Jakobsweg_ohne_Geld

09.05.2006 um 18:37 Uhr

Samstag, 6. Mai. Sozusagen der dritte Start.

Spätes, sehr langes Frühstück. So richtig wollen die beiden mich nicht laufe lassen. Und so richtig will ich auch nicht starten. Aber dann beschließen wir, dass wir es nun doch kurz machen. Christophe hilft mir, den Rucksack auf das Rad zu schaffen und ich bemühe mich, ja keine schnelle Bewegung zu machen und den Oberkörper ja nicht irgendwie anzuspannen. Natürlich geht es nicht, aber weh tut’s nur, wenn ich lache. Ehrlich. Lachen ist schlimm. Husten auch, und ich darf gar nicht daran denken was passiert, wenn ich niesen muss. Zum Glück habe ich keinen Heuschnupfen. Gestern Abend hatten wir noch diskutiert, ob das mit dem Rad eine gute und die beste Lösung ist. Nett, dass ich einige Kommentare und Mail bekommen habe, in denen andere Lösungsvorschläge standen. Ich habe Therese das mit dem Esel erzählt, und sie hat sich tatsächlich schlau gemacht, ob das klappen könnte. Sie kennt da jemanden, der macht regelmäßig Wanderungen, bei denen die Viecher das Gepäck tragen. Er riet ab, meinte Therese. Wenn die Biester was Gutes zum Fressen sehen, dann ziehen sie dahin, und da muss man ganz schön entgegenhalten. Das wäre nichts für meine Rippen. Auch die Idee eines Art Soulky wurde vorgeschlagen, sogar mit Hinweis, wo es eine Bauanleitung gibt. Das war das, was ich vorhatte mit diesem zweirädrigen „Kinderwagen“. Die Radgröße von einem Fahrrad scheint mir da allerdings ungeeignet. Und ich bin ungeeignet, so ein Ding zu bauen ;-) Außerdem will ich nicht länger warten. Also los, probieren wir das Mal. Ich habe es vehement abgelehnt, Geld von den beiden anzunehmen. Sie versuchen es mit allen Tricks, aber sie haben schon so viel für mich getan. Immerhin bekomme ich ein riesiges Fresspaket, das kann ich auf das Rad packen, macht auch keinen Unterschied mehr. Und dann beschließen die beiden spontan, dass sie mich, weil Samstag ist, ein Stück begleiten. Ist mir gar nicht recht, weil sie sicher schauen wollen, wie ich zurecht komme. Und ich weiß, dass das nicht so toll sein wird. Aber ich kann sie nicht davon abbringen. Ruckzuck haben die beiden ihre Wanderstiefel an, einen kleinen Rucksack gepackt und schieben mein Rad zum Garten hinaus. So geht es natürlich einfach, wenn ich das Rad nicht selbst schieben muss. Aber hier, in der Stadt, ist mir das Recht. Außerdem muss ich mich dann nicht auf die Strecke konzentrieren. Therese meint, wir sollen am Canal de Bourgone. Das ist zwar ganz nett, aber nachher kommt eine Autobahn oder so was. Aber wir machen eh erst Mal Pause in einem schönen Restaurant mit Blick auf das Tal. Danach geht es bergauf, Christophe schiebt wieder das Rad. Ich habe es vorher schon geschoben, und es geht ganz gut, wenn man nicht aus dem Gleichgewicht kommt oder zu schnell geht. So um drei verlassen die beiden mich. Eine vorsichtige Umarmung, ein paar tiefe Atemzüge von Therese und sehr besorgte Blicke, dann bin ich wieder. Ich lasse es ganz langsam angehen. Ich muss Richtung Rennstrecke, hat Christophe gesagt. Wusste gar nicht, dass er hier eine gibt. Ich sehe sie dann, als ich aus dem Wald rauskomme. Und ich sehe auch, dass ich heute nicht mehr weit komme. Das Problem ist, dass ich eben so gleich mäßig wie nur möglich schieben muss, und dass ich auch nicht tief Luft holen kann. Blöd ist auch, dass das Rad keinen Ständer hat. Aber mit dem Gepäck drauf, würde es eh nicht halten. Ich muss also immer etwas suchen, wo ich es gegenlehnen kann. Ich beschließe, dass ich für heute Schluss mache, bleibe noch vor der Rennstrecke, da ist ein kleiner Wald. Ich bleibe noch lange sitzen, schaue in die Gegend, denke an nichts und bemerke, dass das Wetter wieder etwas unfreundlicher zu werden scheint. Schade um die letzten Tage, die ich für meine Strecke mehr oder weniger verloren habe. Dennoch bin ich ziemlich „weiter gekommen“, den sonst hätte ich nie diese zwei wirklich großartige Menschen kennen gelernt. Kilometer: 11,7 km, Kasse: 38 Euro

09.05.2006 um 18:10 Uhr

Freitag, 5. Mai. Unterwegs in Sachen Senf.

