Message in a bottle

22.04.2006 um 07:33 Uhr

Mr Jones and me look into the future: USA - Iran

von: hibou

Was gerade im Irak in Gange ist, wiederholt sich nun (zum wievielten Mal? im wievielten Land?) im Vorgehen der US-Regierung gegen den Iran - einschliesslich der zunehmenden und doch wirkungslosen Proteste. Nach und nach wird die Drohkulisse ausgebaut, gleichzeitig laufen die Spionage und die Sabotage inklusive aller Schweinereien und Gemeinheiten an: bewaffnete Gruppen werden ın den Iran eıngeschleust, unterstützt von einem Satellitensystem, das ihnen zentimetergenau die Ziele liefert, gezinkte Attentate werden im eigenen Land verübt und den Mullahs unter die Turbane geschoben, Leute werden gekidnapt und verschwinden spur- und rechtlos, unvorstellbare Grausamkeiten beiläufig verübt. Alte Karrikaturen, die kein Mensch wahrgenommen hatte, werden aus den Archiven geholt und neu veröffentlicht. Der islamische Raum wird selbstverstaendlich darüber informiert und reagiert wie gewünscht.

Skeptisch? Bitte schau dir mal "Carlas" Song" von Ken Loach an. Nikaragua ist  das Thema. Die USA sind dort seit Jahrzehnten am morden. Und andere Beispiele dürfte es für alle, die sich informieren wollen, genug geben.

Zur selben Zeit gibt man sich in Washington als der Hüter der Weltordnung und der Beschützer gegen die sogenannten Terroristen (zu denen man längst selbst gehört)

Frage: Wann nahm die US-Politik diesen Charakter an, oder war er gar von Anfan an integriert, und nur die Leichtgläubigen und Naiven sahen die Amerikaner als die Kämpfer und Garanten für Demokratie und Freiheit?

Und du, Palästinenser, der du ja den Segen der Demokratie geniesst, geh zur Wahlurne, wähle frei und geheim, aber wähle nicht die Hamas, sonst streichen wir erst mal alle Geldmittel und werden weitere Gemeinheiten gegen dich verüben, so lange, bis du die Demokratie richtig verstanden hast.

22.04.2006 um 07:14 Uhr

wie es sich so trifft

von: hibou

In der Liste der Laender, die viele Todesurteile vollstrecken, liegen die USA und Iran ganz vorne....

17.04.2006 um 16:41 Uhr

roermond imperativ

von: hibou

steinige die wand!
stehe bei einer wolke!
rühr deinen mund
siebenmal um ein wort!

16.04.2006 um 15:40 Uhr

die brücke von roermond

von: hibou

unter der brücke
von roermond
gerinnt der Wortfluss
dr.cuiper ver
flüssig sich
dessen gewahr im delta
der pillengeliebten

15.04.2006 um 05:47 Uhr

fern von roermond

von: hibou

fern von roer

und der mond voll wie

ein pfannengesicht

aufgerauht mit muskat

15.04.2006 um 05:45 Uhr

roermond

von: hibou

tramlinien
verfangen sich
am platz
und dr.cuipers apotheke
erzittert
in den schmerzmitteln

14.04.2006 um 15:49 Uhr

ein liedchen hey freitag

von: hibou

Musik: Lakes of Ponchitrain, The Be Good Tanyas

"It was on one fine march morning when I bid New Orleans adieu
And I was on the road to Jackson town my fortunes to renew
I cursed all foreign money, no credit could I gain
Which filled my heart with longing for the lakes of Ponchitrain.

I sat onboard a railway car, beneath the morning sun
And I rode the rails til evening when I lay me down again
All strangers, they're no friends to me, til a dark girl towards me came
And I fell in love with a creole girl, on the lakes of Ponchitrain

I said "My pretty creole girl, my money here's no good.
If it weren't for the alligators, I would sleep out in the woods."
"You're welcome here, kind stranger, our house is very plain,
But we never turn a stranger out on the lakes of Ponchitrain."

She took me out to her mamma's house and treated me right well
Her hair upon her shoulders in jet-black ringlets fell
To try and paint her beauty, I'm sure would be in vain
So handsome was my creole girl on the lakes of Ponchitrain.

I asked her would she marry me, as she said it never would be.
For she had got another and he was off at sea,
She said that she would wait for him and faithful she remained
Waiting for her sailor on the lakes of Ponchitrain.

