Jakobsweg_ohne_Geld

19.06.2006 um 12:15 Uhr

Sonntag, 18. Juni. Die unerhörte Eintönigkeit der Maschinen

Drei Elstern wecken mich so gegen fünf Uhr. Sie machen so einen Lärm, dass ich nicht mehr schlafen kann und lassen sich auch, als ich ein Stück Holz nach ihnen werfe, nur ein paar Meter vertreiben. Also stehe ich auf, es ist ein wunderschöner Morgen und ich genießen ein paar Minuten die frische Luft. Danach beschließe ich, dass ich einfach mal weiter arbeite. Also setze ich mich an meine Maschine und mache eine Tafel nach der anderen. So gegen acht Uhr kommt der Chef und bringt Frühstück. Gerade rechtzeitig, denn mir gehen die Kartons aus. Da staunt er nicht schlecht, wie viele ich schon gefällt habe. „Ja, ja, die Deutschen“, sagt er nur und grinst. Aber dann frühstücken wir erst einmal miteinander, und dann bringt er neue Kartons. Ein paar andere Arbeiter kommen, und bald riecht es wieder nach heißem Honig und Mandeln und Zucker … Ohne Pause ist das Geschäft ganz schön eintönig. Aber der Chef meint, dass das auch ziemlich ein Monatsumsatz wäre, was ich in den zwei Tagen gemacht hätte. War halt schon ein riesiger Auftrag, den sie da bekommen haben von einem englischen Warenhaus. Seit drei Jahren versucht er, da einen Fuß in die Tür zu bekommen, und jetzt hat es geklappt. Aber jetzt wären sie beinahe in Verzug gekommen, deshalb arbeiten sie das Wochenende durch. Mittags dann endlich wieder eine längere Pause. Dann wieder an die Maschine. Die Kollegen lassen noch Nachschub da, dann gehen sie. Ich sitze noch eine ganze Weile an der Maschine. Lasse Tafel um Tafel durchlaufen, packe einen Karton nach dem andren ein. Dann gehe ich ins Bistro und esse einen großen Salat und schaue das zweite Spiel an. Brasilien : Australien. Auch keine Überraschung. Danach mache ich noch eine Stunde und schaue mir, ein wenig zu viel Nougat essend, abends dann das Frankreich-Spiel an. Die Stimmung ist von Anfang an gereizt. Das schlechte Spiel gegen die Schweiz war nicht gerade nach dem Geschmack der Franzosen. Aber Schuld war der Schiedsrichter, hehe. Die werden noch öfter herhalten müssen für schlechte Leistungen. So auch dieses Mal. Nach 10 Minuten führen die Blauen zwar, aber dann liefern beide Mannschaften einen dermaßen schlechten Kick ab, dass die Leute in der Kneipe anfangen zu pfeifen. Trotzdem sind alle zuversichtlich, dass das gut ausgeht für Frankreich, zumal die Koreaner nichts, aber auch gar nichts auf die Reihe bekommen. Das Beste am Spiel sind die koreanischen Fans, die sind echt Weltklasse. Dann wird ein Tor für Frankreich nicht gegeben. Etwas Unmut, aber keine Panik. Die kommt dann 10 Minuten vor Schluss, als der Ausgleich fällt. Unverdient, sicher, aber die Franzosen hatten das Unentschieden gegen die Schweiz auch nicht verdient. Ich bin dann auch schnell gegangen, die Stimmung hat mir nicht gefallen. Kasse: Euro 302

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