Message in a bottle

29.05.2005 um 10:34 Uhr

Neulich

von: hibou

Pressekonferenz unserer KünstlerInnengruppe bei Güneş. Bis um fünf Uhr hatte es noch geregnet, pünktlich um sechs kam die Sonne, und bis alle die Leute eingetroffen waren, war auch das Buffet wieder im Garten angerichtet. Sommerregen ist hier nicht vorgesehen und die Häuser und Gärten nicht dafür eingerichtet. Aber alles klappte vorzüglich. Im Blitzlichtschein lasen Zerrin und Somnur ihre Ansprachen, viele der Menschen kannte ich schon, darunter Ilhan Berk und Necet Damar mir besondere Genugtuung bereiteten. Warum? Weil ich des einen Gedicht aufsagen werde und weil der andere, der mich publiziert, nun eine gesteigerte Ansicht von mir und über mich mit davontragen wird. Ich redete mit zwei Architekten, der eine sieht aus wie ein verlängerter Heiner Geissler, der andere gehört (zu) Zerrin. Unser Heiner Geissler war aber Sevinçs Gatte, der Sevinç, mit der Dilek nun das Atelier teilt, und die wiederum auch von den meisten gekannt war. Ein Netz! bloß mir sind noch manche Maschen neu. Ich sprach mit Candan. Ihr neues Buch über Karien wird bald erscheinen. Wir tauschten archäologische Tips und Ansichten. Bettina kam fast zuletzt, sprach mit der auffallenden Amerikanerin. Von Dilek waren zwei sehr alte Freundinnen gekommen, zu ihrer großen Freude, Mine und Nihal, Klassenkameradinnen asu der Marmara_Universität. Wen interessiert das? Mich, denn ich muss es mir vergegenwärtigen. Das langweilt? Dann geht doch nach drüben! Also ferner waren natürlich die Frauen vom Kunstkommittee da: Göknur, Inci, Bilge (mit der ich deutsch sprach, da sie in München gelebt hatte), Çiĝdem, und Güneş selbst. Ahu war nicht da, die sonst immer wie die Tochter des Hauses am Schreintisch sitzt und telefoniert, aber wer sitzt hier nicht wie die Tochter des hauses am Schreibtisch? Dilek und Somnur sind ständig am Computer, Inci zählt Beiträge und sammelt Mitgliedsblätter, Somnur kocht Tee. Ich trank Rotwein, Ali Koca war mit Frau, Sohn Schwiegertochter und Enkel da. Sie sind Roma! dachte ich. Aber der Kleine hat tiefblaue Augen

18.05.2005 um 10:32 Uhr

Tage wie diese

von: hibou

Viel Neues (ausser, dass der Strom noch immer ausfällt). Wir machen in zwei Künstlerkommittees mit, planen und organisieren eine Gruppenausstellung im Juni "MarinArt Bodrum" und die Bodrum-Biennale im nächsten Jahr. Die Treffen finden in Güneş's Haus statt. Güneş wohnt wie so viele hier an einem verborgenen Ort mit eigenem Zauber, hinter hohen Mauern, hinter einem eisernen Portal in Form einer riesigen Maske, hinter 70cm dicken Mauern zwischen Veranda und eigentlicher Wohnung  und rundbogigen Durchbrüchen zu Arbeitszimmer, Schlafzimmer und Küche. Alles ist voller Bücher und kleiner, farbiger Gegenstände in Vitrinen, auf Tücher aufgenäht, auf den Möbeln, von der Decke hängend. Ausser ihr sind da noch Somnur, Fürüzan, Lon und ihr Begleiter Bülent, Zerrin die Allgegenwärtige und manchmal Bilge und drei ganz junge Frauen. Auch Emin aus Gümüşlük kommt. Im Gegenzug treffen wir uns alle am Morgen (hier später Vormittag "in his place" in Gümüşlük zu einem Frühstück für fünfzig Leute, unter denen auch Uta und Tuna sind. Tuna hat wenig Sitzfleisch und geht zwischendurch surfen und dann sein Boot "Fisch" (german!) flicken. Der Wind macht Schaumkronen, der Tee schmeckt und auch der weisse Käse mit Thymian und die vielen anderen Bissen. Heute aber - in Güneş's Haus, feiern drei der Frauen Geburtstag....

Zwischendrin besuche ich meinen Türkisch-Unterricht nahe der Marina, wir geben die zwei bemalten Fahnen für den Wettbewerb in der Oasis ab, wir hetzen in die Vollversammlung unseres "Elele"Vereins im Gemeindeamt Turgutreis.

Ah, und Dilek hat ein Studio in Bodrum gefunden!

11.05.2005 um 22:06 Uhr

mallarmé, remember?

von: hibou

Sonnet en yx

06.05.2005 um 19:32 Uhr

im Epsilon (Baby alone in Babylon)

von: hibou

Diese Woche war Ausstellungseröffnung im "Epsilon", eine Gruppenausstellung Bodrumer Künstler, und Dilek mit einem Diptychon dabei: "Inaccurate Direction". Das erste Mal, als wir das Epsilon endlich fanden, war Winter, die Tür zum Innenhof schlug im Wind wie die Axt bei Hänsel und Gretel an den Baum, alles war unaufgeräumt und verlassen, die Kasse offen. Wir dachten, das Restaurant sei wohl aufgegeben. Der Aasgeruch von einem toten Tier hing in der Luft. Nun aber war blumiger Frühling: das kleine Haus am Rande des kleinen Gartens geschmückt mit wohl hundert Kunstwerken innen und außerhalb, die Tische gedeckt in Erwartung der Gäste, alles schmuck und von dichter Stimmung. Lon, die Chefin, spielte Flöte auf der Empore, ein weißhaariger, bewegter Mann begleitete sie auf der Geige. Unten die Vernissagebesucher, halt die, die bei jedem solchen Ereignis anwesend sind. Bettina war auch da, Uta, Tony der amerikanische Jude, Zerrin und Ali Koca. Lon ist von belgischem Blut, spricht aber perfekt und schön türkisch. Ich schaffe für sie einen Vers – frei nach Jane Birkin: "Lon not alone in Epsilon". Den Hof überdeckt eine Phönixpalme, am Tor ein riesiger Rosenstrauch, der an der Pappel emporwächst, draußen die schmale Gasse, durch die kein Auto passt, drinnen Akanthus, Sedum, Weinlaub. Kennst Du das Land?

04.05.2005 um 16:53 Uhr

Sommeratem

von: hibou

Zum ersten Mal hat uns heute der Atem des Sommers gestreift: er hat sofort angefangen, die Berghänge zu bräunen. Er zog die Leute aus. Kurze Röcke, Knöpfkleider, bauchfreie Hemden, Tops und Höschen: heraus aus dem Kampfer des dunkeln Halbjahres! Auch die See ist wie aus einem unruhigen Schlaf erwacht, sie hat von Lyotard gehört, dass das Unbewusste sich nicht als Gedanke, sondern als Bild manifestiert. Sie schmückt sich mit Segeln und schwanengleichen Schiffsrümpfen, sie lässt sich neue Stege anfertigen, damit sie die schönen Männer und Frauen, die mittelschönen und auch die Aparten zu sich lockt, sie allesamt in die Arme schliesst und mit ihnen intimer wird, als wir es jemals könnten.....

Die Wolken schmerzt ihre Ferne von alledem. Sie ziehen drum stracks nach Mecklenburg weiter.