SAE, PostPro, Tontechnik

Am Freitag hatten wir eine Unterrichtseinheit PostProduction. Es ging konkret um dei Tonbearbeitung von Filmen. Der Dozent ist der Norm. Der arbeitet selber in so einem Studio (hat z.B. die Foleys für Lola rennt aufgenommen) und berichtet daher auch anschaulich aus seiner Berufserfahrung. Und mal abgesehen davon, dass der an sich schon unterhaltsam ist und bisweilen durch gekonnte Situationskomik glänzt, hat eine Szene aus diesem Unterricht noch mehr als sonst eingeschlagen.

Sie mussten in ihrem Studio einen Film vertonen, bei dem die Protagonisten Hunde waren. So richtige gefilmte Hunde. Der O-Ton vom Set war Mist, ist mit Hunden auch nicht unbedingt so einfach. Also musste es nach-synchronisiert werden... mit Hunden? Nein, nicht mit Hunden, denn wozu gibt es Foleys? Die machen ja allerlei Geräusche, warum nicht auch Hunde. Ja, und so haben zwei Männer, ein kleinerer jüngerer udn ein älterer größerer in dem Studio gesessen und für einen 50-minütigen Film Hundegeräusche nachgemacht. Hecheln, Schnüffeln, Trappeln, Schnauben...die ganze Palette halt. Und er hat es im Unterricht auch vor gemacht.

Ihr tut mir leid, dass ihr das nicht erlebt habt! Ein Dozent, der vorne schnüffelnd und hechelnd und gesichtverziehend hinter seinen Tisch auf und ab tapert, der ist... naja... sehenswert. Sehr sogar.

Das wollte ich nur mal gesagt haben.

Desweiteren ging es um Sessiondatentransfer vom Avid ins ProTools. Also vom Bildschnitt zum Tonschnitt. Das geht i.d.R. via OMF (Open Media Files). Und wie der Techniker so ist, spricht man Abkürzungen auch gerne mal als Worte aus. Wenn man den Transfer macht, wird also "geomft".

"Omfen klingt wie schlumpfen" meinte der Norm. Stimmt. Preisfrage: Für was ist dann bitte "Schlumpfen" die Abkürzung? 

 

sjÁlfur

27.08.2006 um 04:14 Uhr

SCHLUMPFEN!

von: sjAlfur   Kategorie: sjálfur - selbst   Stichwörter: fragebogen

geklaut hier . dank der hier .

Was wäre ich, wäre ich...

ein Monat: Dezember
ein Wochentag: Samstag
eine Tageszeit: Morgen
ein Planet: Saturn
ein Meerestier: Sushi
eine Richtung: Nord!
ein Möbelstück: Gitarre
eine Sünde: ist Chaos eine Sünde...?
eine historische Figur: Enkidu
eine Flüssigkeit: Cherry Coke
ein Stein: ein summender Stein
ein Baum: Ahorn
ein Vogel: Wanderfalke
ein Werkzeug: ProTools-Selector-Tool
eine Blume: Löwenzahn
ein Wetter: Niederschlag
ein mysthisches Wesen: Schlumpf... nee, im Ernst... hmm... Vedrfölnir
ein Musikinstrument: Gibson Les Paul
ein Tier: ein Panther! das wusste ich schon als Kind!
eine Farbe: blau
ein Gemüse: Hafer (laut wikipedia ist getreide auch gemüse...)
ein Geräusch: irgendwas reverse-tes
ein Element: Luft...oder Wasser? nö, Luft.
ein Auto: Rettungswagen
ein Lied: "Medellia of the Gray Skies"
ein Film: "2046"
ein Buch: "Rollende Steine"
eine Religion: Aberglaube
ein Wort: Ásatrú
ein Körperteil: Hand
ein Gesichtsausdruck: hinter meinem Pulloverärmel versteckt... guck.
ein Schulfach: Politik
eine Cartoonfigur: Calvin

sjÁlfur

18.08.2006 um 11:18 Uhr

brick by brick the site eclipsed

von: sjAlfur

"...and i'll ping back all of my skin
i ping back and let it all run..."

Oder so. Wochenende gerettet. Das erste seit zwei Wochen. Es gab Probleme ... ähm ... thematischer Natur, aber die haben sich (hoffentlich) erledigt. Eine schlechte Woche mit gutem Ausgang. Kein Ballast mehr, vorerst zumindest, eigentlich sollte ich rückwärts in die Wolken fallen und den Regen nutzen, stattdessen bleibt die Anspannung, mittlerweile Gewohnheit, kein Problem für einen Jungen im blauen Ringelpullover und seinen kleinen elegischen Soundtrack. Ich muss dringend wieder Gesangsaufnahmen machen, sie sind doch fast fertig... aber ich kann weder morgens früh noch abends spät hier in der Wohnung singen.

Stattdessen sitze ich am Nachfolger... "Nachfolger" von etwas, was seinen Eintrag in den Geschichtsbüchern noch nicht hat, aber was soll's... Trotzdem sitze ich daran, und ich bin zumindest auf dem Gebiet von mir selbst momentan begeistert, ich mag mein neues Songwriting, zumindest in der Trockenübung, denn was bisher stehen sind komplexe MIDI-Notationen und die Kopfwelt als Instrumentierung.

