Message in a bottle

13.08.2004 um 10:32 Uhr

klu (die kleinen unsichtbaren 3)

von: hibou

die kleinen unsichtbaren („klu“, engl. si, frz. u. ital. pi, türk. kügö) gehören keiner feen- oder zwergenwelt an. nichts mit „liebe kinder, wisst ihr wo?“ oder „ach wie war es doch vordem....“, keine wichtelworte flüstern sie sich zu, nichts deutet darauf hin, dass sie rättisch oder wanzisch verstehen. ebensowenig benutzen sie technische mittel wie deflektorschirme oder ähnliches um sich unseren augen zu entziehen. ganz unbefangen und vertrauensvoll setzen sie auf den zweiten erkenntnistheoretischen hauptsatz: man sieht nur, was man kennt..

es wäre daher unfair, sie hier allzugenau zu beschreiben. nur soviel noch: möglicherweise haben sie gar keinen körper in dem sinne wie wir. bewiesen ist, dass ihr erotisches leben in gedanken liegt. ihre worte leuchten verführerisch, sie spreizen die schenkel ihrer argumente und schmiegen sich hingebungsvoll in den gedankengang ihres partners. manche wendungen lassen sie vor lust erzittern. eine schöne wechselrede bringt sie sehr schnell zum orgasmus. dieser ist übrigens das einzige ereignis, wo  auch wir ihre laute vernehmen, meist achten wir aber kaum darauf, weil wir es mit dem zwitschern des goldhähnchens oder dem zirpen der zikade verwechseln. sie LIEBEN es, sich in literarischen salons aufzuhalten. niemals würden sie wie wir „lass uns ficken, du schlampe!“ sagen, vielmehr säuseln sie: voulez vous parler avec moi ce soir?

bibliotheken hingegen scheuen sie, sie fürchten die riesigen bleichen stinkigen und agressiven gespenster, die sich dort versammeln um sich von angst, neid, hass und gewalt, welche dort aus den ideologischen standardwerken ausströmen, zu nähren.

durch die fehlende körperlichkeit brauchen die kleinen unsichtbaren keine zeit für make up und styling. auch müssen sie sich nie zwecks statusbehauptung mit einem ferrari oder maybach umkleiden. jede minute benutzen sie, um ihre sprache zu verschönern. sie schaffen sich gewissermaßen damit selbst, wo wir mehr oder weniger von der gnade der schöpfung profitieren. um zu erahnen, was sie leisten, brauchst du nur einmal einen gedanken so unübertrefflich wie den po meiner geliebten abzurunden oder eine behauptung so trefflich auf die spitze zu treiben wie es die brüste meiner liebsten tun.

wollen die kleinen unsichtbaren sich tarnen oder verbergen, nehmen sie einfach größe und sichtbarkeit an. es liegen einige indizien dafür vor, dass etwa sandra maischberger eine von ihnen ist.....

12.08.2004 um 11:39 Uhr

Das Gänsespiel (neue Serie), smile. Erstmal Feld zehn

von: hibou

Vor Urzeiten habe ich das Gänsespiel angefangen... Um mir selbst Aplomb zu geben, es weiterzuführen (bis ins Ziel) drucke ich die ersten Felder hier ab.

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Labirynthus Mundani Amoris (agite dies laetitiae)
oder: Hibou's Notizen unterm Rosenbusch.....