So fair you well, my bonny ol' girl, I may never see you no more.
I won't forget your kindness in that cottage by the shore
And at every social gathering, a golden glass I'll drain
And I'll drink of health to the creole girl, on the lakes of Ponchitrain. "

13.04.2006 um 08:21 Uhr

Stecci (Jugo-Blues 12)

von: hibou

 

 

10.04.2006 um 20:07 Uhr

Dox - Orthodox – Paradox

von: hibou

Vorausgeschickt: Heute ist mal wieder ein Tag der Freude über politische Ereignisse, diese Tage sind – wallah – selten genug: Berlusconi scheint abgewählt. Das französische Gesetz zur Lockerung des Kündigungsschutzes ist – "auf Druck der Strasse" – zurückgezogen, die weitere Karriere des Premiers De Villepin unwiderruflich beschädigt. Jugendliche, StudentInnen hier, eine breite Mitte-Links-Koalition, die interessanterweise zum wiederholten Mal "Ulivo" (der Olivenzweig) heißt, da. Ach, würden nur Deutschland oder die Türkei solches fertigbringen! Vox populi vox Dei, sagte der alte Lateiner, Doxa! (Glaube), der Grieche, "Öffentliche Meinung" der Soziologe. Was soll man glauben, wonach sich richten? Wo ist das gute Ende in Sicht? Ja, Berlusconi ist nicht nur ein guter Freund unseres Premiers Erdoĝan, sondern wirklich ein gerichtsnotorischer Betrüger und Bestecher. Die Kürzungen in vielen Sozialsystemen Europas ganz bestimmt ein Irrweg. In anderen Fällen aber liegt die Sache nicht so offen zu Tage.

Ein paar Beispiele:

Die türkische Regierung kämpft – wie ja auch das Leuchtfeuer des Westens, die Vereinigten Staaten und damit der Westen insgesamt, gegen den Terrorismus, hier insbesondere gegen die PKK, die Armee zur Befreiung Kurdistans. Andererseits hofiert sie die palästinensische Hamas. Es gibt also "gute" und "böse" Terroristen, je nach Lage der Dinge?

Immer mehr türkische Frauen tragen das Kopftuch der Islamisten. Nicht gezwungenermaßen, wie sie selbst sagen, sondern als ein Zeichen ihrer Identität, freiwillig, gewollt. Na klar amüsiert das keine gute Feministin. Paradox aber: auch die iranischen Frauen sind sehr zornig darüber, denn sie stehen in einem harten Kampf zur Lockerung und Überwindung des Kopftuchzwangs – und viele von ihnen tragen das ominöse Tuch sehr viel lockerer als ihre anatolischen Glaubensschwestern. Also ist der Iran unorthodoxer als die Türkei?. Paradox ist sowas.

Der orthodoxe Patriarch von Istanbul ist schwer in der Bredouille. Er vertritt einen uralten Machtanspruch über die Christenheit, älter vielleicht als der des Papstes in Rom. Aber inzwischen wuchsen sogar der orthodoxen Christenheit in Moskau und in Belgrad weitere Patriarchen aus dem Boden. Außerdem verbietet die türkische Republik ihm jeden supranationalen Anspruch, so dass er faktisch nur der Patriarch einiger weniger, öffentlich weithin unsichtbarer Istanbuler Christen ist und seine Gemeinde vermutlich kleiner ist als die des Pfarrers (oder Imams) von Dortmund-Hörde. Da weiß Osman Normalverbraucher ja echt nicht mehr, an was er glauben soll.........

08.04.2006 um 13:13 Uhr

kayah & goran bregovic (jugo-blues 11)

von: hibou

Musik: nie ma, nie ma ciebie, kayah, feat. goran bregovic

hab grad geweint bei der musik....

06.04.2006 um 17:55 Uhr

Ich will Blut sehen (Jugo-Blues 10)