Die Post-Theatron-Depression ist überwunden, ich wünschte, ich hätte dort noch eine Woche länger arbeiten können, und wieder merke ich, wie sehr ich mich gelegentlich aus meinem  verkopften Scheiß rauswünsche und einfach nur etwas tun will... das hatte ich im Rettungsdienst schonmal...

Aber jetzt ist erstmal meine Schwester zu Besuch, guter Zeitpunkt, ich habe frei und habe Ablenkung und habeetwas zu tun... und geh Sushi essen! Und dann werde ich auf Bandsuche für meine Abschlussproduktionen gehen. Die stehen bald an. Seit dieser Woche sitzen wir nun auch in beiden großen Studios, SSL und ICON, vor allem an ersterer wäre eine Bus-Verbindung von Channel 1 zu Channel 48 eine Überlegung wert (und ja, das ist ein ganz bewusstes Wortspiel... wer keine Ahnung von Pulten hat, liest einfach drüber weg, es ist des Verstehens nicht wert).

Der Gitarrist vom "Commandante" hat geschrieben... gerade als dieser in Armyparka-ähnlicher Jacke vor seinem (Revoluzzer-weil-Mac-noch-ohne-Intelchip-)iBook saß und überlegte, ob sich ein roter Stern nicht gut auf dem Ärmel machen würde. Vom Lindgrenklischee zurück in den Bolivianischen Dschungel innerhalb weniger Blogeinträge...

Ich sitze hier mit meinem blauen Ringelpullover, hellblau und dunkelblau, so einen ähnlichen trug auch Jónsi mal... ihr seht, ich kombiniere. Mehr aus Verlegenheit als aus Konzept.

Achja... weshalb ich hier eigentlich geschrieben habe: ich wollte die Pingbackfunktion testen. Also:

Jo man, ich ping das raus an alle, wo hier Blogs schreiben, die ich lesen tu! Klar?
(Und ja, eigentlich ist das Trackback-Spam, aber ich will doch nur mal testen und so...)

Hier gibt es nichts zu sehen, bitte gehen Sie weiter.

 
sjÁlfur

13.08.2006 um 22:53 Uhr

bending the willow

von: sjAlfur   Kategorie: sjAUDIO   Stichwörter: sometree, theatron

Ha! Ich habe "sometree" live gesehen!

Ich habe "sometree" sogar von hinter der Bühne live gesehen!

Ich habe "sometree" sogar live backstage getroffen!

Außerdem sogar live auf der Bühne, da habe ich die auch getroffen!

Ich habe sogar ihre Instrumente mikrofoniert!

Außerdem ihre neueste CD direkt von ihnen aus ihren Händen erworben!

Und vor allem habe ich für sie meinen ersten Monitor-Mix gemacht!

Und dafür, um mal zum geordneten Fließtext überzugehen, haben sie sich sogar sehr nett bedankt. Die Bands in den letzten drei Tagen waren ja eigentlich alle sehr nett, aber "sometree" noch mehr. Und das bevor ich die CD gekauft habe, nur um mal jedem Zweifel gleich entgegenzutreten. Was ich aber eigentlich sagen wollte, die drei Tage im Theatron waren echt mal eine sinnvolle Art, das Wochenende mit Arbeit zu verbringen. Und auch nach der Absage von "finn." war der Sonntag ein guter Abschluss dafür...

Details und so in Kürze, jetzt muss ich erstmal was essen... und die neue "sometree" hören. Die ich direkt von der Band selbst gekauft habe! So.

Zumindest to01 hat jetzt gefälligst mal 'ne Runde neidisch zu sein...


sjÁlfur

12.08.2006 um 11:44 Uhr

Fusion!

von: sjAlfur   Kategorie: sjAUDIO   Stichwörter: Theatron, Metal, Fusion, live, Festival

Gestern hätte mein Wochenende angefangen. Wenn ich denn eins gehabt hätte. Aber es waren ja bis letzten Sonntag zwei Wochen Sommerferien, da kann man jetzt auch mal wieder ein Wochenende ausfallen lassen. Außerdem hat es sich gelohnt. Von Freitag bis Sonntag arbeite ich jetzt beim Theatron Rocksommer im Olympiapark, das ist so ein kleines Festival auf der Seebühne. Die Seebühne ist nur wenige Zentimeter oberhalb des Wasserspiegels und von den steilen Zuschauerrängen so amphietheatermäßig am Ufer eingeschlossen. Eingedenk des Wassers was momentan zudem noch vom Himmel kommt ist es dort sehr nass.