FELD ZEHN: DIE ROSE

24.11.01:

 

Rose o reiner Widerspruch

 

Die Taliban hatten Frauen verboten, ohne Begleitung eines männlichen Verwandten auf die Straße zu gehen. "Es ist wie mit einer Rose. Man gießt sie und hält sie zu Hause für sich selbst, um sie anzusehen und zu riechen. Sie ist nicht dazu da, aus dem Haus genommen und (von anderen) gerochen zu werden", brachte Erziehungsminister Sijed Ghaisuddin die Frauensicht der Taliban auf den Punkt.
Die Ministerien der Tugend geben eine bis zum Rand erotisch aufgeladene Erklärung ab, umso mehr, als die Rose sowohl in Ost wie West von altersher als die Metapher der Vulva angesehen wird (beachtet einmal, wo die Madonnen, die Aphroditen, die nackten Schönen Tizians ihre Rosenbüschel hinzuhalten pflegten...) Mann schaut sie zu Hause an, mann riecht an ihr, mann gießt sie.....
"Tau in Fülle aber träuft
auf die Rose ohne Reif"
(Konrad von Würzburg, 1230-1287)


Ist die Burkha, der Ganzkörperschleier, also die Erweiterug des Tanga von Ferse bis Scheitel? Wird die Frau damit - und das im 21. Jahrhundert - ganz zum Geschlecht, unberücksichtigt ihres tatsächlichen Hungers, ihrer Sehnsucht nach Erziehung und Bildung, nach Arbeit und sozialen Kontakten? Demaskieren sich so nicht alle Tugendwächter bloß als Privatisierer und Instrumentalisierer erotischen Triebs, damit die Organe ihrer Partnerin als allzeit zu Hause verfügbaren Alleinbesitz reklamierend? Nun sind das nicht so neue Fragen. Auch ist dies gängige Praxis auch vieler westlicher Männer.
Mir fiel aber polar dazu Catherine Millets Buch "Das sexuelle Leben der Catherine M." ein. Diese Frau lebt ihre Sexualität öffentlich aus, veröffentlicht dazu nachträglich ihre Erlebnisse, bietet Busen, Vulva und Arsch jedem an. Und doch sind sich alle Rezensenten einig, es nicht mit einem obszönen Buch zu tun zu haben. Millet opfert alles Geheimnisvolle der Sexualität, entledigt sich auf radikale Weise jeden Schleiers (von Anmut, von Erregung, von Traum und Erlösung):
"Es gefällt mir, meine feuchten Schamlippen aufeinander klatschen zu hören, das klare Geräusch weckt mich aus meinen Phantasmen."
(Cathérine Millet). Erringt aber dadurch eine gewisse Freiheit des Denkens und Handelns.
Was also tun? (hm)


Ein Drittes fällt mir ein. Hans Peter Duerr (Der Mythos vom Zivilisationsprozess, Bd.1 Von Nacktheit und Scham) beschreibt die Scham, das menschliche Schamempfinden auf überraschende Weise: es bestehe eben nicht aus Verhüllen oder Zeigen, sondern aus Hinsehen oder Wegsehen, Schamgefühl wäre so keine Verteidigungsstrategie (aus Verlustängsten entsprungen), sondern eine aktive Handlung. Egal ob du in Burkha oder nackt vor mir stehst: das entscheidest du frei. Und ich entscheide frei, ob ich hin- oder wegsehe.
(darüber sann hibou am heutigen trüben Novembertag vor Beginn der Nachtschicht)
hibouhtexte: machen dich ganz!

 

11.08.2004 um 11:24 Uhr

Die Freuden des Symposions

von: hibou

Stimmung: bric-à-brac
Musik: a working class hero is something to be

Gerade eben mit unseren russischen Nachbarn ein Stück unserer Strasse zum Meer entlanggegangen, sie mit dem Ziel Strand, ich zum Sunal-Market (Zigaretten holen) (Ab morgen wird nicht mehr geraucht :-)). Die beiden sind rosig und rein - in politischen Diskussionen halten sie sich noch bedeckt. Ljudmilla ist "accountant", Slava Professor in Moskau, die Tochter Olga studiert in Izmir und ist auch schon dahin zurückgekehrt, sie ist wohl hier ihr Tor zur Welt, da sie etwas türkisch spricht. Sie haben sich das Haus unterhalb des unseren gekauft, als Datscha.

