with the birds i'll share this lonely view
Vorhin kam mal wieder (wie zu jedem neuen Album) eine Stunde Konzert
der Chili Peppers auf MTV. Diesmal nicht auf einem Hochhaus vor
geladenen Gästen wie zur "By the way"-Veröffentlichung sondern von
einem 'normalen' Auftritt in Mailand.
Und hier sind wir an einem Knotenpunkt. Oder genauer: Hier bin ich an einem Knotenpunkt, ihr dürft mir zugucken... Es gibt da gerade mehrere Türen, die zu nehmen sind:
TÜR 1: milanó
Ich war selber schon mal in Mailand. Herbst 1998, Schüleraustausch mit einigen Italienern aus Brescia. Mailand war nur eines der Ausflugsziele während der zwei Wochen, die wir dort waren, und im Gegensatz zu Venedig (wo ich allerdings da schon zum drittem mal war) oder der Führung durch Brescia selbst kaum erwähnenswert. Auch wenn seitdem der Mailänder Dom wohl meine Lieblingskirche ist (und nebenbei auch dafür gesorgt hat, dass ich überhaupt sowas wie 'ne Lieblingskirche habe). Wir lagen in der Sonne auf dem Dom-Dach und... machten sonst eigentlich nichts. Es war fast so ruhig wie auf den Partys abends in Ospitaletto, dem Vorort Brescias, in dem einige von uns waren.
Erwähnenswerter ist da schon das Referat, was ich mit einem Freund nach der Fahrt über Mailand halten sollte. Wir hatten kaum was anderes gesehen als das Dom-Dach, und waren für unsere (meist nicht gehaltenen) Referate berüchtigt (bei unserem Referat über Ghandi haben wir den Salzmarsch vergessen...). Wir trafen uns am Tag vor Referatabgabe bei ihm in seinem kleienn Zimmer, setzten uns vor seinen Amiga und spielt Blob. Kennt jemand das Spiel? Man ist eine farbige Kugel und muss versuchen andere farbige Kugeln kaputt zu hüpfen. Ich war sowas von der Held bei diesem Spiel, aber das ist eien andere Geschichte (die ich bis eben gerade auch vergessen hatte...).
Schließlich, es dürfte mittlerweile angehende Nacht gewesen sein, beschlossen wir, unser Referat zu schreiben (als "Referat" verstanden die zuständigen Lehrer in diesem Falle einen geschriebenen Bericht über den Ausflug). Damals war in unserer Region der Räucherstäbchen-Wahn ausgebrochen, es hatte sogar ein Head Shop aufgemacht! In unserem Kaff! Naja, und da man für ein Referat klare Sinne benötigt, kamen Sinnesbenebelungen anderer Art nicht in Frage. Aber es gab da noch diese dicken Räucherstäbchen "Indische Tempelrose". Ich sag euch: HAMMER! Innerhalb von Minuten hatten die uns das Hirn weich gebraten. Wir schrieben wie auf Drogen in prosaischer Form immer abwechselnd in Absätzen das Referat über den Prinzen von Mailand (ich) und seinen Dom, und den bösen Herzog im Castell. Ich habe nie wieder so viele Drogenanspielungen in einem einzigen Satz gebracht, wie in diesem Referat, während mein literarischer Gegenspieler dazu übergegangen war, Reime aus dem Buch "Sagen aus der Heide" abzutippen.
Kinder, kifft, sauft, injiziert euch Coke oder sammelt Pilze, aber lasst die Finger von diesen Räucherstäbchen! Naja... die zuständigen Lehrer hielten das Referat für ganz toll und haben angeblich sehr gelacht. (Es wurde ja auch nicht benotet.) Ich glaube aber, die hatten nach der Lektüre einfach nur Angst vor uns. Zu Recht!
TÜR 2: scar tissue
Nach dem Italienaustausch folgte das wohl exessivste Jahr, das ich jemals durchlebt habe. Ich weiß, das klingt nach Klischee, aber... na und? War halt so. Und man weiß ja, dass zu sowas unweigerlich der richtige Soundtrack gehört. Und im Abspann des Jahres 1999 findet man auch die Chili Peppers wieder. Als ich vorhin "Scar Tissue" hörte, reichten schon die ersten Töne aus um zurückzudenken. An die Mengen an Alkohol, die mein Hirn nachdrücklich beeinflusst haben müssen, zumindest brannten sie einige Momente in meiner Erinnerung fest. An die Leute, die man damals kannte, zwangsweise, bei einigen gut so, bei anderen freut man sich, dass man sie damals kannte. Aber auf dem Land ist die Auswahl nicht so groß. Man muss nehmen was kommt.
