Jakobsweg_ohne_Geld

28.04.2006 um 14:42 Uhr

Donnerstag, 27. April. Mehr Regen

Musik: Rain, Uriah Heep

Wieder nicht so gut geschlafen. Ich spüre das in den Beinen, als ich bergauf stapfe. Immerhin hat der Regen etwas nachgelassen. In der Nacht hatte er ziemlich auf mein Zelt getrommelt. Ein paar Flecke blauer Himmel sind zu sehen, der Wind vertreibt die Wolken. Ich laufe durch einen schönen Wald und freue mich auch meine heiße Schokolade. Aber die fällt erstmal aus, das Café hat zu im nächsten Dorf. Eine ältere Frau, die ich frage, weiß auch nicht warum. Und auch nicht, wo ich Brot kaufen könnte. Und nicht, wo es nach Kollafans geht. Also folge ich der Straße. Es geht bergab, immerhin. Ein schönes Tal erwartet mich, das Wetter wird freundlich. Alles sieht frisch gewaschen aus und mit einem Grün, das fast nicht zu ertragen ist. Ich treffe zwei Motorradfahrer aus Belgien und sie lassen mich auf ihre gute Michelin-Karte schauen. In Ornans ist eine schöne Kirche eingezeichnet, da wollen die beiden hin. Aber für mich wäre das ein Umweg von über 10 Kilometer. Zu weit, beschließe ich. lehne auch das nette Angebot der beiden ab, dass sie mich für die Strecke einfach mal hinten drauf packen. Die Straße ist ein Umweg, also versuche ich mich nach Gefühl das Tal hinauf und komme auch irgendwie ganz gut nach Chantrans. Auch hier steht eine nette kleine Kirche. Ich mache eine Pause, plaudere mit dem Mann, der die Blumen hier versorgt und werde zu einem Glas Wein eingeladen. Dann kommt der Regen wieder. Ich habe eine gute Wegbeschreibung abseits der Straße. Allerdings ist es eine Berg- und Tal-Strecke. Drei Anstiege habe ich zu bewältigen an dem Nachmittag. Und das einzige Nest, durch das ich komme, hat keinen Laden und kein Café. Mist. Ich frage eine Frau, wo man denn etwas zu essen kauft, hier in der Gegend. „Ja, da hat es schon eine Menge Supermärkte“, sagt sie. „C’est loin?“ Sie schaut mich an, legt den Kopf schräg und meint: „Zu Fuß?“ Ich zuck nur mit den Schultern. Sie lacht nur und meint, dass es bis Besancon etwa 25 Kilometer sind. „Das schaffe ich in einem Tag“, sage ich. Sie verkauft mir für 5 Euro Brot, Käse, Oliven und einen angemachten Gemüsesalat in einer Plastiktüte. Außerdem kriege ich meine Flasche Tee gefüllt. Ich dachte, ich könnte dem kleinen, sehr schönen Tal folgen, aber die Karte hat mich da genarrt. Zum Glück schaue ich noch mal rein, und dann ist das vermeintliche Tal eine Department-Grenze oder so was. In Sichtweite der N 83 schlage ich mein Zelt auf und genieße mein ausgezeichnetes Abendessen, allerdings wieder im Zelt, weil es schon wieder (immer noch) regnet. Wieder mehr als 30 km gelaufen heute.

