Musik: Überdosis Großstadt (von wem?)
Ich mache mal was, was ich bisher noch nicht gemacht habe. Ich fasse zusammen. Aber das hat seinen Grund – ich habe mal wieder versagt, was die Technik angeht. Ich habe bisher, wenn immer das ging, meine Sache irgendwie in ein Word-Dokument reingeschrieben und sie dann ins Blog kopiert. Und gestern habe ich die Texte von hier schon zum zweiten Mal die Texte irgendwie verbummelt. Ich vermute, ich habe irgendwo falsch auf sichern gedrückt, auf jeden Fall ist alles weg und ich habe überhaupt keine Lust, alles noch mal zu schreiben. Und auch heute keine Zeit.
Also dann im Kurzraffer. Am Freitag war lange Schlafen angesagt. Puh, das tat gut. Hélène und Jean-Michel sind nach St. Ettiene gefahren, Hélènes Mutter besuchen. Die wohnt da in einer Alten-WG, wenn ich das richtig verstanden habe. Ich habe mir überlegt, ob ich mitfahre, wusste aber nicht, was den beiden Recht ist. Und dann meine Hélène vollkommen zu Recht, dass ich mich wohl um meine Klamotten kümmern muss. Also war, wie gesagt, erst mal schlafen und dann waschen angesagt. Danach hatte ich noch ein wenig Muse, ins Internet zu schauen, also in die Blogs und Mails. Hoffentlich habe ich niemanden vergessen. Ist ja aber schon ne Weile her. Hab auch endlich mal wieder in den Wander- und Pilgerforen gestöbert. Nett – und Grüße an alle dort. Sind ja doch einige auf dem Camino unterwegs oder haben das in der Planung. Mal sehen, vielleicht sehe ich da ja jemanden oder Spuren in den Gästebüchern, wenn ich es bis Spanien schaffe.
Am späten Nachmittag sind die beiden dann wieder gekommen. Ich hatte mir schon überlegt, was für ein Vertrauen die beiden haben. Lassen einfach einen wildfremden Menschen hier in ihrer Wohnung. Ich hätte ja alles ausräumen können. Habe ich natürlich nicht, aber ich gebe zu, dem Inhalt des Kühlschranks habe ich zugesetzt. Jetzt musste ich natürlich erst einmal erzählen. Die beiden haben zwar immer wieder mal in mein Blog geschaut, aber natürlich kein Wort verstanden. Also dann los. Das zog sich eine Weile, zwischendrin kamen dann zwei Freunde von Jean-Michel, haben einen Kasten Bier mitgebracht und uns gezeigt, wie man den bedient. Und Hélène hat angefangen zu kochen. Da musste ich dann für die beiden so lange noch einmal alles erzählen, natürlich am besten von Anfang an ... Immerhin, mein Französisch wird besser. Danach haben wir dann beim Essen Fußball geschaut - Jean-Michel hat einen riesengroßen LCD-Fernseher. Das war der eigentliche Grund, warum die beiden da waren. Das Spiel war ja ganz nett, aber nicht überzeugend. Wenn es gegen eine Abwehr geht, die richtig gut steht, dann haben die Deutschen Außenstürmer keine Chance, da sind wir uns relativ einig. Wir haben dann die Chancen der einzelnen Mannschaften abgeklopft. Blöderweise kamen wir trotzdem auf die Halbfinalisten Deutschland, Brasilien, Frankreich (musste ich auch sagen, man weiß ja, was sich gehört) und England. Eigentlich ein wirklich blödes Ergebnis. Unspannend. Ich habe deshalb für mich beschlossen, dass die vier Letzten Italien, Mexiko, Holland und Polen sind. Immerhin hatte ich die Lacher damit auf meiner Seite. Aber mal sehen.
Das Beste an dem Abend war aber was ganz anderes. Einer von Jean-Michels Kumpels hat eine Firma für Kunststoffspritzguss und er hat seit einer Woche eine neue Maschine dastehen, die nur sehr provisorisch angeschlossen ist. Der Elektriker, der das machen sollte, der kommt einfach nicht, und gestern hat ihm der Gabelstaplerfahrer dann das provisorische Kabel aus der Maschine gerissen. Als ich dann sagte, dass ich ja eigentlich so was wie Elektriker bin, da war ich schon engagiert. Weil, am Samstag kommt der Elektriker eh nicht.
Also ging es am Samstag dann erst mal auf Arbeit. Ich muss ein ziemlich fassungsloses Gesicht gemacht haben, als ich sah, die diese eine Maschine angeschlossen war und die anderen drei angeschlossen sind. Äh, also, ja ... ich will mal behaupten, dass ich niemanden kenne, der das nicht auch so hätte hinbekommen (Kerstin, Jörg und Kai eingeschlossen). Also, wenn jemand keine Ahnung hat, was eine gerade verlegte Leitung ist, Unterputz und Kabelschutz Fremdwörter sind, Sicherungen zwar da sind, aber die Zahlen darauf ebenso verwirren wie die Leistungsangaben auf den Maschinen – dann kann er/sie in Frankreich Elektriker werden. Ich fragte, dann Pierre, was der Elektriker denn von Beruf ist, aber irgendwie klappt das nicht so mit Witzen von einer in die andre Sprache. Egal, wie dem auch sei. Ich habe ihm gesagt, dass da diverse Probleme auftauchen könnten (Netzschwankungen, Überlastungen), wenn man das so macht und der meinte dann, dass die nicht auftauchen „könnten“, sondern auftauchen. Der Elektriker habe ihm gesagt, dass er da nichts machen kann und dass das am Stromnetz liegt. Ob ich denn eine Lösung habe? Ja, sage ich, den Elektriker feuern. Schnell. Ich hab mir dann die Pläne angeschaut, soweit sie da waren und dann gesagt, was man machen muss, soll, kann. Hat anscheinend eingeleuchtet, denn Pierre war mit allem einverstanden und hat mir den offiziellen Auftrag gegeben, alles zu machen. Das war natürlich nicht so im Sinne der Erfinders, denn grob geschätzt dauert das drei volle Arbeitstage. Und ich wollte eigentlich noch was von Lyon sehen und dann am Montag weiter. Allein das schöne Wetter lockt. Aber Pierre auch, und zwar mit Geld. Er bietet mir 100 Euro am Tag, außerdem wird es das mit Hélène und Jean-Michel regelt, dass ich so lange bei ihnen wohnen kann. Das ist ja auch so ein Problem, denn ich kann verstehen, dass die Leute ihr eigenes Leben haben und sich da nicht so gerne reinplatzen lassen. Aber bis ich noch überlege, telefoniert Pierre schon mit Hélène und fünf Minuten später ist alles geregelt. Also dann – an die Arbeit. Zunächst feststellen, dass nicht nur das Kabel aus der Maschine gerissen ist, sondern auch das Netzteil für die Steuerung beschädigt. Lässt sich aber relativ leicht reparieren. Aber dazu brauche ich Ersatzteile. Überhaupt brauche ich ein paar Teile. Und Werkzeug. Also düsen Pierre und ich noch kreuz und quer durch Lyon, um Werkzeug zu leihen und Teile zu kaufen. Der Trafo muss bestellt werden, kommt erst am Mittwoch. Toll. Also dann bis Mittwoch. Dann kann ich ja in Ruhe die anderen Sachen erledigen. Separaten und spannungssicheren Stromkreis für den Büro- und Computerbereich. Sichere Anschlüsse für die drei anderen Maschinen. Steuerung für die Hebebühne reparieren. So geht die Zeit auch rum.