Message in a bottle

28.09.2005 um 18:46 Uhr

Die grosse Depression

von: hibou

Von dem Film gelesen. Konstantin Faigle "Die grosse Depression". Wenigstens ist’s ein Roadmovie. Auf der Suche nach der Ursache des allgegenwärtigen teutonischen Jammers. Zu wenig Humor, zu viel Romantik,  keine Fantasie, viel Technikbesessenheit, stellt sich heraus, dazu kleine Feigheiten, keine Initiativkraft, aber Unfreundlichkeit und Pessimissmus. Und da wollen sie die Türken nicht! Die könnten ihnen aber helfen, sie sind nämlich fantasievoll, freundlich, voller Humor, wahre Meister in der Kunst, aus nichts etwas zu machen, optimistisch und recht mutig. Ihr werdet uns noch rufen! Aber ob wir dann noch kommen?

21.09.2005 um 10:04 Uhr

wo sie siedelt

von: hibou

"Kunst liegt zwischen Erwartung und Überraschung."

(Ina Bottle)

03.09.2005 um 10:54 Uhr

Gefundenes Fressen

von: hibou

Manchmal sieht man das schimmernde Band einer Musik-Kassete in Schleifen auf dem Trottoir liegen oder wie ein Schmuck in einem Busch nahe der Strassen hängen. Ich machte mir aus seltsamen Regungen heraus die Arbeit, einen solchen Streifen zu entwirren, gab acht, nichts einzureissen, wickelte und spulte, bis der gesamte Kunsstoffdarm wieder in der dunkeln Kassette aufgerollt war. Doch zu Hause am Musikset hörte ich keine Töne, aber dafür eine Geschichte, erzählt von einer unbekannten Stimme aus einem noch unbekannteren Mund einer fremden Person. Ich will sie hier wiedererzählen:

Hera und Zeus, so berichten Homer, Hesiod, Ovid und alle alten Epiker, waren nicht nur ein Paar, sondern auch Geschwister. R.C. nun führt aus, dass die beiden ihre gesamte Jugend im Bett verbrachten und dort der Liebe pflegten. Sie konnten in ihrem göttlichen Einfallsreichtum nicht voneinander lassen. Zeus verschob den Tag, da er auf dem Olymp die Herrschaft der Himmel anzutreten hatte, immer wieder. Hera blieb die Göttin des Bettes, des Ehebettes, und der Beischlaf ist ihr heilig, die Eifersucht ihr immerwährendes Drehmoment. Spät aber genialisch setzte – nein „legte“ – James Joyce ihr ein Denkmal in seiner anscheinend niemals den Pfühl verlassenden Molly Bloom, die so unendlich vielfältig immer an das Eine denkt und deren Hinterbacken dem Kosmos so nahe kommen wie keine andere Rundung auf Erden. C, weist darauf hin – und nun sind wir wieder im alten Samos oder im Heraion der Argolis – dass in ihrem Tempel ein Relief zu sehen war, auf dem sie liebevoll den erigierten Penis ihres Bruders und Gatten in den Mund nimmt. Keine andere Gottheit des Olymps, nicht einmal Aphrodite, hätte solch eine Darstellung in ihrem Heiligtum geduldet. Ich bin mir sicher, dass Hera auch die erste war, die die nicht verspritzten Tropfen des Samens mit der Zungenspitze aus der klitzekleinen Schamspalte ganz vorn am Glied ihres Liebhabers heraustupfte, wie ich auch überzeugt bin, dass fast alle anderen Liebesspiele und –möglichkeiten von dem göttlichen Paar entdeckt und ausprobiert worden sind….

Natürlich ist das alles in unserer Mythologie nur ein Bild dafür, wie der Himmel und seine Wetter – Zeus – die mütterliche Erde Hera - bestürmen, benetzen und befruchten. Aber wir würden es ohne diese Verleiblichung nicht verstehen, denn wir haben Leiber, Glieder und Münder und keine Wolken, Nebel und Blitze. So muss man um der Klarheit willen eben sagen, lass mich überlegen, ja, wie der Blitz war er über ihr und stieß ihr sein Glied in den Hintern….

Früher war das noch anders. „Es war, als hätt der Himmel/ die Erde still geküsst/ dass sie in seinem Schimmer/ von ihm nur träumen müsst…“ sang der Romantiker. Die jungen Generationen sind da anders, unmittelbarer. Abgefuckt geile Geschichte! sagen sie.

Die Kassette hab ich leider verlegt. Aber die Erzählung geb ich weiter.