Kilometer: 34,9 km, Kasse: 44 Euro

28.04.2006 um 14:19 Uhr

Mittwoch, 26. April. Regen

Musik: Have You ever seen the rain, CCR

Es regnet. Hatte schon fast vergessen, wie das ist. Vor allem, dass es lästig ist, wenn man in einem kleinen Zelt liegt. Es ist laut, es ist feucht. Ich hatte das Zelt nicht so richtig gespannt gestern Abend, und so kriecht die Feuchtigkeit überall rein. Aber da es gerade früh morgens ziemlich regnet, beschließe ich, dass ich rausgehe. Aber dann hört es geschwind auf und ich packe schnell zusammen. Ist auch erst sieben, als ich loswandere. Der Bauernhof liegt nicht auf meinem Weg und noch einen Umweg will ich auch nicht machen. Irmi ist da. Ich glaube, ich habe sogar von ihr geträumt. Und dann war sie da, war überall und ging nicht mehr weg. Ich seh sie in jeder Wolke, in jede Blume, aus jedem Fenster schauen, in jedem Auto vorbeifahren … Über eine Stunde geht das so, ich kann sie einfach nicht verdrängen. Im Gegenteil, sie wird immer präsenter. Wie eine Seifenblase, die immer größer wird und immer bunter schillert, bis sie schließlich platzt. Ob das was zu bedeuten hat. Ich überlege hin oder her, ob ich anrufe, lasse es aber dann. Ich hoffe, es geht Dir gut, Irmi. Ich laufe zügig nach Pierrefontaine und frühstücke dort. Meine Frage nach billigem Brot hat allerdings keinen Erfolg. Egal, noch ist meine Kasse ganz gut gefüllt. Es gibt zwei Wege: einer ist über die Hügel, einer ist länger, aber eben. Wie viel länger, frage ich. Der Mann zuckt mit der Schulter. Es fährt immer mit dem Auto, lacht er. Ich nehme den kurzen. Er ist nicht besonders schön zu laufen. Oft Straße ohne Gehweg, aber zum Glück kaum Verkehr. Trotzdem verursacht jedes Auto, das an mir vorbeifährt, Unbehagen. Es nieselt oder regnet immer mal wieder. Dazwischen kommt die Sonne heraus und ein teilweise scharfer Wind fegt vom Westen her. Nicht immer schön zu laufen. Aber ich komme ganz gut voran. Valdahon ist die erste größere Stadt seit zwei Tagen. Na ja, Städtchen. Es regnet immer noch und ich habe irgendwie die Hoffnung, dass es besser wird, wenn ich das Rhonetal erreiche. In drei Tagen könnte ich das schaffen. Also nur kurz eingekauft und dann weiter. Zunächst eine unschöne Strecke entlang einer Straße. Rechts ist ein Sperrgebiet, wahrscheinlich vom Militär. Dann biege ich links ab, komme ich auf eine noch größere Straße. Kurzer Blick auf die Karte – die N 57. Ich überquere sie und stapfe bergauf. Zunächst auf einem guten Asphaltweg, dann auf einem matschigen Feldweg. Ich suche mir einen Platz, um mein Zelt aufzubauen. Kein Bauernhof, also gehe ich in ein kleines Wäldchen. Mein Zelt konnte ich den ganzen Tag  nicht trocknen, so ist es lästig, das aufzubauen. Kaum fang ich an, fängt es kurz an zu schütten. Bis das Zelt steht, bin ich patschnass. Abendessen im Zelt, Krümel im Schlafsack.

 

Kilometer: 33,4 km, Kasse: 53 Euro

28.04.2006 um 13:51 Uhr

Dienstag, 25. April. Berge

Musik: Like a hurrican, Neil Young

Am nächsten Morgen bleibe ich lange liegen, starre durch mein Zeltfenster auf den See. Als es hell wird, studiere ich die Landkarte. So ganz schlau werde ich nicht daraus. Ich muss Richtung Besancon, aber wenn ich über Baume les Dames gehe, dann muss ich an der Route National entlang. Kein schöner Gedanke, und ich entscheide mich für einen Weg querfeld ein. Zunächst nach Pont de Roide, einer kleinen Stadt mit einigem an Industrie, aber eigentlich ganz nett. Hier geht es dann heraus aus dem Tal der Doubs, recht bissige Anstiege machen den Tag ziemlich anstrengend. Bisher hatte ich es, so kam es mir auf jeden Fall vor, sehr, sehr eben. Heute schlaucht es mich auf jeden Fall gewaltig. Montagnes du Lomont heißt der Höhenzug, erfahre ich später. Aber das Wetter ist weiter schön. Ich muss allerdings oft fragen, wie ich nach Sancey le Grande komme, meinem nächsten Ziel. Wobei oft fragen so eine Sache ist – ich treffen auf der Strecke von fast 15 Kilometern drei Leute. Alle hacken sie auf den Feldern, und alle sind nett, halten einen kleinen Schwatz, froh über die kleine Abwechslung und die Pause. Sancey le Grande, das „Grande“ ist geschmeichelt. Aber es ist ein nettes Städtchen. Ich mache eine Rast, esse etwas, döse in der warmen Sonne. Es ist noch zu früh, um das Zelt aufzubauen. Ich kaufe noch etwas fürs Abendessen und gehe dann weiter. Wieder geht es raus aus einem Tal. Langsam, aber auch das macht Strecke. Irgendwann mag ich nicht mehr, ich steuere einen Bauernhof an, frage wieder, ob ich mein Zelt aufstellen kann. Der Mensch da schickt mich noch zwei Kilometer weiter, da steht eine kleine Scheune, da hat es auch einen Pumpbrunnen, sagt er. Er wollte mich wohl nicht am Bauernhaus haben. Auch egal. Ich bedanke mich und laufe. Erst als ich da ankomme merke ich, dass ich wieder in der Richtung zurück gelaufen bin, also wieder östlich von Laviron bin. Den Kilometern zufolge bin ich heute irgendwie nicht den direkten Weg gelaufen. Aber was solls, das war mir klar, dass das immer mal wieder passieren wird.

