Message in a bottle

30.11.2004 um 11:10 Uhr

Ukraine

von: hibou

Ich schau mir das Land auf der Karte an. Eine natürliche Zweiteilung bildet der Verlauf des Dniepr (ırgendwo bei Domoprolsk“ würde Beckenbauer sagen). Gehören Krasnodar und Kropotkin auf der Halbinsel östlich der Krim eigentlich auch zur Ukraine? Nein, denke ich, Putin fährt doch nach Sotschi in den Urlaub. Vor dem Atlas fällt mir der Name des wunderbaren Anarchisten und Naturforschers Fürst Kropotkin wieder ein. „Gegenseitige Hilfe bei Tieren und Menschen“ heißt eines seiner Büchlein, selbstverständlich viel weniger bekannt und gerühmt als „Survival of the fittest“ und „Clash of Civilisations“. Die Krim haben die Russen ja nur unter Schmerz und Tränen dem ukrainischen Staatsgebiet überstellt, aber sie taten es schon in den neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts, das so schnell fernerrückt (soviel zu russischen Großmachtträumen). Nun also wird das junge Land von Spaltung bedroht. Die Präsidentschaftswahlen (siehe Gedanken eines dummen Waehlers). Menschenmassen, seit mehr als einer Woche, auf dem Platz der Unabhängigkeit in Kiew, sie wollen korrekte Wahlen, sie wollen Juschtschenko. Tak! Orange Fahnen, orange Wimpel, selbst der ukrainische Journalist in der sonntäglichen Runde im Ersten trug eine orange Krawatte. Natürlich erwärmen die Massen nicht nur sich selbst im Schneetreiben, sondern auch mein Herz! Ebenso plötzlich wie selten bricht Gemeinsamkeit der LEUTE auf: man stellt Quartiere für die Angereisten – „Ganz Kiew ist ein Gratishotel“ -, Frauen kommen mit warmem Essen und heißem Tee zu den Demonstranten, Musikanten, die gemeinhin in Heiratsshows arbeiten, spielen Akkordeon und Fiedel, die Gewinnerin des Eurovisions-Grandprix ist na klar zur Stelle, Rockgruppen spielen auf, Reden werden gehalten, wieder und wieder. Schwer zu beurteilen aus der Ferne, zumal die „Juschtschenko!, Juschtschenko!“-Rufe pünktlich zum Live-Fernsehtermin um die volle Stunde aufbranden, aber gewiss, da ist ein Bewusstsein erwacht, das sonst so tief tief im erfahrungslosen Alltag schläft. Wer wird es am geschicktesten ausnutzen? Da ist Julia Timoschenko, die blonden Haare im Kranz zu Zöpfen geflochten, die schöne Wasilissa aus dem Märchen, „nicht so zögerlich und zaudernd wie Juschtschenko“, liest man. Lösen zum guten Ende die neuen die alten Oligarchen ab? Sicher scheint: es hat massive Wahlverfälschungen gegeben. Ich mochte es nicht sofort glauben, die „georgische Rosenrevolution“ im Sinn, wo unter verborgenem amerikanischem Einfluss ein von den USA bezahlter „Volksheld“ als Präsident installiert wurde. „Die Russen, allen voran Putin, üben Druck aus“ heißt es nun allenthalben. Nur wenige sprechen von dem amerikanischen Netzwerk, das Juschtschenko unterstützt Beobachten, sorgsam beobachten. Eine echte Revolution! Es wär zu schön…

Diesen Sonntag Präsidentschaftswahlen in Rumänien. Am Montag gab es Proteste der Unterlegenen Parteien. Man sprach von Wahlfälschung.

 

29.11.2004 um 17:49 Uhr

Message in a Bottle orakelt:

von: hibou

Julia Timoschenko!

29.11.2004 um 17:49 Uhr

Poacher von Innercity blues als Gast

von: hibou

Lieutenant, ich bin im "Bacaro" verhaftet worden!
-Soll ich dir einen Anwalt schicken? Ich werd gleich nach der Schwangerschaftsgymnastik Morbidello anrufen...
-Ja, das wär fein, die lassen mich hier nicht mal die FAZ lesen.
-Was ist denn vorgefallen?
-Ich hab nicht bezahlt.
-Poacher, so kenn ich dich gar nicht?
-Nichts ist mehr, wie es einmal war....

 

(siehe Innercity Blues/Vagina)

28.11.2004 um 09:16 Uhr

Optimismus

von: hibou

Agent!

 

Danke fürs Lesen. Ich erwarte, gelesen zu werden, und auch gleichzeitig nicht. Und die doofen Kommentare im Net sind doch immerhin Antworten. Wer weiß, welche Prolos unsere Bücher kaufen und Filme ansehen? (By the way: wie ist „Milchwald“ von Hochhäusler?). Aber Du hast natürlich recht, und immer wieder Dank auch für Kritik!

