Musik: Rolling Stones, Miss You
Kaum haben wir unser Zelt zusammengepackt und sind eine halbe Stunde marschiert, da kommen französische Grenzer auf Enduros angefahren. Wir waren uns beide nicht sicher, ob man hier überhaupt wild campen darf. Aber – wir könnten ja auch noch in Andorra übernachtet haben, sagt Jagger. Die beiden sind dann auch ziemlich rüde, wollen wissen, was wir hier machen, woher, wohin … Komische Sache, lohnt sich denn Schmuggel noch, denn sie wollen außer unseren Pässen auch die Rücksäcke sehen. Und dass Jagger eine Gitarre dabei hat, das finden sie sehr verdächtig. Die wollen wir mit hohem Gewinn an die Bergvölker hier verkaufen, will ich eigentlich sagen. Ich lasse es aber dann, denn zum einen sehen die beiden nicht so aus, als würden sie Humor verstehen, zum anderen fällt mir das französische Wort für Bergvolk nicht ein. Schließlich rauschen die beiden wieder ab und wir packen unsere Rücksäcke zum zweiten Mal an dem Morgen. Aber wir finden eine Menge wilder Himbeeren dafür und machen die zu unserem zweiten Frühstück. Der Ausflug nach Frankreich ist nur kurz, dann geht es nach Spanien rein. Ein kurzer Blick zurück in das Land, das sich so lange Schritt für Schritt an meiner Seite hatte. Und dann rein nach Spanien. Kurz nach der Grenze kommen wir ins Vall Ferrera und folgen dem kleinen Flüsschen gerne, denn es geht bergab, und das auf einem schönen Weg. Kurze Pause ob der Entscheidung, ob einen Umweg (4 km etwa) zu einem kleinen See machen sollen. Nein, es kommen noch ein paar andere stellen wir fest und folgen dem Tal abwärts. In Areu hat alles geschlossen, aber niemand weiß, warum. Außerdem wird es, das stellen wir schnell fest, nun mit der Verständigung schwieriger. Aber noch geht es, französisch wird gut verstanden. Wenn auch der Dialekt schon ab Carcassonne immer schwieriger zu verstehen war. Es geht weiter bergab, jetzt auf einer richtigen Straße. Bis Llavorsi geht das ganz gut, aber dann ist doch wieder viel Verkehr. Klar, Urlaubszeit. Viele Holländer sind unterwegs. Ein Freund hat mal gesagt, wenn man wissen will, wo es schön ist, dann muss man nur den Holländern nachfahren. Vor Standpunkt eines Autotouristen her stimmt das sicher, denn die Gegend hier ist wirklich toll, wenn man mit dem Auto ursprüngliche Landschaft erleben will. Leider haben wir keine richtige Alternative und müssen im Tal bleiben – also an der Straße. Zum Glück gibt es meist einen ganz guten Weg nebendran oder einen Grünstreifen, denn die Holländer, vor allem wenn sie noch mit Wohnwagen unterwegs sind, machen ihrem Namen als Verkehrsschreck alle Ehre. Immerhin bringt die Straße Ortschaften, und die haben dann auch mal, nachdem wir schon Hungerschichten geschoben haben, Läden, die geöffnet haben. Endlich wieder frisches Brot, Käse, Obst, fette Wurst … Ich gönne mir ein Eis, Jagger packt eine Flasche Rotwein für das Abendessen ein. Leider ist das Tal doch sehr schmal und wir müssen immer einen ziemlichen Aufstieg machen, um eine Stelle zu finden, von der wir denken, dass wir ruhig und sicher übernachten können. Aber man bekommt ein Gefühl dafür, in welche Richtung man gehen muss und wir finden stets eine wirklich tolle Stelle. Die Straße geht weiter nach Norden, wir biegen nach Westen ab. Im etwas seelenlosen Wintersportort Espot verpflegen wir uns noch einmal und machen uns auf in den Nationalpark mit dem klangvollen Namen „Parque Nacional de Aigües Tortes-Sant-Madrici“. Ach, ich liebe Spanien, allein schon wegen seiner Namen. Und wegen Landschaften wie dieser gleich noch mehr. Schade, dass ich nur auf der Durchreise bin, hier würde ich gerne noch ein wenig bleiben. Auch, wenn uns ein Parkranger gleich am Anfang eindringlich darauf aufmerksam macht, dass wir hier im Park unter keinen Umständen übernachten dürfen. Also wild. Nein, nein, wir doch nicht, sagen wir. Sind ja nur noch 20 Kilometer, das schaffen wir locker. Er schaut etwas skeptisch. Wir auch, immerhin war es schon nach 10 und die Sonne drückte mal wieder mächtig, selbst im Schatten der Bäume. Abkühlung gabs dann im See. Endlich mal eine Runde schwimmen. Ob's erlaubt war, waren wir uns auch nicht sicher. Aber wir waren nicht die einzigen. Jagger marschierte in Badehose weiter und bereute es dann, weil er sich doch einige böse Stiche einfing. Also Hose wieder an und die scheute jetzt genau an den Stichen. Wie gesagt, eine wunderschöne Gegend. Landschaft und Natur pur, zum Greifen, zum Einatmen, zum den Akku aufladen. Leider nur den menschlichen, der für meinen MP3 ist leer. Letzte Nacht gemeinsam. Wir haben ein wenig abgekürzt und sind nach Süden gegangen, direkt zu aufs Vall de Boi. Wieder ein herrlicher Sternenhimmel. Nur die Ausschau nach Sternschnuppen (Flitzesternen) war vergeblich. Noch zu früh im Jahr.
Km: 75,3 Kasse: Euro 244