 

Kilometer: 26,9 km, Kasse: 61 Euro

28.04.2006 um 13:33 Uhr

Montag, 24. April. Deja vu

Musik: Dead end street, Kinks

Es ist wieder eiskalt morgens, und natürlich noch dunkel, als ich mich auf dem Schlafsack schäle. Ich packe zusammen, im Haus ist schon Licht, aber es kommt niemand raus. Ich gehe ans offene Küchenfenster, sage danke und auf Wiedersehen, die Bäurin nickt kurz, der Bauer hebt seine Hand. Es kommt lange keine Ortschaft und ich muss eine ziemliche Strecke laufen, bis ich in eine Ortschaft komme. Ein Ortschild finde ich nicht, aber eine kleine Bar, in der ich Kakao und Croissants bestelle. Einige Männer stehen am Tresen, sie fragen mich nach dem woher, wohin, schütteln den Kopf, klopfen mir auf die Schultern, wundern sich über die Jugend und gehen. Die Wirtin bringt Spiegeleier und ein Baguette mit Schicken. Ich schaue sie fragend an – sind schon bezahlt, lacht sie nur. Und meine anderen Sachen auch. Ich laufe weiter, will heute ein gutes Stück vorankommen. Der Weg ist zwar Asphalt, aber gut zu gehen. Mittags sticht die Sonne herunter und ich habe bald nichts mehr zu trinken. An einem Kindergarten frage ich, ob ich meine Flasche auffüllen kann – und werde von den beiden sehr jungen Betreuerinnen eingeladen zum Essen. Oh, Deja vu. Das ist ja so wie an meinem ersten Tag – allerdings gibt es eine Art Auflauf. Und die Kinder nehmen von mir keine Notiz, sie spielen draußen, heute wurde der alte Pumpbrunnen eingeschaltet, und Wasserspiele sind für sie interessanter als ein Wanderer aus Deutschland. Ich bekomme mindestens ein Kilo Bananen geschenkt, schon sehr reif – die müssen weg.

Montbeliard liegt vor mir, aber ich will nicht in die Stadt rein. Eine etwas hektische Frau erklärt mir den Weg. Prompt verlaufe ich mich. Erst in Valentigney finde ich mich wieder zurecht. So ein Umweg war es wohl doch nicht. Ich finde einen Bäcker und frage nach einem billigen Brot. Der Bäcker selbst ist im Laden, lacht mich an, gibt mir ein Baguette und außerdem noch zwei Schinkenhörnchen. Es nickt mit dem Kinn auf meine Jakobsmuschel, die außen am Rucksack hängt: Ich soll ihn in meine Gebete einschließen. Dann klatscht er in die Hände, dass die ganze Bäckerei nur so hallt, zwei Gesellen springen auf und eilen mit ihm in die Backstube. Unglaublich, ich habe heute keinen Cent ausgegeben.

Bei Bourguignon suche ich mein Nachtlager. Ich finde eine nette Stelle am Waldrand, gegenüber ist ein kleiner See, die ganze Gegend hat etwas friedliches, und ich schlafe tief und lange.

 

Kilometer: 29,3 km, Kasse: 68 Euro

28.04.2006 um 13:19 Uhr

Sonntag, 23.April. Osterspaziergang

Musik: Sitting, Cat Stevens

Kurz nach fünf wecken mich die Vögel. Noch ist es

dunkel, aber ich schäle mich trotzdem aus dem

Schlafsack, werde nur langsam wach, aber schnell kalt.