Seltsamerweise werden politische Sachen eher gelesen und kommentiert und auch in die Printmedien übernommen, na ja die schreib ich immer gern, aber mehr als Übungen, meine Liebe liegt anderswo, ja, bei der felsefe (Philosophie) und der Sprache (Warum springen die bei den Paralympics von der Normalschanze??). Schreibe nicht mehr so viel Lyrik, bin auch hoffe ich, immer einfacher geworden. Klar schreibe ich nebenbei fleißig an „Was der Alte erzählt“ weiter :-)). In einigen Jahren hoffe ich, auch in die Türkische Szene einzusteigen, hab ja ein wenig damit begonnen, aber es kann viel mehr werden.

Klar bin ich optimistisch! Ich bin so optimistisch wie Hiob, wie Robert Walser ( …und Sie müssen unbedingt erfahren: ich schätze hoch, was ich bin, so karg und ärmlich es ist … und ich habe mir bereits erlaubt, Ihnen zu sagen, dass ich die Bequemlichkeit liebe. Was werden Sie denken von mir? Doch das muss mir gleichgültig sein. Ich will Sie auch nicht um Verzeihung wegen dieser Sprache bitten. Das wäre Phrase. Man ist immer unartig, wenn man die Wahrheit sagt. Ich liebe die Sterne, und der Mond ist mein heimlicher Freund. Über mir ist der Himmel. So lange ich lebe, werde ich nicht verlernen, zu ihm hinaufzuschauen. Ich stehe auf der Erde, das ist mein Standpunkt. Die Stunden scherzen mit mir, und ich scherze mit ihnen. Tag und Nacht sind meine Gesellschaft. Ich stehe auf vertrautem Fuß mit dem Abend und mit dem Morgen…“), ich bin so optimistisch wie Nick Cave, so wie der Esel, der nach Bremen zu den Stadtmusikanten ging, ich bin so optimistisch wie Arafat, wie Sancho Pansa und Don Quijote („Öffne die Augen, vertraute Heimat, und sieh Sancho Pansa, deinen Sohn, zu dir zurückkehren, wenn nicht mit vielen Reichtümern, doch mit vielen Prügeln beladen….“ Hör auf mit dem Blödsinn“, sagte Don Quijote, „wir wollen in unser Dorf einziehen mit dem rechten Fuß voran, dort wollen wir auf Mittel sinnen, wie wir unsere poetischen Gedanken zur Tat werden lassen…“).

Çok selamlar!

hibou

26.11.2004 um 16:40 Uhr

Mein Vater im Krieg

von: hibou

“C’était la mère Gilberte

Gilberte de Courgelay”

 

Solche Lieder sangen sie, erzählte mein Vater, während des “Aktivdienstes” im Jura oder nahe der deutschen Grenze bei Schaffhausen und Konstanz. Ringsum Krieg, auch diese Soldaten nahmen ihn ernst. Meine liebe Trudi! Ich gehe hier Patrouille und verteidige die Eidgenossenschaft, natürlich nur meinen Abschnitt, hundert Meter links und hundert Meter rechts… Und wenn sie vom Réduit Schweiz und vom Rütlirapport des General Guisan sprachen, wurden ihre Mienen ganz ernst. Wenn Hitler uns angreift, wehren wir uns, war dessen Inhalt, wobei das auch gegen die eher deutschfreundliche eigene Regierung ging. Als ob – so fühlte es sich später an – man auch seinen Teil am Sieg über den Faschismus habe, zumindest ideell. Vaterland. Aber ok, auch Freiheit und Demokratie. Der Frontverlauf wurde nach jeder neuen Meldung mit Fähnchen auf einer Landkarte markiert. Pazifik… Kampf um jede Insel? Gab es den „River Kwai March“ damals schon? Oder projiziere ich ihn aus dem Film rückwärts in die burmesischen Wälder? Wie jetzt die Erinnerungen.  Ich pfeife: sh sh – sh sh sh shuiit shuiit shi! Das ist wahr, was ich erzähle! Glaub mir nicht. Manche Kindheitsfotos sahen wir so oft, dass wir meinen, das Abgebildete selbst erlebt zu haben. Ich war bei der Invasion in der Normandie noch nicht mal geboren. Man atmete auf und lockerte die Beckenmuskeln. Noch war Kriegswirtschaft. Zum Durchhalten Altstoffe sammeln! Mein Vater war Sammelbeauftragter in Uzwil. Lumpen, Knochen, Eisen und Papier, ausgeschlagne Zähne sammeln wir, sangen die Nazis. Wir hatten auch deutsche Flüchtlinge im Haus. Frau Hebing wohnte im Giebelzimmer, jeden Tag einmal durfte ich hoch und bekam ein Märchen von ihr und den Brüdern Grimm. Dann las ich bald selbst. Und ein gut Teil der Bücher, Comics und dann Filme handelte vom Krieg. Alles interessierte mich, O und U, U-Bootkrieg besonders, „Taxi nach Tobruk“ (Rommels Enkel war bei uns im Internat), Churchills Memoiren, Nestor Burma im besetzten Paris, Tagebuch der Anne Frank, Landserhefte, Protokolle der Nürnberger Prozesse, Kretische Partisanen, „Der Bomber“, Die Nadel (dort erregte mich aber besonders der Oralverkehr auf der schottischen Insel), die ersten Filme spielten nach meiner Ansicht alle in Paris, logisch fürn Krieg waren sie in schwarz-weiß und Jean Gabin war der Gute. Iwans Kindheit. Die unzähligen Ami-Helden im südostasiatischen Dschungel und die bösen, ameisenartigen Japaner. Montgomery Clift, Frank Sinatra, Dean Martin, die Nackten und die Toten. Ob mein Vater diese Filme auch kannte? Er hielt Film für Teufelszeug und Fernsehen gabs noch nicht.

