Mittwoch, 5. April. Von Faust zu Melanchthon
Ich war früh in meinem Gartenhaus verschwunden, war ein wenig müde, obwohl ich gerade mal 5,6 Kilometer gelaufen war. Das Frühstück war einfach, aber reichlich. Selbst gemachte Sülze und frisches Brot – was gibt es Besseres? Aber aus meinem frühen Start wurde nichts. Zum einen „musste“ ich ja noch ins Museum. Zum anderen bekam ich das Angebot, noch mal 3 Stunden im Garten zu arbeiten. Das könne sie sich sonst nie leisten, sagte die gute Frau und gab zu, dass selbst ihre Enkel teurer wären. Also ging der Vormittag mit Plattenputzen, Unkrautkratzen, Beet umgraben drauf. Immerhin kam ich so zu einem guten Mittagessen. Als Wegzehrung noch einen Apfel und ein belegtes Brot. Gleich konnte ich auch nicht los, denn ich „musste“ ja noch ins Museum, und das machte erst um zwei auf. Also langsam angehen.
Vorher hatte ich noch Zeit, meine Finanzen zu regeln. Ich hatte 55 Euro in der Tasche, hatte seit meinem Start noch gar nichts ausgegeben.
Das Museum war dann auch sehr interessant und nicht zu umfangreich. So war ich in einer Stunde „durch“, holte zweimal tief Luft und machte mich auf den Weg. Ich wollte heute richtig Meilen machen, denn mit den 5 Kilometern von gestern war kein Staat zu machen. Aber so richtig wurde nichts draus. Ich wieder nur exakte 5 Kilometer bis Bretten.
In Bretten ist Markt. Hm, vielleicht eine Gelegenheit, die Reisekasse weiter aufzustocken. Aber nachdem ich bei allen Ständen gefragt habe, bin ich „nur“ um eine Bratwurst reicher – immerhin. Ich schaue bei der Gelegenheit die schönen Häuser am Marktplatz und stehe dann vor dem Rathaus. Kurze Überlegung ... Warum nicht. Aber das Sozialamt, das zuständig war, hat schon geschlossen. Ich mache, mehr aus Zufall einen Schwenker zur Stiftskirche. Hier treffe ich auf den Pfarrer, der mir nicht nur erklärt, was es mit dem Brettener Hundl auf sich hat, der hier aus Stein verewigt ist – er gibt mir auch meinen zweiten Stempel ins Pilgerbuch (einen evangelischen, schon wieder!) und er gibt mir 10 Euro aus seiner (eben geschaffenen) Pilgerkasse. Zwei ältere Damen kommen dazu, der Pfarrer erzählt ihnen von meiner Wanderung. Die beiden sind begeistert, kennen den Jakobsweg und sind begeisterte Frankreich-Fans. Sie lieben die alten Städte und die Kirchen. Ich lobe die schöne Stadt Bretten und die tollen Häuser am Marktplatz. Eine der Damen fragt, ob ich denn das Melanchthonhaus gesehen hätte. Von außen ja, sage ich. Das müssen sie sich schon innen anschauen. Ich frage, ob es was kostet. „Äh, ja, zwei Euro“. Ich zucke mit den Schultern: „Zu teuer“. „Ach was“, sagt sie, kramt in ihrem Geldbeutel und drückt mir einen Zweier in die Hand. Und es ist wirklich ein tolles Haus (Tina, das wäre was für Dich, so viele alte Bücher!). Ansonsten kann ich mit dem guten Reformer und Humanisten nicht so viel anfangen. Immerhin lerne ich, dass er an Luthers Bibelübersetzung beteiligt war und dass er das Schulwesen grundlegend geändert hat. Als ich rauskomme, stehen die beiden Damen schon wieder da und ziehen mich zu ihnen nach Hause. Es gibt Nudeln und Braten, rote Beete und Thymiantee. Ich wusste gar nicht, dass man daraus Tee machen kann – aber er schmeckte hervorragend. Mit einer Tafel Schokolade, zwei Äpfeln und weiteren 10 Euro verlasse ich das Haus der beiden netten Schwestern und gehe schließlich aus der Stadt. Aber schnell tun mir die Pfoten weh. So durch die Stadt, Kirchen und Museen schlendern ist noch anstrengender als zügig durch die Landschaft wandern. Ich telefoniere mit Irmi. Viel zu kurz, viel zu schön. Übernachtet wird wieder im Wald. Einfach irgendwo mittendrin. Vorher habe ich noch ein wenig Zeit, von einem kleinen Hang in ein kleines Tal hinunter zu schauen. Aber dann regnet es schon wieder. Irgendwo krächzt ein Fasan, aber ich kann ihn nicht entdecken.