Also Katzenwäsche aus der Wasserflasche,

zusammenpacken und los. Manchmal ist es gut, nicht in

Deutschland zu sein. Zum Beispiel an einem Sonntag

Morgen. Die Kalendertage hatte ich ganz vergessen und

so bin ich froh, dass in Frankreich jedes Dorf einen

Bäcker hat, der auch sonntags für seine hungrigen

Kunden da ist. Es geht doch nichts über ofenfrisches

Baguette. Vor allem, wenn man noch zwei angemackte

Croissants und einen Kaffee geschenkt bekommt. Der Tag

fängt gut an. Ich kaufe noch etwas Vorrat für den Tag

und laufe los. Ich habe beschlossen, dass ich heute

ein wenig „Strecke“ mache. Belfort hat, wenn ich mich

recht erinnere, ein Büro der Jakobsgesellschaften.

Aber zum einen sind meine Adressen ja weg und ich weiß

nicht, ob ich das finden und sonntags jemanden

erreichen würde. Zum anderen ist es ein kleiner Umweg

aus dem schönen Tal heraus. Ich beschließe, dass ich

Belfort links liegen lasse. Das Wetter ist sehr schön

und sonnig, es wird schnell warm und ich vermisse den

Vorteil der Trinkeinrichtung, die ich an meinem alten

Rucksack hatte. So muss ich immer wieder anhalten und

die Flasche herausholen. Ich gewöhne mir an, mit der

Flasche in der Hand zu laufen. Seit die große Straße

weg ist, ist das Tal gleich noch einmal um einiges

schöner. Ich marschiere immer am Fluss entlang und

genieße ihn als Begleiter. Was für eine Kraft doch der

sehr später Frühling hier in ein paar wenigen Tagen

gezeigt hat. Alles ist grün oder blüht, alles strebt

ans Licht. Nur die Menschen verstecken sich scheinbar

in ihren Höhlen. Mir fällt Goethes Osterspaziergang

ein, aber ich komme nicht weit mit dem Text. Von wegen

Deutsch Leistungskurs ... :-(

Vom Eise befreit sind Strom und Bäche

Durch des Frühlings holden Blick

Im Tale grünet Hoffnungsglück

Der alte Winter, in seiner Schwäche

Zog in raue Berge sich zurück

 

Pause in Dannemarie, die Eisenbahnlinie begleitet mich

jetzt wieder und eine Straße. Aber die verlässt mich

wieder in einem kleinen Nest mit dem etwas

ungewöhnlichen Namen Bretagne. Kein Mensch auf der

Straße hier. Am Kanal entlang gehe ich weiter und

freue mich über das schöne Wetter und die

Schmetterlinge. Und die Dörfer sind „nur“ Dörfer. Sie

bieten nichts Außergewöhnliches, und wenn, dann habe

ich es verpasst. Aber das macht mir gar nichts – ich

mag diese kleinen französischen Dörfer. Hier sind sie

mir fast noch zu aufgeräumt und rausgeputzt. Ich

überlege noch einmal geschwind, ob ich nach Belfort

abbiegen soll. Aber das wären rund 12 Kilometer Umweg

eine Strecke. Also lasse ich das. Ein alter Bauernhof

bietet mir Unterschlupf für den Tag und einen Brunnen

mit eiskaltem Wasser. Die Besitzer sind etwas

einsilbig, weisen mir mit der Hand einen Platz, wo ich

zelten kann, zeigen den Brunnen. „Bonne nuit“, „Bonne

nuit“.

 