Zurück zum Krieg. Ganz an dessen Ende, in den wirren Tagen der Kapitulation, fand er im Grenzgelände einen Kopf ohne Rumpf, aber mit Wehrmachtshelm, beide von einer Kugel durchschossen. Er legte ihn tief in einen Ameisenhaufen, so lange, bis der Schädel glatt und bleich, glänzend schön und unidentifizierbar war. Im Helm stand der Name des Kopfes, er hatte einem jungen („blutjungen“ haben sie sicher gesagt) Soldaten gehört. Ich habe den Helm noch gesehen. Der Einschuss war glatt und klein und rund, der Ausschuss größer und sternförmig zersplittert. Über die Gewalt sich schnell und gezielt bewegender Gegenstände schreiben. Heidrun liebte „Wirf nicht mit der Spieluhr nach mir“ von Hans Scheibner. Aber das am Rande. Über Leben, das in solche Bahnen gerät. Die hundert Opfer im ICE, der in Eschede gegen die Brücke knallte.

Der Schädel stand immer im Bücherregal meines Vaters, außer wenn Anatomie gelehrt wurde. Früher war es ein Eckregal zwischen zwei Bücherwänden, dort hatte er seinen Platz. Links und rechs die grünen Klassikerausgaben. Goethe Schiller Uhland Grillparzer Lessing Herder Shakespeare Dante Cervantes. Ich nahm sie der Reihe nach herunter und las sie, ich liebte den Schädel, nahm ihn ab und an in die Hände. Dann las ich die Jungfrau von Orléans, König Johann und Macbeth weiter. Mein Herz so weiß und an diesen Händen so viel Blut…

Waren meine Eltern aber außer Haus, ging ich ans untere Fach, wo man erstmal die Türen öffnen musste,  von dort las ich Balzac („bist du ein Spross meiner Lenden??“), die Lady Chatterley und schaute die Heftchen mit barbusigen Damen an. Fekke hatte sie extra aus Norwegen mitgebracht, aber schnell waren sie uns abgenommen worden.

24.11.2004 um 19:45 Uhr

Café Koppel, nur ein paar Schritte weiter (Kneipen 32)

von: hibou

Alles ist Kiefernholz und schweres selbstgetöpfertes Teegeschirr. Es riecht nach Zigarette und Earl Grey. Servieren tut eine violettlippige Blonde (Marlene ist tot). Heute sitzt da ein italienischer Geschäftsmann im Dreiteiler. Er trägt einen Ehering mit Schlangenkopf und benutzt eine schwarz-goldene Zigarettenspitze. Er verhandelt mit einem Deutschen. Ich war auch schon in Neapel, sagt der. Zwei weitere Männer links und rechts schauen stumpf. Oh, Neapel, sagt der Italiener angeregt. Das ist eine gute Gegend, nicht so ruhig, ein bisschen lebhaft. Es gibt noch Funktelefone, große, dunkle Kästen. Als der Deutsche gegangen ist, lässt sich der Italiener eines reichen.

24.11.2004 um 10:08 Uhr

Kardinalssuche mit Mineralien

von: hibou

Viele, die meisten von uns, laufen zuhause in anderen Klamotten rum als auf der Strasse. Das wurde mir erst sehr spät klar. Ich hatte in meinem Leben immer morgens das angezogen, womit ich den ganzen Tag verbrachte. Andere, kaum haben sie die Wohnungstür im Hohenschönhausener Plattenbau hinter sich zugeschmissen, werfen als erstes die Schuhe von sich, dann alles Zeug bis auf Unterwäsche, um alsbald in Jogginghose und T-Shirt zu schlüpfen und sich die Hornhaut am Fußballen mit Bimsstein zu schmirgeln. Gibt es wohl noch die Kittelschürzen, die die Hausfrauen einst trugen, graublau mit weißen Punkten oder dezentem Blumenmuster?

Was trägt ein Kardinal „zuhause“? Geht er ganz zivil, etwa in leichter Leinenhose, geflochtenen Lederschuhen und einem beigen Hemd von Armani?

Und wie ist sein Zimmer eingerichtet? Ein Bett, ein Schrank, ein Schreibtisch, ein kleiner Marmoraltar mit Betstuhl. Die Auferstehung des Herrn oder die Madonna von Foligno sollte es  darüber schon sein.

Wer bügelt seine Soutanen? Wo bewahrt er seinen Kardinalring mit dem großen Kristall, den er seinen kniefälligen Gästen zu einem Hauch von Kuss reicht? Wo ist sein Giftschränkchen? Lauter Klischees.