Was wollte ich sagen? Ah, ja, ich tummle mich im Net gerade auf Wikipedia

http://de.wikipedia.org/wiki/Hauptseite

einer freien Online-Enzyklopaedie, an der jede/r mitwirken kann, sowohl Artikel schreiben als auch andere ergaenzen oder verbessern. Pas mal!! Schaut ma hin

10.08.2004 um 11:33 Uhr

die kleinen unsichtbaren und schily

von: hibou

ich hab schily, murmelt mein kumpel, ich hab schily neulich im würfelschiff einfliegen sehen....
du denkst an assimilation?
wir sind die borg. widerstand ist zwecklos. bereiten sie sich auf die assimilation ins deutsche volk vor!
was ist, frage ich, wenn zum beispiel die türken uns gegenassimiliern?
tja, alder..... was meinsch, du fisch?
ich will sachlich bleiben und propagiere anstatt anpassung konsequente individualisierung eines jeden.
die kleinen unsichtbaren, meint mein kumpel, kann schily eh nicht kriegen!
was meinst du damit?
mein kumpel springt auf seinen bierkanister, strahlt in die runde und deklamiert:

 

die kleinen unsichtbaren
propagiern den nullkonsum
haben sex in halbgeöffneten koffern
kommen ohne sonnencrème aus
und treten zur tarnung
in die fußspuren der spatzen

sie lieben calvin
klein
und giordano
bruno
sie sind feuerfest
und leisten sich
häresie

 

irrelevant, sagt schily.

09.08.2004 um 13:41 Uhr

Victor Hugo und mein Hund

von: hibou

gefühlvoll – denn es hat neulich schon wieder einen vorfall gegeben – fahre ich durchs rückgrat hoch in den obersten stock. pressekonferenz im kleinhirn. auch die hypophyse ist zugezogen. weiße blutkörperchen sind in alarmbereitschaft, um gegen eingedrungene viren auszuschwärmen. denen wird eine verbindung zur al-qaeda nachgesagt. sonderkommandos besetzen die schleimhäute. wer nicht mit uns ist, ist mit den terroristen. indessen wiege ich mich mit evas schlange. mein bett rast krachend und holpernd durch die flure und treppauf-treppab. projektionen an sämtlichen wänden. alles ist besser/ ohne dich! singt sven regener. return to sender! elvis. man, you got a curse on you, as sure as the moon rolls around the earth! meint jarmusch. auf der bettkante sitzen victor hugo und mein hund. sie unterhalten sich über mich, und es scheint sie überhaupt nicht zu stören, dass ich zuhöre. hugo mag mich nicht. zum einen, sagt er, ist er zu wenig patriotisch. zum anderen besichtigt er viel zu selten die diversen körperöffnungen von bezahlten grisetten. mein hund ist sauer, weil ich noch immer nicht gemerkt habe, dass er ein mensch ist. er versteht außer deutsch auch österreichisch, dann katzen und hühner, den mond, die wasseradern. seine reflexe sind unglaublich.. aus tiefstem schlaf schnellt er empor, rennt zur terrassentür und bellt eine entfernte bedrohung an. ebenso unfehlbar reagiert er auf das leiseste rascheln von butterbrotpapier. er ist ein tag-und-nacht- und ein alljahreszeitenhund. seine weißen flecken leuchten des nachts, seine schwarzen im schnee. er steckt seine nase in jeden scheiß. gerade ist er indigniert über die berichterstattung aus salt-lake-city. es erstaunt mich, hatte der kommentator gesagt, dass die japaner im langlauf so weit vorne zu finden sind. und das trotz ihrer kurzen extremitäten.

