Johanni
Beim Sonnenuntergang auf Gülüms Terrasse. Die Sonne, rot und zu schwer, sinkt nicht ins Wasser sondern keusch hinter Leros nieder. Wir heben die Rakıgläser und stossen an. Auf die neue Sonne!
Beim Sonnenuntergang auf Gülüms Terrasse. Die Sonne, rot und zu schwer, sinkt nicht ins Wasser sondern keusch hinter Leros nieder. Wir heben die Rakıgläser und stossen an. Auf die neue Sonne!
Dilek asks: what is the difference between “to answer” and “to respond”? I don’t know, I said. Now I’m thinking: their homelands. English came half from Germany, half from France. So “to answer” was “antworten”, “to respond” “répondre”.
These texts are transition-works. I am travelling from one language to the other, long time gone, not yet arrived. In the past I already did journeys to other languages, the french one, the english and for a short time the italian tongue too. WhileI came to Bodrum, much words did come with me. In the same time some others crossed my way, they just left for European countries or America…: döner, ayran, I wanna make you ahh ahh, Halikarnassos, Lahmacun, Halil Altintop, Hakan Yakin, Yıldırım, türban, imam.
Not only the words do travel, but the sayings and even the way to compose sentences.Mothertongue is common to us all, she’s everyone’s mother. She leaves nobody. She’s jumping out of the supid’s mouth as well as from philosophers. For centuries and for ages language wandered like this and renewed and refreshed itsself on millions of tongues. (And I wondered, where she would stay – my little runaway)
Words dond need us to get along, they migrate around the world on lemon-emballages, newspapers, advertisements, and now in unbelievable speed in the innocent shape of 0/1 in the www.
Language lives in silence too, it retires into mute and deaf minds. Travellers are forthgoing for days without saying a word, they cross the Alps or the Caucasus, they gallop across endless steps only with “hoo!” and “hott” for their horses, they die in silence and are reborn with a scream, when the finally come to the Han, language is already there and welcomes them with a sparkling bouquet of news, of “I heard”, of questions and halfsilken proposals. Yes! Says language, I’m immortal
Wieder im Sanay
ı sitesi pide salonu, direkt an der Migros Strasse im Handwerkerviertel, am Bazar. Habe Dilek, Sevinç und Hatice, ein blondgelockte Künstlerin mit Beinprothese, und Fındık zurückgelassen.
Den 1802-Sokak entlang, von Dileks Atelier zum Bazar. Ich fotografiere das Grab unterhalb des Wasserreservoirs (Sarnıc)[1], den Johannisbrotbaum, die Reste der hellenistischen Stadtmauer, aber nicht den Keuschbaum (Vitex) – er wird erst noch blühen -, und nicht das Dromedar im Stall. Mache mir Gedanken über Dorf und Stadt
Dorf
Stadt
Dorf: Alles ist ähnlich und kompatibel, wenig ändert sich, und wenn sehr langsam
Stadt:Polare Gegensätze, unvereinbar, sie stoßen auf engstem Raum zusammen. Alles ändert sich schnell, wobei das Alte neben oder unter dem Neuen zurückbleibt.
Tausende (!)(hier in Halikarnassos) Schichten übereinander. Auch das neue wird unten liegen.
Bodrum wechselte im Laufe der Geschichte seine Gestalt vom Dorf zur Stadt und wieder zum Dorf (bis Mitte des letzten Jh.) – und wieder zur Halb(groß)stadt – nicht in der Ausdehnung, aber in der Lebensweise, nämlich durch die vielen Leute aus Istanbul und Ankara, die sich hier niederließen, und die Sommergäste aus aller Welt. Beide Gruppen jubeln ihre Lebensart den Einheimischen still und gleitend unter.
Dorf Kontrolle (sozial)
Stadt: Ausser Kontrolle
Dorf: Gebunden
Stadt: Entbunden, „frei“. „Stadtluft macht frei“
Stadt: Mensch: nackt
Dorf: Boden: nackt
Stadt: Boden: verhüllt unter Asphalt und Beton
Dorf:Intelligenz im Muskel, in der Hand
Stadt: Intelligenz an die Technik gegeben
Dorf:Selbstgenügend
Stadt: Suchend
Dorf:Kommunikation innerhalb der Einheit
Stadt: Abgeschottet in der Einheit, Kommunikation nach aussen
Dorf:Fraglos
Stadt: Fragend
Dorf:Immobil
Stadt: Mobil
„Gott sah das Dorf und er erfande dagegen den Nomaden“
Dorf:Arbeitseinheit
Pembe Teyze verkauft ihre eigenen Blumen, Kräuter, Gemüse und Früchte auf dem Markt
Stadt: Arbeitsteilung
Im gleichen Bazar finden sich Textilien aus China und elektronische Artikel aus Japan, Finnland, Deutschland, den USA und England sowie Plastiksachen aller Art aus Taiwan
Jetzt die türkische Flagge:
Dorf:Yıldız (der Stern):
Fixstern
„So musst Du sein, Dir kannst Du nicht entrinnen“
Charakter von der Welt (festgelegt)
Stadt: Ay (der Mond):
„Komm, wandle (Dich)! Sei voll, nimm ab, sei neu, sei schwanger, gebäre (neues), reflektiere, sinne!“
Dorf:Kuh
Stadt: Pferd
Dorf:Hacke, Pflug
Stadt: Rad
Dorf:Evolution
Stadt: Revolution
Wir werden im Dorf geboren und sterben in der Stadt. Wohl dem, der diesen Weg umkehrt.
Dorf: Arsch, Vagina
Stadt: Kopf
Dazwischen ein Geheimnis:
„Der Leib“
Atem
Herzschlag
Rhythmus
auch die Milchdrüsen sind beim menschlichen Weibchen in dieser Zone!
(mögen wir deshalb klassische Torsi so gern ansehen?)
Dorf:Vater (Mütze, Schnauzbart, Gebetskettchen)
Mutter (Pluderhosen, Kopftuch
Stadt: Tochter (kurzes, blondes Haar, T-Shirt nabelfrei, Piercing, sexy Jeans. Auf der Brust steht „Love!“ oder „river deep, mountain high“
„Lass uns auf das Land gehen und in den Dörfern bleiben!“ (Salomo)
„Die Stadt, der Müll, der Tod“ (Theaterstück von Rainer Werner Fassbinder)
[1] Dilek sagt. Solche Gräber waren für die auf Wanderzügen gestorbenen. Man begrub sie da, wo sie starben. Aus Respekt werden die Gräber bis heute nicht angetastet, selbst wenn sie mitten im Trubel liegen