Schau mal einem dieser Herrn lange ins Gesicht, sei es Herrn Krenn oder einem auf Raffaels Bildern. Dort findest Du Kirchengeschichte. Ein Konvolut von Macht, Intrige, Spieltrieb, Alkohol und Knabenschändung. Curriculum vitae. Die sandige Rennbahn des Lebens. Ein jeder sieht sich insgeheim als Heiliger Vater. Habemus Papam! Weißer Rauch.

Es beginnt mit 14 im Priesterseminar im niederbayrischen Landshut, oder in Freising, wo die Isar ihr Bett bis zum Rand füllt. Dein Vater war Schneider oder Kurzwarenhändler. Deine Schwester heiratet jung nach Paris, damit Du Deines Vaters Wunschkarriere einschlagen kannst. Das Land Deiner frühen Kindheit ist weit und duftend – selbst wenn sein Anblick für Dich fortan von den Schriften der Kircheväter gefiltert sein wird.

Oder Du besuchst das Seminario Carlo Borromeo in Domodossola. Dort war der Torrente Ossola fleißig mit Granitschleifen. Tatsächlich gibt’s noch im 20 Jahrhundert einen jüngsten Bergbauernsohn vom Simplon? Ich staune. Die Kirche übernimmt alle Kosten Deiner langen Ausbildung, auch wenn Du ein hochgezüchteter Jesuitenzögling aus Wien oder Montevideo sein solltest, egal.

Irgendwo in einer Bucht des östlichen Mittelmeers sind bereits jetzt die Purpurschnecken für Deine Einkleidung am Werk.

23.11.2004 um 10:17 Uhr

Gedanken eines dummen Wählers

von: hibou

Demokratie. Ein recht gefährdetes Modell. Ich glaube nämlich den Wahlergebnissen nicht mehr, nicht denen in den USA, nicht denen in der Ukraine, schon gar nicht jenen in Weißrussland und Russland. Und sobald man die Wahlen nicht mehr anerkennt, ist das Modell im Eimer, denn: eine Seite wird dann immer protestieren. Was tun? Wahlbeobachter sind gut und schön, aber sie nützen wenig und sind überdies auch parteiisch. Ich möchte nicht, dass Wahlergebnisse ferner Länder jedes Mal in den Pressekonferenzen der US-Regierung als „nicht regelkonform zustandegekommen“ kommentiert werden. Oder, pessimistisch gedacht, waren Wahlen schon immer nur ein Alibi? Und noch pessimistischer und stinkelitär gedacht: selbst wenn sie funktionierten, wäre das gut? (Denn die Dummen sind ja bekanntlich in der Überzahl. Und sie werden durch den Wahlen vorhergehende „Informationskampagnen“ massiv weiter verdummt).

Transparenz schaffen: Jedes Wahllokal – mit kleinem und überschaubarem Wählerkreis – legt die ausgezählten Stimmen öffentlich aus. Vorläufig keine elektronischen Abstimmungen (jaja, ich bin altmodisch), da Software und was damit und dadurch vorgeht für die meisten einschließlich der Kandidaten ein undurchschaubares schwarzes Loch ist. Ausführliche und genaue Veröffentlichung der Ergebnisse eines jeden Wahllokals. Gilt das nicht alles schon seit jeher? Seit den Zeiten an der Uni bin ich sehr interessiert an Einzelergebnissen, habe über die Jahre und Jahrzehnte aber immer mehr Mühe, herauszufinden, wie in Hintertupfingen und Dithmarschen gewählt worden ist. Ich sehe nur noch eine Gesamtgrafik, wenn überhaupt, und das zehn Minuten nach Schließung der Wahllokale. Mein Misstrauen wächst. Werde ich demnächst zum Opfer von Demagogen, die auf „die da oben“ schimpfen? Aber dennoch: nicht ich höhle die Demokratie aus.

Informationen, die ihren Namen verdienen. Nein, gar keine. Informationen klingt für mich nach „in Form bringen“. Big Brother würde wohl „Uniformationen“ sagen. Aber die Sachlage wird immer komplizierter und ist für den einfachen Bürger kaum mehr nachzuvollziehen, sagen die Abgeordneten. Richtig. Wer von Euch durchschaut die verschiedenen Modelle der Gesundheitsreform? Höchstens Machopan. Also anstatt Werbekampagnen der Parteien breite und ausführliche Gespräche und Diskussionen in den kleinen Kreisen (dem Einzugsgebiet eines Wahllokals), den Gemeinden oder – viel schönerer Name – den Kommunen.

Das wäre aber doch nur sinnvoll, wenn da jede/r seine Vorschläge und Ideen einbringen und zur Debatte stellen könnte und auch gehört würde? Richtig. Die Entscheidungsrichtung muss auf den Kopf gestellt werden und von unten nach oben verlaufen. Das ist der Hauptpunkt. Herrgottsakra, Demokratie, hieß das nicht „Herrschaft des Volkes“? Lass uns vorurteilsfrei eine neue und moderne (und gewalt- und Geheimpolizeifreie) Gestalt der Volksdemokratie denken und schaffen. Tage der Kommune!