08.08.2004 um 10:08 Uhr

cafe rundfunk (kneipen 4)

von: hibou

friedensbrücke

ich hatte einen traum, nicht auf dem blaubeerenhügel, aber im café rundfunk . ich sah blinkende fahrradrücklichter und liebhaber mit ziegenbärten. ich glaubte an engel. die mélange floss mir wie nebenbei durch die kehle. eine samora-zuckertüte wird mir in diesen minuten in der westentasche geplatzt sein. meine ocb-blättchen streifte ich mir am gummiband über zeige- und mittelfinger. die wandspiegel warfen mich sechsfach zurück. im windfang ließ ich kommende und gehende gäste pendeln. man soll allen spiegeleier mit bratkartoffeln bringen. die temperatur soll sinken und auch der blutalkoholspiegel der anwesenden. ist doch nicht so schwer: deren lebern brauchen das ethanol nur in acetaldehyd und dann in essigsäure – sprich urin – aufzuspalten. das jeweils verschieden getönte resultat würde ich dann draußen in den pissoirs begutachten können.

 

zurück ins funkhaus

07.08.2004 um 13:09 Uhr

Hier kommen sie: die kleinen Unsichtbaren!

von: hibou

die kleinen unsichtbaren

propagiern den nullkonsum

haben sex in halbgeöffneten koffern

kommen ohne sonnencrème aus

und treten zur tarnung

in die fußspuren der spatzen

 

sie lieben calvin

klein

und giordano

bruno

sie sind feuerfest

und leisten sich

häresie

07.08.2004 um 13:05 Uhr

abermals

von: hibou

Nach Sonnenuntergang auf dem Balkon. Erdbeben hin oder her, was ist das für ein schönes Land! Ein Frachter fährt genau auf der Linie zwischen zwei Windtönungen des Meeres nach Osten. Eben flogen die Schwalben noch ums Haus. Dann einige Minuten Reglosigkeit. Dann fangen die Fledermäuse mit ihren rütteligen Flugbahnen an, sich zu zeigen. Zeytin miaut klagend, wir suchen sie, sie ist auf der Balkonpergola und tut, als ob sie nicht herunterkönne. Die Nacht kommt mit Hundekonzert, so wie sie mit einem solchen wieder gehen wird. Unser Imam singt recht still und klar. Abermals und immer weht von den Bergen der Wind.

 

06.08.2004 um 10:00 Uhr

zur lilie (kneipen 3)

von: hibou

endlich mal wieder in der "lilie". die tochter des hauses kommt grade mit ihrem freund an, sie hat ihn nach dem vater ausgesucht, groß, bullig, nur anstatt grauer haare kurze braune mit einer sonnenbrille hochgeschoben darin. die beiden männer siezen sich, der vater spricht dazu nur indirekt mit ihm, indem er sich an die tochter wendet. relaissstationen. unser hunger nach wirklichkeit, dem "wirklichen leben", den "wirklichen ideen". eine gewisse authentizität muss vorhanden sein. kathrin röggla schreibt das. ich lese es. sie gefällt mir. 1. wegen des namens, 2. weil sie keine großbuchstaben schreibt. SMILE! wasu isu authentizisu in unseru lebu? ich weiß eigentlich nur drei dinge. eben die ideen. dann begegnungen mit anderen menschen. dann die liebe. bäh!! ich meine natürlich vögeln. wechseln wir das thema. ich veranstalte "die einzig wahre fussballweltmeisterschaft". heute tritt im ersten gruppenspiel kombinat kleinhirn gegen dynamo briefpost an. schon allein die hymnen!!! ein genuss. briefpost, ganz in gelb, singt hingegeben "nothing was delivered". die kleinhirne: "further on on the road/someone's going to hurt you like you hurt me". im spiel zeigen sich rasch die handikaps der beiden mannschaften. die taktik von kombinat kleinhirn entbehrt jeder logik, die laufarbeit der postboten wird von kaum vernarbten hundebissen an waden und oberschenkeln konterkariert. wie's ausgeht? wir müssen weiter und werden es abends erfahren. mein unterbewusstsein pfeift auf dem rückweg "I'm just a gigolo". natürlich! gutes beispiel für authentizidingens.....wird der gigolo von uns männern nicht still beneidet? und doch resümiert er: 'cause I aint got nobody/nobody cares for me, und endet mit shibelibabeliboop. benn traf adorno auf einem kongress. "ich flog auf ihn zu" schreibt er darüber. tatsächlich flog er an den busen einer seiner assistentinnen.

