Samstag, 6. Mai. Sozusagen der dritte Start.
Spätes, sehr langes Frühstück. So richtig wollen die beiden mich nicht laufe lassen. Und so richtig will ich auch nicht starten. Aber dann beschließen wir, dass wir es nun doch kurz machen. Christophe hilft mir, den Rucksack auf das Rad zu schaffen und ich bemühe mich, ja keine schnelle Bewegung zu machen und den Oberkörper ja nicht irgendwie anzuspannen. Natürlich geht es nicht, aber weh tut’s nur, wenn ich lache. Ehrlich. Lachen ist schlimm. Husten auch, und ich darf gar nicht daran denken was passiert, wenn ich niesen muss. Zum Glück habe ich keinen Heuschnupfen. Gestern Abend hatten wir noch diskutiert, ob das mit dem Rad eine gute und die beste Lösung ist. Nett, dass ich einige Kommentare und Mail bekommen habe, in denen andere Lösungsvorschläge standen. Ich habe Therese das mit dem Esel erzählt, und sie hat sich tatsächlich schlau gemacht, ob das klappen könnte. Sie kennt da jemanden, der macht regelmäßig Wanderungen, bei denen die Viecher das Gepäck tragen. Er riet ab, meinte Therese. Wenn die Biester was Gutes zum Fressen sehen, dann ziehen sie dahin, und da muss man ganz schön entgegenhalten. Das wäre nichts für meine Rippen. Auch die Idee eines Art Soulky wurde vorgeschlagen, sogar mit Hinweis, wo es eine Bauanleitung gibt. Das war das, was ich vorhatte mit diesem zweirädrigen „Kinderwagen“. Die Radgröße von einem Fahrrad scheint mir da allerdings ungeeignet. Und ich bin ungeeignet, so ein Ding zu bauen ;-) Außerdem will ich nicht länger warten. Also los, probieren wir das Mal.
Ich habe es vehement abgelehnt, Geld von den beiden anzunehmen. Sie versuchen es mit allen Tricks, aber sie haben schon so viel für mich getan. Immerhin bekomme ich ein riesiges Fresspaket, das kann ich auf das Rad packen, macht auch keinen Unterschied mehr. Und dann beschließen die beiden spontan, dass sie mich, weil Samstag ist, ein Stück begleiten. Ist mir gar nicht recht, weil sie sicher schauen wollen, wie ich zurecht komme. Und ich weiß, dass das nicht so toll sein wird. Aber ich kann sie nicht davon abbringen. Ruckzuck haben die beiden ihre Wanderstiefel an, einen kleinen Rucksack gepackt und schieben mein Rad zum Garten hinaus. So geht es natürlich einfach, wenn ich das Rad nicht selbst schieben muss. Aber hier, in der Stadt, ist mir das Recht. Außerdem muss ich mich dann nicht auf die Strecke konzentrieren. Therese meint, wir sollen am Canal de Bourgone. Das ist zwar ganz nett, aber nachher kommt eine Autobahn oder so was. Aber wir machen eh erst Mal Pause in einem schönen Restaurant mit Blick auf das Tal. Danach geht es bergauf, Christophe schiebt wieder das Rad. Ich habe es vorher schon geschoben, und es geht ganz gut, wenn man nicht aus dem Gleichgewicht kommt oder zu schnell geht. So um drei verlassen die beiden mich. Eine vorsichtige Umarmung, ein paar tiefe Atemzüge von Therese und sehr besorgte Blicke, dann bin ich wieder. Ich lasse es ganz langsam angehen. Ich muss Richtung Rennstrecke, hat Christophe gesagt. Wusste gar nicht, dass er hier eine gibt. Ich sehe sie dann, als ich aus dem Wald rauskomme. Und ich sehe auch, dass ich heute nicht mehr weit komme. Das Problem ist, dass ich eben so gleich mäßig wie nur möglich schieben muss, und dass ich auch nicht tief Luft holen kann. Blöd ist auch, dass das Rad keinen Ständer hat. Aber mit dem Gepäck drauf, würde es eh nicht halten. Ich muss also immer etwas suchen, wo ich es gegenlehnen kann. Ich beschließe, dass ich für heute Schluss mache, bleibe noch vor der Rennstrecke, da ist ein kleiner Wald. Ich bleibe noch lange sitzen, schaue in die Gegend, denke an nichts und bemerke, dass das Wetter wieder etwas unfreundlicher zu werden scheint. Schade um die letzten Tage, die ich für meine Strecke mehr oder weniger verloren habe. Dennoch bin ich ziemlich „weiter gekommen“, den sonst hätte ich nie diese zwei wirklich großartige Menschen kennen gelernt.
Kilometer: 11,7 km, Kasse: 38 Euro