Musik: Wild world, Cat Stevens

Therese und Christophe wollen, dass ich bis zum Montag bleibe. Aber ich will so schnell wie nur möglich weiter. Es langweilt hier halt – und damit will ich den beiden auf keinen Fall Unrecht tun. Aber es ist, als sitze ich auf Kohlen. Ich will weiter. Und bei dem Wetter rumsitzen, das ist gar nichts für mich, das nagt an den Nerven. Eigentlich wollte ich heute noch weiter, aber dann haben wir uns „geeinigt“, dass ich noch bis morgen da bleibe. Therese findet es eh unmöglich und schimpft mir ihrem Mann, weil er die Idee mit dem Rad hatte. Aber der zuckt nur mit den Schultern. Heute frühstücken wir lange zusammen, Therese geht dann um kurz nach acht, wir um halb neun. Christophe hat mich für eine Führung durch die Senffabrik Maille angemeldet. Sehr interessant, aber man muss sich erst mal schnell an den Geruch gewöhnen. Aber ich mag Senf ... Leider war die Führung in Französisch und ich habe nicht alles verstanden. Aber eines kommt schon raus: Die Leute hier sind ziemlich stolz auf ihren Senf. Und das schon seit Jahrhunderten. Zum Abschluss bekomme ich dann noch ein netter Paket, natürlich mit viel Senf drin. Was mache ich damit? Ich kann es ja weder mitnehmen noch zu meinen Gastgebern mitbringen. Aber das erledigt sich dann ganz gut, ich tausche das Senfpaket (außer der Kappe, die könnte noch sehr praktisch sein) bei einem Pärchen aus Deutschland gegen ein Eis. Danach habe ich meine erste längere Wanderung seit meinem „Unfall“ – ich muss wieder zurück. Weiß nicht genau, wie weit das war, aber ich habe ewig gebraucht, bin wohl geschlichen wir ein 90jähriger Opa mit Gicht. Abends mache ich mich dann an meine Route. Christophe hat mir einige seiner Wanderkarten kopiert und aus einem alten Klemmbrett einen Kartenhalter gemacht. Das ist sehr praktisch. Nach Fontenay sind es runde 60 km Luftlinie und die Gegend sieht ziemlich interessant aus. Vor allem hoffe ich, dass die großen Straßen nun wieder in den Hintergrund treten. Abends sitzen wir erst draußen im Garten, aber dann wird es doch wieder etwas frisch. Mit einem schweren Rotwein setzen wir unsere Diskussion über Gott und die Welt drinnen fort. Vor allem natürlich über Fußball und die WM. Christophe schwärmt natürlich von der französischen Mannschaft mit all den Stars, die auch in der Bundesliga spielen. Micoud fällt mir da auch ein, er soll ja am Samstag wieder sehr gut gewesen sein. Klar, Zidane, der alte Mann, aber da habe ich so meine Zweifel. Der Sturm ist natürlich schon erste Sahne: Trezegue und Henry. Aber die Abwehr ... Barthez fand ich eh nie so toll, dann „Willi“, der kleine Wusler. Und Ismael, den er noch nennt, ist ja gar nicht nominiert (soviel ich weiß). Er erzählt mir noch, das Djokeaff anscheinend diese Woche verball böse gegen Kaiserslautern und Deutschland nachgetreten hat. Ihm wird im Restaurant schlecht, wenn er nur hört, dass andere Menschen Deutsch sprechen. Na ja, bei solchen Aussagen kommt mir auch das Kotzen. Kilometer: kein Zähler an, Kasse: 38 Euro