 

zurück ins funkhaus!

05.08.2004 um 14:40 Uhr

alles in allem....

von: hibou

Alles in allem, denkt die Decolletéschneiderin, sind die Ausblicke doch wichtiger als die Einblicke....

05.08.2004 um 14:38 Uhr

der verbrühte appenzeller (kneipen 2)

von: hibou

der verbrühte appenzeller

 

mir gegenüber im trainristo sitzt ein junger mann. seine hände schauen nach körperlicher arbeit aus. die fingernägel  krümmen sich in allen richtungen, sehen wie glänzende eierschalen aus. der breite goldring am finger sagt mir, dass er verheiratet ist. seine schwarzen augenbrauen sind energische striche. der stimme nach – denn er spricht in sein handy – ist er appenzeller. hab ich dich geweckt, schatz? seine linke hand und jeder finger einzeln sind dick mit mull verbunden. zentimeterdick salbe! ohne chance, seiner erzählung nicht zu folgen, höre ich, das er sich beim kaffeekochen hand und schenkel verbrüht hat. war noch nicht ganz wach und dann eine unachtsame wendung! dann eine halbe stunde mit kaltem wasser gekühlt und noch vor der abfahrt des zuges zum doktor gegangen. rasieren konnte er sich auch nicht mehr. kleine schweißtropfen stehen ihm auf der stirn, vor ihm auf dem tisch liegt der kurier mit der nachricht vom 17. anthrax-fall in den staaten. gern hätte er ihr etwas schöneres berichtet. dann isst er wiener schnitzel und kleine weiße pilllen, die gabel hält und führt er wie frankenstein. Er raucht gauloises blondes wie ich. 197 schilling. stimmt so. sein eckiges kinn passt zu den augenbrauen.

zurück ins funkhaus.

04.08.2004 um 11:04 Uhr

Der Nullmeridian

von: hibou

Wie viele Male habe ich schon über den Nullmeridian nachgedacht. Ich weiß, wie wirksam er unbeschadet seines Namens und ganz im Gegensatz etwa zur Nulllösung oder der Nullinformation ist. Schneidend wie ein Damaszenerschwert fährt er durch Greenwich, teilt die Sternwarte und mit ihr die ganze Welt in zwei Teile, lässt keinem von uns die Chance des Sowohl-als-auch. Entweder bist du westlich oder östlich von ihm, er erlaubt da keine Wahl. Die Murrays mit ihren vier Kindern wohnen hier, die Chamberlains haben ihr Reihenhaus drüben Die Küche von Vivien vibriert mit allen Gläsern unter seinem Durchgang, und in der Galerie  schreien Geoffrey und Valerie. Die meisten Greenwicher merken indes gar nichts von seinem Schnitt. Themse und Ärmelkanal trennt er entzwei, lässt Brighton rechts und Le Havre links liegen. Weiter weg fühlen die äsenden Herden anatolischer Schafe oder argentinischer Jungbullen ihn als Symmetrieachse. Nur fern, fern auf der andern Seite des Erdballs wird sein Einfluss milder. Unsicher irrt da eine Frau mit ihrer wenigen Habe durchs überflutete Reisfeld. Und im Mekongdelta gar der Palolowurm: er ist nicht einmal bei der eigenen Fortpflanzung dabei. Er schickt einfach sein hinteres Ende zu dem Fest, gefüllt mit Spermien  oder Eizellen. Welche Dramatik erleben Valerie und Geoffrey dagegen!

