Montag, 8. Mai. Gelb regiert die Welt
Die ganze Welt ist gelb. Auf der anderen Straßenseite stehen eine ganze Reihe Ahornbäume, die blühen gerade und mit ihren Blüten nach allem, was sie zu bieten haben. Ich klopfe die gelbe Schicht, so gut es geht, von meinem Zelt. In dem Obstgarten ist ein Pumpbrunnen, der eiskaltes Wasser nach oben bringt. Hallo-wach in Sekundenbruchteilen. Als ich mein Zelt zusammenpacke, kommt ein kleiner Knirps und schaut mir aufmerksam zu. Als ich fertig bin, winkt er, dass ich ihm folge soll. Ich mache das, lande auf eine Terrasse, wo seine zwei Geschwister und seine Eltern beim Frühstück sind. Ich bin eingeladen. Auch hier ist alles Gelb vom Blütenstaub – er liegt auf dem Marmeladebrot und schmeckt, als ob er dazu gehört. Der Knirps heißt Johann und spricht nicht gern mit Fremden, erklärt seine Mutter. Und Johann nickt mit vollem Ernst und noch vollerem Mund. Die Reste vom Frühstück darf ich einpacken, und dann bekomme ich noch ein paar Tipps für den Weg. Außerdem Geleitschutz von Johann und seinem Bruder, beide mit einem selbst gebastelten Holzschwert an der Seite. Ich laufe wieder langsam, aber stetig. Müde wird man dadurch nicht richtig, und so brauche ich auch keine Pause. Nur, um mal die Seite zu wechseln oder etwas zu essen oder trinken. Die Gegend ist nicht sehr dicht besiedelt und ich treffe auch selten Menschen. Umso mehr freu ich mich über jeden Vogel, der übe den Weg hüpft und mir was pfeift.
Hinter Blessey geht es in ein kleines Tal, und ich komme auf einem schmalen, aber guten Weg schön voran. Allerdings verlaufe ich mich später, und dann will ich auch schon nicht mehr. Die Schieberei ist lästig. Und noch lästiger ist eine Erkenntnis: Von was soll ich leben, wenn ich nicht mal richtig arbeiten kann. Und das, weil ich hier eine Arbeit sogar mehr oder weniger angeboten bekommen habe. Aber Holz hacken geht beim besten Willen nicht. Aber ich schichte dann das Holz auf, das geht ganz gut, solange ich mich nicht zu sehr strecken muss. Immerhin kriege ich außer einem Platz zum Zelten auch ein Abendessen (kaltes Huhn, einlegte Birnen und Melonen).
Kilometer: 16,3 km, Kasse: 34 Euro
