Musik: The river, Bruce Springsteen
Der Wind war die ganze Nacht an meinem Zelt, und auch heute Morgen weht er unvermindert. Und es ist kalt und es regnet. Bäh! Aber nach der obligatorischen heißen Schokolade geht es mir schon wieder ausgezeichnet. Auch, wenn der Wind mich weiter begleitet – zum Glück ein wenig abgeschirmt von den Hügeln im Westen. Immerhin hat der Regen den (Blüten)Staub weggewaschen, allerdings sind immer wieder ein paar Wegstellen matschig, was das Schieben etwas anstrengend macht. Bis ich in Gueugnon bin habe ich nasse Füße und ganz rote Hände. Also erst mal Pause. Ich schaue mir die Kirche an, natürlich von außen weil zu, und lande dann, weil es mal wieder regnet, in der Sportbar. Zwei ältere Herren, die hier ihren Pastis trinken, langweilen sich sichtlich. Sie laden mich zum Kaffee ein und erzählen mir alles über die Stadt. Gut, das ist nicht so viel und in 10 Minuten erledigt. Angefangen natürlich, schließlich sind wir in der Sportbar, mit dem legendären Sieg im französischen Pokal. Ich bin skeptisch, gegen Paris Saint Germain? Immerhin ist das Nest hier nicht besonders groß, gerade mal 10.000 Einwohner schätze ich. Aber die beiden zeigen mir den Wimpel und spielen sogar die beiden Tore nach. Danach erzählen sie mir noch, dass ich unbedingt die berühmte Brücke über die Arroux anschauen muss. Hm, habe ich schon gesehen, aber mir ist sie nicht so spektakulär in Erinnerung ... auf jeden Fall sieht man ihr ihre über 200 Jahre nicht an. Schließlich geht es wieder zurück zum einzigen wirklich wichtigen Thema – dem Fußball. Und die beiden erklären mir, warum Frankreich dieses Jahr Weltmeister wird. Und warum Deutschland in der Zwischenrunde schon ausscheidet. Das war so schlüssig, da kann man nichts dagegen sagen. Auch wenn ich nicht glaube, dass Deutschland gegen Polen verliert und Brasilien gegen England ausscheidet. Ich werde zum Burger und zum Pastis eingeladen und ziehe dann am frühen Nachmittag leicht beschwingt weiter. Das Tal wird etwas flacher, aber die Landschaft ist ganz nett. Ich bleibe auf der westlichen Seite des Flusses, auf der anderen ist immer die Straße, und gehe durch üppig grüne Felder. Eine Bushaltestelle gibt einen Regenschutz für einige Zeit. Der Bäcker in Rigny-sur-Arroux schenkt mir zwei zerbrochene Baguette, dazu einen Käse und etwas Marmelade. Nicht so toll ist die Wegbeschreibung, die ich hier erhalte. Sie führt mich immer weiter weg vom Fluss. Schließlich gebe ich auf und schlage ich mich wieder in einem kleines Wäldchen mit meinem Zelt in die Büsche. Es regnet wieder heftiger und morgen ist auch noch ein Tag.
20,1 km, Kasse: Euro 23
Alles Liebe, Flumi
Ich heiße zwar ziemlich heilig, aber bin\'s leider gar nicht, deshalb kann ich nur vermuten, dass eine der 7 Todsünden \"der Stolz\" ist. Egal, wie auch immer. Das war mir schon von Anfang an klar, dass ich da einige Anstriche machen muss. Aber ich find nichts ehrverletzendes dran, wenn mir jemand in einer Bar einen Kaffee bezahlt. Ansonsten versuche ich ja immer eine Gegenleistung in Form von Arbeit zu geben. Manchmal ist es auch nur eine (meine) Geschichte.
Und schneller vorankommen? Nee, warum. Ich habe zwar mit runden 30 km am Tag geplant, aber es geht auch so. Mit dem Rad muss man anhalten, zu Fuß nicht.
Timo, der heute einen Arbeits-/Ruhetag hat, gegen Internet-Benutzung und Pizza.
Was die Todsünde angeht, dürftest Du recht haben - ich bin mir nur nicht sicher, ob mein Schatten nicht zu lang wäre, über den ich in so einem Fall hüpfen müsste und überhaupt - wo landet man beim Schattenspringen, wenn man es nicht schafft?
Wünsche Dir einen sauschönen Tag aus dem komplett verregneten Hessen (sei froh, dass Du nicht hier bist!