 

04.08.2004 um 09:20 Uhr

wenn es dem Hund im Traum über die Haut zuckt

von: hibou

Genauso ist es mit diesen Erdbebenserien, sagt Dilek, wie wenn ein Hund traeumt! Und es entspannt. Oder haben sich die Katzen etwa ungewöhnlich benommen? Nein, sage ich. Genauso komisch wie immer. Zeytin galoppiert am Pool hin und her und bleibt miauend mit uns auf gleicher Höhe. Yadiş sitzt auf dem Tisch und riecht am Pfefferminztee. Ein ganz gewöhnlicher Mittwochmorgen. Mit vier neuen Erdbeben.

04.08.2004 um 09:16 Uhr

Serie: Kneipen

von: hibou

In loser Folge berichten unsere Reporterinnen und Stammgaeste aus den Bars, Buffets und Brasserien der Welt. Fast immer handelt es sich dabei um Lokale, in denen Hemimgway und Joyce NICHT verkehrten. Entdecken sie mit uns neue Tresen und Bierdeckel!

 

Kneipen I:

 

wir sind in kleinbasel in der "SichtBar". ein merlot wird hingestellt. der griff zur zeitung ist logisch. oder man redet, raucht, nimmt dabei die umgebung kaum wahr. zur vorgerückten stunde wird mittels einer schiebetür die "UnsichtBar" geöffnet, wo ölblubberlampen rötlich perlen und brasilianische karaoke-nacht zelebriert wird. trotz der grellen neonröhren hier und der diffusen halbdunkelheit da werden die körper und ihre wünsche in der UnsichtBar viel sichtbarer. Und schaute man draußen eher nach innen, sah man hier hin.

zurück ins funkhaus.

03.08.2004 um 16:45 Uhr

Stärke 5.0 auf der Richter-Skala

von: hibou

Mein zweites Erdbeben! Gökova (80km östlich) Staerke 5.0. Dilek winkt ab. Wir sind das gewohnt. Aber die Gläser klirrten im Buffet und der Sessel schwankte deutlich unter mir.

Mein erstes war in Mittelhessen. Grossenlinden. Wart mal, so um 1973-74? Ich verpasste es im 2CV sitzend. Die Federung! Suchte romanische Dorfkirchenportale.

Heute kamen wir - einmal wieder - grad aus Milas zurück, da die Elektronik im Armaturenbrett völlig geschwiegen hatte. Wie sollen Pilotin und Co-Pilotin so die Checks vor dem Start ausführen???

Herr Richter liess seine Skala nach oben offen. Ich nahm einen Schluck aus der nach oben offenen Hibou-Raki-Flasche.

