24. Juli, Ruinat
Musik: The fool on the hill, The Beatles
Die kleine Straße ist schön zu laufen. Immer mal wieder ein Baum, der Schatten gibt, wenig Verkehr, die Berge als Kulisse. Ich habe das Laufe ein wenig automatisiert – gehe, ohne groß nachzudenken. Genieße es, wenn die Landschaft langsam, aber stetig an mir vorbei zieht. Bourg d’Oueil taucht auf. Der kleine Ort wirkt auf mich, als hätte man ihn vergessen. Kein Mensch auf der Straße. Wohnt hier jemand? Ja, ein Vorhang bewegt sich, ein zuckt im Schatten seiner Hütte matt mit dem Schwanz … Bareilles schein mir ein wenig lebendiger. Aber das ist relativ. Es geht bergab, es wird heißer … Ich erreiche Arreau. Arme und Gesicht im Brunnen kühlen. Die Kirche ist offen. Ich beschließe eine kleine Pause. Der Innenraum hat nichts Besonderes zu bieten, aber es ist nett und alles passt zueinander. Während ich mir den Altar anschaue, kommt eine Frau und stellt Blumen in eine Vase. Sie sieht meinen Rucksack und die Muschel und wir kommen ins Gespräch. Über den Jakobsweg, über das Wandern und über Gott und die Welt. Schließlich lädt sie mich ein zum Abendessen. Sie hat eh Freunde da und zwei kommen nicht. „Ich kann also für zwei essen“, sagt sie lachend. Ich weiß nicht, ob ich das getan habe, wahrscheinlich schon. Der Tag heute war von der Verpflegung her nicht so toll. Wie eine Belohnung schien mir das hier. Und vor allem konnte ich duschen (das war aber auch notwendig), die Übernachtung im Gartenhaus war auch kein Thema und ich konnte endlich die Akkus laden. Schließlich kamen die Gäste und ich musste natürlich erzählen, wie ich auf die Tour kam, was unterwegs so passiert ist. Puh, gar nicht so einfach, auf einmal wieder so viel Kommunikation treiben zu müssen. Aber ich wurde fürstlich dafür belohnt, denn das Essen war phantastisch. Und noch besser war das Trinken, es gab einen hervorragenden Rotwein aus der Gegend und als Aperitif einen Champagner. Habe mir extra den Namen gemerkt: Ruinat, kupferfarbenes Etikett mit einem schwarzen „R“. Wer mal die Chance hat, so einen zu trinken, sollte das tun. Obwohl niemand von meinen Gastgebern wusste, ob es den in Deutschland überhaupt zu kaufen gibt. Also, ich würde behaupten, dagegen kann man einen Moet gerade mal für eine Bowle nehmen. Das Essen war übrigens nett. Es sind vier Ehepaar (eines fehlte), die sich regelmäßig einmal die Woche zum Essen abwechselnd in vier Lokalen getroffen haben. Dann hat eines der Lokale geschlossen, in einem hatten sie Krach mit dem Besitzer, eines hat einen neuen Koch und eines … weiß ich nicht mehr. Auf jeden Fall haben sie dann beschlossen, dass sie selbst kochen, jede Woche jemand anders für den Rest. Und wie gesagt, das Essen konnte sich sehen lassen! Davon verstehen die Franzosen wirklich etwas.
Km: 29,0 Kasse: Euro 205
