Message in a bottle

28.02.2005 um 08:59 Uhr

Grieche mit Gerundium (Kneipen 67)

von: hibou

 

An der Wand hängen Teller mit Pelops und Hippodameia, Odysseus und den Hoplites und auf jedem Vorsprung, Fensterbrett oder Anrichtetischchen stehen weiße Statuetten, teils bekannte Klassikerinnen wie die Venus von Milo oder die große Athene aus dem Parthenon, teils einfach nachempfundene ephebische und schmalknöchelige Menschenkinder, die der Jagd, der Toilette oder dem lockeren Empfinden des eigenen Spielbeins nachgehen, darstellend. Auch die beiden Töchter des Wirtes sind ansehnlich. Die ältere, die jetzt schon öfter den Vater vertritt, legt, wenn sie nach den Wünschen neu angekommener Gäste verlangend an die Tische tritt, ihre beiden Hände auf die Pobacken, die zweite sitzt am Stammtisch neben der Kasse und blättert "Madame" durch. Am selben Tisch sitzen dann auch die jüngeren der Kinder und machen Hausaufgaben oder sehen den Kinderkanal, der ausschließlich Comic-Clips zu bringen scheint. Der Fernseher hängt wie ein schwarzes Plastikraumschiff an einem Schwenkarm mitten im Raum, gleich neben dem großen Ventilatorpropeller, welcher  sich allerdings zu selten, meist nur die zwei heißen Wochen im August dreht, dort, wo der Gast, der aus dem Nebenraum kommt, weil ihn ein Drang nach Wasserlassen oder ein plötzliches Bewußtsein seiner staubigen oder klebrigen oder schmutzigen Hände überfiel, auf dem Weg zum WC eine Linksdrehung um 180° ausführt, zwischen Tresen und den beiden Spielautomaten hindurch je nach Sex oder auch Gender ganz geradeaus oder mit einem abermaligen Schwenk nach rechts sein Ziel findend, sich entweder auf die Schüssel niedersetzend oder den Harn im Stehen abschlagend, was uns übrigen Essenden allerdings barmherzigerweise verborgen bleibt.....