Jakobsweg_ohne_Geld

28.02.2006 um 11:01 Uhr

Hellau!

Stimmung: närrisch
Musik: Rätätä

Als Faschingmuffel ist man in Stuttgart eigentlich schon richtig. Aber heute geht auch hier das Bärlein los. Viele Firmen machen zu – wir natürlich nicht. Wir haben ja sooo viel zu tun. Also dann: Lassen wir’s liegen. Nur schade, dass der Tag dann so lange nicht rumgeht. Aber meine Kumpels versorgen mich mit Internet-Adressen, in denen man langwierige Spiele machen kann. Meinen Widerspruch wollte der Personalchef nicht annehmen. Ruft mich runter, was das soll und will mir das Ding wieder mitgeben. Ich sage ihm, dass ich ihm die Einschreibegebühr in Rechnung stelle, wenn er das Ding nicht sofort nimmt. (Was muss er eigentlich tun dann? Mist, hat jemand ne Ahnung, wie’s weiter geht?) Außerdem trage ich in meine Stundenberichte jetzt immer ein: 1/2 Stunde unnötige Gespräche mit dem Personalchef.

28.02.2006 um 10:41 Uhr

Houston, wir haben ein Problem!

Stimmung: rund
Musik: Fredl Fesl: Fußball-Lied

Nachdem ich gestern (angetrieben von den Motivationskünsten meiner Noch-Geld-Geber) viel Zeit hatte und ein wenig um die blogs gezogen bin, habe ich festgestellt, dass ich genau während der WM laufe. Äh, das kann ja nicht sein. Das ist ja wohl unmöglich. Aaaaaaaaaaaaaaah! Nicht, dass ich ein Problem hätte, meine Wanderung für 90 Minuten zu unterbrechen, wenn ein einigermaßen wichtiges Spiel kommt. Aber in den Kneipen, in denen man das anschauen kann, wollen die Leute natürlich was verdienen. Ich weiß nicht wie das in Frankreich und Spanien ist, in Deutschland geht es ja nicht, dass man sich hinsetzt und "nur" schaut. Ich sehe schon, ich habe ein Problem. Alles auf Null! Das überdenken wir noch einmal richtig.

27.02.2006 um 14:39 Uhr

Probetour

Stimmung: so lala
Musik: Neil Young, Winterlong

Am Wochenende war ich auf meiner erster größeren Probewanderung. War schrecklich. Das Wetter vor allem. Eisiger Wind, und der gefrorene Regen kam wie Nadel auf den Backen an. Eklig kalt. Also hab ich nur runde 12 Kilometer gemacht. War aber auch genug mit dem Gepäck. Hatte letzte Woche ja schon zweimal die Tour vom Geschäft nach Hause gemacht. Auch so runde 12 Kilometer, die allerdings ohne Gepäck. Einfach, um mich und die Schuhe ein wenig einzulaufen. Werde ich jetzt dreimal die Woche machen. Und zweimal die Woche geht es dann nach Stuttgart, Spanisch lernen.

27.02.2006 um 09:34 Uhr

Wichtige Schritte

Stimmung: mies, obermies, richtigobermies
Musik: Haindling: Du Depp

So, das Auto ist so gut wie verkauft. Wurde am Sonntag abgeholt. Die Wohnung habe ich am Samstag übergeben - zum Glück ist der Vermieter ein Freund von meinen Eltern. Die verstehen sich ganz gut und der der Typ ist locker. Wieder zwei Punkte, die es mir leichter machen, "abzuhauen". Ansonsten ist wirklich Krieg auf die letzten Tage in meiner Firma. Na ja, wenn die das wollen. Das war wohl die Reaktion darauf, dass ich am Freitag auf dem Arbeitsamt war. Musste ja mein Arbeitslos abholen. War übrigens frustrierend, denn ich will ja die nächsten drei Monate nicht arbeiten, stehe auch nicht für eine Vermittlung zur Verfügung und bekomme deshalb auch mein Geld. So weit, so schlecht. Ganz schlecht: Wer keine Leistungen bekommt, ist auch nicht versichert. Aber zurück zum "Krieg". Mein Chef ist wech, hat zum 1. März (ungewöhnlich) gekündigt. Sagen sie. Und da er noch zwei Tage Urlaub hat, ist er am Montag schon nicht mehr da. Toll! Und dann kriegte ich noch eine Abmahnung. Wegen Nutzung einer geschäftlichen E-Mail Adresse für private Zwecke. Dabei war das eine kostenlose yahoo-Mail. Und private Nutzung war nicht untersagt. Deshalb ist auch eine Abmahnung nicht rechtens. Finde ich. Also widersprochen. Der dritte Hammer heute: Die Geschäftsleitung mailt mir lapidar, dass "es sich ja von selbst versteht", dass die Aufgaben vom Herrn Chef von den anderen Mitarbeitern übernommen und weitergeführt werden. Ha ha, ich bin der einzige, der das machen könnte. Betonung auf könnte.

21.02.2006 um 09:49 Uhr

Endzeitärger

Musik: I'm the passenger, Iggy Pop

Nur noch sechs Wochen im Geschäft - und jede Menge Ärger. Der Personalchef will irgendwie nicht einsehen, warum ich zum Arbeitsamt muss. Er hat mitbekommen, dass ich drei Monate "aussteige", also kein Geld bekomme. Aber ich muss mich arbeitslos melden, trotzdem. Wer weiß, was hinterher ist. Ja, das könnte ich doch schriftlich machen. Und der Mann ist Personalchef. Ich fasse es nicht. Ich sage ja immer, dass unser Laden nach dem "Jeansprinzip" geführt wird. An den wichtigsten Stellen sitzen die Nieten. Also gut, meint er dann, dann soll ich halt zum Arbeitsamt. So, als wäre das nun eine Gnade von ihm. Aber doch nicht während der Arbeitszeit. Ich soll doch Urlaub nehmen. So ein blöder Witz, muss ich ihn denn nun fragen, was ich in meiner Freizeit machen muss? Ich schlucke dreimal, sage lieber nichts. Bzw. ich muss ihm sagen, dass er mir ja schließlich gekündigt hat und dass es mir zusteht, dass ich dann zur ('tschuldigung) "Agentur für Arbeit" gehen. Er meinte dann, dass das doch sehr dreist wäre, und dass, wir wären ja hier unster uns, die letzten Tage für mich sehr unangenehm werden können. Ich schlucke noch mal. Ich könnte ja jetzt sagen, dass ich jederzeit einen Arzt finde, der mich ein paar Tage krank schreibt. Und dann noch ein paar Tage. Was will der denn? Macht demonstrieren. Er kann mir gar nicht. Höchstens ein schlechtes Zeugnis ausstellen. Und dann bekommt er noch mehr Ärger. Ich hole tief, sage nicht, stehe wortlos auf und zwinkere ihn beim Rausgehen noch mal mit einem Lächeln an. Irgendwie hatte er damit nicht gerechnet - ihm fällt das Gesicht runter und er sagt auch keinen Ton. Hat mir gefallen, mein Abgang. Ich bin zufrieden. Der Tag wird gut.