Zudem kam gestern auf MTV das Video zu "Champagne Supernova". Ungekürzt! Noch so ein Lied, zwar noch etwas älter, aber was machen ein oder zwei Jahre auf diese Entfernung?
...in a parallel universe...
TÜR 3: road trippin'
Und dann wäre da noch eine leibhaftige Begegnung mit den Chili Peppers. Naja, der Auftritt beim Hurricane 2002. Das war schon zur "By the way"-Zeit. Es war kurz bevor ich nach München gezogen bin. Und es war ein kurioses Wochenende... spät in der Nacht kam aus der ganzen Lage irgendwie das Wort "hypsurd" dabei raus, die perfekte Symbiose für das Festival in dem Jahr.
Alles begann damit, dass Nappo zu New Order wollte. Ich hatte daren auch schon gedacht, und da sonst keiner mit wollte, habe ich mich ihr mal angeschlossen. Vorher waren Garbage auf der Mainstage. (Bei dem Konzert habe ich jegliche Sympathien für Shirley Mansons verloren, aber das ist wieder eine andere Geschichte.)
Während der letzten Garbage-Lieder fing es an zu regnen. Eigentlich nicht erwähnenswert, ist ja ein Festival, da muss man abends nass und dreckig ins Zelt kriechen, sonst war's nicht gut. Und am Tag darauf muss noch schnell ein Sonnenbrand her, dann hat sich's richtig gelohnt...
Allerdings wurde der Regen stärker. Sehr stark. Richtig derbe stark. Wir standen in der Menge irgendwo am Zaun vor'm Mosh Pit, das nach dem Roskilde-Unfall eingeführt wurde.Wir konnten nicht weh durch die Masse. Und wir wollten auch gar nicht weg. Irgendwann kam eine große Folie über die Köpfe der Menschen hinweggewabert. Durch strategisches Stehenbleiben und Hoffen hatten wir das Glück, dass der Planenrand irgendwann bei uns ankam und wir für eine kurze Zeit etwas geschützt waren. Aber wir waren natürlich von Kopf bis Fuß durchnässt. Klatschnass. Nasser geht's nicht. Und New Order kamen erst sehr viel später, weil durch den Regen die Bühne komplett umgebaut werden musste. Damals war noch nichts mit In-Ear, da standen vorne am Bühnenrand noch die guten alten Monitorboxen...
Aber schließlich ging es los. Und nach so langer Wartezeit dauert es nicht besonders lang und die Menge ging ab. Wir mittendrin. Gut so, bis ich meine Haare ausschütteln wollte, die mittlerweile voller Wasser waren (und ich hatte ziemlich kurze Haare damals). Wer es nicht weiß: Ich bin Brillenträger. Ich hatte bereits einen Monat zuvor beim ortsansässigen Open Air schon ein Brillengestell geschrottet, als ich schon halb dicht bei Stone the Crow (ja, die waren bei uns auf'm Land!) etwas zu heftig in der Menschenmasse unterging. Beim Hurricane waren aber noch beträchtlich mehr Leute da. Und ich merkte zuerst nur, dass der Blick seltsam undeutlich war. Ich vermutete, der Regen sei Schuld, merkte dann aber, dass das nicht mein einziges Problem war...
Trotz großangelegter Suchaktion (die Leute da waren echt solidarisch!) konnte der Patient leider nur noch tot geborgen werden. Die Gläser zwar heile, aber das Gestell wies klare Festivalspuren auf...
Und dann mussten wir irgendwie zurück zum Zeltplatz. Doofe Sache das. Ich (meine Dioptrinzahl könnte zwar schlimmer sein, es reicht aber aus um ohne Brille ziemlich doof da zu stehen) brauchte dringend kompetente Führung. Aber außer Nappo war ja keiner da... Okay, das klingt jetzt fies... man sollte dazu sagen, dass sie in der Dunkelheit nicht so besonders gut sieht. Außerdem war das Gelände selbst bei normalen Sichtverhältnissen reines Glückspiel, denn alles war so aufgeweicht, dass man bei jedem Schritt Zentimeter einsank. Auf den sichereren Wegen.
Wir nahmen dann den direkten Weg. Es war nass und dreckig, sag ich mal, aber wir wissen ja bereits: das muss so. Es war etwas wie bei Hänsel und Gretel, nur ohne Kieselsteinspur. Und ohne Hexe. Und wir hießen glücklicherweise anders. Und waren nicht verwandt. Und... egal.