von: hibou

Und am Abend – wie hier auch und wie inzwischen auf der ganzen Welt – schwebte hoch in der Ecke unter der Decke das laufende Fernsehgerät. Wir aßen einmal wieder Cevapcici und oben lief pausenlos Partisanenhandlung: Mühselige Flucht durch die Macchia, Schüsse, deutsche Tiefflieger, Vergeltungsaktionen, Vergewaltigung der Nachbarstochter, irgendwo unerkannt die Eltern von Marina Abramovic... Wir bestellten noch Salat nach. Die Männer in graubraunen abgeschabten Sakkos schenkten Slivovica nach. Draußen sang die Nachtigall. Die nördlichste ihrer Art hatten wir am Rand einer Tankstelle im slovenischen Portoroz. singen hören. Ja, auch Slovenien hat einen Seehafen. Dass ich lache. Und selbst Bosnien (allerdings führen weder gute Strasse noch Bahn nach Neum. Das wird sich ändern müssen). Draußen lag der Mond im samtvioletten Himmel auf dem Rücken. Kratz mich. Ich will Blut sehen. Nie waren wir die Plitvicer Seen sehen. Dafür verirrten wir uns in Istrien, nahe Livade. Überall verlassene Dörfer, die Häuser fast vollständig erhalten. teilweise sogar mit Möbeln, ich wette da standen noch vereinzelt Tassen mit Kaffeerändern auf dem Tisch. Die Leute waren dem Ruf ihres etwas anrüchigen Blutes gefolgt – konnten sie den wirklich noch vernehmen? oder war’s die Propaganda? – und hausten nun in sechsstöckigen Betonkuben irgendwo bei Marghera. Hier aber zwischen Livade und Buzet Totenstille. Die europäischen Zeitmaschinen sind kaputtgegangen. In die Zukunft geht’s nicht mehr, es reicht grade noch, die Vergangenheit gefrieren zu lassen. Aber Mieke würde sich hier wohl ansiedeln und von den dahergelaufenen Männern ficken lassen. Wir hatten Durst. Endlich unten im Tal ein bewohnter Hof. Im Fass vor der Tür aber kein Wasser, sondern Wein. Wir tranken den roten Saft in riesigen Schlucken. Wir waren auf der Stelle besoffen, legten uns zwei Meter weiter ins Gras, dicht aneinander wie Hänsel und Gretel so unschuldig

06.04.2006 um 16:31 Uhr

Snezana (Jugo-Blues 9)

von: hibou

Im Eisenbahnabteil irgendwo bei Graz kam ich mit einem slawischen Mütterchen ins Gespräch. Sie hatte den einen Schuh ausgezogen und das Bein unters andere Knie auf den Sitz gefaltet. Vay! sagte sie. Tito ist tot. Jetzt sind die Guten Zeiten weg! Mit Tito: Kaffee, Strümpfe, Freiheit. Ohne ihn wird Not sein....... Ihr Kopftuch fiel ihr vom Haar. Sie war unruhig und gesprächig. Sie werden uns ausnehmen. Krieg wird kommen. Vay!

03.04.2006 um 14:45 Uhr

einbürgerungstest für alle!

von: hibou

noch einmal zu kriterien der einbürgerung.
sind wir uns einig, dass die verfassung und das rechtssystem beachtung finden sollten?
dann waere da die sprache. es ist ja ok, dass herr oettinger diesem kriterium solche beachtung schenkt. in der aera kohl und auch noch bei rot-grün wurden aber unmengen von russlanddeutschen "geholt", die kein wort bzw. nur brocken von deutsch sprachen (und es auch jetzt noch nicht tun), vom kulturschock, den diese leute erlitten, mal zu schweigen. ich bemitleide sie jedoch nur bedingt. was muss man auch immer - wie damals die ddr-mehrheit - den bananen und der mark/dem euro nachrennen? die russen (wie sie genannt werden) haben insbesondere wenn sie jugendlich sind, enorme integrationsprobleme.
aber gut: nun sei die sprache wichtigstes einbürgerungsdingens. mein vorschlag waere dann (wie auch bei den testfragen) ALLE bürger einer erneuten einbürgerung zu unterziehen. welches deutsches befleissigt sich die bildzeitung? wie wird in breiten schichten gesprochen? ist das deutsch oder prollsch? missverstehen sie mich nicht, ich mag argot....
welche sprache soll in der schweiz, in lettland, in spanien (spanisch, baskisch oder katalanisch?), in der türkei gesprochen werden? wie schnell und beflissen sind solche verfechter der einheitssprache bei forderungen, den armen kurden doch ihre sprachautonomie zu gewaehren!!. und welche sprache in europa? die vielsprachigkeit wird doch zur regel. und in deutschland sollte eine gepflegte multilingualitaet obenan stehen (marktfragen, investitionen, globalisierung!! :-)) wer mag da noch von deutscher leitkultur hören......

und eine anmerkung zu rechtssystem, laizismus und doppelten masstaeben. hier in der türkei wuchsen in den letzten jahrzehnten viele radikalislamistische organisationen und gruppierungen aus dem boden. was geschah: der türkische staat verbot sie. daraufhin wichen diese nach europa, vor allem nach deutschland, aus, erhielten dort unmengen geld aus saudi-arabien oder je nachdem aus dem iran, bildeten parallelwelten und hetzten gegen die türkei. dies verlangte daraufhin die auslieferung dieser leute (bsp. kaplan). aber nein! hiess es, wir sind ein rechtsstaat, die kriegt ihr nicht.....
es ist alles net so einfach gell?

