Jakobsweg_ohne_Geld

13.06.2006 um 16:14 Uhr

Montag, 12. Juni. Kilometer machen

Musik: When a blind man cries, Deep Purple

Gut gelaunt wache ich auf. Sehr früh, aber ich will heute eh ein wenig vorwärts kommen, also nicht lange getrödelt und los. Leider kein Frühstück, der Magen knurrt heftig. Am ein paar kleinen Weihern neben dem Fluss sitzen schon die Angler, und das an einem Montag. Haben die hier nichts zu tun sonst? Die Straße kommt wieder nahe an den Fluss, aber keine Kneipe. Nach mehr als einer Stunde dann ein kleiner Ort, ein Café, ein Laden ... Die Welt ist schön. Und warm. Keine Wolke am Himmel. Ich mache nur kurz Pause, will noch ein wenig vorwärts kommen, solange es nicht zu heiß ist. Am Zusammenfluss der beiden Flussarme mache ich eine längere Pause und warte die Mittagshitze ab. Erst jetzt fällt mir auf, dass sich die Farbe der Wiesen geändert hat. Noch vor einigen Tagen bin ich mehr oder weniger durch ein Meer aus Geld gelaufen, jetzt sind die Blumen auf den Wiesen meist blau, lila oder weiß. Oder liegt das daran, dass ich weiter südlich bin? Hm, auf jeden Fall ist das Gelb des Raps auch schon weg. Ich schaue auf meine Fußball-Liste. Australien gegen Japan – nicht so interessant, ich tippe auf ein Unentschieden. USA gegen Tschechien steht auf dem Programm. Schon interessanter, auch wenn ich denke, dass die USA da keine Chance hat (ist Koller fit?). Abends dann Ghana gegen Italien. Werde mal sehen, ob ich das sehen kann. Und den Ghanesen (oder heißt es Ghanaern?) die Daumen drücken. Es ist immer noch warm, ich ziehe trotzdem weiter. In einem Ort mit dem netten Namen Champagne frage ich eine Frau nach Wasser. Ich bekomme frischen Tee, dazu noch ein Brioche und einen Apfel. Trinken, trinken, trinken ... Noch mal Wasser „betteln“ in Anance – kein Problem, auch wenn die Dame etwas muffig wirkt. Und noch mal in Silon – auch hier gibt’s als Zugabe noch fast ein Kilo Weintrauben. Davor ein Umweg, weil der Weg in einer Sackgasse endete, wieder ein Zufluss, und eine Brücke gibt’s nur für die Route National. Dann werde ich so langsam nervös ... Das Spiel rückt näher und näher. Aber kein größeres Dorf in Sicht. Aber Sarras erlöst mich dann gleich in zweierlei Hinsicht: Zum einen, weil es hier eine Kneipe mit Glotze gibt, zum anderen, weil nicht weit davon ein kleines Wäldchen zu sehen ist, in dem ich sicher zelten kann. Das billigste Getränk (außer Wasser) ist Wein. Also trinke ich einen Weißen. Und bin sehr zufrieden beim Blick auf den Km-Zähler: Ziemlich genau 25 hab ich heute drauf. Dann erst mal die Ergebnisse: Australien gewinnt gegen Japan, na ja. Und die Tschechen lassen den Amis keine Chance: Wer macht das Tor? Koller! Italien enttäuscht dann doch. Kein wirklich schönes Spiel bis auf den Lattenschuss. Wenn die Jungs aus Ghana doch wenigstens ein wenig besser treffen würden ... Es ist stockdunkel, als ich aus der Kneipe komme, eigentlich ist doch Vollmond. Zumindest gestern war er da. So muss ich mich mehr oder weniger auf mein Gefühl verlassen beim Suchen des Zeltplatzes und beim Aufbau. Aber es geht. Routine ist eben alles. 26,3 km, Kasse: Euro 357

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