Dienstag, 27. Juni, Zauberland
Musik: Love is a rose, Linda Ronstadt
Ich bin begeistert von der Carmargue. Vor allem natürlich am frühen Morgen. Ich bin extra früh aufgestanden und habe mein Zelt schnell zusammengepackt, damit mich hier niemand erwischt. Und dann nichts wie los, solange noch nicht die Touristen durch das Land brausen. Wie schön ist diese Gegend um diese Zeit. Es ist relativ frisch noch, alles voller Tau. Die Vögel schon geschäftig und ganz schön lärmend. Die weißen Pferde noch ein wenig schläfrig. Ich gebe Gas, laufe schnell auf den recht guten Wegen, die hier meist ein Stück weg von der Straße verlaufen. Grund ist auch, dass ich kein Frühstück hatte, total vergessen, was zu kaufen. Also nur ein Schluck Wasser und Nougat ... Erst in Albaron finde ich eine Bäckerei, außerdem gibt es günstige Trauben, die Frau wiegt großzügig ab und ich habe einen Vorrat, der den ganzen Tag hält. Ich verlasse endlich die Straße, die nun doch sehr voll und laut wird. Ich finde einen kleinen Platz für eine Pause, und um endlich mein Zelt zu trocknen, das ich taunass eingepackt habe. Kaum liegt es ausgebreitet in der Sonne, kommt eine Art Parkrancher und schnauzt mich böse an. Er will 200 Euro, weil ich hier unerlaubt zelte. Es braucht eine Menge Hartnäckigkeit, bis ich ihm erklärt habe, dass ich nicht zelte, sondern nur mein Zelt trockne. Er schreit, ich soll ihn nicht anlügen, ich zelte hier und er hat die Schnauze voll hat von den Deutschen, die hier die Landschaft verschandeln. Erst als ich sage, dass wir zusammen zur Polizei gehen und das klären, da gibt er auf. Das Zelt ist inzwischen trocken, ich packe es zusammen. Er schaut mir hinter einem Busch versteckt zu. Nichts wie weg hier. Die Gegend wird von den Touristen wohl nicht so stark besucht. Nur einmal reitet eine Gruppe Holländer an mir vorbei. Sind wohl alle keine großen Reiter und haben Mühe, sich auf den Pferden zu halten. Ohne Holland, fahrn wir nach Berlin ... summe ich und muss lachen. Die Landschaft hält einen langen Mittagsschlaf, alles scheint träge und faul. Außer den Stechmücken. Trotzdem ist es wunderschön hier, die Ruhe ist toll, und die Spiegelungen der Bäume in den kleinen Seen sind fantastisch. Leider sehe ich weder die Flamingos noch die Stiere. Wohl die falsche Gegend dazu. Ich wage es nicht, noch einmal einfach so zu zelten. Und so frage ich bei Mas des Iscles mal wieder bei einem Bauern, ob ich hier zelten kann. Kein Problem. Und ich kann nicht nur am Brunnen hinter der Scheune duschen (ohne Seife aber nur, und argwöhnisch bewacht vom Hofhund, ich werde auch eingeladen zum Fußballspiel. Brasilien hat Ghana schon mit 3:0 besiegt. Jetzt kommt es zum vielleicht hochkarätigsten Spiel. Die Franzosen schwitzen eine ganze Weile, vor allem nach dem Elfer, den sie natürlich wieder als unberechtigt empfinden. Da hilft auch die Zeitlupe nichts – der war eindeutig. Aber dann haben die Spanier eigentlich, wie immer bei großen Turnieren, nichts mehr zu bieten. Dabei haben sie seit über 1,5 Jahren kein Spiel mehr verloren. Und als dann der große Zidane noch das dritte Tor schießt, da ist klar, dass Frankreich jetzt Weltmeister wird. Ich verkneife mir zu erwähnen, dass der nächste Gegner Brasilien ist. Ziemlich voll (vom Essen und vom „Sandwein“, der erstaunlich süffig ist in so einer warmen Fußballnacht) schlüpfe ich in mein Zelt.
Km: 25,1, Kasse: Euro 378
