Message in a bottle

30.06.2005 um 12:31 Uhr

Johanni

von: hibou

Beim Sonnenuntergang auf Gülüms Terrasse. Die Sonne, rot und zu schwer, sinkt nicht ins Wasser sondern keusch hinter Leros nieder. Wir heben die Rakıgläser und stossen an. Auf die neue Sonne!

24.06.2005 um 10:34 Uhr

In Transition

von: hibou

 

Dilek asks: what is the difference between “to answer” and “to respond”? I don’t know, I said. Now I’m thinking: their homelands. English came half from Germany, half from France. So “to answer” was “antworten”, “to respond” “répondre”.

 

These texts are transition-works. I am travelling from one language to the other, long time gone, not yet arrived. In the past I already did journeys to other languages, the french one, the english and for a short time the italian tongue too. WhileI came to Bodrum, much words did come with me. In the same time some others crossed my way, they just left for European countries or America…: döner, ayran, I wanna make you ahh ahh, Halikarnassos, Lahmacun, Halil Altintop, Hakan Yakin, Yıldırım, türban, imam.

 

Not only the words do travel, but the sayings and even the way to compose sentences.Mothertongue  is common to us all, she’s everyone’s mother. She leaves nobody. She’s jumping out of the supid’s mouth as well as from philosophers. For centuries and for ages language wandered like this and renewed and refreshed itsself on millions of tongues. (And I  wondered, where she would stay – my little runaway)

Words  dond need us to get along, they migrate around the world on lemon-emballages, newspapers, advertisements, and now in unbelievable speed in the innocent shape of 0/1 in the www.

 Language lives in silence too, it retires into mute and deaf minds. Travellers are forthgoing for days without saying a word, they cross the Alps or the Caucasus, they gallop across endless steps only with “hoo!” and “hott” for their horses, they die in silence and are reborn with a scream, when the finally come to the Han, language is already there and welcomes them with a sparkling bouquet  of news, of “I heard”, of questions and halfsilken proposals. Yes! Says language, I’m immortal

18.06.2005 um 06:16 Uhr

Fındık, alias Sütlaç

von: hibou

Wieder im Sanayı sitesi pide salonu, direkt an der Migros Strasse im Handwerkerviertel, am Bazar. Habe Dilek, Sevinç und Hatice, ein blondgelockte Künstlerin mit Beinprothese, und Fındık zurückgelassen.
Die letzte Türkischstunde am vergangenen Donnerstag war etwas gestört, da alle (Frauen) in Schreie der Begeisterung und der Zuneigung zu einem recht winzigen, strohbraunen, teddybärenartigen Hundchen ausbrachen. Noella schafft es schließlich, die Partie zu machen, ich hatte mich auch ein wenig beworben – eine der jüngeren Schülerinnen (Sina?) hatte das Tier angeboten.
Schade, dachte ich, das wäre genau das richtige für Dilek gewesen. Da kam sie auch schon und hütete das Fellbällchen für den Rest unseres Unterrichts. Einen Tag später ging das Telefon – Noella: Er greift unsere Katze an! (Wir konnten die ganze Nacht nicht schlafen!! Klang es unhörbar mit) Wollt ihr ihn noch? Wir kommen. Gleich. Und tatsächlich fuhren Ahmet (ein Fotograf vor 2000 und ab 2006) und sie die ganze lange Strecke zu uns nach Akyarlar hinaus und wieder zurück, bloß um das kleine Mädchen wider loszuwerden.
Jetzt haben wir seit drei Tagen ein viel Aufsehen erregendes Wollknäuel mit Knopfaugen namens "F
ındık" (Haselnuss). Sie kommt überallhin mit uns mit, sie ist zutraulich zu allem und jedem. Das ist Unschuld. Selbst auf die fauchende Yadis stolpert sie zu.
(Ist es so? Kommen wir völlig zutraulich in die Welt und verlassen sie misstrauisch?)
Sie schläft viel, sie spielt gern und übt das Beißen. Nachts müssen wir raus mit ihr in den Wind. Wir sind nun Hundebesitzer. Es soll ein Terrier sein. Berti Vogts fällt mir ein: krumme Beine, Spieltrieb, Disziplin, stimmt.
Der Pidebäcker verbrennt Rebenholz im Ofen. Ein so vertrauter Geruch wie derder Pinien vor der Sieben-Mädchen-Apotheke…
Gegenüber ein ummauerter Garten, ein Pferd steht im Schatten der Zypressen, vielleicht gebe ich ihm deshalb das Attribut "traurig", vielleicht aber weil ich seine Rippen sich scharf unterm braunen Fell abzeichnen sehe. Es legt die Ohren an: wie Yadis, wenn sie beim Verlassen des Salons noch ortet, wo sich das neue seltsame Wesen befindet.
Die Moschee singt die ganze Zeit wie verrückt überm Lärm der Motoren. Ist wer gestorben?
F
ındık soll sechs Wochen alt sein. Bei der Veterinärin Yadigar, eine sehr nette vom Stamme Ziegentyp, legen wir den Geburtstag auf den 1.Mai fest.