Kilometer: 26,2 Kasse: 68 Euro

28.04.2006 um 12:49 Uhr

Samstag, 21. April. Unter Studenten

Musik: La Folie, Stranglers

Ich hätte nicht gedacht, dass die Bauarbeiter hier am Samstag arbeiten und dann auch noch so früh anfangen. Aber sie waren wohl gut gelaunt. Vor allem, als ich ihnen erzählte, was ich so mache. Einen von ihnen hatte den Camino auch schon erwandert. Aber nicht freiwillig, lachte er, wegen einer Frau. Von Le Puy bis Lourdes sind sie gegangen. Und dann sagte er noch etwas, was ich nicht verstanden habe, aber die anderen haben sich halb tot gelacht darüber. Dass der Jakobsweg in den letzten Jahren viel besucht war, war mir schon klar. Aber dass ich unterwegs immer wieder Menschen treffe, die sich dann auch (einen kleinen Teil) mit mir identifizieren, hätte ich nicht gedacht. Ich hab den Jungs dann geholfen Leitungen abzuladen. Hätte ich ja beim Verlegen helfen können, da kenn ich mich wenigstens aus, aber mit der Fugenfräse durch den Beton gehen, das ist auch nicht so der Hit. Außerdem will weiter, raus aus der Stadt. Sie teilten dann ihr Frühstück mit mir (nicht unbedingt jedermanns Sache: fette Pastete, eine Art Sülze, scharfen Krautsalat und Bier) und dann bin ich weiter gezogen. Fünf Euro mehr in der Tasche. Erst mal raus aus der Stadt. Das hasse ich immer, diese Städte scheinen nie ein Ende zu nehmen. Ein jüngerer Typ kommt vorbei und ich frage ihn, wie ich aus der Stadt komme. An der Uni vorbei, sagt er und meint, dass wir den gleichen Weg hätten. Wir kommen ins Gespräch, ich sage, dass ich nach Santiago pilgere und er meint, dass er auch schon auf dem Camino war, aber nur ein kleines Stück nach Le Puy. Aber er will ihn mal ganz gehen, vielleicht, wenn er fertig ist mit studieren. Wir sind an der Uni und ich frage, ob die da ne Toilette haben, wo ich hin kann. Klar. Er bringt mich zur Mensa, trifft da einen Freund, der schenkt mir eine Essens- und eine Getränkemarke. Und noch besser: Hier stehen zwei Terminals, an denen man kostenlos ins Internet kann. Das muss ich ausnutzen und hab bis gestern gleich mal alles eingetragen. Mein MP3 war eh schon wieder ziemlich voll. Danach bin ich nicht mehr weit gekommen. Klar, war ja schon weit am Nachmittag. Ich laufe halt mal los und versuche, möglichst viel Stadt hinter mich zu bringen. Ich will wieder weg von der Autobahn und folge deshalb dem Flusstal (Doubs). Da ist zwar auch eine größere Straße auf der anderen Seite, aber das geht. Und bei Illfurth biegt die Straße ab. Aber da wird es schon Zeit, einen Schlafplatz zu finden. Bei Heidwiller frage ich einen Bauern. Klar, kein Problem, meinte er. Die Wiese ist ja groß genug. Ich bin müde, krieche bald in mein Zelt.

 