Was sagt der Künstler Studs Terkel?: „Die Hoffnung hat sich (auch) nie ihren Weg von oben nach unten gebahnt, sie ist stets von unten nach oben aufgestiegen.“ Und Beuys, er nu wieder: „Ich bin auf der Suche nach dem Dümmsten.“

22.11.2004 um 18:24 Uhr

München - Istanbul

von: hibou

Meine Frau Dilek braucht für ihre Bilder schon lange Fotokopien von nackten Frauen - konkret etwa im David Hamilton-Stil, nicht mal Porno - die sie mühsam und nicht ungestraft (Millionen von Penisvergrösserungsangeboten aus dem Netz) heruntergeladen hat. Sie gab mir eine CD nach München mit. Da wird es einfacher sein. Ich gehe in ein Schwabinger Fotogeschaeft, werde von einer etwas alternativen Frau bedient, diese öffnet die Bilder und schaut mich dann an - Mann, ich komme mir wie ein geiler alter Spanner vor! - und sagt: ICH bediene sie hier nicht! Auch der Chef macht mir keine Fotokopien.

Jetzt hat Dilek sie alle in Istanbul machen lassen, ohne Probleme und in Superqualitaet.

21.11.2004 um 15:03 Uhr

Aus dem Abendprogramm der ARD

von: hibou

"Aber ich bin doch nur ein armes Blumenmädchen!"

20.11.2004 um 16:43 Uhr

Mukata

von: hibou

Un policía palestino vigila la entrada a la Mukata.

 

Hat Mensch schon einmal einen solchen Regierungssitz gesehen? Er ist ja nicht nur zerbombt, er muss schon davor pittoresk ausgesehen haben. Über eine Strasse hingebautes Einfamilienhaus. Holzdatscha auf dem Dach, irgendwo ein Stück Festungsmauer. Und am Eingang erscheinen, so TV-Kameras laufen, die Politiker zwischen eigenartigen grauen Vorhängen oder vielmehr Pappmachéwänden. Überall davor liegen Schutt, zerschossene Autos, Staub und Moder. Innen drin muss es auch sehr sehr karg und seltsam ausgesehen haben, „halb DDR, halb Beckett-Stück“, sagt einer der drin war. Im Fernsehen läuft „Paläste der Macht“, über den Vatikan, das Weiße Haus etc., viel Marmor, viel Brokat. Hier ist ein Palast der Ohnmacht.

 

 

Hat jemand schon einmal einen solchen Politiker erlebt? Es gibt die Herren in den schwarzen Anzügen, es gibt höchstens mal ein Texas-Hemd, es gibt die mir immer karnevalesk vorkommenden Ölscheichs („gehst Du als Araber?“), dann Ghaddafi. Aber Arafat war zwar unirdisch, aber echt. Nein, ich spotte nicht, ich staune. Arafat war ohne Zweifel ein Kämpfer, ein Gazi. Aber nicht einmal Palästinenser in Ramallah sahen so aus wie er, und die Gefallenen in Falludscha trugen Marks & Spencer und Nike. Er aber in seiner olivbraunen, abgeschabten Uniform! Und der Kefiye, unserem geliebten Pali-Tuch, welches wir wie er mit Unschuld trugen.

Dann seine Lebensweise: völlig bedürfnislos wohnte er in seinen Büros, hatte im eigentlichen Sinn nie ein Zuhause. Er ging nicht aus, nicht in Nobelrestaurants, nicht ins Konzert, nicht ins Kino, nicht ins Varieté. Er las keine Bücher. Er las Akten. (Trotzdem war er reich. Was wird wohl aus dem Geld?)

Alles das und manches andere bedenkenswerte entnehme ich der Presse: Ist der sogenannte Palästinenserstaat nicht der Hamburger Hafenstraße vergleichbar? Ein winziger „staatsfreier“ Raum, wo Stadtindianer den Widerstand proben, zu totalen Außenseitern werden und doch niemals aufgeben? (Freilich ist die Hafenstrasse inzwischen bürgerlicher geworden, Yassir bis zum Tode nicht). Aber: Geschichte erzählt von den Siegern, sagt man. Er ist die Ausnahme. Arafat war aktuell auch in größter Machtlosigkeit.

Mir fällt einer ein, den ich auch sehr liebe. Von dem Vergleich habe ich bisher nicht gelesen, und doch liegt er auf der Hand: Don Quijotte.

20.11.2004 um 10:14 Uhr

(Zehn Jahre Hibous Parteiprogramm)

von: hibou

Essentials meiner sozialistischen Partei, Hamburg, 20.10.94

 

Freiheit:

 

JEDER MENSCH IST EIN KÜNSTLER! Auch Sie sind ein Kunstwerk – also arbeiten Sie daran! Jede/r nach ihren und seinen Fähigkeiten! Das Gemeinwesen soll so gestaltet werden, dass es die Selbstverwirklichung eines jeden einzelnen möglichst wenig behindert!

 

Gleichheit:

 

Alle Menschen sind gleichberechtigt! Wer im Gemeinwesen (Haus, Dorf, Stadt, Region, Land, Wohngemeinschaft, Club, Partei, Betrieb, Gewerkschaft etc.) kürzer oder länger lebt oder arbeitet, gestaltet gleichberechtigt an deren Strukturen und Zielen mit! Keine individuellen Triebe, Begierden, Leidenschaften, Wünsche, Motive oder Interessen berechtigen zu Übergriffen auf andere!