05.05.2006 um 14:17 Uhr

Donnerstag, 4. Mai. Großes Kino

Musik: Here comes the sun, George Harrison

Ich bin alleine im Garten und versuche, meinen Packesel mal Probe zu packen. Aber das geht wirklich nur sehr langsam und ich muss vorsichtig sein. Aber es geht. Nicht ganz so gut geht es, das Ding zu schieben. Eigentlich eine ganz einfache Sache. Aber alleine das halbschräge Greifen, also mit dem rechten Arm weit nach außen, ist nicht so einfach. Vor allem muss ich aufpassen, dass ich das Gleichgewicht nicht verliere. Ich kann nur sehr begrenzt ausgleichen. Wenn ich da nicht aufpasse, kann ich das Rad nur fallen lassen. Nach der kleinen Tour durch den Garten hab ich zwar wieder stärkere Schmerzen, aber das ist erstmal egal. Ich weiß, dass ich weiterziehen kann. Danach setze ich mich erst mal wieder ans Internet und schaue durch die Blogs, Mailboxen und sonstiges, schreibe ein paar Kommentare. Der VfB hat verloren und Bayern (mal wieder) zum Meister gemacht. Na ja, was nicht anders zu erwarten. Christophe ist Lyon-Fan, er geht da auch ziemlich oft mit Kollegen hin. Gestern haben wir noch über die Vergabe der Eintrittskarten diskutiert. Ich finds auch nicht so toll, aber bei der Nachfrage, die da herrscht, hätte ich auch keine andere Lösung. Der Garten ist nett hier, man kann schön ruhig unter einem großen Baum sitzen. Ich habe, also ich gestern Waschtag gemacht habe, das kleine Buch wieder gefunden, das mir Tina geschenkt hat: Paulo Coelho „Auf dem Jakobsweg“. Ich lese es ziemlich schnell – ist aber nicht so der Hit. Zwar gut und flüssig geschrieben, aber eigentlich hat er den Jakobsweg nur als Abenteuerspielplatz für seine Phantasie-Geschichten benutzt. Vermutlich ist der Verlag auch erst auf den Jakobsweg-Titel kommen, als Anfang der 90er immer mehr Menschen hier entlang pilgerten. Der Original-Titel lautete auch „Die Geheimnisse eines Magiers“. Wie gesagt, ganz nett zu lesen, aber sehr philosophisch und moralisch, mit ziemlich dick aufgetragener Mystik. Und unspannend. Irgendwie weiß man schnell, wie der Schluss aussehen wird, und kann sogar erahnen wo alles passiert. Therese kocht heute nur für uns beide, Christophe kommt erst spät nach Hause. Aber nicht nach uns, denn eine Nachbarin holt uns nach dem Essen ab. Wir gehen in ein Gemeindehaus, in dem es, so Therese, immer „perfekte Veranstaltungen“ gibt. Und die auch noch kostenlos. Dieses Mal war es eine Art „klassisches Kino“: Kurzfilme wurden von zwei Musikern (einer an verschiedenen Gitarren, einer an Schlagzeug und Steeldrums) untermalt. Therese hatte recht, das war wirklich eine tolle Geschichte. Schon von der Filmauswahl her. Als erstes gab es von den Brüdern Lumiere ein Passionsspiel. Der wohl erste Film, der eine vorgegebene Handlung hatte. Davor gab es nur das „Abfilmen“ von Szenen aus dem Alltag. Dann gab es den oscar-gekürten Trickfilm „Balance“, den ich, oh Schande, zum ersten Mal in voller Länge gesehen habe. Einen sehr schönen Zeichentrickfilm über die „Jahreszeiten des Lebens“, einen gespielten Witz von Mordillo (Mann sieht aus dem Himmel kommend eine Art Kordel, zieht daran und das Licht, sprich die Sonne, geht aus.) Und schließlich noch „Copyshop“, in dem ein Mann sich selbst kopiert, bis die ganze Welt aus ihm besteht. Mir haben die Sachen sehr gut gefallen, zumal die Musik derart differenziert war. Und gut. Ich merke, dass ich schon lange nichts, aber auch gar nichts mehr in Sachen Kunst und Kultur unternommen habe. Das ist wie ein Hunger. Kilometer: kein Zähler an, Kasse: 38 Euro