Wir kamen irgendwann bei unseren Zelten an (die zu finden auch nicht so ganz einfach war). Ich dachte nur: Schnell ins Zelt und meine Sonnebrille holen, die einzige Chance, wieder Sehschärfe zu erlangen.
Ich öffnete mein Zelt (ein zehn Euro-Zelt von Hagebau ohne Innenzelt... ihr werdet ahnen was jetzt kommt...), griff in das große schwarze Etwas, was meine Reisetasche sein musste, und erreichte tatsächlich sofort die Brille. Ich setzte sie auf, fühlte mich zwar irgendwie dunkel aber immerhin wieder scharf, un dann...
...
...dann sah ich, dass mein Zeit ungefähr zehn Zentimeter tief unter Wasser stand. Einige Scheiben Toast schwammen fröhlich am Nutellaglas vorbei Richtung Schlafsack. Es war... verstörend und grausam, es war dreckig und nass, es war ROCK'N'ROLL! Aber sowas von!
Ich habe dann das Privileg gehabt, zwischen zwei guten Freundinnen in deren Zelt zu schlafen (auch wenn es komisch war, mit 'ner Sonnebrille auf am nächsten Morgen zwischen den beiden aufzuwachen...), und nachdem ich das Zelt mit Inhalt zum Kofferraum des Autos meiner Mutter geschleift hatte, das wir dann danach noch auf dem völlig aufgeweichten Parkplatz festgefahren hatten, nutzte ich zu Hause die Dusche und stand Sonntag Abend dann mit Sonnenbrille beim Chili Peppers-Konzert. Sonntag Abends guckt sich auch keiner mehr verwundert um, wenn man im Dunkeln noch mit Sonnenbrille rumläuft. Die Fahrt nach Hause im Dunkeln mit Sonnenbrille (ich war dummerweise der einzige, der - in Anbetracht des Fahrens - noch (wieder) nüchtern war) verbuche ich im Nachhinein unter leichtsinnig, aber nach diesem Wochenende war jeglicher Realitätsbezug sowieso verloren gegangen.
Und hier sind wir an einem Knotenpunkt. Oder genauer: Hier bin ich an einem Knotenpunkt, ihr dürft mir zugucken... Es gibt da gerade mehrere Türen, die zu nehmen sind:
TÜR 1: milanó
Ich war selber schon mal in Mailand. Herbst 1998, Schüleraustausch mit einigen Italienern aus Brescia. Mailand war nur eines der Ausflugsziele während der zwei Wochen, die wir dort waren, und im Gegensatz zu Venedig (wo ich allerdings da schon zum drittem mal war) oder der Führung durch Brescia selbst kaum erwähnenswert. Auch wenn seitdem der Mailänder Dom wohl meine Lieblingskirche ist (und nebenbei auch dafür gesorgt hat, dass ich überhaupt sowas wie 'ne Lieblingskirche habe). Wir lagen in der Sonne auf dem Dom-Dach und... machten sonst eigentlich nichts. Es war fast so ruhig wie auf den Partys abends in Ospitaletto, dem Vorort Brescias, in dem einige von uns waren.
Erwähnenswerter ist da schon das Referat, was ich mit einem Freund nach der Fahrt über Mailand halten sollte. Wir hatten kaum was anderes gesehen als das Dom-Dach, und waren für unsere (meist nicht gehaltenen) Referate berüchtigt (bei unserem Referat über Ghandi haben wir den Salzmarsch vergessen...). Wir trafen uns am Tag vor Referatabgabe bei ihm in seinem kleienn Zimmer, setzten uns vor seinen Amiga und spielt Blob. Kennt jemand das Spiel? Man ist eine farbige Kugel und muss versuchen andere farbige Kugeln kaputt zu hüpfen. Ich war sowas von der Held bei diesem Spiel, aber das ist eien andere Geschichte (die ich bis eben gerade auch vergessen hatte...).
Schließlich, es dürfte mittlerweile angehende Nacht gewesen sein, beschlossen wir, unser Referat zu schreiben (als "Referat" verstanden die zuständigen Lehrer in diesem Falle einen geschriebenen Bericht über den Ausflug). Damals war in unserer Region der Räucherstäbchen-Wahn ausgebrochen, es hatte sogar ein Head Shop aufgemacht! In unserem Kaff! Naja, und da man für ein Referat klare Sinne benötigt, kamen Sinnesbenebelungen anderer Art nicht in Frage. Aber es gab da noch diese dicken Räucherstäbchen "Indische Tempelrose". Ich sag euch: HAMMER! Innerhalb von Minuten hatten die uns das Hirn weich gebraten. Wir schrieben wie auf Drogen in prosaischer Form immer abwechselnd in Absätzen das Referat über den Prinzen von Mailand (ich) und seinen Dom, und den bösen Herzog im Castell. Ich habe nie wieder so viele Drogenanspielungen in einem einzigen Satz gebracht, wie in diesem Referat, während mein literarischer Gegenspieler dazu übergegangen war, Reime aus dem Buch "Sagen aus der Heide" abzutippen.
