Musik: Have You ever seen the Rain,CCR
Der Wind hat die ganze Nacht an meinem Zelt gezerrt. War dann schon etwas schräg, aber ich habe keine Lust gehabt, die Schnüre nachzuspannen. Auch am Morgen bläst es frisch aus Nordwesten. Ich dachte, es wird jetzt endlich Sommer. Nach einigem Suchen und Himmelsrichtung bestimmen finde ich schließlich den kleinen Fluss, der mich wieder zum Arroux bringt. Ein schöner Weg, weitab der Straßen, leider nicht immer so gut zum Gehen/Schieben. Felder, Wiesen, Wälder ... begleiten mich. Und das Schnattern von Enten, Summen von dicken Hummeln und Trillern von Lerchen. Nette Musik, und so bleibt der MP3 aus, Akkus schonen. Ich spiele einen Moment mit dem Gedanken, eine Ente zu fangen und zu Entenbraten zu verarbeiten. Aber mangels detaillierter Kochkenntnisse lasse ich das dann doch. Außerdem habe ich noch immer was von gestern, obwohl ich gut gefrühstückt habe. Toulon-sur-Arroux taucht auf. Schade eigentlich, wäre nett gewesen, diese Landschaft ohne (viele) Häuser noch eine Weile zu genießen. Aber das frische Brot ist auch nicht zu verachten. Und der Eisbecher, zu dem ich eingeladen werde. Außerdem ein großer Kaffee und noch ein gut belegtes Baguette für die Weiterreise. Dafür habe ich eine Lampe mit Neonröhre im Café angeschlossen. Perfekter Tausch. Ich gehe westlich vom Fluss weiter, auf der anderen Seite ist eine größere Straße. Außerdem ist hier immer mal wieder Wald, allerdings ist das Tal auch steiler und ich habe immer mal einen kleinen Aufstieg. Wie Perlen liegen ein paar Seen neben dem Fluss. Eine Gruppe Angler sitzt da, aber es scheint, als wäre Angeln nur das Alibi, um von zu Hause zu entfliehen. Sie laden mich zu einem Bier ein, aber sie reden nicht viel. Trinken, fragen mich kurz nach dem Woher und Wohin, schauen mal nach der Angel und genießen die Ruhe. Als ich mich verabschieden will, weil ich noch in die nächste Ortschaft muss, bevor die Geschäfte schließen, winken sie nur ab. Zwei gehen zum Auto und schleppen Tupperschüsseln und anderes Zeug an. Nach ein paar Minuten bricht der wackelige Campingtisch fast zusammen unter dem Abendessen: Hauptbestandteile sind Hühnerschlegel, Couscoussalat, marinierte Pilze, grüner Spargel, Pastete, Käse ... Und Bier. Ich zähle vorsichtig mit. Während ich mein zweites trinke, haben die Männer im Schnitt fünf hinter sich, und ein paar Vorsprung ja auch. Der Wind wird stärker, und richtig kalt zum Teil. Als es dämmert verabschiede ich mich. Ob sie denn nicht heimgehen? Nein, in der Dämmerung beißen sie am besten. (In etwa drei Stunden hat nicht einer angebissen.) Außerdem haben sie noch eine Aufgabe, sagt einer, geht ans Ufer und holt einen weiteren Kasten Bier aus dem Wasser. Ich schiebe noch ein paar Kilometer am Fluss entlang, dann verziehe ich mich aus dem Tal und schlage mich in ein Waldstück.
22,4 km, Kasse: Euro 29