Jakobsweg_ohne_Geld

13.07.2006 um 13:35 Uhr

Sonntag, 9. Juli, Carcassonne

Musik: Chris de Burgh, Lonesome Cowboy

Ich gehe früh los. Im Haus rührt sich noch nichts und so verlasse ich Monsieur Oui grußlos und gehe zurück zum Kanal. Kurzes Frühstück in Trebes, eine schöne Schleusenanlage hält mich ein wenig auf. Dann verlasse ich den Kanal und gehe den kürzeren, direkten Weg auf Carcassonne zu. Was für ein Panorama, was für eine Stadt. Schnell steigt das Thermometer und ich schwitze ziemlich, bis ich endlich im Schatten der mächtigen Mauern bin. Es ist Sonntag, stelle ich wieder mal erschreckt fest. Die Supermärkte haben also schon zu, ich nichts mehr zu essen und außerdem bin ich schlechter Laune. Die Stadt ist voll, laut und heiß – und hat hinter der wunderschönen Kulisse nichts zu bieten außerdem Touristenfallen. Wenn doch, dann mag sie mir verzeihen, ich habs nicht gefunden. Schnell die obligatorische Postkarte – und das hat sich ebenfalls bewährt, einen Blick in den Reiseführer eines anderen Besuchers erschnorrt. Das schon ältere Paar ist misstrauisch: Warum haben Sie denn keinen Reiseführer? Weil jedes Gramm, das ich mit mir herumtrage, eine ziemliche Qual ist. Aber was, wischt die Dame meinen Einwand mit einer Handbewegung weg, ich bin viel älter als sie und habe sogar zwei Reiseführer. Ich nicke nur und bekomme eine Gänsehaut: die beiden sind gerade mal 250 Meter gelaufen, vom Parkplatz bis zum nächsten Café. Komischerweise kommt Carcassonne auch im Führer nicht so gut weg – sehr kurz beschrieben. Immerhin erfahre ich, dass die Festung, eigentlich schon verfallen, in einer Art kombinierten Denkmalschutz- und Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für arbeitslose Soldaten wieder aufgebaut wurde. Ich fülle meinen Wasservorrat nach, mache dann noch eine Pause in der Kathedrale und gehe, als auch hier eine Busladung nach der anderen einfällt. Als ich vor die Türe trete, trifft mich die Hitze wie ein Schlag und ich beschließe, einen Ausflug in die Berge zu machen. Also, ab direkt nach Süden, immer der Aude nach. Hat allerdings den Nachteil, dass die Straße hier im Tal geht, aber das ist mir egal. Ich will weiter heute. Noch ein letzter Blick auf die Cite, dann schaue ich nur noch in Richtung Pyrenäen. Der Pyrenäenweg geht von hier aus nach Foix, ich will aber ehe nach Andorra. Also trennen sich unsere Wege schon wieder. Km:18,9, Kasse: Euro 317

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