 

Solidarität:

 

JEDEM NACH SEİNEN BEDÜRFNISSEN! Produktion und Konsum des Gemeinwesens werden durch freies Übereinkommen zwischen den jeweiligen Erzeugern und Verbrauchern festgelegt! Kern jeder Solidarität ist die Hingabe (Genau überprüft macht nämlich Geben mehr Spaß als Nehmen)!

Sanktionen dienen dem Wohl des Gemeinwesens und entspringen nicht dem Rache- oder Neidprinzip! Bestrafung erfolgt (siehe Freiheit…) ausschließlich nach individuellen Gesichtspunkten, nach Persönlichkeit, Umfeld, Lebenslauf des Angeklagten (d.h. Chef wir mehr zur Rechenschaft gezogen als Ausführender, wer es hätte wissen müssen mehr als ein Hilflose)r. Der Bereich der Strafe gehört völlig erneuert und sollte vor allem originell gestaltet sein und auf Ausgleich zielen (wer Schinken stielt sollte Schweine füttern etc)

 

Liebe als Maxime:

 

Lieben heißt freilassen! Anwendung des Prinzips der Gnade auf alle drei Bereiche! Keine Macht für Niemand!! Das Leben ist eine Frau! Tantra! Paläste zu Pflugscharen, Liebesnestern und Ateliers!

Ähem… Moment mal. Mein Enthusiasmus fällt in den Galopp! Das kommt von den vielen Ausrufungszeichen… machen einen ganz besoffen … Fragezeichen? Die ernüchtern mich. Gedankenstriche --- gähhn! schläfern ganz schön ein. Kommata bringen zum Kichern. Semikolon? Punkt? Reichlich spießig. Wa???!! Puh, mein Schädel….

 

Also, ohne Flax. Würdest Du meine Partei wählen? Sie heißt

 

ANARCHIE MIT LIEBE

19.11.2004 um 18:52 Uhr

Gaensespiel: FELD ACHTeinhalb: Azamoah rutschte nicht weg

von: hibou

 

weiße fahnen hängen von weißen deckenbalken herunter. das schöllkraut wächst durch mauerritzen. von frauen verstehe ich nichts. ihr mann schlug sie. aus dem paradies verstossen zu werden wäre manchmal schön. trommeln und tamburins und kaffeemühlen sehr aufdringlich. ganz im widerspruch zur großen gelassenheit, ja du liest ganz recht, zur großen ruhe, mit der ich die dinge jetzt sehe. brotkrümel. aufgetautes fleisch aus bse-zeiten. fürstin von thurn und taxis schnackselt auch gern. frauen lassen es oft zu lange laufen. glasklare, helle schläge einer buffetuhr. eine rose aus seide, verschiedene alte vasen und sodaflaschen, ein kerzenständer. parmaschinken, sublimation von schweinebacke zu rosenblatt. fast eine. über der gemüsevitrine eine recht leere campariflasche und eine mit ligurischem orangenlikör. sopransaxophon und die stimme von sade. o-beinige apfellehrlinge. sterne, roheisenskulpturen. kaum kampfhunde. zeitungen von gestern. azamoah schlug gleich auf anhieb zu.

 

18.11.2004 um 23:37 Uhr

Max & Consorten und Domino (Kneipen 31)

von: hibou

Sonntag, 20.Mai

Die Kunsthalle wie das Museum meiner eigenen Tätigkeiten vor zwei Jahren angekuckt. Auf den eigenen Spuren wandeln. Der Wahrnemende kehrt immer zum Ort seiner Taten zurück. Picasso-Ausstellung, zu viel Getümmel. Farbig ist er = O, schlechte Lufy. Die Menge der Bilder erschlägt. Dann die wenigen noch geöffneten anderen Abteilungen: Tschuiko und die 2 Akte von Rouault sind wieder da, Redon und Rousseaus Eva günstiger gehängt. Ein Saal mit CDF & 1PhOR. Nana am gewohnten Platz, Sunij Melles fehlt!

Die Huren vor Max & Co sprechen mich an. Im Domino komme ich neben zwei junge Frauen mit zwei Säuglingen zu sitzen. Beide stillen nacheinander den kleineren. Ammenschuhe und die Socken auf die Knöchel gerutscht. Wangenknochen fast auf Augenhöhe, große Augen. Olivbraun, hager, kraushaarig. Beide sprechen reinstes Norddeutsch. Riesige Spiralen als Ohrringe und erdfarbene Latzhosen. Am Nebentisch Conny Jürgens.

(zurück ins Funkhaus)

18.11.2004 um 23:25 Uhr

Fernsehen

von: hibou

 

Zunehmend Scheiße.

Aber die verschiedenen Nachrichten genieße ich. Ich sehe TRT2 und andere türkische Nachrichten, Arte-Info, die Tagesschau und die ZDF-News, Schweizer Tagesschau, Euronews, Nile International aus Kairo und dann weiteres Zufällige.