Kilometer: 14,6

Kasse: 74 Euro

28.04.2006 um 12:21 Uhr

Ohne Datum, ein Dankeschön

Es gibt so Momente, da ist man einsam, ganz gleich, wie viele Menschen um einen herum sind. Heute ist so ein Tag. Und an dem danke ich dem Erfinder des Internetzes, der Blogs und des E-Mails und werde diese Menschen sicher in mein Gebet einschließen, wenn ich Santiago erreiche. (Apropos: Ich dachte, zu dem Artikel in der Süddeutschen über das Beten gab es keinen einzigen Kommentar. Hattet Ihr das schon gewusst oder wenigstens vermutet?) Außerdem alle, die die oben genannten Erfindungen nutzen, um den Kontakt zu mir aufrecht zu halten. Ein herzliches Dankeschön für jede einzelne Zeile. Es klingt jetzt vielleicht ein wenig kitschig, aber ich weiß das wirklich zu schätzen. Weil ich so weiß, dass zumindest hin und wieder mal jemand an mich denkt. Bei mir selbst ist das Leben in drei Ebenen eingeteilt, die ständig wechseln. Die erste ist praktisch verschlossen, also meine Innenwelt. Die zweite ist meine unmittelbare Umgebung, also das, was ich unterwegs sehe, erlebe, spüre – inklusive der Menschen. Und die dritte sind die Menschen, von denen ich „Urlaub“ genommen habe und/oder die mich virtuell begleiten. Ich merke jetzt schon wieder, wie schwer das sein muss, meinen Einträgen zu folgen. Zumal sie nicht gerade kurz sind, sobald ich die Zeit und die Gelegenheit dazu finde. Aber ich würde gerne sogar noch mehr schreiben ... Auf jeden Fall danke für jeden Kommentar. Wer mich kennt, weiß, dass ich Kritik sehr gut vertragen kann und (nach einigem Nachdenke) sie mir meist auch zu Herzen nehmen. Also weiter bitte, ich bin freue mich über jede Zeile. Ein paar der Kommentare will ich hier schnell kommentieren (chronologisch und unbewertet). Geht einfacher, weil ich (und Ihr) sonst so lange suchen müsst im Blog. Anton und Stefan: Vielen Dank für den Beistand. Ja, ist schon komisch, dass ich zwar mit dem Jakobsweg angegangen habe, ihn dann ganz verdrängen wollte, aber das unterbewusst doch nicht getan habe. Du hast sicher Recht, der Weg verändert. Sicher, es könnte jeder andere Weg auch sein – zum Beispiel hätte ich auch nach Saloniki laufen können. Etwa gleiche Streckenlänge. Aber das Ergebnis (im Innern) wäre in etwa das gleiche geblieben. Thema Beichte. Ja, ich hab schon gekämpft mit mir. Aber ich wollte einfach (fast) nichts weglassen. Die Öffentlichkeit des Blogs ist mir schon bewusst, und nicht, dass ich mich damit rühmen wollte, aber es ist nichts, weswegen sich jemand schämen musste. Oh Mist, ich verlier den Draht dazu, was ich sagen will. Ich lass es jetzt einfach mal so stehen. Danke auf jeden Fall für die Grüße und guten Wünsche. Günter hat mir gemailt, dass sogar im Pilger-Forum „Werbung“ gemacht wurde. Oops, das hat sicher wieder heiße Diskussionen gegeben. Wenn es noch reicht, dann schau ich nachher mal rein. Wenn nicht, Grüße an alle im Forum und noch mal Dank für alle Infos, Anregungen und Anstöße. Ob das authentisch ist, weiß ich gar nicht. Bin mir da nicht mehr ganz so sicher, obwohl es mit Sicherheit mehr Menschen gab, die mit sehr wenig losgezogen sind. Heute gibt es ja für alles wissenschaftliche Untersuchungen im Netz – wer da etwas weiß, bitte mir Bescheid geben. Marion/Gargamel: Ja, ich gebe zu, dass es schon ein ziemlicher Glückfall war. Habe mir unterwegs ein paar Mal schon überlegt, was alles zusammenkommen musste, dass ich das gemacht habe. Ich habe mich früher schon mal gefragt, wie sich manche Menschen das leisten können, für Monate/Jahre auszusteigen. Aber ich denke, dass es gerade in Deutschland fast nicht möglich ist. Eigentlich schade. Wandersmann: Ich hoffe auch, dass ich (ab jetzt) mehr Glück als Pech habe. Aber ich denke, dass man irgendwie Glück und Pech auch selbst beeinflusst. Lässt sich aber nie so richtig sagen, weil man eine Situation nicht zweimal durchspielen kann. Ich glaub da nicht so recht an die Theorie der Parallel-Universen ;-) Obwohl, witzig wärs schon. Das mit dem Geld ... komisch, das juckt mich am wenigsten. Da schmerzt es viel mehr, dass ein paar persönliche Dinge dabei waren, der wirklich gute Rucksack, mein Pilgerbär ... Pilger: Habe vorher bei Dir reingeschaut. Konnte aber gar nicht mehr so richtig nachvollziehen, wo Du gerade bist. Schimpf nicht allzu sehr mit mir – das Fleisch ist willig, aber der Geist ist schwach. Weiterhin guten Weg. Ganz kurz: Ernesto: Danke für die vielen guten Tipps, Erfahrungen und guten Wünsche. Julian: Auch von Dir nichts mehr gelesen. Hoffe, Du bist gut aus Indien zurück. Herbert: Danke noch mal für alles. Das mit Kamera lass mal. Ist eigentlich ganz entspannend, nicht dauernd nach einem Motiv schauen zu müssen und auf das Ding aufzupassen. Kerstin: Danke für die Wünsche und die Knuddel. Ja, ich habe an unser Gespräch von Silvester gedacht ... Kai: Hattest Du was anderes erwartet? Halt die Ohren steif! Günter: DANKE! DANKE! DANKE! Bobo: Was würde ich ohne Deine Musik machen? Und ohne Deine bissigen Kommentare? Gargamel: Schade, dass wir uns verpasst haben. Danke für die Tipps. Wann ist die nächste Sonnenfinsternis? Gabi: Sorry, wenn ich nicht zum Mailen komme. Habe Dein letztes Mail nicht so recht verstanden – werde es noch mal lesen und mich dann melden. Tiffy: Daumen drücken hat was geholfen. Ein Job bei der WM, toll! Mach was Gutes draus! Und noch kürzer: Dank an Anderyy, Epiphanius, Leonie, Tina, Thomas, Klaus, Kevin, Thatie und Ninchen. Hoffentlich habe ich jetzt niemanden vergessen. Wenn doch, werde ich ihr/ihm nächstes Mal ein ganzes Kapitel widmen. Versprochen. Also bitte melden, ein ganzes Kapitel in meinem Tagebuch ist zu gewinnen ;-)