Von spontaner Zuneigung, Parteinahme. Von Kriegen und vom Schlachten (Teil III)
III. Die Wahhabiten
Die tschetschenischen Kämpfer werden massiv mit Geldern aus Saudi-Arabien unterstützt, ebenso wie alle islamischen Gemeinden und Gruppen ein der ganzen Welt, einschließlich etwa der Türkei, einschließlich auch von Gruppen in Europa, in Amerika, in den USA. Saudi Arabien ist der globale Financier des Islam über die ganze Welt hin, verfügt dazu unter anderem über ein weltweites Netz von islamischen Banken und pumpt riesige Summen von Geld (welches aus Erträgen vom Erdölverkauf stammt) in die Propagierung und Ausbreitung des islamischen oder vielmehr des wahhabitischen Glaubens. Was ist der Wahhabismus?
„Mitte des 18. Jahrhunderts hatte Muhammad Ibn Abd al-Wahhab, ein unbedeutender Mullah aus der winzigen Siedlung Uyaina im zentralarabischen Nedschd, seine Lehre als Reaktion auf die Dekadenz des Osmanischen Reiches begründet. Im Kern machte sie den Abfall der Gläubigen vom reinen Ursprung des Islam für die politische Krise verantwortlich, die damals die muslimische Welt erschütterte. In den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts wurde dann (diese Lehre) aus einer tausend Jahre währenden Überlieferung, Zivilisation und Kultur herausgelöst, und ein aggressiver Klan – das zukünftige Haus Saud, das entschlossen war, dem zerfallenden Osmanischen Reich ein Königreich zu entreißen – bemächtigte sich der wahhabitischen Lehre, um sie zu einer schlagkräftigen politischen Waffe umzufunktionieren.“
(Loretta Napoleoni, Mit dem Feind im Bett, Lettre International Nr. 66, 2004). Seitdem bildet der Wahhabismus die religiöse Wurzel der Dynastie und einer Saudischen Politik, die auf die religiöse Kolonisation der gesamten muslimischen Welt abzielt.
Wiederum: Wie kämpfte ich mit Lawrence von Arabien mit und freute mich, wenn im Wüstensand mal wieder eine türkische Lok aus den Schienen gesprengt wurde! Und dass nebenbei alles das gleichzeitig vom britischen Kolonialismus instrumentalisiert wurde und allen Konfliktherden im Mittleren Osten zugrunde liegt, entging dem Knaben auch.
Die Wahhabiten finanzieren die Tschetschenischen Kämpfer, die Taliban, die Hisbollah, den islamischen Dschihad, die Hamas, die Abu Sayaf und wie sie alle heißen.
(Sie finanzieren auch Bücher für den islamischen Religionsunterricht, der in aller Welt erteilt wird. Der Inhalt dieser Bücher entspricht selbstverständlich ihrer Anschauung und wird so weltweit und täglich gelehrt. Ich habe erst vor kurzem begonnen, die islamische Religion genauer zu studieren, habe aber schon mitbekommen, dass viele islamische Gelehrte den Wahhabismus für eine Verdrehung und Verfälschung ihres Glaubens halten. (Ich weiß aber ganz sicher, dass Jesus dem wiedergeborenen und inzwischen wiedergewählten Präsidenten Bush nicht sagt: Verteidige Amerika! Und wenn die Fetzen fliegen. Führe völkerrechtswidrige Angriffskriege. Lasse foltern und morden! Lüge wie gedruckt! Täusche auch deine Nächsten und Freunde, wenn es dir dient! Unterhöhle das nationale und internationale Recht! Schere dich einen Dreck ums Weltklima! Falte dann die Hände und sage mit ergreifendem Augenaufschlag: God bless America! Ähnlich mag es sich mit Mullah Wahhabs Eingebungen verhalten)
Gut. Aber wenigstens haben wir nun eine klare Ausgangslage. Der Endkampf, das Armageddon Ost gegen West, der Clash of Civilizations.
Dabei vergessen wir mal eben zwei Dinge: Der erbittertste Feind der Dynastie Saud ist Osama Bin Laden aus dem eigenen Land. Der große Freund und Verbündete von Saudi Arabien, der Beschützer und Waffenlieferer: die USA und insbesondere die letzten Regierungen (Es wird gesagt, die jüdischen Amerikaner hätten wie immer hauptsächlich die Demokraten gewählt, die „arabischen“ die Republikaner). Die Verflechtungen der Dynastie Bush (einschließlich Cheney, Rumsfeld, Haliburton etc.) mit den Saudis sind zahlreich, nachgewiesen und fortdauernd. Eine Woche nach dem Anschlag auf die Twin Towers ist Bush im Weißen Haus zusammen mit unter anderem Prinz Bandar, „dem Begründer der Beduinendiplomatie in Washington“ (noch einmal Loretta Napoleoni, welche als Wirtschaftswissenschaftlerin für Banken und internationale Organisationen in Europa und den USA arbeitet. Sie befasst sich vornehmlich mit den Auswirkungen des Internationalen Terrorismus) auf einem Pressefoto zu sehen. 2002 ist derselbe Prinz als einer von vier Ausländern zum Lunch auf Bushs Ranch in Texas geladen. Alle übrigen Gäste waren Staatschefs. Es gäbe von unzähligen anderen Connections zu berichten. Klar ist, dass die US Behörden und die internationale Finanzwelt lange vor dem 11. September 2001 über die Eigentümlichkeiten der saudischen Politik Bescheid wussten. Ihnen war auch klar welche Rolle saudische Banken und die Mitglieder der saudischen Elite im tödlichen Spiel des islamistischen Terrors spielten. Warum sollte da Osama Bin Laden der Feind sein? Oder die USA?
Aber wer…. ist der „Feind“? Allahım yarapım, mein Gott, ist das kompliziert und unübersichtlich…..
Ich schließe: Mithin wären viele der Unabhängigkeitskriege nur Pokerpartien zum Beispiel dieser Mächte und die Freiheitskämpfer in Gefahr, als pure Marionetten zu figurieren? (Was ganz besonders ätzend ist, wenn man diesem Kampf soeben alles einschließlich seines Lebens geopfert hat). Und jetzt kommt mir nicht, dass seien Verschwörungstheorien, bei Strafe, mir zu erklären, wie es wirklich läuft… und vergesst dabei nicht den schiitischen Iran, der ein anderer großer Feind der Saudis und der USA ist
Und wir sind mit unseren Kausalitätsketten endgültig in Absurdistan gelandet. Deshalb zurück nach Kurdistan: Die Wohngebiete der Kurden, wo auch immer gelegen, sind Spielball der Großmächte, vor allem der USA, die sowohl den Irak, als auch die Türkei, als auch den Iran und Syrien in den Griff zu bekommen beziehungsweise gegeneinander auszuspielen versuchen. „Unabhängigkeits“-Forderungen, wo auch immer in diesem Gebiet, das Gegenstand des strategisch und langfristig geplanten und ausgeführten „Großen Mittelost-Projekt“ der Planer im Weißen Haus und im Pentagon ist, Emanziaptionskämpfe jeder Art müssen folglich gegen die Politik der USA (und die Gehirnwäsche durch die Saudis) gerichtet sein.
Dass die Türkische Republik ihrerseits bereit ist, mit Hilfe der EU vom Ausnahmezustand in den südöstlichen Teilen abzugehen – und das, obwohl die PKK ihren Waffenstillstand neulich beendet hat – ist gut. Die Lage im ganzen Raum hängt aber am allerdünnsten der seidenen Fäden…..