Kinder, kifft, sauft, injiziert euch Coke oder sammelt Pilze, aber lasst die Finger von diesen Räucherstäbchen! Naja... die zuständigen Lehrer hielten das Referat für ganz toll und haben angeblich sehr gelacht. (Es wurde ja auch nicht benotet.) Ich glaube aber, die hatten nach der Lektüre einfach nur Angst vor uns. Zu Recht!
TÜR 2: scar tissue
Nach dem Italienaustausch folgte das wohl exessivste Jahr, das ich jemals durchlebt habe. Ich weiß, das klingt nach Klischee, aber... na und? War halt so. Und man weiß ja, dass zu sowas unweigerlich der richtige Soundtrack gehört. Und im Abspann des Jahres 1999 findet man auch die Chili Peppers wieder. Als ich vorhin "Scar Tissue" hörte, reichten schon die ersten Töne aus um zurückzudenken. An die Mengen an Alkohol, die mein Hirn nachdrücklich beeinflusst haben müssen, zumindest brannten sie einige Momente in meiner Erinnerung fest. An die Leute, die man damals kannte, zwangsweise, bei einigen gut so, bei anderen freut man sich, dass man sie damals kannte. Aber auf dem Land ist die Auswahl nicht so groß. Man muss nehmen was kommt.
Zudem kam gestern auf MTV das Video zu "Champagne Supernova". Ungekürzt! Noch so ein Lied, zwar noch etwas älter, aber was machen ein oder zwei Jahre auf diese Entfernung?
...in a parallel universe...
TÜR 3: road trippin'
Und dann wäre da noch eine leibhaftige Begegnung mit den Chili Peppers. Naja, der Auftritt beim Hurricane 2002. Das war schon zur "By the way"-Zeit. Es war kurz bevor ich nach München gezogen bin. Und es war ein kurioses Wochenende... spät in der Nacht kam aus der ganzen Lage irgendwie das Wort "hypsurd" dabei raus, die perfekte Symbiose für das Festival in dem Jahr.
Alles begann damit, dass Nappo zu New Order wollte. Ich hatte daren auch schon gedacht, und da sonst keiner mit wollte, habe ich mich ihr mal angeschlossen. Vorher waren Garbage auf der Mainstage. (Bei dem Konzert habe ich jegliche Sympathien für Shirley Mansons verloren, aber das ist wieder eine andere Geschichte.)
Während der letzten Garbage-Lieder fing es an zu regnen. Eigentlich nicht erwähnenswert, ist ja ein Festival, da muss man abends nass und dreckig ins Zelt kriechen, sonst war's nicht gut. Und am Tag darauf muss noch schnell ein Sonnenbrand her, dann hat sich's richtig gelohnt...
Allerdings wurde der Regen stärker. Sehr stark. Richtig derbe stark. Wir standen in der Menge irgendwo am Zaun vor'm Mosh Pit, das nach dem Roskilde-Unfall eingeführt wurde.Wir konnten nicht weh durch die Masse. Und wir wollten auch gar nicht weg. Irgendwann kam eine große Folie über die Köpfe der Menschen hinweggewabert. Durch strategisches Stehenbleiben und Hoffen hatten wir das Glück, dass der Planenrand irgendwann bei uns ankam und wir für eine kurze Zeit etwas geschützt waren. Aber wir waren natürlich von Kopf bis Fuß durchnässt. Klatschnass. Nasser geht's nicht. Und New Order kamen erst sehr viel später, weil durch den Regen die Bühne komplett umgebaut werden musste. Damals war noch nichts mit In-Ear, da standen vorne am Bühnenrand noch die guten alten Monitorboxen...
Aber schließlich ging es los. Und nach so langer Wartezeit dauert es nicht besonders lang und die Menge ging ab. Wir mittendrin. Gut so, bis ich meine Haare ausschütteln wollte, die mittlerweile voller Wasser waren (und ich hatte ziemlich kurze Haare damals). Wer es nicht weiß: Ich bin Brillenträger. Ich hatte bereits einen Monat zuvor beim ortsansässigen Open Air schon ein Brillengestell geschrottet, als ich schon halb dicht bei Stone the Crow (ja, die waren bei uns auf'm Land!) etwas zu heftig in der Menschenmasse unterging. Beim Hurricane waren aber noch beträchtlich mehr Leute da. Und ich merkte zuerst nur, dass der Blick seltsam undeutlich war. Ich vermutete, der Regen sei Schuld, merkte dann aber, dass das nicht mein einziges Problem war...