Gestern der Sturm auf Falludscha. ARD und Arte wissen nichts über Verluste. Euronews meldet sechs gefallene US Soldaten, die Türkischen Nachrichten  melden zehn davon, geben dazu Verletzte bekannt sowie den Abschuss von zwei US-Panzern und eines Hubschraubers. Wir sind ein wenig näher dran, ja. Aber auch aus anderen Ecken der Welt sind die Türkischen Nachrichten oft vielfältiger und präziser. Wichtig ist, vergleichen zu können. Allgemein herrscht die Tendenz, nur noch das jeweilig Inland für nachrichtenrelevant zu halten. Es lebe die Satellitenschüssel! (sagen die im Iran auch)

17.11.2004 um 19:32 Uhr

„Im Grauen Esel“ (Kneipen 30)

von: hibou

Geboren und aufgewachsen in einem dithmarscher Ort, an der Lietzau. Kleiner, tidenabhängiger Hafen. Die Flora, Flaggschiff und Symbol der Walfangerinnerungen an Nantucket. Schipper von Holdt. „Sibirien“ in Klein-Nordende – da feierte man die Begräbnisse, etwa von Jonny, „Im Grauen Esel“, andere Kneipen. Die Reit- und Fahrschule und – eindrucksvoll genug um jeweils einen Augenblick davor zu verharren – der Grabstein des berühmten „Meteor“ (Mir war Halla lieber, weil wir eine Halla mit Pferdehals im Internat hatten).

An der Hafenstrasse die Geschäfte: Niemeyer (Papierwaren), Oland (Konditorei), Niebuhr (Lebensmittel) und natürlich Mohrs Blockschmiede, in die ich öfter hineinging, um die Rechnungen abzugeben (Mischung aus Neugierde und Furcht). Schließlich das väterliche und grossväterliche Geschäft. Wir froren, wenn wir auf dem Dachboden bei der Inventur helfen mussten. Behrens – Tapeten ist als einziges an der Strassen übergeblieben. Das Kino „Astoria“ gegenüber – längst geschlossen. Noch vor meiner Schulzeit hatte ich einmal davor auf dem Kantstein gesessen. „Weiß Frau Oland schon, dass Du heute Geburtstag hast?“, fragte Monika Notnagel. Sie wusste immer Bescheid, man hörte auf sie. Daraufhin war meine Schwester hineingegangen. Aber Süssigkeiten waren nicht, nur die spätere Ermahnung der Mutter, dass sich so was nicht schicke.

Ein anderes Mal schaute ich zu, wie Monika Notnagel einen Apfel ass. Sie gab mir den halben ab. Du hast eben einen Wurm gegessen, davon stirbt man! Worauf ich den ganzen Nachmittag aufs Sterben wartete.

Bei einer der seltenen Ferienreisen zum Neudorfer See hatte der Hund (es war unser erster) von uns drei Schwestern gerade mich ins Wasser gestossen. Es war ein großer Schock, er wirkt bis heute. Tauchen? Nie! Bis 12, 13, war es eine sehr schöne Kindheit. Ich mochte nur den Schulweg mit der Kleinen nicht, weil man sie an die Hand nehmen musste und sich schämte, wenn sie laut sang, was oft vorkam. „Im Grauen Esel“ hatte noch zu.

(und wir: zurück ins Funkhaus)

15.11.2004 um 15:45 Uhr

Wie das Kraushaar entstand

von: hibou

Im Paradis hatten Adam und Eva ganz glattes Haar. Da lagen sie auf der Wiese und liessen den lieben Gott einen guten Mann sein. Die Sonne hatte noch nie solche Wesen gesehen. Darf ich sie mal genau betrachten? fragte sie den HErrn. Aber nicht, dass Du ihnen ein Schamhärchen krümmst! versetzte ER.

11.11.2004 um 17:59 Uhr

Grand-Palaca-Café, Montevideo, 1951, Gastbeitrag (Kneipen 29)

von: hibou

Draußen steht ein kleines Mädchen und presst das Gesicht ans Glas. Sie sieht drinnen eine Frau sitzen, die trägt Hosen, trinkt Kaffee und raucht. Alle anderen Gäste sind Männer, „Rechtsanwälte, Literaturprofessoren, einsame Wölfe der Nacht“. In diesem Augenblick weiß das Mädchen, sie heißt Cristina, sie wird später einmal diese Frau sein. Diese Zigarette symbolisierte alles, was damals traditionell männlich war: „Freiheit, Selbstgenügsamkeit, Autonomie.“ Glück, sagt Sigmund Freud, ist immer die Erfüllung eines kindlichen Wunsches.

„Das Rauchen war nicht nur eine Sucht, die Zigarette hatte ihre eigene Erotik und Äesthetik“, schreibt Cristina Peri Rossi heute, mehr als ein halbes Jahrhundert später.

 

Cristina Peri Rossi: Die Zigarette, Leben mit einer verführerischen Geliebten, Berlin 2004

 

(zurück ins Funkhaus!)