03.08.2004 um 16:38 Uhr

was alberta schon vor zwei jahren zu mir sagte

von: hibou

ich frag sie nach ihrem make-up. mal mehr die augen, mal mehr die lippen, sagt sie. meist mehr die lippen. alberta weiht mich dann nach und nach in ihre pläne ein. für widerstand war ich schon immer, sagt sie. doch jetzt sind langsam andere mittel gefragt! das neue konzept der USA über mini-atomwaffen, du weißt? das system bush verhält sich als schurkenstaat, ich mein, genau was sie denen vorwerfen tun sie selbst. mein großvater meldet sich aus dem jenseits, aus far-rock-away-beach, im schwarzen einteiligen badeanzug mit schmalen trägern über die schultern, ein auswanderer. von appenzell nach NY. die utopie amerika. sie hielt in etwa bis 1945, für mich jedenfalls. er hat noch diesen resignierten zug im gesicht, ganz im gegensatz zu alberta, die entschlossene mundwinkel zeigt. wie gerne wäre ich da geblieben! stattdessen mit der lusitania mitten im u-bootkrieg nach europa zurück. der vietnamkrieg hat mein wunschbild dann endgültig zertrümmert. mein großvater ernst verschwindet wieder. und meine amerikaner, sage ich. ich entdeckte sie in der besatzungszone, großgewachsen, kaugummikauend, vielfarbig, "lässig" war das wort, damals, als noch nicht alles cool war. wie sie aus den jeeps sprangen! später die besuche in den patton-barracks, marshmallows vom px und unglaublich große und wohlschmeckende steaks. beide patenonkel von mir waren juden.....der eine hieß hans der andere frank. frank löw floh vor den nazis nach osten durch russland, sibirien, von wladiwostok aus nach san francisco, und kam als major frank lion wieder nach deutschland zurück. ich besuchte ihn in friedberg, wo er stationiert war. er wurde mit der umerziehung befasst. einmal um die erde und dann die übriggebliebenen neu erziehen. er fuhr einen silbernen studebaker. wir sitzen noch immer im auto, die nacht vergeht. früher, sagt alberta, zog ich mich schwarz an, meist weil ich mich schlecht fühlte. heute zieh ich mich ganz normal an. sie ist ganz in schwarz. mein anderer patenonkel hans floh in die schweiz. nach dem krieg fand er nur noch seinen hund. die ganze familie war vergast worden. honzo, nannten wir ihn. er war musiker. seine wohnungseinrichtung bestand außer aus büchern aus einem flügel, um den ein halber meter platz bis zu den wänden blieb. wenn er erzählte, ging er fahrig um ihn herum. draußen ist‘s eisig, die fensterscheiben frieren zu. alberta kratzt sie mit einer der kassetten frei, ich glaube es ist die mit luca bloom drauf. die rückseite r.e.m. „ you shugar sweet, you cinnamon“. nicht ist besser zum enteisen als eine audiokassette, sagt sie. zurück zu den amerikanern. ich würde keine hochhäuser mehr in die luft pusten, obwohl, merke: der symbolische wert war unübertrefflich. ich würde die pipelines im mittleren osten sprengen, mal hier, mal da, wer will die überwachen. oder, noch besser, rings um L.A. und las vegas weiträumig die wasserzufuhr. aber kämpfen müssen wir.

02.08.2004 um 14:07 Uhr

Vachatse, Pompaples

von: hibou

In these summer days the bees from neighbour Lipp came down to sit in the wet grass drinking water and we used to have swollen feet stepping on them. Lipps small honey workers sat right behind the wall in grey wooden boxes. We used to climb the wall from our garden. We always wondered what’s behind the walls. On the other side of the garden were Neyrets vineyards. Later in September it would be forbidden to enter them. They even had guards, shooting with rifles on trespassers. But we always did. My friend Eric had ten leaden bullets pulled out of his arse by the village doctor. Did it hurt much, we asked him. Not so bad, he said, but the night after.....Our garden was green and gave much shadow. Right in the middle stood a huge cedar tree,Vachatze family in next villages castle of St.Barthélemy had just the same. My sisters used to think their summit reaches the sky. Madam Vachatze wore a knitted soul warmer, as she used to call it. That dark whoolen thing around her shoulders, covering most of her arms and all her breast made her look a little like the witch in Grimm’s “Goosemaiden at the fountain”. She called her sons Basil and Alexander. Her husband was dead or disappeared, she did not talk about him. Basil was the younger one, he played the mouthharp. His eyes and hair were black black I tell you.

In our garden the best time to stay was at early night. Only the light from windows and the stars were to be seen. From one of the open windows came piano sounds. Someone rehearsed Mozart’s “Rondo alla turque” or Beethoven’s “Für Elise”. We felt to be in the middle of the world. We were indeed. Did not the other village proudly wear the name “Pompaples au milieu du monde”? We changed it in Pompaples right behind the moon. River Venoge run there and here and gave us trouts and crabs and some of us believed we should wash gold there too. Remember the day we caught the three-pound-fish with an old marmalade bucket? We always build huts in the woods near the river and we used twice the time to put camouflage on the ways leading there to prevent them to be found by other children (worst case: those from Crissier or Vufflens or Pompaples). Coming out of the woods we could see the Montblanc. But we rarely looked at.