Gestern gab es (wie jeden Tag) drei Bands. Die erste waren "Lee Harvey & the Oswalds", Metal Fusion, und wie... Es klang so, als wäre eine rumpelige Bigband mit Höchstgeschwindigkeit frontal gegen einen (Speed)Metalzug gefahren. Sehr geil. Solltet ihr die mal live zu Gesicht bekommen können, macht es auf jeden Fall! Selbst wenn man sich die Musik nicht unbedingt ins Wohnzimmer übers schwarze Ledersofa an die Designergardinenstange hängen würde, live kann man das machen. Das geht immer.

Band zwei war die Austauschband für "Lee Harvey & the Oswalds". Beide hatten einen Bandwettbewerb gewonnen und dürfen jeweils als Austausch in der anderen Stadt spielen. Diese Band kam aus Bilbao. Eigentlich denkbar schlecht gelaufen für die, bei dem Wetter ein Open Air Festival auf nassen Steinstufen... aber auch wenn ihre Behauptung, als Spanier würden sie die Sonne schon selbst mitbringen, nicht so ganz zutreffend war, haben die scheinbar permanent gute Laune. Ich habe leider ihren Namen vergessen (kann man auf der Theatron-Seite aber nachschlagen), aber sie machten den Tag schon dadurch interessant, dass sie auf die kleine Bühne mit einem Schlagzeugpodest noch ein zweites stellen wollten. Und damit machten sie dann so eine Mischung aus Dancefloor und Franz Ferdinand. So ganz grob. Dass es bei einem Drumcomputer und zwei Kicks gleichzeitig die Zuhörer nicht rückwärts in die Steinstufen gedrückt hat...

Band drei waren "Black Diamond", auch ganz cool, aber mir persönlich haben die ersten bedien Bands wesentlich besser gefallen. Vor allem "Lee Harvey & the Oswalds". Ich kann es nur nochmal betonen: Merken! Man erkennt sie auch immer an ihrem Sänger, der mich zeitweise sehr an Aereogramme mit wesentlich längeren Haaren (vor allem im Gesicht) erinnerte, und auch von der Stimme zum Teil nicht so weit weg war. Den gesang jagte er durch ein Effektgerät und... naja, deren Texte würde ich gerne mal aufgeschrieben sehen, denn die zeitweiligen Wort(schwall)abfolgen wollten sich mir nicht wirklich erschließen, der Gesang war da wohl mehr Instrument als Gesang.

Achja, auf deren Website gibt es neben einer lesenswerten Biografie auch Hörproben, die sich lohnen könnten.

Heute folgt Theatron Tag 2, E-Beats und Hip Hop... Sonntag kommt dann aber das Line-up, weswegen ich dieses Wochenende eigentlich opfere (neben dem Lerneffekt in Sachen Audiotechnik natürlich...), Emo (Bandname entfallen), "finn." (!!!) und "Sometree" (E-Pop/Postrock).


sjÁlfur

07.08.2006 um 14:21 Uhr

Der Lindgren-Komplex

von: sjAlfur

Es ist einer dieser Tage mal wieder. Selten geworden in den letzten Jahren, sehr selten. Er kommt, er will Regen, das Wetter schlägt um und wir haben Herbst Anfang August. Kein verregneter Herbst, aber irgendwo auf halber Strecke dorthin aus der Sommerlethargie. Der Himmel ist blau mit vereinzelten Wolken, ein steter Wind bläst kühl über die Wiesen und die Sonne krallt sich schon an den Horizont.

Wir sind mal wieder unterwegs, draußen in den Feldern, auf dem guten alten Weg, auf unserem Weg. Wir mussten ein Stück mit dem Auto fahren, das hat er früher nicht gemacht, aber er soll es ja üben. Wundert mich eigentlich, den Führerschein hat er doch lange genug. Doch sobald wir das Auto verlassen haben und über die abschüssige Wiese voll im Wind richtung knorrigem Weidezaun springen, ist das Auto vergessen. Auch die Zeit ist vergessen, das Datum, seine Abreise morgen und die Dinge, die er hätte tun müssen udn nicht getan hat. Stattdessen springen wir über die Wiese.

Na gut, ich springe, er geht ganz normal. Noch.

Wir kommen durch ein kleines Waldstück. Die Zweige hängen tief in den Weg, und an einer Stelle scheinen sie eine Art Tor zu bilden. Er hat mir oft gesagt, dass an dieser Stelle eine neue Welt anfängt. Ich habe das nie ganz verstanden, aber er ist größer und sieht die Dinge von einem anderen Punkt aus. Ich glaube ihm, für mich ist es fast egal.

Der Weg führt nur noch ein Stück am Waldrand entlang, dann geht er zwischen einer Benjeshecke und einem Feld steil bergauf, hoch zu einer kleinen Anhöhe, auf dem der Baum steht. Der Weg ist wild überwuchert, in der tiefen Feldwegspur laufend reichen sogar ihm die Gräser bis an die Hüfte, mir kommt es so vor wie in einem Tunnel.