04.05.2006 um 07:24 Uhr

Mittwoch, 3. Mai. 10 Kilo Gepäck nach Spanien

Musik: Fugazzi, Marillion

Ich bin sehr früh wach, kann nicht mehr schlafen. Zum Teil, weil mir die Rippen wehtun, zum Teil weil ich ziemlich aufgewählt bin. Christophe ist schon weg, er musste geschäftlich nach Paris. Therese ist muss noch was vorbereiten und nachher in die Schule. Und so sitze ich wieder im Garten, es ist ein wunderschöner Tag, strahlend blauer Himmel, aber noch frisch. Zurück zu gestern. Therese ist der (richtigen) Meinung, dass ich meine Wäsche waschen will. Und dafür darf ich sogar die Waschmaschine benutzen. Dann verschwinden die beiden wieder zur Arbeit. Während die Maschine lief, sitze bin ich total frustriert. Ich habe mir inzwischen eine Salbe geholt und ich schmiere mich damit ein. Noch eine Tablette, und dann geht es einigermaßen besser. Aber ich muss bei jeder Bewegung aufpassen. Kann auch gar nicht sagen, wann was weh tut. Manchmal ist nur, wenn ich den Arm hebe oder so. Ich habe mir gestern eine Menge Idee überlegt, wie ich das anstellen könnte mit dem Gepäck. Als erstes versuche ich sofort, wie das mit dem Rucksack gehen könnte, wenn ich ihn um die Hüfte binde. Aber das ist nichts. Obwohl ich die Riemen soweit verstellen kann, dass ich mir das Ding umbinden könnte, wenn mehr als drei Kilo drin sind, dann wird der Schmerz unerträglich. Und das ganze Gehampel war natürlich auch nicht so toll. Therese schimpft dann auch später mit mir, der Arzt hätte doch gesagt, dass ich mich schonen soll. Ja, sage ich, aber ich muss mir etwas überlegen, wie es weiter geht. „Es geht nicht weiter“, sagt sie empört, „solange du nicht gesund bist.“ Das war nicht das, was ich hören wollte. Christophe hat extra früher Schluss gemacht und nimmt mich mit in die Stadt und zeigt mir ein paar Sachen. Aber ich kann mich nicht konzentrieren, obwohl Dijon wirklich eine nette Stadt ist. Ich kannte sie bisher nur vom Senf. Ich erzähle ihm dann, dass ich auf alle Fälle weiter gehen will und erzähle ihm, von dem Bericht, den ich gelesen habe. Wenn die Frau das geschafft hat, dann schaffe ich das auch. Er nickt nur und sagt nichts. Als wir dann wieder zurück sind und schauen, was ich unbedingt brauche (nach ein paar Wochen unterwegs sieht man das besser), da werden wir nicht unbedingt optimistischer. Es ist einfach zu viel, vor allem das Zelt und die Isomatte sind schwer und eben unhandlich. Das kann man nicht um die Hüfte tragen. Und plötzlich lacht er und verschwindet kurz. Eine halbe Stunde später kommt er zurück mit einem alten Kinderwagen. „Da passt der Rucksack bestens rein und du musst nichts tragen“, sagt er. Wow! Gute Idee. Schieben geht wirklichproblemlos. Therese ist inzwischen auch da und sie ist wesentlich realistischer, sie weiß dass das nicht geht. Die Wege sind zu steil und zu schmal, und wenn es matschig ist, dann ist ein Kinderwagen nicht gerade handlich. Aber trotzdem ist die Idee nicht so schlecht, das Gepäck nicht zu tragen, sondern zu schieben. Oder zu ziehen. In der Türkei habe ich einen Kinderwagen gesehen, der wohl speziell dafür gemacht war – sah eher aus wie so ein Einkaufswagen von den älteren Damen, also mit zwei Rädern, aber etwas größeren. Hatte ich vorher noch nie gesehen, und die Leute sind einen wirklich engen Weg entlanggekommen, der viele Felsen hatte. Gut, so bequem ist das auch wieder nicht, aber besser als tragen oder ein „normaler“ Kinderwagen. Wir fahren noch einmal in die Stadt. Allein – zwei Geschäfte in Dijon hatte noch nie etwas von so einem Teil gehört. Sie kannte so Sportkinderwagen mit drei Rädern, die man fürs Joggen oder so nehmen kann, aber mit zwei Rädern? Vielleicht war es ein Eigenbau. Sah, aber nicht so aus. Als wir wieder zurück sind hat Christophe eine andere Idee: Ein Fahrrad. Das ist schmal und wendig und lässt sich gut schieben. Hm, könnte gehen, denke ich mir. Aber im Moment ist mir eh jede Lösung recht. Eine Stunde später hat er alle Nachbarn abgeklappert und ein uraltes Fahrrad gefunden, das eigentlich schon auf den Müll sollte. Aber die Mäntel sind noch in Ordnung, Schläuche liegen in der Garage. Während er das Rad repariert, kommt ausgerechnet der Arzt vorbei. Erst muss ich mal erzählen, wie es mir geht. Ausgezeichnet, sage ich. Er lacht, weil er sofort merkt, dass ich lüge. So gut, wie ich erzähle, kann es mir gar nicht gehen, sagt er. Das Rad? Er zuckt mit den Schultern. Müsste man mal ausprobieren, meint er. Ein Rad schieben, das Gepäck drauf hat, ist auch nicht so leicht zu schieben. Aber wir haben es schon ausprobiert. Der Rucksack wird auf Gepäckträger und dem Sattel festgemacht. Kette gibt es keine mehr, und die Pedale haben wir auch weggemacht, weil ich dann nicht dauernd daran hängen bleibe. Schutzbleche kamen weg, Lampe hing auch nur noch rum. Schwierig war eher, den Rucksack rauf und runter zu nehmen. Runter geht dann mit Rad fallen lassen. Rauf … geht dann auch irgendwie. Hoffentlich. Am Abend gibt es dann wieder eines dieser tollen französischen Essen: ich glaub, ich heirate mal eine Französin. Ich erzähle ein wenig was von meiner Wanderung und die beiden schauen mich immer mal wieder komisch an. Irgendwie können sie nicht verstehen, dass ich weiterlaufen will. Aber man muss mir arg anmerken, wie geknickt ich bin. Als ich später im Bett liege habe ich dann schnell eine Stellung gefunden, in der ich einigermaßen einschlafen kann. Kilometer: kein Zähler an, Kasse: 38 Euro