02.04.2006 um 15:33 Uhr

an eine deutsche

von: hibou

du hast ganz recht, das problem für euch sind die türken. ihr habt eine alte türkenangst (hehe, wo wird mercedes hergestellt? in untertürkheim :-) ), die inzwischen fast schon atavistisch geworden ist.

dazu einige anregungen von mir:

1. DIE türken, DIE deutschen - pfui, klischee, stimmt nie, es gibt überall alle farben von "gut" bis "böse"

2. du solltest wissen, dass mehrheitlich ganz bestimmte leute nach europa emigrieren: diese oft aus dem dörflichen osten anatoliens (dasselbe problem gibt es in istanbul mit diesen zuwanderern. die "türken" hier sind fortschrittlicher - und blonder (smile) als du denkst. das meinte ich in etwa mit "unser imam ist modern")

3. die "türken" sind längst schon in europa. die letzten balkankriege waren vielleicht keine religionskriege, sondern der versuch, diese zu vertreiben (amselfeld! falls dir das was sagt). ein dorf in bosnien oder bulgarien oder nordgriechenland sieht einem anatolischen dorf verblüffend ähnlich (häuser, sitten, kleidung). ein dorf in arabien oder dem iran sieht einem türkischen dorf überhaupt nicht ähnlich...

4. wir sind doch gegen zwangsehen, ehrenmorde, handabhacken wo immer das droht oder? es geht um haltungen und nicht um "völker". aber: wer weiss, ob diese sachen hier (wg. zittern vor der eu) nicht strenger verfolgt werden als in berlin oder neheim hüsten?

02.04.2006 um 15:25 Uhr

Geographiequiz (Jugo Blues 7)

von: hibou

Negotin

In Hamburg-Bergedorf wurde eine ganze Kolonie für Zuwanderer aus Negotin aufgemacht, mit eigenem Roma-Lehrer, der aber – wie ich in St.Pauli – hauptsächlich damit beschäftigt war, durch viele Besuche zu Hause die Kinder in die Schule zu kriegen oder dann abends auf den frühen Hochzeiten der Mädchen zu tanzen. Irgendwie verschwommen dachte ich, Negotin sein wohl eine Zigeunernation, ein Sinti-und Roma-Land. Nun finde ich es in einer südöstlichen Ecke Serbiens, nahe an Rumänien und Bulgarien.

Novi Sad

Inzwischen ist die Brücke von der Nato zerbombt. Damals trug sie Eisenbahn und Autos über die Donau, die sich da grade durch die Vojvodina schlug.

Prizren

Dieses Nest fast ohne gepflasterte Strassen sollte einmal fast dreissig Jahre nachdem wir da durchfuhren das Hauptquartier der deutschen Truppen im Kosovo werden....

Niş

Ganze Scharen von bettelnden Kindern sammelten sich um unser Auto, sobald wir anhielten. In der Luft lag Staub. Serbisches Mutterland, auf dem Weg in die Emigration.

Posarevac

Vor einigen Tag wurde Milosevic da in seinem Heimatdorf begraben. Er war ein großer Mann! sagen die Trauernden. Wie im Kusturica-Film schlagen sie nachher mit bloßen Händen ihre Rakıgläser in Stücke. An der Wand auf Bänken sitzen unsichtbar Milosevics Mutter, die Selbstmord beging, sein Vater, der Priester war, vielleicht Jean-Paul Sartre, der von Paris hergereist ist und erschöpft ausruht.