Während ich hier so hinter ihm her gehe und versuche, nicht die Orientierung im Gräserwald zu verlieren, denke ich darüber nach, warum er heute eine Jacke trägt. Er hat den ganzen Winter über keine getragen, nur seine üblichen Strickpullover, aber jetzt... gut, er hat nur ein T-Shirt drunter und der Wind ist frisch, aber trotzdem. Diese dünne Jacke erinnert doch irgendwie an eine alte Astrid Lindgren-Erzählung. Glaube ich zumindest, von meiner Spezies gibt es nicht besonders viele Literaturwissenschaftler... Jedenfalls ist sein leicht springender Gang hinauf zum Baum der eines Kindes aus den alten schwedischen Büchern. Und die Jacke passt doch irgendwie dazu. Jedenfalls besser als das dredg-Shirt dadrunter...

Am oberen Wegende bleibt er stehen und sie zu dem Baum. Ich zeige mich solidarisch und bleibe neben ihm stehen. Er zeigt mir einen halb abgebrochenen Ast, der schon im letzten Winter so dort hing, und die verwitterten Reste eines Baumhauses. Ich frage mich, was einen Menschen dazu bringt, einen Baum so genau zu beobachten... vielleicht sogar zu kennen.

Aber ich versuche nicht ihn zu verstehen, ich trotte nur verständnisvoll neben ihm her, das findet er toll, und ich kann in Ruhe meinen eigenen Gedanken nachhängen. Ich bin nämlich nicht mehr so jung wie früher. Er auch nicht, aber ich altere schneller, was einerseits traurig ist, denn mit wem soll er im hohen Alter bitte an dem Baum vorbeigehen? Andererseits auch ganz gut so.

Wir staksen durch eine Ackerfurche zu der kleinen Grasinsel, auf der der Baum steht. Man kann von hier zu allen Seiten über die Felder und Wiesen sehen, sogar ich mit meiner Größe kann das. Der Wind bläst hier ungehemmt auf uns ein, er findet das lustig, aber er hat ja auch deutlich weniger Frisur, die kaputt gehen könnte. Außerdem kreisen hier diese verdammten Feldschwalben, ganz schön viele, und nicht eine kann ich schnappen. Eine schreiende Ungerechtigkeit, aber... es geht hier ja nicht um mich...

Es dauert eine ganze Zeit, bis er schließlich fast schüchtern über die Baumrinde streicht und wir wieder zurück zum Weg und weiter gehen. Das Wegstück was folgt, finde ich wesentlich besser. Ich mag Maisfelder, das Rauschen des Windes in den großen Blättern und um die Kolben, das Versteckspiel unter dem Dach aus Pflanzen...

Nur geht er hangabwärts immer etwas zu schnell für meinen Geschmack. Ich hätte mehr Zeit... Ich sehe ihmnach und denke wieder über die Jacke und den Lindgren-Vergleich nach. Eigentlich stellt er ein ganz schönes Klischee dar. Ich glaube er ist gerade genau das, was er sein will. Aber ob er es ist, weil er das Klischee mag, oder dasKlischee mag, weil er es ist, lässt sich für mich nicht sagen. Ich weiß nur: er spricht kein schwedisch und trägt diesesdredg-Shirt drunter. Er ist dann wohl eine andere Rasse. Sagt man bei uns jedenfalls so.

Etwas später geht es durch einen dichten Vorhang auszweigen in ein weiteres kleines Waldstück, das nur etwa hundert Meter breit, aber sehr lang ist. Durch die Bäume sind links und rechts jederzeit die Felder zu sehen und der Wind fegt erneut durch alles hindurch. Ich erinnere mich vor ein paar Jahren, da sind uns hier Rehe über den Weg gelaufen. Und außerdem muss hier irgendwas komisches wachsen, das berauschend wirkt. Zumindest auf mich. Pilze oder sowas, ich weiß nicht. Jedenfalls raste ich hier regelmäßig aus. Nur heute nicht, heute bleibe ich dabei, ihn zu beobachten. Ich frage mich, was er sich davon verspricht, sich in den Wind zu stellen, den Kopf in den Nacken gelegt nach oben durch die Baumkronen zum Himmel zu sehen und die Arme auszubreiten. Vielleicht ist ihm ja doch zu heiß mit der Jacke und er sucht nach Abkühlung. Ha, siehste!? Das kommt davon, wenn man ein Klischee sein will.

Es wird bereits dämmrig, als wir durch die Heide und zwischen weiteren Stoppelfeldern entlang gehen. Die großen Heuhaufen zu beiden Seiten, die auf trockenes Wetter warten reizen mich schon, aber ich bleibe in seiner Nähe, ich kann gar nicht anders. Er summt leise "heysátan" vor sich hin, das ist aber auch kein Schwedisch! Will ich nur mal anmerken...

Erneut bleibt er stehen und ich jetzt auch. Ich wage einen Blick zum Himmel so wie er und verstehe, dass dort oben etwas sein muss, was man von seiner Höhe aus sicher sehen kann. Ich frage ihn beiläufig, was er jetzt tun würde, wenn er könnte. Eigentlich wollte ich damit nur andeuten, dasswir weitergehen könnten, aber er gibt natürlich prompt eine seiner länger dauernden Antworten.

