Musik: Andrea Doria, Alles Gute zum Geburtstag, Udo!
Also gut, das Fußballspiel war ganz nett und spannend. Und der Lehmann hat dann auch gleich mal wieder bewiesen, dass er ein Verrückter ist – und das nicht immer im positiven Sinne. Aber gut, die Mannschaft hat gut gekämpft. Ich komme relativ beschwingt aus der Kneipe. Der Rotwein war gut, der Rauch weniger. Rauchverbot in Frankreichs Kneipen. Ja doch, ja klar! Danach musste ich mir noch einen Schlafplatz suchen. Aber das ging ganz gut. Zumal es natürlich schon dunkel war, und so habe ich mich einfach unter ein paar Bäume gestellt mit dem Zelt und fertig. Am nächsten Morgen hatte ich schwere Beine, die Jungs gestern haben den Wein schon sehr freizügig ausgeschenkt. So lasse ich mir Zeit, mache ganz langsam. Wieder hat es geregnet, aber nicht so schlimm wie letzte Nacht.
Ich mache einen kleinen Umweg, gehe den schönen Wanderweg entlang der Cure und sehe so die schönen alten Brücken bei Pierre-Perthuis. Sehr schöner Weg, und auch angenehm ruhig zu laufen, nur ein paar Treppen bzw. steile Anstiege machen mir zu schaffen. Dann geht es weiter nach St. Père, wo ich mir in der schönen gotischen Kirche eine Pause gönne. Vezelay erreiche ich am Nachmittag. Es ist doch einiges los hier, bin ich gar nicht mehr gewohnt. So habe ich ein kleines Problem mit dem Rad und dem Gepäck. Der Mensch im kleinen Laden, an dem ich meine nun fünfte Postkarte kaufe, meint, dass er leider nicht aufpassen kann. Also lasse ich das Rad einfach stehen vor der Kirche. Ich hoffe auf die Ehrlichkeit der Menschen. Vezelay hat eine lange Geschichte. Franz von Assisi war hier und Richard Löwenherz. Aber vieles an Geschichte und Ort ist düster. Die Reliquien, wegen denen das Kloster im Mittelalter Wallfahrtsort war, waren geklaut. Und der Löwen-Richi (übrigens eine der größten Pfeifen der Weltgeschichte) hat hier auch nur seinen Kriegszug begonnen. Apropos, den beginnen auch viele Pilger/Wanderer. Denn hier ist einer der Startorte für den Jakobsweg. Obwohl das ja eigentlich blöd ist, denn früher sind die Leute ja auch nicht hierher gefahren und dann von hier losgezogen. Witzig ist, mit welchem Trotz (vor allem deutsche Pilger) den Start hier verteidigen. So, als bräuchten sie eine Entschuldigung dafür, dass sie die ersten paar hundert Kilometer mit dem Zug gefahren sind. Wie auch immer: „Vézelay nach Santiago: 1691 km - 71 Wandertage“ informiert ein kleines Schild. Ich hole mir (endlich mal wieder) einen Stempel und verlasse dann das kleine Städtchen. Der „Stempelmensch“ schaut mich ein wenig schräg an, weil er meint, dass bei meinem Buch nicht alles mit rechten Dingen zugeht. Ich habe eben seit Dijon gerade mal einen Stempel drin. Bin nicht so scharf darauf, das Buch schnell mit Stempel zuzukleistern. Eine Schweizerin, die hinter mir ansteht um den Stempel meint, dass man für jeden Tag zwei braucht, sonst bekommt man seine Compostela nicht. „Das ist mir egal“, sage ich, und sie sieht mich an, als hätte ich gerade den Erfinder der Stempelfarbe geleugnet. Ich gehe auf einem anderen Weg zurück nach Foissy les Vezelay. Es dämmert schon, und ich finde lange keinen schönen Platz zum Zelten. Schließlich habe ich was, was einigermaßen geht und ich hau mich in die Büsche.
Kilometer: 21,6, Kasse: Euro 51