Musik: Rudy, Supertramp
Früh aufgewacht, zum Glück. Ein Bauer ist schon mit seinem Trecker unterwegs, aber er grüßt freundlich zurück, als ich mein Zelt zusammenpacke. Ich schiebe wieder runter an den Fluss und gehe dann strikt am Ufer entlang. Meist geht da ein ganz guter Weg, in der Regel geteert oder betoniert - ist zum Schieben des Rades einfach besser. Eine alte Schwengelpumpe liefert, ganz entgegen der Erwartung, Wasser. Eiskalt, genau das richtige für eine kurze Dusche. Ebenso kurz das Frühstück, ich will die kühleren Stunden nutzen am Morgen. Immer zwischen N86 und Fluss geht es Richtung Süden. Leider ist Karte nicht genau genug für eine Wanderung, aber inzwischen habe ich einen ganz guten Instinkt dafür, wo ich einen Übergang finde werde über die kleineren Zuflüsse und wo es ratsam ist, mich an die Straße zu halten. Gut, klappt nicht immer, aber die Umwege halten sich in Grenzen. Inzwischen hat sich die Landschaft geändert. Immer mehr dominiert der Wein die Landwirtschaft. Geht manchmal schon ein wenig in Richtung Monokultur. Pause in einem kleinen Buschwäldchen. Ich schaue den Reihern zu und döse ein wenig in der heißen Luft, die aus Osten kommt. Dann geht es weiter, mit einem dieses Mal größeren Umweg wegen Zufluss vor Tournon-sur-Rhone. In der Stadt ist es wahnsinnig heiß, die Luft steht in den Straßen. Da kommt mir ein Internet-Café gerade recht. Nichts wie rein, eine Flasche kühles Mineralwasser und ein paar Mails. Dazu die Seiten der letzten Tage. Nachdenkliches, wegen meiner Gedanken zu den Judendeportationen in Frankreich. Habe aber keine Lust mehr, dieses Thema aufzugreifen, das habe ich im Kommentar schon gemacht. Besser wird dadurch (bei mir) nichts. In Yahoo lese ich, dass zwei Usbeken für ein Autogramm von Kahn 6500 Kilometer weit geradelt sind. Anfang März waren sie in Taschkent losgefahren. Respekt! Nach dem Ausflug ins Netz streife ich noch ein wenig durch die Stadt. Die alten Häuser mit der kleinen Fußgängerzone sind nett. Die Kirche wieder geschlossen. Das Schloss kostet Eintritt, reizt mich aber auch nicht unbedingt. Es sieht schon von außen sehr imposant aus, wie es auf seinem Felsen steht. Insgesamt ist mir die Stadt ein wenig zu touristisch, und deshalb auch zu teuer. Raus aus der Stadt. Das zieht sich. Auf der Karte sah das gar nicht so groß aus. Immerhin ist der Weg am Fluss entlang ganz nett. Aber weit komme ich eh nicht. Um 18 Uhr greift Frankreich ins Fußballgeschehen ein. Da bin ich mal gespannt. Ich suche mir rechtzeitig eine Kneipe mit Fernseher. Dir Franzosen stehen alle am Tresen, verrenken sich den Kopf nach dem Fernseher – ich sitze an einem Tisch, mit noch einem älteren Herr, der immer nur nickt, wenn ich etwas sage, und habe besten Blick aufs Geschehen. Erst noch die Ergebnisse der anderen Spiele: Togo verliert gegen Südkorea. Also gut, das war keine Überraschung. Und dann das Spiel in Stuttgart. Bäh. So ein Grottenkick. Erinnerte mich an Spiele der Deutschen, als Ruuudi oder Bööörti noch Trainer waren. Zidane? Ich hab ihn nicht gesehen. Aber die Schweizer haben es nicht verstanden, das zu nutzen. So haben sie zwar einen Punkt ergattert, aber das wird nicht reichen. Die Franzosen wissen nun, dass sie so keinen Blumentopf gewinnen können und werden sich steigern. (Äh, denke ich). Brasilien – Kroatien spielt noch. Also gut, dann schaue ich mir das auch noch an. Brasilien ist immer sehenswert. Dachte ich bis vor dem Spiel. Hinterher nicht mehr. Die Franzosen haben über Ronaldo ähnlich gelacht, wie über Zidane vorher. Ob die beiden bei der WM noch mal was reißen können? Ich bin nur bis zum Schluss geblieben, weil es spannend war. Die Favoriten wanken, aber sie fallen nicht.
Hinter Mauves schlage ich mich ein wenig abseits der Straße in die Büsche. Ist immer blöd, wenn man erst so spät nach einem Zeltplatz sucht, dann kann man niemanden mehr fragen. Aber es geht, neben der N86 ist ein kleiner Wald. Allerdings durch die Straße ziemlich laut.
28,5 km, Kasse: Euro 345