"Weißt du Pontus," er nennt mich so, weil ich so heiße, und ja, ich gebe es zu, der Name ist aus einem Astrid Lindgre-Buch, aber SEINER ist es trotzdem nicht, "wenn ich könnte, würde ich genau diesen Moment festhalten. Als Bild, als Melodie, als Geräusch, wie der Wind schmeckt, wie dies alles hier zusammenpasst... Aber das geht nicht..."
"Mal ein Bild," schlage ich vor.
"Ich kann nicht malen, und eine direkte Kopie von diesen Farben würde vermutlich zu sehr an Bob Ross erinnern."
"Naja, der hat fast meine Frisur..."
"Fast..."
"Aber du machst doch Musik, schreibe ein Lied über den Moment."
"Geht nicht," er weigert sich aber auch andauernd, das naheliegendste zu sehen, seine Welt muss echt kompliziert sein, "ich kann kein Lied schreiben, was das alles umfasst. Erstens weil ich es nicht kann, zweitens weil es nicht möglich ist. Wenn ich könnte, würde ich genau diesen Moment konservieren und alle Menschen sehen lassen. Dann würden alle einen Moment inne halten, und wenn sie weiterleben eine Erinnerung daran haben, während ich mich hier ins Feld lege und einfach erstarre."
"Oh nein, ich will aber weiter..."
"Das wäre perfekt, oder?"
"Wenn du das sagst..."

Er lächelt nur verklärt, schüttelt sich dann leicht, und plötzlich ist er wieder hier in meiner Welt angekommen. Wir gehen weiter, auf der anderen Seite des Felds mit dem Baum vorbei und zurück über die Wiese hoch zum Auto. Am Fuß der Wiese sind wir wieder in dieser Welt, weil wir zurück durch dieses Tor aus Ästen gegangen sind. Soviel weiß ich mittlerweile auch schon.

Ich will rennen. Er weiß das, und ich weiß, dass er auch rennen will. Aber er trifft sich gleich mit Freunden, die wohl auch schon zu Hause warten, denn - wie gesagt - er vergisst gerne die Zeit. Und das Rennen, das würde doch seine Frisur zerstören. Er ist halt einfach zu cool zum rennen...
Er setzt ein Bein vor das andere, irgendwie unschlüssig. Oder ist er doch nicht zu cool dazu? Na...?
Er geht etwas schneller, zuckt dann mit den Achseln und rennt doch. Oben am Auto angekommen wirft er natürlich direkt einen Blick in den Rückspiegel, aber immerhin. Er sieht jetzt auch zerzaust aus. So wie ich. Während ich in den Kofferraum springe und er meine Leine abhakt, grinst er.
"Pontus, du siehst aus, als hättest du alle Frisuren die David Bowie jemals hatte gleichzeitig."

Ich lach mich tot. Witzbold.

Wir fahren mit dem wagen zurück, noch ein stück Landstraße, zum üben, ihr wisst schon. Ich sehe auf die im Dämmerlicht entschwindenden Mittelstreifen, schüttel meine Bowie-Frisur und brumme leise "I'm deranged...".

07.08.2006 um 10:27 Uhr

time is never time at all

von: sjAlfur

Letzte Nacht im Gespräch mit einer Wiener Hotelrezeption auf die Idee gebracht worden, "tonight, tonight" mal bei YouTube zu suchen, und weil ich noch immer von dem Video gefesselt werde (ich weiß nicht, wieviele unzählige male ich es bereits gesehen habe), baue ich es hier mal ein. Für die Ewigkeit sozusagen. Zumindest für meine Blog-Ewigkeit...



sjÁlfur

06.08.2006 um 00:12 Uhr

Nimmermeer III

von: sjAlfur



| my ships sail the empty seas
running our crossbones
to seek your poetry divine |
                                                                       ["the empty sea" - ZWAN]

04.08.2006 um 23:49 Uhr

heute bin ich schon älter

von: sjAlfur

Tja. Ist man lange nicht da, fliegen auch die Stöckchen mal an einem vorbei. Ich hebe es dann aber doch mal auf...

warum bloggst Du?
ich möchte teil einer jugendbewegung sein...

seit wann bloggst Du?
seit november 2004

selbstportrait?
blaue augen, früher hellblond jetzt dunkler, früher klein jetzt größer, früher schlau jetzt glücklich, früher gauloises jetzt nil, früher kind jetzt... auch noch, wer früher stirbt ist länger tot, früher jünger jetzt ist's später

warum lesen deine leser deinen blog?
weil unter der oberfläche des gemüsebeets die radieschen doch tiefgang haben und wissen, wenn ihre wurzeln lang genug werden, kann selbst der BND keinen tunnel mehr unbemerkt graben.

welche war die letzte suchanfrage, über die jemand auf deine seite kam?
"Langerhuse"... das erstaunt mich jetzt

welcher deiner blogeinträge bekam zu unrecht zu wenig aufmerksamkeit?
viel interessanter wäre doch die frage, welcher meiner blogeinträge zu unrecht überhaupt aufmerksamkeit bekam.