Ein Stück weiter steht ein ? auf der Strasse. Niemand schreibt von ihm. Er ist so gut wie vergessen.

04.06.2005 um 08:04 Uhr

Augenfarbe?

von: hibou

04.06.2005 um 07:52 Uhr

“WHAT KEEPS MANKIND ALIVE?”

von: hibou

 

Den 1802-Sokak entlang, von Dileks Atelier zum Bazar. Ich fotografiere das Grab unterhalb des Wasserreservoirs (Sarnıc)[1], den Johannisbrotbaum, die Reste der hellenistischen Stadtmauer, aber nicht den Keuschbaum (Vitex) – er wird erst noch blühen -, und nicht das Dromedar im Stall. Mache mir Gedanken über Dorf und Stadt

 

Dorf

Stadt

Dorf: Alles ist ähnlich und kompatibel, wenig ändert sich, und wenn sehr langsam

Stadt:Polare Gegensätze, unvereinbar, sie stoßen  auf engstem Raum zusammen. Alles ändert sich schnell, wobei das Alte neben oder unter dem Neuen zurückbleibt.

Tausende (!)(hier in Halikarnassos) Schichten übereinander. Auch das neue wird unten liegen.

 

 

Bodrum wechselte im Laufe der Geschichte seine Gestalt vom Dorf zur Stadt und wieder zum Dorf (bis Mitte des letzten Jh.) – und wieder zur Halb(groß)stadt – nicht in der Ausdehnung, aber in der Lebensweise, nämlich durch die vielen Leute aus Istanbul und Ankara, die sich hier niederließen, und die Sommergäste aus aller Welt. Beide Gruppen jubeln ihre Lebensart den Einheimischen still und gleitend unter.

 

Dorf Kontrolle (sozial)

Stadt: Ausser Kontrolle

Dorf: Gebunden

Stadt: Entbunden, „frei“. „Stadtluft macht frei“

Stadt: Mensch: nackt

Dorf: Boden: nackt

Stadt: Boden: verhüllt unter Asphalt und Beton

Dorf:Intelligenz im Muskel, in der Hand

Stadt: Intelligenz an die Technik gegeben

Dorf:Selbstgenügend

Stadt: Suchend

Dorf:Kommunikation innerhalb der Einheit

Stadt: Abgeschottet in der Einheit, Kommunikation nach aussen

Dorf:Fraglos

Stadt: Fragend

Dorf:Immobil

Stadt: Mobil

 

„Gott sah das Dorf und er erfande dagegen den Nomaden“

 

Dorf:Arbeitseinheit

Pembe Teyze verkauft ihre eigenen Blumen, Kräuter, Gemüse und Früchte auf dem Markt

Stadt: Arbeitsteilung

Im gleichen Bazar  finden sich Textilien aus China und elektronische Artikel aus Japan, Finnland, Deutschland, den USA und England sowie Plastiksachen aller Art aus Taiwan

 

Jetzt die türkische Flagge:

 

Dorf:Yıldız (der Stern):

Fixstern

„So musst Du sein, Dir kannst Du nicht entrinnen“

Charakter von der Welt (festgelegt)

Stadt: Ay (der Mond):

„Komm, wandle (Dich)! Sei voll, nimm ab, sei neu, sei schwanger, gebäre (neues), reflektiere, sinne!“

Dorf:Kuh

Stadt: Pferd

Dorf:Hacke, Pflug

Stadt: Rad

Dorf:Evolution

Stadt: Revolution

 

Wir werden im Dorf geboren und sterben in der Stadt. Wohl dem, der diesen Weg umkehrt.

 

Dorf: Arsch, Vagina

Stadt: Kopf

 

Dazwischen ein Geheimnis:

„Der Leib“

Atem

Herzschlag

Rhythmus

auch die Milchdrüsen sind beim menschlichen Weibchen in dieser Zone!

(mögen wir deshalb klassische Torsi so gern ansehen?)

 

Dorf:Vater (Mütze, Schnauzbart, Gebetskettchen)

Mutter (Pluderhosen, Kopftuch

Stadt: Tochter (kurzes, blondes Haar, T-Shirt nabelfrei, Piercing, sexy Jeans. Auf der Brust steht „Love!“ oder „river deep, mountain high“

 

„Lass uns auf das Land gehen und in den Dörfern bleiben!“ (Salomo)

„Die Stadt, der Müll, der Tod“ (Theaterstück von Rainer Werner Fassbinder)

 



[1] Dilek sagt. Solche Gräber waren für die auf Wanderzügen gestorbenen. Man begrub sie da, wo sie starben. Aus Respekt werden die Gräber bis heute nicht angetastet, selbst wenn sie mitten im Trubel liegen

02.06.2005 um 13:45 Uhr

village village

von: hibou

"Gott sah das Dorf. Da erfand er den Nomaden dagegen."