Jakobsweg_ohne_Geld

12.04.2006 um 07:45 Uhr

Montag, 10. April. Wolken

Musik: Sad Eyed Lady of the Lowlands

Ich bin bisher bei weitem (nach Kilometern) nicht so weit gekommen, wie ich eigentlich wollte. Also mache ich mich wieder auf den Weg. Fest vorgenommen, heute wird richtig gelaufen. Das lenkt ab und bringt mich weiter weg von Irmi. Allerdings drückt mich wieder das Fresspaket von Kevin schwer. Aber das werde ich im Laufe der Tages verdrücken ... Zunächst einmal muss ich wieder eine lange Strecke durch die Innenstadt stapfen, entlang einer blöden Straße. Ein eiskalter Regen kommt runter, im Radio haben sie sogar Schnee vorausgesagt. Toll! Aber dann geht es, wenn auch erst mal steil bergan, in den Wald rein, eigentlich ein schöner Weg. Ich versuche, Irmi aus dem Kopf zu kriegen, aber es klappt nicht. Sie ist einfach da, wie eine Wolke, die dauernd über mir schwebt. Ich versuche, mich auf den Weg und alles, was da ist zu konzentrieren. Auf die Bäume, jedes Auto, jede Kreuzung, jedes Vogelhaus am Baum, jeden Radfahrer, den ich treffe … Um die Mittagszeit bin ich an der Straße von Malschbach nach Neuweier. Ich mache eine doch längere Pause und stapfe dann weiter. Zwei kleinere Pausen und einige Schlaufen durch den Schwarzwald später, bin ich an der Straße nach Sasbachwalden. Es ist zwar nicht so toll, von der Wegführung her, hier knapp unterhalb der B 500 zulaufen, aber ich will unbedingt nicht in die Rheinebene runter. Dachte, ich finde hier oben mehr Ruhe. Also bleibe ich „oben“ und laufe noch eine Stunde. Ich wollte mir oberhalb von Kappelrodeck ein Plätzchen suchen, aber dann komme ich auf einen Weg, der mich direkt in die Stadt führt. Ich komme an eine Vereinsgaststätte, die eigentlich geschlossen hat. Aber der Wirt ist da und lädt leere Bierkisten in ein Auto. Ich frage ihn nach Wasser und wir kommen ins Gespräch – woher ich komme, wo ich hingehe, die üblichen Fragen. Ja, dann kann ich ihn gleich fragen, ob der nicht eine Arbeit hätte für ein Abendessen. Er hat sofort eine, aber erst morgen. Und einen Schlafplatz hat er auch, in der Hütte stehen sogar ein paar Feldbetten. Während ich die Kisten einlade, macht er mir schnell ein Essen warm – Braten und Nudeln. Salat her er keinen, entschuldigt er sich. Ich esse draußen, weil er weg will, trinke eine Flasche dunkles Bier und genieße den Abend. Auch der Schlafplatz ist nicht schlecht, das Feldbett gar nicht so unbequem. Kilometer heute: 24,9 Kasse: 52,10

Einloggen zum Kommentieren:

Hinweis: viele Funktionen von blogigo (z.B. Einträge kommentieren) stehen Dir erst nach einer kostenlosen und unverbindlichen Registrierung zur Verfügung. Hier kannst Du Dich in Sekundenschnelle registrieren.