10. August, Auf der Autobahn
Musik: I shall be released, The Band
Ich dachte, ich bin immer früh unterwegs, aber das täusche ich mich. Der Camino ist längst schon zur Autobahn geworden. Ein Wanderweg, auf dem, das lerne ich dann später am Tag, die Freaks schon frühmorgens mit Stirnlampen loslaufen. Nur, um rechtzeitig am Refugio zu sein und ein Bett zu bekommen. Nur so kann man es machen, höre ich. Sonst bekommt man keinen Platz mehr und muss vielleicht in ein teureres Privatquartier. Das kostet schnell mal 2 bis 3 Euro mehr pro Person. Ich sage nichts dazu, nicke nur und mümmle an meinem Brot. Später höre ich von einem Ehepaar aus Linz, dass die Herbergen keineswegs so überfüllt sind, dass man sich so sputen muss. Aber es gibt ein paar Herbergen, die stehen in den Caminoführern und sind deshalb besonders begehrt. Los Arcos gefällt mir nicht – ich lasse es schnell hinter mir und laufe auf der kleinen Landstraße nach Torres del Rio auf ein Quartett Holländer auf. Ich grüße und gehe vorbei. Nach eine halben Stunde kommen sie dann auf einmal wieder von hinten und überholen mich. In Torres del Rio sehe ich sie dann vor der Kirche sitzen. Bis ich dort bin, haben sie schon wieder gepackt und gehen weiter. Zwei Belgier, die ebenfalls vor der Kirche Pause machen, kommen lachend auf mich zu. Ich wäre also der Deutsche, der unbedingt vor den Holländern in Logrono sein möchte. Ich verstehe gar nichts. Und dann erzählen sie, dass die Holländer gemeint hätten, der Deutsche (also ich) würde extra schnell laufen, damit er ihnen, den Holländern, zeigen kann, wer der schnellere Wanderer ist.  Sie haben dann extra beschleunigt, denn so einen wie mich schaffen sie locker. Ich kriege mich fast nicht mehr ein vor Lachen. Beinahe hätte ich dabei vergessen, die Kirche anzuschauen. Da hätte ich wirklich fast was versäumt. Ich beschließe, dass ich gar nicht nach Logrono muss. Ich werde es einfach umgeben. Und so biege ich nach ein paar Kilometern in ein kleines Tal ein, dass mich, begleitet von Weinhängen, zum Ebro bringt. Hier laufe ich dann einfach am Ufer entlang, was sehr gut geht und suche mir noch vor Logrono einen Platz unter ein paar Weiden.

na, wie geht es Dir, was gibt es so neues,
wo bist Du zur Zeit, vielleicht schon in der
Gegend von Leon ?
Weiterhin alles Gute, viele Gruesse aus
Frankfurt,
Ernesto