03.05.2006 um 09:33 Uhr

Dienstag, 2. Mai. Irgendwas mit den Rippen

Musik: Gotta serve someone, Bob Dylan

Als ich heute aufwache (habe ich eigentlich geschlafen?) tut mir alles weh, was einem im Brustbereich nur wehtun kann. Christophe schaut nur schnell rein, dann muss er ins Geschäft. Er arbeitet, wo könnte man hier schon arbeiten, in einer Senffabrik. Therese hat schon Frühstück gemacht. Aber erst einmal muss ich mich anziehen. Ausziehen ging gestern noch einigermaßen. Aber heute in mein Hemd reinkommen ist eine Sache von fünf Minuten. Dann fährt sie mich zu ihrem Nachbarn in die Praxis, sie hatte ihn vorher schon angerufen. So muss ich nicht ewig warten, denn die Praxis ist doch schon ziemlich gefüllt. Gut, wenn man Beziehungen hat. Ihr ist es arg, dass sie nicht warten kann, sie ist Berufsschullehrerin und muss heute unbedingt in die Schule. Sie gibt mir einen Schlüssel, mit dem ich durch die Kellertüre in den Hobbyraum komme. Ich muss dann gleich zum Röntgen. Alles habe ich nicht verstanden, dazu fehlen mir doch einige medizinische Worte. Aber das Ergebnis war beruhigend und erschreckend gleich: ich habe mir im Brustbeinbereich die Bänder gedehnt und noch irgendwas. Ich frage, was man machen kann. „Nichts“, ist die Antwort, „schonen“. Ich sage ihm, dass ich gerade auf eine Wanderung bin nach Santiago de Compostella. Und er meint nur, dass dann diese Wanderung halt hier zu Ende ist. Wie lange es dauert, frage ich. Drei, vier Wochen. Das lässt sich nicht so leicht sagen. Kommt drauf an, wie ich mich bewege und schone. Er gibt mir noch eine Packung Schmerztablette und Zäpfchen, wenn es ganz schlimm wird. Dann lässt er mir eine Binde anlegen, die aber, so sagt er selbst, eher erinnert als hilft. Laufen ja, sagt er. Aber einen Rucksack tragen, das kann ich für die nächsten Wochen vergessen. Ich bekomme noch ein Rezept für eine Salbe und einen Händedruck mit guter Besserung. Eine Rechnung will er nicht ausstellen. Pilgern stellt man keine aus, sagt er, obwohl ich ihm sage, dass ich versichert bin. Ich laufe wieder zurück und merke, dass mir wirklich jeder Schritt wehtut. Aber das lag wohl auch daran, dass er mich recht schmerzhaft abgetastet hat. Aber die Praxis ist auch nicht weit weg, das schaffe ich dann ganz gut. Ich komme gerade an, als Christophe herfährt. Er hat Mittagspause und fragt natürlich erst mal, was der Arzt gesagt hat. Ich erzähle es ihm, und er macht inzwischen Essen warm. Wir essen zusammen und er meint, dass ich heute eh mal hierbleiben muss. Ich frage ihn nach einem Internet-Café, aber er winkt nur ab, holt einen Laptop raus und steckt ihn ein. „Ich will nur keine Rechnung bekommen von Porno-Seiten“, lacht er und geht wieder zur Arbeit. So kann ich zum einen mal meine Mails lesen, meine letzten Tage eintragen, ein paar Sachen beantworten. Und zum anderen darüber nachdenken, wie es weitergeht. Ob es weiter geht. Wohl eher nicht, wäre die einzig logische Antwort. Aber schon heute Nacht, als ich nicht schlafen konnte, da hatte ich schon eine Ahnung, dass es was mit den Rippen oder Bändern ist. Und da musste ich an einen der Berichte denken, die ich im Vorfeld über den Jakobsweg gelesen habe. Ich weiß nicht mehr genau, welcher es war, aber da hatte eine Frau ein ähnliches Problem – und sie ist weiter gelaufen. Zunächst mit reduziertem Gepäck im Rucksack, dann mit einer Art Känguru-Tasche, die sie sich um die Hüfte gebunden hat. Mir fällt ein, dass ich nach Strassburg irgendwann mal gesagt habe, dass ich nie mehr daran denken werde aufzugeben. Ich werde also nicht dran denken, ich werde als Känguru weiter machen. Im Garten steht eine kleine Bank, da sitze ich dann später in der Abendsonne, versuche möglichst flach zu atmen und alles rund um den Brustkorb nicht zu bewegen. Als denn Therese und später Christophe wieder kommen, da scheint es, als geht es mir wirklich ein wenig besser. Aber die beiden meinen, das wäre nur die Gewohnheit an die Schmerzen. Therese kocht grünen Spargel mit Krabben, es gibt einen ziemlich fruchtigen Weißwein dazu und ich muss von meiner Reise erzählen. Sie sind auch begeisterte Wanderer und haben einige Teile der französischen Jakobswege schon erwandert. Und auch sie haben Probleme mit den Menschen, die auf dem Weg am liebsten einen Gesinnungstest machen würden. Wir verstehen uns bestens. Später sprechen wir noch über die Unruhen in der Nacht zum 1. Mai und einen Überfall auf einen Farbigen in Potsdam. Ich muss zugeben, dass ich davon nichts mitbekommen habe, aber das ist wohl ziemlich stark durch die Medien gegangen. Kilometer: kein Zähler an, Kasse: 38 Euro