dein aktuelles lieblings-blog?
tja... da ich momentan sogut wie gar nicht zum lesen komme (was man daran sieht, dass ich das stöckchen erst tage später gefangen habe...), kann ich das nicht sagen. außerdem bin ich ganz glücklich darüber... aber generell: jede stimmung hat ein anderes blog zum lesen.

an welche vier blogs wirfst du das stöckchen weiter und warum?
tja... ich habe - wie gesagt - kaum blogs gelesen in letzter zeit, daher weiß ich nicht, wer's schon hatte. ich klebe das stöckchen einfach an den nächsten baum, und wem es auffällt, dass es kein echter ast ist, der darf's behalten. und wenn es keinem auffällt, dann ist es ein kuckucksast.


sjÁlfur

04.08.2006 um 21:19 Uhr

KARAOKE

von: sjAlfur

Schadensbericht Urlaub 2006

Teil 3: "Eintritt frei!"

Vorweg die Erkenntnis: Karaoke kann den Abend retten. Eigentlich die Nacht. Und eigentlich gibt es viel zu viele Fälle, in denen Karaoke mit Körperverletzung gleichzusetzen ist...

Warum haben wir diese Fahrt eigentlich gemacht? Weil mein Vater seinen fünfzigsten Geburtstag feierte. Und Berlin lag fast auf dem Weg. Nicht wirklich, aber wenn man schon fährt... naja.

Jedenfalls haben wir unserem Vater zum Geburtstag eine Radtour geschenkt, entlang der jütländischen Nordseeküste von Ribe bis Skagen (ungefähr, genaue Routenplanung folgt noch...). Die etwa einwöchige Tour wollte er schon seit Jahren machen, er hat uns jeden Dänemarkurlaub davon erzählt. Jetzt bekommt er sie. Und dazu wollten wir etwas machen, um ihm das zu schenken, was etwas liebevoller ist als ein Zettel wo draufsteht "Kriegst 'ne Radtour von uns. Durch Dänemark, weißt eh!"

Also haben wir einen Film gemacht, alte Urlaubsaufnahmen usw. mit Musik hinterlegt und dazu eine Sprachaufnahme gemacht. Daher war es auch sehr ärgerlich, dass mein Escort in Firlefanz gestrandet ist, mit meinem Computer, dem Mikro, dem Aufnahmegerät (wegen der Phantomspeisung...), usw...
Aber wir schafften es am letzten Tag in Berlin doch noch. Das Auto war wieder da und das Zimmer meines Bruders verwandelte sich schnell in ein sehr volles Zimmer. Es war schließlich Abend, als wir damit fertig wurden, Zeit für die Abendplanung.

Wir trafen uns mit einigen anderen Leuten in der Bar 11 irgendwo in der Nähe vom Cottbusser Tor (glaube ich, meine Orientierung aus dieser Nacht reicht nicht mehr sehr weit...). Gegen halb zwei Uhr nachts beschlossen wir noch weiterzuziehen um das unglaublich grandiose Berliner Nachtleben zu nutzen, wenn wir schonmal da sind. Irgendwer schlug das Knaack vor. Ich will an dieser Stelle darauf hinweisen, dass ich ja sagte, lass uns zur Tramstation laufen und nicht für das Stück auf den Bus warten... aber nein, es fahren ja bestimmt direkt Anschlusstrams. Naja, egal, dreißig Minuten "Frischluft" an der Warschauer Straße sind auch ganz nett. Ich war in dem Moment müde und hatte keine Lust mehr auf nichts.

Da änderte sich aber, als wir zum Knaack kamen. Das erste was mich freute war das Schild "Eintritt frei". Wir kamen in den Hinterhof, wo einige müde Gestalten über ächzenden Tischen hingen. Ich dachte "voll was los!" und folgte Niels, der in vollem Eifer zum nächsten Treppenhaus eilte. Im ersten Stock zog er an der Türklinke und... abgeschlossen. Hmmm, wohl zu...
"Lass mal ein Stockwerk höher, da ist noch Musik..." habe ich vorgeschlagen und die anderen folgten mir leicht widerstrebend. Warum? Naja, oben war Musik. Und eine offene Tür. Und ungefähr drei Leute. Zwei Karaoke-singend auf der Bühne und ein KJ hinter seinem Pult.

Wir gingen runter ins Nachbargebäude. Da war dann tatsächlich noch was los. Ca. 8 bis 10 Leute auf der Tanzfläche, volltrunken, stoned oder einfach nur doof rumstaksend interpretierten sie die verbrauchten Chartshits neu, die irgendwo zwischen Hip Hop, R'n'B und Mode-Alternative hinkte. Der aktivste war der völlig benommene DJ... Wir kamen rein und hoben die Menschenanzahl um geschätzte 50 %. Dann stellten wir uns mit unserem Bier an einen Stehtisch und hatten die Flaschen noch nicht ganz leer, da wurde plötzlich "Hurt" von Johnny Cash (ACHTUNG! COVER!!! Hört NUR das Original!) gespielt. TH, der uns trotz extremer Müdigkeit noch begleitet hatte, merkte an, dass sich das ziemlich nach 'nem Rausschmeißer anhörte, und tatsächlich gingen Sekunden später die Lichter an.