Trotz großangelegter Suchaktion (die Leute da waren echt solidarisch!) konnte der Patient leider nur noch tot geborgen werden. Die Gläser zwar heile, aber das Gestell wies klare Festivalspuren auf...
Und dann mussten wir irgendwie zurück zum Zeltplatz. Doofe Sache das. Ich (meine Dioptrinzahl könnte zwar schlimmer sein, es reicht aber aus um ohne Brille ziemlich doof da zu stehen) brauchte dringend kompetente Führung. Aber außer Nappo war ja keiner da... Okay, das klingt jetzt fies... man sollte dazu sagen, dass sie in der Dunkelheit nicht so besonders gut sieht. Außerdem war das Gelände selbst bei normalen Sichtverhältnissen reines Glückspiel, denn alles war so aufgeweicht, dass man bei jedem Schritt Zentimeter einsank. Auf den sichereren Wegen.
Wir nahmen dann den direkten Weg. Es war nass und dreckig, sag ich mal, aber wir wissen ja bereits: das muss so. Es war etwas wie bei Hänsel und Gretel, nur ohne Kieselsteinspur. Und ohne Hexe. Und wir hießen glücklicherweise anders. Und waren nicht verwandt. Und... egal.
Wir kamen irgendwann bei unseren Zelten an (die zu finden auch nicht so ganz einfach war). Ich dachte nur: Schnell ins Zelt und meine Sonnebrille holen, die einzige Chance, wieder Sehschärfe zu erlangen.
Ich öffnete mein Zelt (ein zehn Euro-Zelt von Hagebau ohne Innenzelt... ihr werdet ahnen was jetzt kommt...), griff in das große schwarze Etwas, was meine Reisetasche sein musste, und erreichte tatsächlich sofort die Brille. Ich setzte sie auf, fühlte mich zwar irgendwie dunkel aber immerhin wieder scharf, un dann...
...
...dann sah ich, dass mein Zeit ungefähr zehn Zentimeter tief unter Wasser stand. Einige Scheiben Toast schwammen fröhlich am Nutellaglas vorbei Richtung Schlafsack. Es war... verstörend und grausam, es war dreckig und nass, es war ROCK'N'ROLL! Aber sowas von!
Ich habe dann das Privileg gehabt, zwischen zwei guten Freundinnen in deren Zelt zu schlafen (auch wenn es komisch war, mit 'ner Sonnebrille auf am nächsten Morgen zwischen den beiden aufzuwachen...), und nachdem ich das Zelt mit Inhalt zum Kofferraum des Autos meiner Mutter geschleift hatte, das wir dann danach noch auf dem völlig aufgeweichten Parkplatz festgefahren hatten, nutzte ich zu Hause die Dusche und stand Sonntag Abend dann mit Sonnenbrille beim Chili Peppers-Konzert. Sonntag Abends guckt sich auch keiner mehr verwundert um, wenn man im Dunkeln noch mit Sonnenbrille rumläuft. Die Fahrt nach Hause im Dunkeln mit Sonnenbrille (ich war dummerweise der einzige, der - in Anbetracht des Fahrens - noch (wieder) nüchtern war) verbuche ich im Nachhinein unter leichtsinnig, aber nach diesem Wochenende war jeglicher Realitätsbezug sowieso verloren gegangen.
"road trippin' with my favourite allies
fully loaded we got snacks and supplies
it's time to leave this town it's time to steal away
let's go get lost anywhere [in the usa]
let's go get lost, let's go get lost
blue you sit so pretty west of the sun
sparkles light with yellow icings
just a mirror for the sun"
fully loaded we got snacks and supplies
it's time to leave this town it's time to steal away
let's go get lost anywhere [in the usa]
let's go get lost, let's go get lost
blue you sit so pretty west of the sun
sparkles light with yellow icings
just a mirror for the sun"
sjÁlfur



Ihr - Hurricane und ich - Uni/Klausuren in einer verfickten, verhassten Stadt, in einer verdreckten Unterkunft, in der die Maden im Bratenfett von vor zig Jahren verreckt waren (Das ist kein Scherz!)
sollte ich doch jemals kinder haben werde ich ihnen diese geschichte oft erzählen, damit sie gleich wissen wo\'s langgeht! trve!!