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02.12.2005 um 01:22 Uhr

Der Fischer und die Stimmen

von: sjAlfur

"come to the conclusion
might as well be an illusion
while trying to find out
i did nothing, but shut out"
_______________["yatahaze" DREDG]


Ich glaube es immer nocht nicht so ganz! Ich habe einen Netzanschluss! Hier am kommunikativ letzten Ort der Erde... gut, über ein 56k-Modem baut sich blogigo etwas langsamer auf, und ich war eben beim Einwählen echt froh, dass die Zimmer neben mir nicht belegt sind, aber ich habe Zugang!

Hier haben sich einige Dinge ereignet, die es sicher wert wären, niederzuschreiben, aber ich beschränke mich wegen der Uhrzeit mal auf eine wesentliche Geschichte: Das Haus, von dem ich bereits in vorigen Beiträgen (siehe unten) berichtet habe...

Am letzten Wochenende war auf dem Hof, auf dem ich auch meine kleine Wohnung habe, ein Fest. Mittlerweile weiß ich auch, dass es eine Art Erntedankfest für die See war, so'n Fischererntedank oder so... Das Fest war ganz nett, viel Alkohol gibt es auch hier, auf diesem Dorffest war der alte Leute-Anteil noch größer als in der Heimat, dafür wurde aber auch nicht Wolle Petry gespielt...

Einer der älteren Herrschaften war gebürtiger Engländer, und auch wenn sein Englisch anfangs eher nach einer völlig neuen Fremdsprache klang, ich habe ihnj irgendwann ganz gut verstanden. Er war wohl irgendwann als Soldat hierher gekommen und dort geblieben. Und er konnte mir etwas über das Haus auf den Klippen sagen, auch wenn mir die Geschichte aus meiner eigenen Denkweise heraus kaum weitergeholfen hat, sie ist eine weitere Geschichte für mich, eine weitere Wahrheit für einige der Menschen dort.

Demnach soll dort vor Jahren eine Fischerfamilie gewohnt haben, eine sehr christliche Familie sei es wohl gewesen. Der Fischer war in seinem Heimatdorf weiter im höher gelegenen Inland ein sehr angesehener Mann gewesen, der zeigte, dass man mit wahrer Gläubigkeit alles erreichen kann. Irgendwann aber wurde seine kleine Tochter krank. Der Mann - der in seiner Heimat noch nicht Fischer sondern... irgendso ein Amt hatte er... - zog mit seiner Frau, seinem Sohn und seiner kleinen Tochter ans Meer. Der Engländer hat mir nicht sagen können, ob er das tat weil er diese Krankheit nicht mit seiner ungetrübten Gottgläubigkeit verbinden konnte, oder ob er glaubte, die Krankheit seiner Tochter würde bei bekanntwerden seinen Ruf stören.

Jedenfalls zog er hier an die Küste. Die Leute dort waren anders als in seinem Heimatdorf. Sie sagten ihm, er müsse auf die Stimmen des Windes, die Geister der See und die Boten der Wolken hören, wenn er es hier zu etwas bringen wollte. Doch der Fischer (der nun wirklich Fischer war) fand das alles lächerlich und meinte, was in seiner Heimat zum Erfolg geführt habe, werde ihn auch hier weit bringen.

Doch es kam anders. Die Familie lebte dort einige Zeit, und die Tochter des Fischers erholte sich von ihrer Krankheit. Er sah sich in seinem Glauben bestätigt und machte sich über die Menschen lustig, die auf Stimmen in den Wellen und Zeichen am Himmel achteten. Und dann, Monate später, sie hatten sich mittlerweile das Haus auf den Klippen gebaut um "über dem Meer zu stehen" und "dem Himmel näher zu sein", kam das, was in so einer Geschichte/Wahrheit immer kommen muss...

Der Sohn des Fischers begleitete seinen Vater zur See, der Kahn sank, der Vater kam an Land, der Junge ertrank. Der Vater war daraufhin ein gebrochener Mann und sprach davon, dass die Geister der See seinen Sohn als gerechtes Tribut gefordert hätten. Die Menschen an der Küste sagten ihm, dass die Geister der See ihm niemals seinen Sohn genommen hätten, denn sie hätten eine solche Demonstration ihrer Macht nicht nötig, doch der Vater wollte nicht hören, er sprach danach immer öfter von den Stimmen der See, die ihn verfolgen würden und auch den Rest seiner Familie holen kommen...

Eines nachts ist es dann wohl passiert: Der Fischer drehte völlig am Rad, stieß seine Frau und seine Tochter von den Klippen und rief sowas wie "Hier habt ihr was ihr wollt, lasst mich nun in Ruhe!"
Kurz darauf stürzte er sich selber von den Klippen. Angeblich soll auf seinem Grabstein gestanden haben: "Diesen Untergang kann nur ein Christ sich selber wählen."

Ich fand die Geschichte/Wahrheit irgendwie gut, nicht weil es dabei um Christen und "Heiden" ging, sondern weil es darum ging, dass man an einem anderen Ort der Erde nicht ohne Respekt vor den Menschen und ihrer Kultur leben kann, ohne dass es schief geht.

Klingt eigentlich simpel, aber wenn ich das auf meine Person beziehe... ich bin froh auf diesem Hof wohnen zu können und nicht in dem Haus auf den Klippen leben zu müssen...

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