7. August, Sierra de la Sierra
Musik: Gimme hope Jo'anna, Eddy Grant
Ich seh aus wie ein Streuselkuchen. Die Mücken haben mich wirklich voll erwischt. Komischerweise juckt es nicht, aber ein Pilger aus Mailand, den ich in Sanguesa treffe, gibt mir eine Creme gegen Stiche. Der ältere Herr spricht nur wenig Englisch, kein Deutsch oder Französisch oder Spanisch. Aber wenn ich es richtig verstanden habe, macht er sich jedes Jahr für zwei Wochen auf den Weg und schafft dann so um die 200 Kilometer. Aber er nimmt sich viel Zeit, um die Kirchen und Klöster auf dem Weg zu besichtigen und zu fotografieren. Dazu schleppt er eine Fotoausrüstung mit sich herum, die aller Ehren wert ist. Inklusive zwei Blitzgeräten und einem Stativ. Und weil das so schwer ist, hat er eine Art Einkaufswägelchen mit einem großen Doppelrad. Man muss ja nicht alles tragen. Da hat er Recht und muss an meinen Fahrradesel denken. Hier in Sanguesa gibt es eine Menge zu sehen und fotografieren. Allein das Portal der Kirche ist wie ein Ausflug in eine andere Welt. Eine Reise durch Himmel und Hölle. Leider kommt dann eine lärmende Schulklasse. Aber das kommt mir gerade Recht, ich hab lange genug pausiert. Mit zwei Franzosen aus der Nähe von Metz breche ich auf und wir unterhalten uns über den Weg und den Sinn, ihn zu gehen. Weil er da ist, sagen sie. Also sind wir wieder bei Reinhold Messner: Rauf auf den Berg, weil er da ist. Aber der Weg ist nicht „da“, er wurde von Menschen geschaffen und dazu gemacht, was er heute ist. Ich denke, dass er von jedem Menschen neu geschaffen wird und zu einem neuen Weg gestaltet. Die beiden Franzosen wollen nur bis Aibar gehen heute und dann den ursprünglichen Weg, der etwas weiter im Norden liegt. Aber ich will noch ein gutes Stück weiter und tauche ein in die nächste Sierra (de Izco). Eine wunderschöne Gegend wieder, und mir scheint es manchmal, als sei ich alleine auf der Welt. Am Fuße eines kleinen Berges übernachte ich auf dem Grundstück eines Bauernhofes und werde wie selbstverständlich mit verpflegt.Â