10.11.2004 um 19:33 Uhr

flüchtiges Glück nach Fall der Mauer

von: hibou

9. November 2004

Sendungen über den Fall der Mauer. Eine ostdeutsche Frau sagt: Es war ein Glück, aber nur für eine Nacht. Heute ist der Job weg, die Wohnung weg und die Kinder sind im Westen. Ich höre in mir Edu Zanki’s Lied „Nur für eine Nacht! N-U-R  F-Ü-R  EI-NE Nacht….

09.11.2004 um 10:17 Uhr

Von spontaner Zuneigung, Parteinahme. Von Kriegen und vom Schlachten (Letzter Teil)

von: hibou

IV. Vom Unsinn von Staaten und vom Sinn der Individuen

 

Methodische Zwischenbemerkung:

„Mich interessieren nicht die realen Ursachen der realen Ereignisse. Mein Gedächtnis ist schlecht. Die Tatsachen sind überdies immer vertauschbar. Mich interessiert das geistig Typische, ich möchte sogar sagen, das Gespenstische, die phantastische Genauigkeit an den Begebenheiten.“

(Robert Musil)

 

Was bleibt uns? Das Denken. Studieren wir „die phantastische Genauigkeit an den Begebenheiten“ und schulen wir es, schärfen wir es daran. Das braucht Zeit, ist aber ein wundervoller und völlig unblutiger Weg, der uns zudem in die Erkenntnis einer ganzen Welt und ihrer darin sich tummelnden Kreaturen führt. Das Denken ist uns ein für allemal gegeben. Es kann uns von keiner Sonderpolizeitruppe so ohne weiteres genommen werden (wenn es auch täglich mit allen möglichen Grausamkeiten versucht wird). Das Denken lässt sich hervorragend tarnen und ist DER Partisanenkämpfer. Es flammt an jeder Straßenecke, in jeder Teestube auf. Selbst durch massive Streichung der Forschungsmittel an Universitäten und Akademien ist es nicht bedroht. Denken braucht keine großen Apparate.

 

Viele scharfe Denker, werden Sie nun sagen, haben sich aber der Lüge verdingt. Ist es nicht so in fast jedem Fernsehkanal, in den Denktanks und Beraterstäben der Mächtigen?

Sicher. Und der Krieg (griechisch „polemos") mit ihnen wird uns nicht erspart bleiben. Überlassen wir also das Denken denen nicht allein. Sputen wir uns mit der Denkausbildung. Nun machen Sie kein so langes Gesicht: Denken ist auch die Fröhliche Wissenschaft! Besuchen Sie bald das Seminar für Ironie und Satire…..

 

An zusammenfassenden Schlussfolgerungen -oder sind es erst einmal nur Fragen?-  reiht sich das Folgende in mir auf:

 

Hat es viel Zweck die nun leider – mit vielen Geburtsfehlern und Ungerechtigkeiten behafteten – Nationen, wie sie jetzt sind, zu verändern und aufzuteilen? Auch die erwähnten Global Players tun dies nur, wenn es ihren ureigenen Plänen dient. Liefern wir ihnen nicht auch noch das pseudodemokratische Mäntelchen, lassen wir’s wenigstens offensichtlich werden wie gerade im Irak.

 

Nationen stehen heutzutage der Entwicklung im Weg (ob sie früher was erhebendes waren sei offengelassen), gemäß der Erkenntnis: es gibt kein gut oder böse, es gibt nur den richtigen Augenblick. Kommt das Gute zu früh, wird es scheitern, kommt es zu spät.. na,  Du weißt schon, was dem geschieht, der zu spät kommt.

Gestärkt werden sollte das einzelne Individuum – welches sich ansonsten im Kampf aller gegen alle Bahn bricht – in der weltweiten Gemeinschaft der anderen Individualitäten (von denen jede höchst interessant ist).

 

Das wichtigste Problem, das es zu lösen gilt ist nicht das zwischen Ost und West und anderen Himmelsrichtungen, sondern weltweit gesehen das zwischen oben und unten, nämlich arm und reich (Ja, das ist ein alter Hut. Aber eben immer noch wahr).

 

Ein weiteres könnte nach meiner Erkenntnis die Sache voranbringen: weibliches Denken. Lass uns mal eine Weltsicherheitsrätin (ich meine das ganze Organ :-)) haben. Bessere Beziehungen („demokratische“ *smile*) im Mikrokosmos Frau-Mann würden womöglich den Makrokosmos soziale Gemeinschaft voranbringen – und dabei natürlich auch zu vielen mikrokosmischen Varianten führen.

 

Zuerst aber sollten wir versuchen, das böse Spiel der Mächtigen zu durchschauen und beim Namen zu nennen. Das sagt uns doch schon wer in unserer frühen Jugend, oder?: „Heißest du etwa Rumpelstilzchen?“

 

Macht mich zum Diktator. Meine heutige Parole wäre: „Es lebe die Erkenntnis! Kampf der Dummheit!“

 

Aman… Hat doch alles keinen Zweck! Geht eh alles den Bach runter! OK. Gehörten das Veltlin und die Lombardei nicht mal zur Schweiz? Kommt, Eidgenossen, lasst uns Mailand erobern. Wir haben ein unverbrüchliches Recht darauf! Oder lasst uns wenigstens das Gebiet in den Schulbüchern und Nachrichten schraffiert darstellen……