Wenige Minuten später waren wir wieder auf der Straße und gingen einige Schritte weiter ins Magnet. Jo...

Wir kamen rein (diesmal kostete es etwas, was einerseits gut und andererseits schlecht war), und starrten auf eine große Leinwand, auf der Bomberman gespielt wurde. Mir fiel sofort das Dilemma der modernen Zeit auf: Die Bombermänner konnten über die Hindernisse springen! Hallo, was soll denn sowas? Das gab's zu unserer Zeit nicht...

Neben dem Bombermangeplänkel gab es dann noch eine Bühne mit... KARAOKE! Wir kamen rein, als gerade ein sehr von sich selbst überzeugter junger Mann versuchte, "Easy" von Faith No More (ACHTUNG! COVER!!! Diesmal aber cooler als Lionel Richies Original...) mit schiefemGekrächze und bedeutungsschweren Gesten zu untermalen, die so... überzeugend waren, dass wir gleich wieder raus gingen.

Später kamen wir wieder rein, ich stellte mit Zufriedenheit fest, dass der Zigarettenautomat im Magnet Nil hatte und ließ mich von den völligen gesangs- und 'perfomance'-technischen Entgleisungen zu "Back for Good" und Wie-auch-immer-der-Drecksscheiß-heißt von Beyonce Knowles in ein Meer aus Farben und Lichtern fortreißen, bevor "Call Me" wie Blondie es nie gesungen hätten mich davon überzeugte, dass Berlin noch nicht ganz Las Vegas war, und ich am nächsten Tag ein Auto zu fahren hatte, das nicht im Fledermausland stranden sollte.

Gegen fünf in der Ringbahn Richtung Neukölln war es schon wieder zu warm, und die folgende zu kurze Nacht war nicht der absolute Hammer... aber wir kamen schließlich am Tag darauf bei meinen Eltern südlich von Hamburg an. Und was da geschah... ist eigentlich nicht unbedingt umwerfend spannend, zumindest nicht, wenn man keinen Einblick in mein dortiges Leben hat. Was die meisten nicht haben. Aber... mir fällt bestimmt noch was ein, denn ich brauche einen viertel Teil, schon aus Prinzip, weil ich Trilogien nicht mag...

sjÁlfur

04.08.2006 um 20:37 Uhr

bombensicher!

von: sjAlfur

Schadensbericht Urlaub 2006

Teil 2: "Die weibliche Mudda von Nugat"

Vorweg die Erkenntnis: Hitler war ein ängstlicher Mensch! Er hatte ganz oft Angst, weshalb er sich auch Bunker baute, die bombensicher sein sollten. Völlig unverständlich sowas...

Mittlerweile zurück in München (seit gestern abend kurz vor Mitternacht... was treibt eigentlich Menschen dazu in der Baustellen-80-Zone mit mindestens 150 km/h auf dem gesperrten Baustreifen zu überholen???). Es gibt einiges nachzuholen, was den Vorteil hat, dass ich endlich mal wieder etwas interessantes zum Schreiben habe.

Wie bereits gesagt, wir waren in Berlin unter der Erde. Am Tag 1 nach der Ölwannenhavarie erwachte ich ohne besonders viel Schlaf und total überhitzt im Glutofen von Neukölln. Wenn schon einmal in Berlin, so wollten wir auch etwas von der Stadt sehen. Zum Beispiel graue Betonwände. Graue Betonwände haben den Vorteil, dass sie typisch für Berlin sind. Zudem befinden sie sich auch noch unter der Erde und sind (ebenfalls berlintypisch) unbewohnt.

unter der Erde = kühl = gut

Einfache Gleichung. Also auf zur Ubahnstation "Gesundbrunnen" (doofer Name, aber besser als Vehlefanz) und ab in die Berliner Unterwelten. Im Tunnelsystem der Ubahn verborgen befindet sich eine alte Bunkeranlage. Die Bunkeranlage ist auch ganz interessant. Der Führer auch. Der Führer ist nicht "Der Führer", sondern ein Führer, der durch den Bunker führt. Also einer ohne politisch aufrührende Gesinnung und auch ohne Oberlippenbart. Ihr wisst schon, ein ganz normaler Führer, völlig frei von geschichtlicher Bedeutung.

Es begann mit einer kurzen Rede zur Ubahnstation "Gesundbrunnen", die ganz nett aber hier nicht widergebenswert ist, bis auf die Bemerkung zum Design der Wände. Diese waren gefliest in einer Kombination aus Farben, die man auch aus englischen Soßen hätte erstellen können. Der Führer (ja, der ohne Bart und so) sagte, der Architekt hätte diese Farben gewählt um die Frische des Gesundbrunnens wiederzugeben.

Ich starrte erschrocken die Wand an. Dann drehte ich den Blick zu meinem Bruder, der ebenso erstaunt zu mir sah. Wir zuckten fast synchron mit den Schultern, dann sah ich mir die Wand nochmal an und ertappte mich bei dem Gedanken: "Die Fugen sind für eine Ubahnstation aber sehr weiß, vielleicht deshalb 'frisch'...?"