02.05.2006 um 16:09 Uhr

Montag, 1. Mai. Avanti Popolo

Musik: Into the great wide open, Tom Petty

Auch das Frühstück ist mit drin. Aber meine Gastgeber sind in Eile, wollen Verwandte besuchen in Dijon. Ihre Einladung zum Mitfahren lehne ich allerdings ab. Der Tag verspricht zu schön zu werden. Leicht bedeckter Himmel, aber nicht so kalt und windig wie gestern. Ich laufe zügig los, schließlich ist 1. Mai, also „avanti Popolo“. InLosne gehe ich über den Fluss, mache eine kleine Pause, und dann geht es weiter, immer am Kanal entlang. Zunächst nicht so schön mit Straße und Eisenbahn, dann aber ein Meer aus Grün und Weiß. Ich vermute, dass es Schlehen sind, die hier blühen. Das Wetter hält, was der Wetterbericht versprochen hat. Es sit sehr angenehmes Wanderwetter. Nicht zu warm, nicht zu kalt. Das ist genau meine Temperatur. Und so komme ich auch gut voran. Das dicke Fresspaket tut ein Übriges, um meine Laune auf hohem Level zu halten – wann kriegt man schon mal Zanderfilet in Senfsoße. (Wie viele von den Dingern hat der Mensch denn eigentlich gefangen?) In Brazey en Blaine fülle ich meine Wasserflasche in einer Gartenanlage und werde zu einem Glas Wein eingeladen. Dann geht es weiter am Kanal entlang und ich laufe wieder zügig los. Es geht auch eben, und das bringt mich gut voran. Noch eine Pause in Longecourt en Blaine, dann will ich mich nach einem Schlafplatz umschauen. Aber dazu kam es nicht mehr. Therese und Christophe lesen mich in einer Bushaltestelle in Thorey en Blaine auf. Sie sagten später, ich habe so ein komisches Bild abgegeben, wie ich da so auf der Bank lag, ausgestreckt, so weit es nur ging. Ich selbst kann mich ga r nicht mehr daran erinnern, was ich da gemacht habe. Aber es wird wohl so gewesen sein. Alles fing an, dass ich in die Landkarte schauen wollte, wo denn ein günstiger Platz zum Zelten ist. Irgendwie sah es nicht danach aus, als dass ich einen geeigneten Bauernhof finden würde, also suchte ich nach einem Wäldchen oder so. Da war aber nichts zu sehen in der Karte. Und als ich den dann wieder aufnehme, da dachte ich auf einmal, es sticht mir jemand ein Messer in die Brust. Ich habe den Rucksack einfach fallen lassen und mich dann auf die Bank gelegt. Erst dachte ich, ich habe einen Herzinfarkt, weil der Schmerz genau in der Herzgegend war. Aber nachdem ich vielleicht eine Minute dalag, wusste ich, dass es was anderes war. So fanden mich die beiden. Ich war wohl auch ziemlich blass, und die beiden haben darauf bestanden, dass sie mich mitnehmen und zu einem Arzt bringen. Also fuhr ich mit ihnen nach Dijon. Ein Nachbar von ihnen war Orthopäde – nur, der war nicht da. So landete ich also erst einmal im Keller. Da hatten die beiden eine Art Hobbyraum mit einer Couch. Die war wahrscheinlich ganz bequem, aber für mich war es ein Alptraum. Ich wusste nicht, wie ich liegen oder sitzen sollte. Stehen war noch das Beste. Wir überlegten, ob wir nicht doch ins Krankenhaus gehen sollten, aber das ließen wir dann. Ich bekam eine Dusche, ein Abendessen, einen Schnaps und eine Schmerztablette. Später dann noch ein Extrakissen, aber das half nicht viel. An Schlafen war nicht so recht zu denken. Kilometer: 29,1 km, Kasse: 38 Euro