02.08.2004 um 13:24 Uhr

beim anblick der elbchaussee

von: hibou

Drunten dort am Elbestrand

Nahm mich Jesus bei der Hand

Drunten dort am El-be-strand....

 

(Der Jazz kommt aus Hamborch, Mann!)

01.08.2004 um 10:39 Uhr

und draussen auf den hohen Ästen

von: hibou

In den böhmischen Sälen

von Schloß Potsch

tauschen vier Musiker

Noten aus

 

präludieren auf Parkett

melancholisch gespiegelter Leuchterkerzen

Schattenkadenzen Flötenkaskaden

Trommel- und Rückenwirbel

 

und draußen auf den hohen Ästen

sitzen schlafende Sterne

perlhuhnhaft aufgebäumt

 

Dieses Gedicht hat mit Schloß Dux in Böhmen zu tun, wo der alternde und dann alte Casanova als Bibliothekar zwischen staubigen Folianten seinen Lebensabend verbrachte, wo große, leere Säle sich an weit zurückliegende Bälle und festliche Musik erinnerten, wo in den stockfleckigen Wandbehängen das vergangene Rascheln seidener Unterkleider und das galante Flüstern schöner Edeldamen verborgen war, wo er abends gebückt und nachdenklich auf seine Kammer ging und dabei das Knarren des Parketts mit dem schmerzhaften Knirschen seiner gichtigen Gelenke verwechselte, wo lebensgroße mechanische Puppen, deren Maschinerie einst kunstvoll zusammengefügt, jetzt aber längst eingerostet war, ihn mit großen fragenden Glasaugen anstarrten, er seinerseits, wie jeden Abend des lieben langen Jahres, unverwandt zurückstarrte, wo nur noch die tausendteilig geschliffenen Kronleuchter eine hauchzarte, nirgends angesiedelte Musik vollführten, wenn der ebenso alte und gichtbrüchige Kammerdiener des Grafen irgendwo eines der Fenster öffnete und einer der sanften mittelböhmischen Windzüge durch Flure und Säle des Schlosses strich...

 

01.08.2004 um 09:32 Uhr

Die braune Liesel...

von: hibou

Musik: Trittst im Morgenrot daher, seh ich dich im Strahlenmeer

... kenn ich am Gelaeute. Es kann der beste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefaellt. Eher den Tod, als in der Knechtschaft leben! Die Axt im Haus erspart den Zimmermann. Und uns nicht fürchten vor der Macht der Menschen.

Schillers Tell sagt das. Heute Rütlischwur. Das Gute am Modell Schweiz? Sie war von Beginn an kein Nationalstaat, noch nicht einmal eine Republik, sondern eine Schwur(Eid)Genossenschaft. Also konnten nur Individuen beitreten? Schön waers... Die Berner unterjochten die Waadt. Landsknechte aus der Schweiz wirkten bis ins 16.Jh in allen Kaempfen -auf beiden Seiten - mit. Die Schweizer eroberten Mailand. (Haetten sies bloss behalten....)

Der Rütlischwur: konservativ? (Wir wollen frei sein, WIE DIE VAETER WAREN). Mir scheinen die Schweizer die grössten Füdlibürger auf Erden (ich bin Schweizer, wohne aber seit Urzeiten im Ausland.

Die Schweiz war immer klein. Das ist von Vorteil. Kakanien, das auch kein Nationalstaat war, wurde zerschlagen und Oesterreich ist dadurch weit mühsamer klein.

Ich als Utopist befürworte, als Gegenmodell zur EU, einen Staatenbund der Unabhaengigen, bestehend aus Norwegen, der Türkei, der Schweiz, Serbien und Ahzerbeidshan. Das wird schwierig, ich weiss. (Meine Grossmutter sagte von den aus Italien stammenden Nachbarn: Sei vorsichtig, die kochen mit Öl!). Wo aber Unterschied ist, waechst das Zentripetale auch.