Jakobsweg_ohne_Geld

26.07.2006 um 12:19 Uhr

14. – 16. Juli, Andorra

Musik: Rolling Stones, Sympathie for the devil

Der Morgen ist wunderschön und angenehm kühl. Aber wir sind auch schon ein paar Meter hoch und es weht ein frischer Wind durch das Tal. Rechts von uns ist der Pic Espaillat, immerhin 2260 Meter hoch. Ein schmaler Weg geht das Tal entlang und leider fahren immer wieder Leute mit Autos hoch und stauben uns ein. Aber es werden gegen Mittag weniger. Allerdings wird es da auch so langsam heiß und wir suchen uns eine Stelle in einem Waldstück und legen uns in den Schatten. Tatsächlich schlafen wir beide ein bis uns Regentropfen wecken. Ein kurzer Schauer zieht vorbei und wir sind nass bis auf die Haut. Und das, obwohl wir unter Bäumen sind und der Regen keine 20 Minuten dauert. Danach breiten wir unsere Klamotten in der Sonne aus und in 10 Minuten sind sie trocken. Verrücktes Wetter. Danach geht es weiter bergauf, nicht zu steil eigentlich, aber stetig. Am Pass oben ist die Grenze zu Andorra. Wenn man aus dem Tal raufschaut, dann sieht es furchtbar hoch auf, aber Jagger lacht nur und meint, dass das noch nichts wäre mit den andren Pässen hinter Andorra. Je nach Route. Er ist hier schon mal vor ein paar Jahren gewandert, fand aber Andorra zu voll. Das sollte sich auch am nächsten Tag schon bestätigen. Wir hatten uns den Pass hochgeschoben und eine wunderschöne, sternenklare Nacht da oben verbracht. Am nächsten Morgen waren wir früh „abgestiegen“, wieder durch ein schönes, kleines Tal mit der Möglichkeit, in einem glasklaren, eiskalten Flüsschen die Beine zu kühlen. Soldeu ist unser Ziel, wir brauchen Proviant. Und da sehen wir die Blechlawine, die sich die einzige große Straße in Andorra entlang wälzt. Es ist auch noch Samstag, und da kommen viele Wochenendtouristen und viele Franzosen zum Einkaufen. Vor allem Zigaretten sind billig hier, meint Jagger und kauft sich in der ersten Bretterbude eine Stange Marlboro. Auch Lebensmittel sind wohl billiger, so kommt es mir vor. Aber wir müssen uns natürlich immer nach dem richten, was wir tragen können und was wir brauchen. Wir wollen schnell weg von dieser Straße, an der wirklich ein Auto nach dem anderen sich das Tal hochquält. Der kleine Umweg nach Soldeu und das Einkaufen haben uns Zeit gekostet, aber das macht nichts. Wir haben es ja nicht eilig und wollen eh nicht zu hoch in die Berge, weil es da nachts doch ziemlich frisch ist. Also noch frisches Brot gekauft, eine steinharte Wurst und Trauben. Außerdem, wer weiß, ob sich noch eine Gelegenheit ergibt, meine Postkarte vom Vall del Madriu, dem Unesco in Andorra, und dann ging es los. Der Verkehrslärm der Straße begleitet uns noch eine ganze Weile, und wir kommen dem Pic Serrere nur langsam näher. Über 2900 Meter ist er hoch und Jagger meint, dass wir so auf 2000 kommen werden. Das ist doch eine ganze Menge. Nur, die erfrischende Bergluft bleibt erst einmal aus. Nicht, dass es stickig wäre, aber die Sonne brennt schon ganz schön und so verbringen wir den Nachmittag im Schatten einer alten Hütte und gehen erst weiter, als es merklich abgekühlt ist. Wieder ein Zeltplatz unter einem klaren Sternenhimmel. Am Morgen zieht es dann ein wenig zu und ist den ganzen Vormittag diesig. Das hält die Sonne ein wenig ab, lässt uns aber die Sicht auf die schönen Berge. Ich habe schon immer Probleme gehabt, aus Quellen zu trinken. Das liegt vielleicht dran, weil ich in einer Gegend aufgewachsen bin, in der alle Quellen vergiftet sind, die Flüsse und Seen sowieso. Aber Jagger meint, dass das Wasser hier reiner ist als das, was man aus dem Wasserhahn bei uns bekommt. Ich glaube es ihm und staune erst einmal über den Geschmack. Jagger auch. Irgendwas ist da mit im Wasser, das irgendwie „metallisch“ schmeckt. Den ganzen Tag warte ich darauf, dass es in meinem Magen irgendwie rund geht, aber nichts passiert. Und so ist die zweite Quelle, die wir an dem Tag finden, eine echte Erfrischung. Aber es ist halt nur Wasser. Dieses Mal ohne Beigeschmack. Jagger improvisiert einen Weizenbierblues und ich schaue den schmalen Wolkenfetzen nach, die über die Berge klettern. Dabei fällt mir ein, dass je die Tour eigentlich auch irgendwie hier durch geht. Wahrscheinlich ist sie aber schon weg. Ist ja nur noch eine Woche, das heißt, die sind schon in den Alpen. Leider keine Chance, irgendwie zu sehen, wer führt und warum. Wir sind über dem Sattel, haben den Pic Serrere im Rücken und laufen zügig nach El Serrat hinunter. Ein kühles Bier ist beschlossene Sache. Das tut gut, mal wieder eine andere Musik zu hören als Jagger (tschuldigung!) und eben ein Bier zu trinken. Wir haben unsere Route noch einmal umgestellt. Jagger hat beschlossen, mich bis ins Vall de Boi zu begleiten. Und so schenken wir nicht nach Süden, sondern gehen einen angenehmen Weg Richtung Nordwesten in einem schmalen, schattigen Tal. Aber nach etwa zwei Stunden müssen wir das Tal verlassen und steigen keuchend wieder in Richtung französischer Grenze.

Km: 52,1 Kasse: Euro 259


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