Varazdin

Ein Kuk-Städchen am Oberlauf der Drau, aber nicht in der Steiermark, nicht in Slowenien, aber in Slavonien (wenn Du weißt, was ich meine). Slavonien hört da unten bei Slavonski Brod ("Essen, tam!") auf. am anderen Ufer liegt dann Bosanski-Brod. Hier in Varazdin aber ist noch immer Mitteleuropa. Die Sonne scheint irgendwie schweizerisch, die sanfte Landschaft sieht aus wie in Niederösterreich, manche sprechen Deutsch, manche Ungarisch. Gibt es Weinberge? Ich denke wohl. Manche Verrückte flohen vor der kommunistischen Gefahr nach Deutschland. Andere verdingten sich in Wien. Noch andere lasen Canetti und fanden sich im Nu am Unterlauf der Donau, in Russe, wieder. Ich flog abends von Stuttgart nach Izmir, das Flugzeug macht einen weiten Bogen über den Balkan und wie silberne Schlangen konnte ich alle diese Flüsse, die Drau, die Donau, die Save, die Drina, konnte ich alle diese ganz sagenhaften Landschaften unter mir sehen.

01.04.2006 um 16:16 Uhr

klischee und realitaet (jugo-blues 6)

von: hibou

bosnien erinnere ich als grün, hügelig, bergig, mit schluchten, geschwungenen steinbrücken, adlern auf den höhen und staksenden störchen in den sümpfen. die neretva! die drina! die malerischen moscheen... in sarajevo standen wir an der strassenecke, von wo der attentaeter auf den österreichischen kronprinzen geschossen hatte. ein fünfstern war ins pflaster eingefügt und der name des gawrilo princip, der 1914 so starke prinzipien hatte.

wir schauten aber auch die moschee ("gazi husref begowa djellabia djamia") und die berühmte bibliothek an. wir lasen ivo andric. wir spazierten in der çarşia.

in mostar sprangen kinder für einige geldstücke von der brücke hinunter in die drina. die leute waren alle freundlich, manchmal zahnlos, die jungendlichen schon vor"cool" und dennoch anhaenglich.

in poçitelj machten wir postkartenfotos.

in srebrenica wurden mein vater und ich festgenommen, weil wir anscheinend unerlaubtes gebiet betreten hatten, wir wurden einige stunden eingesperrt, weil der polizeibeamte grad ein fussballspiel besuchte. das war knapp ein jahr vor dem krieg.

...der dann kam. nachbarn schossen einander tot und stachen sich hernach die augen aus, trugen diese am band als trophaeen davon. es war besonders kompliziert, da drei ethnien sich gegenseitig umbringen mussten. mich traf der krieg tief im herzen. aber wegen der realität oder wegen meiner schönen erinnerungen, die diese unholde zerstört hatten?

jetzt heiratet mein sohn eine bosnierin.

01.04.2006 um 08:22 Uhr

der imam

von: hibou

hab gestern mehr zufällig bei maischberger reingeschaut (aus der türkei) uff! wie modern sind unsere beiden imame hier.... völlig normal gekleidet, bartlos, nett und bei bedarf singend - wir haben sie schon beim tode der schwiegermutter in anspruch genommen -, ansonsten freundliche unmissionarische bewohner unseres dorfes (auch unsere moschee singt sehr höflich). und nun dieser fundi!! also wirklich.... da sind wir ja trotz der herrschenden akp noch laizistischer als deutschland...
sandra maischberger, die ich sehr mag, hat m.e. folgende sache nicht annähernd klargemacht: die staatsbürgerschaftsdiskussion, die pass-diskussion ist keine religiöse, da haben weder bibel noch koran noch der "gemässigte islam" des cem özdemir was zu suchen. religion ist privatsache (und die welt wäre vielleicht besser dran ohne sie, katholiken, orthodoxe und islamisten geben sich seit vielen jahrhunderten nix nach, von den evangelikalen bushianern zu schweigen. was soll also diese gläubigkeitsdiskussion??
warum will ich deutscher werden? diese frage in einen gespräch zu klären, wäre sinnvoll. das grundgesetz! auch die deutsche regierung und die wirtschaft sollten es beachten

schade, dass maischbergers zweiter punkt: was ist eigentlich ein deutscher? finden wir irgendjemanden, der so ist, wie die ausländer sein sollen/müssen?

lesenswert der jüngste artikel "ab nach istanbul" in der zeit, wo über eine studie berichtet wurde, in der deutsche und türken zu ihren ländern befragt wurden. (smile: die deutschen wussten viel mehr - auch falsches - über die türkei als über ihre eigene umgebung.

was kaum bedacht wird: wer will eigentlich noch deutscher werden? in zehn jahren werdet ihr werbekampagnen auf der suche nach arbeitskräften auflegen!
atheistische grüsse
hibou