Es war sehr heiß in Berlin, kein Ort um zu denken.

Das Innere des Bunkers war dann kühler, aber nicht weniger überraschend. Nach flapsigen Bemerkungen des Führers zu den Ab-Örtlichkeiten ("Die Toilette stand im Führerbunker, quasi die Schüssel für die größten Arschlöcher.") kamen wir in einen Aufenthaltsraum, in dem Holzbänke standen. Unter den Bänken leere alte Koffer. Alle setzten sich hin und der Führer las einen Augenzeugenbericht aus einer Bombennacht vor. Er hätte dabei aber entweder etwas weniger Erlebnistourismus draus machen sollen, oder sich etwas mehr Zeit für 'eindrucksvoll' stimmungshaftes Vortragen nehmen sollen, so wirkte es wie ein schlechter Krimi im Zeitraffer. Vor allem aber die raffinierte Zeitschaltung, durch die während des Redens in regelmäßigen Abständen das Licht an und aus ging (man hörte als Vorwarnung immer schon vorher das Relais klicken und für ein unvorhersehbares Flackern des Lichtes waren die Schaltvorgänge auch zu langsam und gleichmäßig), vor allem die ließ unfreiwillig Komik aufkommen.

Hinzu kamen dann die säuberlich zurechtgelegten Sprüche, die die Menschen früher in einem Anfall von Galgenhumor wohl von sich gegeben haben sollen. Denn - wie wir erfuhren -:
"Steglitz hieß nur noch Stehtnix, Charlottenburg hieß Klamottenburg, und Lichterfelde nur noch Trichterfelde."

"Außerdem war Berlin eine Stadt der Warenhäuser. Überall waren Häuser."

Ich lach mich scheckig.

Gelacht habe ich aber wirklich, als der Führer uns die unglaubliche Neuigkeit überbrachte, dass Hitler ein sehr ängstlicher Mensch gewesen sei, weil er seinen Führerbunker mit einer 4,50 m starken Decke versehen hatte, obwohl 3,50 m zu der Zeit als bombensicher galt. Außerdem war der kleine Schaukasten nett, der ohne Beschreibungstext und völlig aus dem Zusammenhang einen kleinen Modellbau einer zerbombten Ruine zeigte, vor dessen Tür mit grimmigem Blick und verschränkten Armen eine kleine Hitlerfigur stand. Wie ein beleidigtes Kind.

Zurück an der Oberfläche (und den obligatorischen Nervkindern entronnen, die bei einer solchen Führung nicht fehlen dürfen und begünstigt durch den (bartlosen) Führer die ganze Angelegenheit in Richtung Freizeitpark-Attraktion schubsten), besannen wir uns darauf, nach Hause zu fahren und das zu machen, was wir selbst bei Hitze noch können: Bier trinken und Spielespielen, bei denen man den Schwachsinn in seinem Hirn fordern kann.

Kennt jemand "Nobody's Perfect"? Ich kannte es vorher als Fremdwörterspiel. Auch "Dudeln" beruht auf dem selben Prinzip, glaube ich. Es geht darum, dass einer ein Wort aus einem Lexikon/Fremdwörterbuch/den im Spiel vorgefertigten Karten raussucht und vorliest. Dann schreiben alle eine Definition dazu auf, die möglichst überzeugend sein soll (das "möglichst überzeugend" wird gleich noch eine Rolle spielen). Der Wortsteller schreibt die richtige Definition aus dem Lexikon ab. Dann sammelt er alle Definitionen ein und liest sie vor (auch die richtige), ohne zu sagen, wer welche Definition geschrieben hat. Dann müssen alle tippen (außer der Wortsteller natürlich) welche Definition die richtige ist. Wer richtig tippt bekommt Punkte, auf wessen Definition getippt wurde, der bekommt auch Punkte.

Ich habe verloren. Angeblich konnte man meinen Definitionen ansehen, dass sie von mir waren. Gut, vielleicht war die Definition zu "Nurage" nicht ganz überzeugend, aber jeder weiß, dass das die weibliche Mudda von Nugat ist!

Naja, wir haben noch mehr gelernt an dem Abend, Bombage ist die Schwester von Bambule, Pisang ist wahlweise das "jährliche Chorfestival auf dem Schiefen Turm von Pisa" oder ein "Lied, dass beim kollektiven Urinieren unter der Dusche gesungen wird" (nein, NICHT meine Idee!). Und zu guter letzt ist Algolagnie "eine süddeutsche Umschreibung für 'Alkohol am Knie'".

Wer das jetzt nicht lustig findet, der hat noch nicht genug Bier bei 37 Grad im Schatten intus oder geht einfach zum Lachen in den Keller.

Am letzten Tag in Berlin war ich dann übrigens endlich ausgeschlafen, wir waren sogar produktiv an dem Tag und haben die folgende Nacht gleich durchgemacht. Dazu aber später mehr...


sjÁlfur