Musik: Dancing in the dark, Bruce Springsteen
Mit tun die Knochen weh. Liegt wohl daran, dass ich gestern zwei schwere Fußballspiele hatte ... So geht es heute ein wenig langsamer. Ein schöner Tag steht am Himmel, keine Wolke. Ich kann mich mit der Route nicht so leicht entscheiden. Will eigentlich um Valence herumgehen. Aber dann bleibe ich doch am Fluss, weil es da wohl einen sehr angenehmen und vor allem leicht zu findenden Weg gibt. Das ist zwar ein leichter Bogen, aber sonst müsste ich wieder schauen, wie ich laufen kann und würde der N86 in die Quere kommen. Es ist viel los an diesem Morgen, aber ist ja immer so, wenn man in die Nähe größerer Städte kommt. Es geht trotzdem und ich finde eine angenehme Stelle am Fluss, wo ich meine Frühstückspause verbringen kann. Dann kommt die Stadt und ich bin mir nicht sicher, ob ich „rüber“ soll. So viel weiß ich auch nicht über die Stadt. Lohnt es sich? Das Verbotsschild für Fußgänger an der ersten und für lange Zeit einzigen Brücke sowie die Autobahn auf der anderen Seite nehmen mir die Entscheidung ab. Ich gehe nicht in die Stadt rüber. Hab ich was verpasst? Also weiter den Fluss entlang. Ein Schild zu einem Freibad kommt. Hm? Ja. Ich mache eine kleine Pause, kaufe auch noch ein paar Lebensmittel und verbringe die Mittagszeit im Schatten und im Wasser. Außerdem erlaubt mir ein netter Bademeister, dass ich meine Akkus auflade. War auch höchste Zeit. Weiter, endlich wieder weg von den Häuser. Der Fluss ist hier aufgestaut, wird breit und träge. Immer wieder ziehen Schiffe vorbei. Flussschiffe haben irgendetwas Beruhigendes. Sie scheinen es nie eilig zu haben. Zwei Kids, so um die 10 bis 12, fahren mit ihren Trick-Bikes um mich rum und schauen mich verständnislos an, weil ich mein Rad schiebe. Die beiden sind echt knuffig. Als ich ihnen erklärt habe, warum ich das Rad habe, nicken sie nur. Sie begleiten mich eine ganze Weile, fragen mich Löcher in den Bauch über meine Reise und – spendieren mich nachher sogar ein Eis. Verrückte Welt. Dann geht es so langsam daran, einen Platz für das Spiel zu finden. Aber das geht einfach, ich lande in Charmes-sur-Rhone, einem kleinen, charmanten „Nest“. Das Café ist klein und schon gut besucht. Natürlich läuft Fußball, aber keiner interessiert sich für das Spiel Tunesien gegen die Saudis. Dabei könnte hier einer der Gegner von Frankreich zu sehen sein - falls sie die nächste Runde erreichen ;-). Die Diskussionen gingen um die Leistungen von Frankreich und Brasilien gestern. Wenn das so weiter geht, meinte einer, dann wird ja doch noch Deutschland Weltmeister. Ach was, meinte ein anderer, die verlieren jetzt dann eh. Ich war mal still, setzte mich in meine Ecke und tat unbeteiligt. Aber natürlich war ich als Deutscher von erkannt. Aber die Jungs lassen mich in Ruhe und ich kann das Spiel anschauen. Also dann, ab in die zweite Runde. Genießen kann ich es nicht, dazu ist es viel zu nervös. Und Deutschland geht es wie den anderen Favoriten – sie kommen nicht so richtig in Fahrt. Obwohl sie streckenweise nicht schlecht gespielt haben. Und letztlich gewonnen. Damit sind die Polen raus. Schade. Als ich zahle, nennt mich der Wirt einen „Glückspilz“. Ich zucke mit den Schultern. Die wirklichen Spiele kommen erst in der nächsten Runde.
27,2 km, Kasse: Euro 331