02.05.2006 um 14:49 Uhr

Sonntag, 30. April. Mittelerde

Musik: The wizzard, Uriah Heep

Es gibt Dinge, die gibt es nicht. Ich wusste ja, dass ich mich immer mal wieder verlaufe, aber so weit bin ich noch nicht von meinem Kurs abgekommen. Ich war gerade eine Stunde unterwegs, hatte mich das kleine Tal hinaufgequält und es war noch relativ früh am Morgen. Ich rechnete nicht damit, hier jemanden zu treffen. Und schon gar nicht einen Hobbit. Aber plötzlich sprang er aus dem Gebüsch, ein Schwert in der Hand, einen komischen Umhang an und einen seltsamen Tornister um. Ich erschrak erst, weil ich dachte, irgendein Verrückter überfällt hier Wanderer. Aber dann schaute er selbst so überrascht und verunsichert, dass ich lachen musste. Er dann zum Glück auch. Eine halbe Stunde später saß ich im Lager der Hobbits und war zum Frühstück eingeladen. Das kann man als mittelloser Pilger nie ablehnen, auch wenn die Typen noch so komisch aussahen. Ein Dutzend Jungs und ein paar Mädels von 15 bis 25 saßen um ein Lagerfeuer. Sie sind aus Dole und treffen sich alle zwei Wochen, um Szenen aus ihrem Lieblingsfilm nachzuspielen. Alle mehr oder weniger authentisch als Figuren aus „Herr der Ringe“ verkleidet. „Aber nur die Guten“, sagte einer, keiner will die Bösen spielen. Und er schien darüber sehr gekränkt. Ebenso darüber, dass ich weder das Buch gelesen noch den Film gesehen hatte. Da musste ich passen. Ich wollte es immer mal lesen, aber habe es einfach nicht geschafft. Auch die anderen konnten das nicht verstehen. Ich sagte, dass ich aber mal den Comic vom „Kleinen Hobbit“ gelesen habe. Pech gehabt, damit hatte ich keinen Zutritt zum Club. Ich bedankte mich für das Frühstück und machte mich wieder auf den Weg. Mittelerde war wohl kein Platz für mich. Auch Dole nicht, so schien es mir. Wieder mal hatte ich vergessen, dass es Sonntage gibt. Und ich war spät dran, der Umweg über Mittelerde hat mich doch einiges gekostet. Die Läden hatten schon geschlossen, nur die Kneipen und die teuren Touristencafés waren noch offen. Ich setzte mich in eine der Kirchen, schloss die Augen und träumte ein wenig vom Mittelalter. Wieder war ich bei den Menschen, die hier Steine geschleppt haben. Wie haben sie diese Bögen aufgebaut ohne Kran? Aber sie hatten ja schon Kräne, erinnere ich mich. Aus Holz zwar, aber trotzdem. Die Freizeit-Hobbits sprangen auf einmal in meine mittelalterliche Dombauszene und ich machte mich wieder auf den Weg. Dole liegt vor einer Art „Landzunge“, die ich nicht überklettern wollte. Also lief ich nach Süden, entlang an der Straße und dem Kanal. Nicht gerade schön zu laufen und immer noch machte mit der kalte Wind irgendwie zu schaffen. Nass wurde ich auch. Das Tal weitet sich und wird von Flughafen und Autobahnen ausgefüllt. Irgendwie bin ich da drüber gekommen. Aber es ist lästig, sich in solchen Gegenden zu Fuß zu bewegen. Ich frage einen Bauer, wo man zelten kann und er lässt mich in seiner Scheune schlafen. Oben, auf dem „balcon“, sogar mit Aussicht auf das Tal. Und mit Halbpension, denn ich kriege eine Einladung zum Abendessen. Zander, „selbst gefangen“, sagt der Herr des Hauses stolz. Dazu Linsengemüse mit Tomatensoße und trockener Weißwein. Ein ausgezeichnetes Essen, finde ich. Später liege ich auf meinem Balkon, schaue über das Tal, sehe die Autobahn und in der Ferne die Lichter von Dijon. Kilometer: 26,7 km, Kasse: 44 Euro

02.05.2006 um 13:42 Uhr

Samstag, 29. April. Gegenwind

Musik: Without You, Nilsson

Wieder ist Irmi in meinen Gedanken. Hab ich von ihr geträumt? Ich weiß es nicht. Ich weiß eh sehr selten, was ich geträumt habe. Andere wissen das immer oder fast immer. Komisch. Irgendwie bin ich heute nicht so gut drauf, ich finde den Weg nicht. Ich laufe los und weiß dann, dass das falsch ist. Ich frage, alles scheint klar, aber dann bin ich wieder unsicher und alles sieht anderes aus als beschrieben. Dabei müsste es doch einfach sein heute. Immer den Fluss entlang, aber irgendwie klappt das nicht. Und ich will auch nicht nach Dole rein heute. Da ist es immer so eine Sache mit dem Übernachten. Wahrscheinlich ist es immer so, wenn man etwas nicht so recht mag, dann klappt es auch nicht. Auf jeden Fall stolpere ich in der Gegend herum. Der Wind tut ein Übriges – er bläst stark und frisch von Westen. Es ist gegenüber gestern wieder ein ganzes Stück kälter geworden. Ich spüre es an den Ohren und ziehe mir, in Ermangelung einer Mütze, ein T-Shirt über den Kopf. Sah sicher witzig aus. Aber irgendwie schön, unterwegs zu sein. Ich fühle mich gut, die lichten Wälder, durch die ich gehe, sind irgendwie freundlich. Und es regnet mal gerade nicht. Oder meist nicht. Schließlich bin ich im Loue-Tal, gehe ein Stück entlang, folge aber dann der Straße aus dem Tal raus und schlage mich dann in einem anderen kleinen Tal wieder in die Büsche. Ein unauffälliger Tag. Er war da, er hinterlässt keine Spuren. Ich sitze auf einem Holzstapel und denke an nichts. Warten, bis es dämmert. Zuerst eine Zeit, die ich in den ersten Tagen gar nicht mochte. Aber jetzt genieße ich sie. Leider habe ich heute keinen schönen „Aussichtsplatz“, aber es ist trotzdem schön hier. Friedlich irgendwie. Ausgeglichen. Das springt auf mich über. Ich genieße es und schaue mir die Stille an. Prompt ist es dann plötzlich so dunkel, dass ich Probleme habe, das Zelt aufzubauen. Steht zwar dann irgendwie schrägt, aber ist ja egal. Kilometer: 22,2 km, Kasse: 51 Euro

