Jakobsweg_ohne_Geld

28.07.2006 um 09:06 Uhr

25. Juli, Tour der Leiden

Musik: Corinna, Corinna, Wolfgang Ambros

Mit einem guten Frühstück im Bauch und ein paar Kopien von Wanderkarten meiner nächsten Strecken mache ich mich wieder auf den Weg. Wenn ich die Höhenangaben richtig erkenne, dann liegt Arreau auf einer Höhe von 698 Meter – und praktisch hinter der Stadt beginnt der Aufstieg zum Col d’Aspin. Da oben sind es dann 1489. In engen Kehren windet sich die Straße den Berg hinauf. Und jeder, der sich da einmal ohne Motorhilfe hinauf gequält hat, der weiß, warum die Tour de France auch Tour der Leiden heißt. Denn die zieht hier regelmäßig hinauf. Nicht weit davon ist der noch berüchtigtere Col du Tourmalet, der bis über 2100 Meter hochgeht. In früheren Jahren hatte einer der Fahrer die Organisatoren der Tour einmal als Mörder beschimpft, weil sie den Pass in die Tour eingebaut haben. Und es ist wirklich mörderisch. Es zieht sich. Das Wasser ist schnell alle. Ein Pärchen aus Berlin macht in einer Kehre Picknick und füllt meine Flasche nach. Irgendwann bin ich oben. Ich setze mich auf einen großen Stein und genieße die Aussicht und die klare Luft. Auffallend viele Radler quälen sich nach oben – die wollen es den Profis nachtun. Aber müssen sie das in der prallen Mittagshitze tun? Na ja, ich habe ja auch keine Wahl, aber dem einen oder anderen Gespräch entnehme ich dann schon die Reue, nicht doch ein paar Stunden früher losgefahren zu sein. Abwärts geht es besser. Zumal mit mehr Schatten und einem kühlen Bach als Begleiter. Pavolle lädt zur Rast ein, aber irgendwie scheint mir der Ort laut und hektisch. Da ist Ste-Marie-de-Campan gemütlicher. Aber da ist die Luft auch schon ein paar Grad kälter, die Sonne bereits dabei, uns eine kleine Pause zu gönnen. Ich bin einen Augenblick versucht, nach Süden abzubiegen und den Col du Tourmalet mal anzuschauen. Aber ich lasse es dann doch, suche mir einen schönen Platz für mein Zelt und warte auf Sternschnuppen.

Km: 28,1 Kasse: Euro 196


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