Message in a bottle

24.12.2005 um 10:13 Uhr

Hibous Weihnachtspredigt

von: hibou

„Light, seeking light, doth light of light beguile“

(Shakespeare, Love’s Labour’s lost)

 

Wann wird unser Wintersleid enden? Die Tage sind kurz und duster, die wirtschaftlichen Aussichten trüb, die Jugend liegt auf der Strasse, die Renten fallen, die Kinderlosigkeit wird fast schon erblich, Künstlerinnen und Künstler klagen über die Leerstelle, wo sonst die Kreativität sitzt und die Depressiven haben ihren Schub. Aber das Licht scheint in die Finsternis? Doch die hat es, so sieht’s aus, noch immer nicht begriffen. Hier mag der wissenschaftliche Ansatz (und Ehrgeiz) unserer Tage weiterhelfen. Licht und Dunkelheit sind eben, so sagt er, keine banalen Gegensätze. Dunkelheit kannst du nicht wie eine Glühlampe an- und ausknipsen, sie perenniert quasi überall da, wo kein Licht scheint. Schwärze fühlt sich von alleine wohl und breitet sich ringsherum hemmungslos aus, wo ein ermatteter Lichtschein sich erlöschend ein Stück Weges bahnt. Und erschreckt denken wir: ist es mit Dummheit und Intelligenz nicht ganz ähnlich? Die Chancen sind nicht gleich verteilt.

Da wäre zum Beispiel die genetische Abstammungstheorie. Ich nehme aus der Unzahl der Gene, die uns programmieren, mal nur zwei heraus: das moralische Gen und das unmoralische. Haben sie dieselben Verbreitungsperspektiven? Keineswegs. Die Leute mit dem unmoralischen Gen vögeln ziemlich hemmungslos herum und verbreiten so dasselbe über weite Teile der Kontinente. Die mit dem moralischen hingegen halten an sich und bleiben deswegen kinderlos oder –arm, ja sie degenerieren zusehends, weil sie der Inzucht anheimfallen, währenddem die mit den unmoralischen Genen kreuz und quer durch die Welt erstaunlich vitale Mutationen hervorbringen.

Wo bleibt da, höre ich euch sagen, die weihnachtliche Zuversicht? Ich ziehe sie aus einem erstaunlichen Faktum: meiner eigenen Entwicklung. So stimmt das nämlich doch nicht ganz mit der Dumm... ähh, mit der Genetik. Ich selbst zum Beispiel, obwohl bis ins Mark anständig programmiert, fühle mich im Laufe meines Lebens zunehmend unmoralischer werdend! Entwickelt sich da was, was nicht seit Urzeiten determiniert war? Es gibt Hoffnung. Und das entgegen aller weit verbreiteten Theorien. „Light, seeking light, doth light of light beguile“. Harvard Professor Roy J. Glauber, der es ja wissen muss, denn er erhielt grade den Nobelpreis für seine Forschungen über die Bedeutung der Quantentheorie hinsichtlich optischer Kohärenz, übersetzt dieses Shakespeare-Wort so: „Intellekt, Verstehen suchend, kann den Verstand leicht in die Irre führen“. Ich aber laß mich nicht so leicht am Auge herumführen. Mir geht da so ein Licht auf.