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16.04.2006 um 02:45 Uhr

oh how the boat drifts

von: sjAlfur

the eyes of the toys they are moving
it's here that everything never lived is alive


Ich mache mich auf den Weg. Es ist kein weiter Weg, zumindest ist die Distanz nicht sehr groß. Die Takelage ist aufgetakelt, der Anker gelichtet, die Galleonsfigur flirtet oben ohne mit dem Spriet, Fogg und Rah kühlen den Tee, ich sitze am Bug und blicke über die See zurück zum Hafen. Der letzte Grog liegt lange zurück. Es ist nicht weit zu ihr, nur einige schwankende Schritte unter Deck. Sie liegt dort in der großen Heck-Kajüte mit den Fenstern hinaus aufs Kielwasser. Sie zählt die Käfer, die sie gesammelt hat, in Gläser sortiert und getrocknet. Nebenan auf dem Regal die Apparaturen aus Glas, Formaldehyd und Äther, brennbar und konservierend wie die Natur.

Ihre dunklen Locken fallen über ihre kaffeefarbenen Schultern. Sie steht auf und blickt zurück zum fernen Hafen, bedeckt ihren Körper unwillkürlich mit der groben Decke aus der alten Truhe. Die Blicke liegen weit hinter uns zurück, aber ihre Gegenwart scheint noch immer auf uns zu lasten. Sie streicht mit zwei Fingern über den alten, zerbrochenen Sextant. Früher haben wir ihn gebraucht um den Weg zueinander zu finden, heute brauchen wir ihn nicht mehr. Uns verbinden die Gene, der selbe Zweig der Weltenesche, aus dem auch der Rumpf unseres Schiffs ist.

Ich lasse den faserigen Strick durch meine Finger gleiten, schenke dem Mast einen Palstek und falle auf alle viere, ziehe mich langsam, zögerlich über die Planken, schmecke den Harz, spüre das Salz auf meiner Haut, atme die Gischt. Schiffe waren immer wichtig, sie verbinden die Äste des Baumes, wie Brücken, nur ohne Dogma. Ich rolle mich zur Seite und richte mich auf. Die Sonne sinkt an Steuerbord, ich werfe einen Blick gen Heck.

Sie taucht ein Bein in das Glas mit Harz, steckt es an den Körper des Käfers und sieht nur flüchtig auf, als ich herein komme. Die Planken ächzen, der Rumpf grollt, nur ihre Finger scheinen ohne Zittern. Ich schließe die Kabinentür und setze mich an meine Karten. Die Unendlichkeit der Welt zerstört mein Kartenformat, ich forme den Globus, bilde die Äste, spalte die Welt in Trauer und Langeweile.

Später zwinkert in der Ecke auf dem Schrank die alte Holzpuppe mit ihren Lidern über leeren Augenhöhlen. Ihre Schwester aus Porzellan, deren Schädel mehrfach gebrochen ist, verzieht spöttisch das Gesicht. Ich wende meinen Blick ab und weiß um die Grimassen in meinem Rücken. Irgendwann werden sie auf dem Grund liegen, durchtränkt von Formaldehyd, der Äther strömt durch ihre Augenhöhlen. Es ist noch eine lange Reise, Verbundenheit, Hass und Sorglosigkeit werden das Schiff steuern, und alles was ich tun muss, ist den Strömungen zu folgen.

Xylo

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenAiHua schreibt am 16.04.2006 um 02:57 Uhr:Nachdem interssiert Dich das vielleicht: Das bewegte <a rel="nofollow" href=\"http://translate.google.com/translate?hl=de&sl=en&u=http://www.wordcircuits.com/ gallery/xylo/index.html&prev=/search%3Fq%3DXylo%26hl%3Dde%26hs%3DbeF%26lr%3D%26client%3Dfirefox- a%26rls%3Dorg.mozilla:de-DE:official\">Gedicht Xylo</a>!
  2. zitierensjAlfur schreibt am 17.04.2006 um 00:55 Uhr:Ja, das ist auch eine Version desselben Themas. Zumindest ebenso interpretierbar. Glaube ich. Aber die Musik hätte ich besser gemacht, behaupten ich und mein Ego...
  3. zitierenAiHua schreibt am 17.04.2006 um 01:03 Uhr:Die Musik ist leider wirklich nicht so toll. Da muss ich Dir vollkommen Recht geben.

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