Freundschaft
"Du schlaegst mich nicht? Dann bist Du nicht mein Freund"
Volksmund vom Balkan
"Du schlaegst mich nicht? Dann bist Du nicht mein Freund"
Volksmund vom Balkan
Nach der Ausstellungseröffnung sind wir noch zum Marina-Köfteci eingeladen. Am langen Tisch sitzen auch Ömer Bey mit einer jungen Frau, dann Rifat mit seiner Liebsten von Milch und Honig gemacht - neulich in Güneş's Haus sahen wir auch das Baby mit den tiefblauen Augen -... Aber Rifat sieht aus wie ein D' Artagnan mit seinem lockigen Pferdeschwanz, dem Schnauz samt Kinnbaertchen, den Halskettchen und seiner Art, sich zu einem zu setzen, mit leuchtenden Augen und gezogener Klinge. Oder er könnte ohne weiteres Make Up bei Kusturica mitspielen. Was? sagt Kusturica, ihr da in Europa fühlt euch sicher? Ganz Europa wird bald wie der Balkan sein....
Ich erinnere mich an die Atelierausstellung in Ali Kocas Haus vor zwei Jahren, er, seine Frau und Sohn Rifat stellten aus. In dem alten Haus hinter Mumcular im Wald begegneten wir Bettina zum ersten Mal. Auch Emrecan war da, mit seiner Mutter natürlich. Emrecan malte damals nur seine Mutter. Eine grossbrüstige Frau mit Medusahaaren. Alles das ist noch nicht zeitgenössisch, insbesondere ist vieles auf der Marinart altmodisch, vergangen und kitschig. Die paar Dinge, die wirklich modern sind, von Ahmet, Genco und Dilek etwa, kommen in den Presseberichten nicht vor.
Moderne Kunst: sie schafft das, was wir in 200 Jahren verstehen oder schön finden. Waehrend sie gemacht wird, erweckt sie Unverstaendnis und Antipathie. Da geht es der Wissenschaft ja nicht anders, aber ist sie etwa deswegen retrospektiv? Wer würde sich als forschender Mediziner Nostalgie leisten? Was die natürliche Evolution nicht (weiter)macht, machen wir! sagt sie. Wenn aber die Kunst und die Philosophie nicht auch so denken, wird halt anderswo all das gemacht, was möglich ist. Aber wohin solls gehn? das wüsste die Kunst :-))
Ich behaupte: Kunst hat immer eine Vorstellung vom Menschen, handelt davon, wie der Mensch sein sollte, sein könnte, wie er mit seinesgleichen umgehen soll. Das ist in der Wissenschaft noch anders, da zählt die Erregung des Erreichbaren, die Faszination des Machbaren. Welch unermessliche Schäden in der Folge durch das Erreichte angerichtet werden, bedenken wiederum die Wissenschaftler nicht. Rifat, er weiß dies vielleicht, vielleicht denkt er nicht daran. Aber denken muss man. Gefühlte Kunst? Erstmal Unsinn.