Jakobsweg_ohne_Geld

19.06.2006 um 12:14 Uhr

Freitag, 16. Juni. Farbwechsel

Musik: Silver and Gold, Neil Young

Nach dem Gewitter gestern Abend gibt es aber irgendwie gar keine Farben mehr. Alles strahlt heute in einem frisch gewaschenen Grün. Ich laufe nach Baix rein und bin schon um acht Uhr ziemlich fertig und verschwitzt. Es ist ziemlich dämpfig heute und ich vermute, dass es auch wieder gewittern wird. Ich gehe in eine kleine Bar, trinke Schoki und esse gefüllte Hörnchen (sehr süß). Neben den Spielautomaten ist ein Internetterminal. Der Wirt sieht, dass ich mit Interesse da hinschaue, erklärt mir, dass es kostenlos ist und macht das Ding an. Das muss ich natürlich nutzen. Erst mal ein paar Mails nach Hause. Dann schnell mein Blog nachgetragen. Die Diskussion um meine Gedanken rund um das Résistance Museum machen mir ein wenig zu schaffen. Ist Napoleon aus dem Grund kein Massenmörder, weil Hitler ein schlimmerer war? „Töte einen, und du bist ein Mörder. Töte Tausende, und Du bist ein Held.“ Die Menschen sind schon komische Tiere. Leider verbringe ich zu viel Zeit in der kleinen Kneipe, die Sonne steigt und steigt. Es hilft nichts, ich muss hinaus und weiter. Eigentlich wollte ich heute mindestens ein Spiel anschauen. Argentinien wäre interessant. Und Holland-Elfenbeinküste auch. In Stuttgart ist sicher der Bär los und eine Riesenfete. Wenn Holland verliert, gebe ich nachträglich einen aus. „Lauft meine kleinen schwarzen Freunde“. Ich lese noch die Ergebnisse von gestern. Ecuador ist also auch weiter, die Tikkos raus. Schade. Und England und Schweden haben sich praktisch in den letzten Minuten gerettet. Das wäre der Hammer gewesen, wenn es die Trinis geschafft hätte, hier noch einmal ein Unentschieden zu retten. In Cruas treffen zwei Welten aufeinander. Auf der einen Seite das kleine Dorf, das schon beinahe mittelalterlich wirkt mit den Häusern und der alten Kirche. Auf der anderen die Kühltürme des Atomkraftwerkes. Besonders makaber finde ich das Bild des Kleinkindes, das auf den Kühlturm gemalt ist. Hat jemand eine Ahnung, was die damit sagen wollen? Hier können Kinder spielen? Hier verspielen wir die Zukunft unserer Kinder? Ich laufe weiter, aber als Fußgänger habe ich die riesigen Türme natürlich sehr lange im Blickfeld. Ich habe keine Lust auf WM. Auch, weil ich keinen richtig netten Platz finde, um zu gucken. Also laufe ich weiter, mache eine längere Pause direkt am hier breit gestauten Fluss. Aber die Mücken vertreiben mich schließlich. Dann teilt sich der Fluss wieder, wenn ich das richtig sehe in einen eher naturbelassenen Teil und einen Kanal. Auf der anderen Seite liegt Montelimar. Der „Umweg“ in die Stadt rein beträgt fast 3 Kilometer, also lasse ich es. Vor allem, weil ich mir hier bessere Möglichkeiten zum Schlafen erhoffe. Und richtig: bei La Moutte frage ich bei einem Bauernhof und werde sehr herzlich eingeladen, neben der Scheune zu zelten. Eine improvisierte Dusche ist ebenfalls vorhanden, und ich werde sogar zum Essen eingeladen. Was will man mehr? Dafür verrate ich dem Bauer, dass er nicht die (teuren) Leuchtröhren, sondern die Drosseln austauschen muss, damit die Dinger nicht immer so blinken und surren. 28,2 km, Kasse: Euro 315

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