Jakobsweg_ohne_Geld

12.05.2006 um 21:35 Uhr

Freitag, 12. Mai. Alles Käse

Musik: Morning has broken, Cat Stevens

Manchmal ist es schon komisch – da überlege ich hin und her, wo ich meine nächste Arbeit finde (vor allem eine, die ich machen kann), und dann kommt sie ganz von alleine. Aber der Reihe nach. Ich habe relativ lange geschlafen, oder besser, bin in meinem Zelt gedöst. Aber dann schien die Sonne schon so warm, dass ich einfach raus musste. Die Gegend ist hügelig, und so muss ich hin und wieder kräftig schieben. Aber ich habe da schon so meine Techniken, dass es möglichst nicht anstrengt, sprich weh tut. Ich finde einen schönen Weg ohne Verkehr – und ohne Menschen. Es ist, als würde die Welt mir gehören (Ja, ja, jetzt kommen wieder die Kommentare von wegen überheblich und so. Es ist einfach so. Aber das kann nur jemand nachvollziehen, der so einen menschenleeren Weg schon mal gelaufen ist.) In einem kleinen Nest, Name vergessen und nicht auf meiner Karte, trinke ich wieder eine heiße Schokolade und esse ein Hörnchen. Zwei Handwerker stehen an der Bar, antworten meinen Gruß mit einem Nicken, gehen dann - und haben meine Zeche bezahlt. Später versuche ich mir das mal vorzustellen in Deutschland ... Ich komme an einen kleinen See und mache eine Pause. Danach habe ich eigentlich keine Lust mehr, aber ich habe erst rund 10 km geschafft, und das ist mir zu wenig. Und hier am See hat es zu viele Stechmücken. Also mache ich mich wieder auf den Weg. In Toutry kaufe ich noch mal ein und schaue etwas besorgt auf meine schwindenden Geldvorräte. Und dann muss mich doch so langsam um einen Schlafplatz kümmern. Der kommt dann mit Mecker und Klingel. René ist mit seiner Ziegenherde gerade auf dem Weg nach Hause. Ich frage ihn, wo ich denn zelten könnte, und er lädt mich ein, das bei ihm zu tun. Er hat einen kleinen Hof (so klein war der dann doch wieder nicht) in der Nähe von Sauvigny. Und so folge ich ihm und seinen Ziegen. Wie selbstverständlich dirigiert er mich dann ins Haus, ich kann das Bad benutzen, kann im Gästezimmer schlafen und bin zum Essen eingeladen. Rene hat hier Ziegen und Schafe, verkauft die Milch, aber auch selbst gemachten Käse. Und so lerne ich an dem Abend noch, wie man Ziegen melkt. Ok, ich versuche es auch mal, aber das klappte nicht so gut. Nichts zu meckern gabs aber beim Misten und Füttern. Als ich Rene erzähle, dass ich einen Job für ein paar Tage suche und in Avalon mal mein Glück versuchen will, meint er, dass ich ja ihm helfen könnte. Er muss morgen auf den Markt, seinen Käse verkaufen, und da hat er niemand für die Schafe. Aber die müssten zu einer bestimmten Wiese. Die Ziegen bleiben dann hier. Eigentlich macht das Silvi, aber die musste zu ihrer Mutter, die aus dem Krankenhaus entlassen wurde und noch nicht so recht den Haushalt schafft. Kein Problem, sage ich, und wir einigen uns auf 15 Euro am Tag plus Essen. Und Internet. Jeder Ziegenhirt habt hier Internet, lacht Rene. Und da sitz ich also jetzt. Kilometer: 16,1 km, Kasse: 17 Euro

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. Moksha schreibt am 13.05.2006 um 03:48 Uhr:Ich grüße dich ,tapferer Wandersmann!Habe so gegen 22.00 deinen Blog angeklickt-und seitdem fast ununterbrochen deinen spannenden Reisebericht gelesen-mir fallen jetzt gleich die Augen zu-wollte dir nur noch schnell Glück wünschen für den weiteren Weg-ich bleibe von jetzt an natürlich lesetechnisch weiter mit auf deinem Weg.

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