Musik: Omega, Hall of Flowders
Ich ringe ein wenig mit mir, ob ich das Spiel anschauen soll. Aber ich habe eine Einladung, also nehme ich sie an. Mit gemischten Gefühlen, gebe ich zu. Denn mein Gastgeber ist zugegebenermaßen ein wenig „schräg“. Ich bin den ganzen Tag wieder relativ schnell gelaufen. Nichts passiert auf der Strecke, die nun doch etwas eintönig wird. Vom dauernden Begleiter des Kanals und der Hausboote angefangen bis zur Landschaft. Und bei der ich froh bin, dass ich das Rad nicht mehr habe. Denn ich habe ein paar Mal Gräben und Zäune gehabt, die ich mit dem Rad nur schwerlich hätte überwinden können. Das hat hin und wieder einiges an Zeit gekostet und ist bei dem Wetter schweißtreibend. Etwa 15 Kilometer vor Carcassonne wird es dann Zeit, nach einem Nachtlager zu schauen. Ein kleiner Bauernhof liegt nicht weit vom Kanal entfernt. Er sieht schon etwas heruntergekommen aus, und der einzige Bewohner, den ich antreffe, auch: ein älterer Mann, so um die 55 mit einem breiten Grinsen im Gesicht kommt mir entgegen. Ob ich hier zelten kann? Oui. Wo wäre es denn für Sie angenehm? Oui. Hm, da hinten vielleicht, unter den Bäumen? Oui. Haben Sie auch einen Brunnen oder einen Wasserhahn? Oui. Wo denn? Oui. Aha. Oui. Ich grinse und bedanke mich. Während ich mein Zelt aufbaue, schaut er mir aus einiger Entfernung zu. Aber dann ist er weg und ich mache mich auf die Suche nach einem Wasserhahn. Finde aber nichts. Die Scheune, in die ich schaue, ist vollkommen zugestopft mit Schrott, alten Wagen, Pflügen, Holz … Als ich an die Türe klopfe, winkt er mich hinein. Ein Raum, der ihm wohl als Küche, Wohn- und Schlafzimmer gleichzeitig dient. Sauber ist hier nichts. Der Mann wohnt mit Sicherheit alleine hier. Und er wohnt hier nur, eine Landwirtschaft betreibt er nicht. Oder nicht mehr. Kann ich mir etwas Wasser nehmen? Oui. Zum Glück habe ich meine eigene Wasserflasche. Aus den Gläsern, die da stehen, würde ich nicht trinken wollen. Der Fernseher läuft. Oh, heute ist ja Fußball, sage ich. Oui. Ob er das Spiel anschaut? Oui. Kann ich nachher mitschauen. Oui. Ich muss unwillkürlich grinsen und frage mich, ob er wohl noch etwas anderes sagt. Oder sagen kann. Und ob er eigentlich versteht, was ich sage. Ich mache mir ein kleines Abendessen und gehe dann doch um neun rüber und schaue das Spiel an. Schweigend sitzen wir vor dem Fernseher. Ein Gespräch gibt es nicht – er antwortet auf alles, was ich sage oder frage nur mit „oui“. Ich mache mir einen Spaß und frage ihn nach seinem Namen. „Oui“. Was für ein Spiel. Die Franzosen mit einem Jahrhundert-Elfmeter. Danach die Italiener mit Wut im Bauch und guten Möglichkeiten. Danach hatten die Franzosen das Spiel im Griff, aber Domenech keinen Mut, einen zweiten Stürmer einzuwechseln. Die Italiener sind stehend ko und die Franzosen bringen sie nicht wirklich in Verlegenheit. Zwischendrin so viel Leerlauf, dass die Zuschauer pfeifen. Hat man das bei einem WM-Finale mal gesehen? Und dann Zidane ... Ohne Worte. Was macht der Mann da? Monsieur ist sprachlos, als sie die Szene in Zeitlupe zeigen. Und zum ersten Mal in dieser WM rächt der Fußball eine solche Unsportlichkeit. Oh Mann, was wird Frankreich dazu sagen? Monsieur nimmt es gelassen und freut sich mit den Italienern. Auch schön.
Km: 29,8, Kasse: Euro 330