31.07.2004 um 13:23 Uhr
31.07.2004 um 10:17 Uhr
Kein böses Wort
Manche späte Julitage verbringe ich rastlos, sei es, weil wir uns einmal wieder das Rauchen abgewöhnen und das Nervensystem wie eine Nikotinharfe singt, sei es weil alles eh so komplex ist. Ich sehe Ecevit, schon vor vielen Monaten totgesagt, ein Interview geben. Seine Sprache klingt präzise und vielfältig. Er sitzt vor einer Bücherwand. Ob Erdoğan so viele Bücher hat und auch gelesen hat? Wohl kaum. Julitage machen sensibel gegenüber eigenen Clichés und Vorurteilen. Jemand, der Bücher liest, ist mir a priori sympathisch. Und schon sind wir wieder bei Bush. George Reader Bush? Ich lese nur die Bibel, sagt er, und die Reden des Ghostwriters, auszugsweise. Wird mir die Heilige Schrift nun zuwider? Nein, nur die sture Wahl. Ausschliesslich Koran, ausschliesslich Gemüse, niemals Coca Cola. Aus Trotz würde ich dann trinken, was ich nicht mag. Meine Texte reden viel von Fundamentalisten. (Sie errichten sich ihr eigenes Gefängnis, sowohl geistig wie buchstäblich. Attentat auf die amerikanische und die israelische Botschaft in Taşkent. Fast nirgends auf der Welt kann sich ein Amerikaner mehr ungeschützt bewegen, es sei denn zu mehreren und in Uniform. Die Israelis mauern sich sogar selbst ein. ETC). Ich lasse es nicht an geharnischter Kritik fehlen. Aber, denke ich Juli-müde, über wen verliere ich nie ein böses Wort? Lass mich überlegen. Über Fidel Castro, über Louise Bourgeois, über Sam Taylor Wood, über Harald Schmidt (selbst einen seiner jüngsten Sprüche kannte ich nicht: „Frau sucht Mann mit Pferdeschwanz. Frisur egal.“), also entweder über die, die ich beiläufig bewundere oder die, die mir schnuppe sind. Noch wichtiger: über die, an die ich selbst jetzt nicht denke!
