Stimmung: Euphorisch
Musik: s. o.
Puh, die ersten Schritte sind die schwersten. Klar, war ja nicht anders zu erwarten. Vor allem nach der Fete, die gestern doch ein wenig länger gedauert hat. Irmi, Kai und Günter laufen mit bis Renningen, dem ersten Etappenziel. Nicht ganz zufällig gewählt, schließlich wohnt Herbert da. Hier werde ich meine erst Nacht verbringen. Zunächst ist erst einmal noch ein wenig Hektik, denn ein paar Leute sind doch zu der frühen Zeit gekommen, um mich zu verabschieden. Ma macht schnell noch ein paar Brote und mehr Kaffee. Ist mir gar nicht Recht, ich mag Abschiede nicht. Schließlich machen wir es kurz, Rucksack auf und los. Immerhin haben wir knappe 30 km vor uns, das ist doch eine ganze Menge für den Anfang. Aber Günter und Kai haben sich angeboten, den Rucksack abwechselnd zu tragen. Das hilft dann schon ein wenig. Kai, der anfangs noch meinte, dass der ja gar nicht so schwer ist, jammert schon einen halben Kilometer später.
Die erste Etappe ist langweilig: durch Bernhausen, Echterdingen, Leinfelden ... Immer irgendwie an großen Straßen entlang, die man zur Genüge kennt. Der Lärm vom Flughafen noch dazu. Aber frischen Mutes. Später zweites Frühstück im Café am Markt in Leinfelden. Günter meint, er zahlt. Bis ich jetzt das Geld für alle drei auftreiben würde, das dauert zu lange. Ha, ha.
Schock: Irmi will ein Foto von uns machen – und die Kamera ist nicht da. Sch … Wo ist das Ding? Ich erinnere mich, dass ich sie rausgezogen habe, um ein letztes Bild von zu Hause zu machen. Aber ich erinnere mich nicht daran, dass ich sie wieder eingepackt habe. Günter pumpt mir „ausnahmsweise“ seine Telefonkarte und ich rufe zu Hause an. Aber da ist schon niemand mehr. Toller Start! Ich hoffe, dass das Ding noch da liegt und ich es nicht verloren habe. Aber hätten wir doch merken müssen.
Der Aufbruch vom Café fällt wie erwartet schwer. Vor allem Kai, er hat Probleme mit den Schuhen, aber da muss er durch. Kaum gehen wir los, fängt es an zu regnen. Und das ziemlich heftig. Der Anstieg hoch nach Musberg schlaucht dann, aber danach geht es endlich rein in
den Wald. Da ist der Regen nicht mehr so stark und endlich der Verkehr weg. Zum Glück hat Günter eine gute Wanderkarte dabei. Ich habe mal versucht, mich nach meinem Gefühl
zu orientieren, aber das wäre schon ein paar Mal schief gegangen. Wir schlängeln uns auf dem immer schmäler werdenden Band zwischen Autobahn und Sindelfingen hindurch, sind schließlich oberhalb von Magstadt und dann in Renningen.
Kai ist fix und fertig und meint, dass ich das nie schaffe. Danke für die Motivation. Selbst Irmi ist fitter, das wurmt ihn. Aber: Wir sind auch zu schnell gelaufen. Anfängerfehler, hoffentlich büße ich das morgen nicht. Der Schrittzähler zeigt immerhin 30,8 km. Jetzt sind
wir auf jeden Fall zu früh da, Herbert kommt erst so gegen 18 Uhr. Aber das macht nichts. Adelheid ist da, wir können duschen und die Füße pflegen. Dann gibt es Sauerbraten und Knödel, ein paar Schlucke Wein und viele gute Ratschläge. Und dann gehen (schleppen sich) Irmi, Günter und Kai zur S-Bahn. Obwohl mir die Füße, vor allem die Fußsohlen wehtun, begleite ich sie. Irmi drückt mir noch eine Telefonkarte in die Hand. Ich soll sie anrufen, so oft es geht. Ich muss schlucke, ich werde Irmi mindestens drei Monate nicht mehr sehen. Danach gehe ich früh schlafen, bin auch fix und fertig. Herbert muss morgen um kurz nach 7 los zum Flughafen. Ist mir Recht, auch ich will früh raus, um ein wenig Spielraum zu haben.