Jakobsweg_ohne_Geld

13.07.2006 um 14:22 Uhr

Mittwoch, 12. Juli, Berge in den Beinen

Musik: Rolling Stones, You cant always get what You want

Dieses Mal sind wir besser gerüstet. Das Frühstück ist in der Tasche, ebenso das Mittagessen. Denn auch heute wird sich keine Gelegenheit zum Einkauf bieten. Dafür bekommen wir Berge. Reichlich. Als mir Jagger sagt, dass wir heute auf über 1200 Meter kommen, schaue ich ihn nur schräg an. Nach zwei Stunden glaube ich es. Heute heißt es beißen, aber das ist gut so. Die Wanderung war mir bisher ein wenig zu brav. Zum Glück will Jagger auch vorankommen. Nicht, dass wir ein Wettrennen veranstalten, jeder hat sein eigenes Tempo und manchmal sind wir hundert Meter auseinander, aber irgendwie findet sich unser Rhythmus dann doch wieder. Für mich immer frustrierend, wenn ich irgendwo hinabsteigen muss, und sehe schon den nächsten Anstieg vor mir. Und, wenn ich noch weiter in die Ferne blicke, die wirklich mächtigen Berge. Ouh, da müssen wir rauf, frage ich. Jagger nickt nur und grinst. Na ja, er weiß ja, dass mich das nicht wirklich schreckt. Wir laufen irgendwie parallel zu einer größeren Straße und ich finde der Weg ist toll. Nur, ohne die Karte hätte ich den nie gehen können. Zwei, drei Stunden sind wir unterwegs, ohne ein Haus zu sehen, ohne einen Menschen zu treffen. Das habe ich lange nicht gehabt. Der Wald gibt zudem guten Schutz vor der heißen Sonne, und so müssen wir mittags nicht so lange pausieren. Früh los war eh klar. Ein breites, hügeliges Tal mit Feldern kommt, dann wieder ein steiler Anstieg, wieder Wald. Und dann zwei heftige Aufstiege, die wir jeder Mal mit einer Pause auf dem „Gipfel“ feiern. Und noch einmal müssen wir runter, einen steilen, rutschigen Weg, nur, um dann wirklich in die Berge zu kommen. Der Pass liegt vor uns. Weit oben kann man ein Auto sehen, vorsichtig eine Serpentine fahrend. Aber dann sind wir doch schon oben. Alles ging schneller, als ich dachte. Schritt für Schritt zieht die Landschaft vorbei. Im 85-cm-Tempo. Eine Pause, ein Essen, der Entschluss, nicht hier oben zu nächtigen, sondern, zumal es noch gutes Licht hat, noch ein Stück zu gehen. Und so gehen wir noch fast zwei Stunden und schlagen dann unser Lager auf. Km:29,2 Kasse: Euro 286

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