02.05.2006 um 12:12 Uhr

Freitag, 28. April. Königliche Mustersiedlung und königlicher Brunch

Musik: Halo of Flies, Alice Cooper

Wieder kein Frühstück. Die N 83 kommt, bringt aber hinsichtlich meiner kulinarischen Versorgung keine Besserung. Ich beschließe, nur auf Verdacht keinen Umweg zu machen. Zumal der Weg entlang der N83 ginge und die Ortschaft Mauchrad zwar viele Straßen hat, aber auf der Karte auch nicht gerade groß aussah. Also weiter. Ein Tal steil runter, noch steiler rauf. In Buffard finde ich immerhin ein Café und kann meinen Magen wieder beruhigen. Ich bin sicher, wenn ich nach Hause komme, kann ich keine heiße Schokolade mehr sehen. Danach ein giftiger Anstieg. Und noch einer und noch einer. Dann wird es flacher und ich kann mein nächstes Unesco-Ziel sehen: Arc-et-Senans. Hélène und Jean-Michel kommen mit mir gleichzeitig an. Sie schauen mich mit großen Augen an und können sich nicht so recht vorstellen, dass man von Deutschland hierher laufen kann. Aber sie finden es großartig und ich kann meinen Rucksack in ihrem Auto platzieren und so die Anlage ohne Gepäck anschauen. Sehr interessant, dass man schon im 18. Jahrhundert versucht hat, „ideale“ Siedlungen zu bauen. Für damalige Verhältnisse waren das sicher gute Wohnungen, obwohl mir die Arbeitsbedingungen nicht immer so toll vorkamen. Groß ist die Anlage nicht, und so sind wir schnell fertig mit der Besichtigung. Ich kaufe meine Postkarte und Hélène und Jean-Michel laden mich zu einem späten Frühstück ein, sie haben vorher ein nettes Café gesehen, das Brunch anbietet. Dazu müssen wir allerdings wieder ein Stück zurück nach Osten. Sie versprechen, mich nachher wieder hier abzusetzen. Der Brunch ist toll und anscheinend bekannt, denn das Café ist relativ voll. Und das Buffet kann sich sehen lassen. Kostet allerdings 14 Euro. Ich zögere, aber die beiden meinen, ich sei eingeladen. „Aber umsonst gibt’s das nicht“, sagte Hélène, ich müsse schon erzählen, was ich inzwischen erlebt habe. Ein angenehmes Angebot, zumal es gerade schon wieder regnet. Und so greifen wir zu, vor allem ich J, und ich erzähle ein wenig über meine Wanderung. Aber ich komme eigentlich gar so richtig auf meine Wanderung, weil wir uns in so vielen Dingen verlieren. Jean-Michel war bei der Luftwaffe zuständig für Alarmsysteme, ist zwar inzwischen pensioniert (mit 50 reicht das, sagt er lachend) und interessiert sich natürlich für meine Arbeit. Und dann kommen wir zu einer längeren Diskussion über das Pilger allgemein und das Wandern ohne Geld. Die beiden müssen weiter, aber es regnet immer noch ziemlich stark und gegenüber ist ein Internet-Café. Ich beschließe, dass ich da erst mal abwarte, was das Wetter macht. Jean-Michel drückt mir zum Abschied noch einen 20er in die Hand und Hélène fragt, ob ich denn nicht nach Lyon komme. Doch, sage ich, da müsste ich eh durch. Also, dann soll ich unbedingt vorbeikommen. Ich verspreche es, sage aber gleich, dass ich das nicht so schnell schaffe, zumal ich einen Umweg über Fontenay und Vezelay mache. „Vorher anrufen“, meint Hélène. Das Internet-Café ist leer um die Zeit, und ich lasse mir erst mal Zeit, schaue Mails an, und schreibe dann die letzten Tage auf. Immer noch grau, aber ohne Regen ist der Himmel am Nachmittag. Ich hasse es, Wege zu gehen, die ich schon mal gegangen bin. Und die Strecke, die wir gefahren sind, schien mir auch nicht so toll. Die Straße entlang direkt nach Westen wäre von der Topographie wohl das Besten, aber auch nicht sehr verlockend. Also rein ins Gelände. Weit komme ich eh nicht mehr. Ich muss noch etwas fürs Abendessen einkaufen, dann geht es los. Aber weit komme ich eh nicht. Es regnet wieder, ich stelle mich unter, habe dann keine Lust mehr, suche mir einen Platz fürs Zelt und übernachte auf einer kleinen Wiese. Meine dritte Unesco-Karte habe ich damit heute geholt. Auf der Landkarte sehen die nächsten beiden sehr nahe aus, aber es sind Luftlinie 120 bzw. 180 km. Kilometer: 14,9 km, Kasse: 58 Euro