Dienstag, 9. Mai. Ich werde erwartet
Es ist kälter geworden, spürbar kälter. Da bin ich dankbar, dass ich zum Frühstück eingeladen werde. Viel gibt es nicht, der Hausherr ist kein großer Frühstücker, wie er selbst sagt. Aber das sind Franzosen eh nie. Eine halbe Stunde helfe ich noch, Holz schichten, dann schiebe ich wieder los. Ein unspektakulärer Tag. Ich komme langsam, aber stetig voran, immer auf oder an einer Landstraße entlang. Es weht ein kühler Wind, aber es ist auszuhalten. Ich mag’s eh lieber kühler, aber fünf Grad mehr wären nicht schlecht. Ich mache einen kleinen Umweg nach Darcey rein, mache eine Pause und kaufe was zu essen. Dann geht es weiter. Am Nachmittag fällt es mir schwer, mich auf den Weg zu konzentrieren. Meine Gedanken schweifen immer wieder ab. Mir fallen uralte Lieder ein, die ich schon seit Jahren (ok, seit Moneten) nicht mehr gehört habe. Ich gebe es auf, sie auf dem Player zu suchen, das hält zu sehr auf. Also singe ich selbst. Zum Glück ist niemand in der Nähe. Eine größere Straße kreuzt, ich muss fragen, wie ich am besten weiter kommen. Ich mache es in einem Café, in dem vier Männer und der Wirt beim Wein sitzen. Das bringt mir fünf Meinungen und ein Glas Rotwein ein. Der Weg, der mir dann empfohlen wird, ist wahrscheinlich der kürzeste, aber er geht ein Stück sehr steil bergauf. Egal, ich schaffe es rauf und stapfe dann auf einem ganz guten Weg weiter. Als ich mich Lucenay le Duc nähere, sitzt ein Mann an der Straße auf einem Klappstuhl. Als ich näher komme, steht er auf und geht auf mich zu. Ich weiß erst nicht, was ich davon halten soll, aber er spricht mich an: „Du bist der Pilger“, sagt er und streckt mir die Hand hin. „Jean-Louis“, sagt er und lacht, „Sebastien hat mich angerufen.“ Ich schaue ihn fragend an. „Sebastien aus Corpoyer.“ Aha, das war der Mensch, mit dem ich heute Morgen Holz geschichtet habe. Jean-Louis wohnt alleine in einem riesigen alten Haus, das mal ein Bauernhof war. Aber ein Teil des Hauses ist eingefallen, sagt er. Das renoviert er dann mal später. Er nimmt mich mit, erzählt schon unterwegs viel (oder besser „nur“). Und dann macht er was zu Essen, während ich dusche. Was für eine Wohltat. Als ich fertig bin, steht Jean-Louis in der Türe. Essen ist verschoben, ein Freund braucht seine Hilfe mit einer Maschine. „Schau fernsehen“, sagt er, „oder schick Deiner Liebsten ein E-Mail.“ „E-Mail wäre nicht schlecht“, sage ich und er macht mir schnell den PC an und düst dann mit einer alten Ente ab. Also, dann nutze ich die Gelegenheit und schaue mal wieder in die Blogs und Mails. Er braucht zwei Stunden, hat Jean-Louis geschätzt. Also nichts wie ran. Zu essen gab’s erst mal trockenes Brot.
Also, Kommentare hab ich geschrieben.
Ein paar kurze Mails (sorry, aber da taten schon die Finger weh).
Christophe hat mir die eingescannten Postkarten geschickt. MERCI! Das heißt, es gibt neue Bilder, aber nur wieder auf http://heiligerjakob.blog.de.
Und Blogio wird verkauft, hab ich gelesen. Haltet noch durch, solange ich unterwegs bin!
Kilometer: 16,9 km, Kasse: 29 Euro

auch wenn du das mit der krassen Socke überlesen hast, bist trotzdem eine. *fg*
Ich finds wirklich immernoch toll, dass du durchhälst. Lass dich weiterhin nicht von deinem Weg abbringen.
Es ist bestimmt voll interessant, so viele neue Menschen kennen zu lernen.
Sprichst du eigentlich Französisch?
Meinen blog hast du nicht gefunden? www.blogigo.de/Thathie oder einfach auf meinen Namen klicken. Dann müßte er doch kommen. Und die Suchfunktion findest du wenn du dich eingeloggt hast und dann auf Home gehst. Da ist dann unten rechts ein Suchkasten!!!
Tjoar, ich hoffe, bald wieder was von dir zu lesen und wünsch dir mal wieder viel Kraft und wenn du magst, fühl dich gedrückt (ganz vorsichtig natürlich)!
Die Thathie
bin gerade mal wieder mit Internet versorgt. Und bei einem netten Menschen. Schön das. Habe das nun auch kapiert mit der Suchfunktion. Danke für die Nachhilfe. Also, das ist auf Blog.de besser. Aber da kann ich dafür oft nicht reinschreiben von unterwegs, deshalb hab ich ja das hier. Aber hier kriege ich dafür wieder keine Bilder rein ... ach, das Leben ist schrecklich ... kompliziert. ;-)
Mail angekommen, musste es allerdings aus dem Bulkordner retten. Gerade noch gesehen.
Ja, ich kann ganz brauchbar Französisch, sonst hätte ich das sicher nicht versucht. Das hilft schon eine ganze Menge.
LG vom Ziegenhof
Timo