Message in a bottle

29.07.2006 um 11:50 Uhr

wer lächelt da?

von: hibou

Ahmedinedschad lächelt

Nach der morgendlichen Lektüre von "Turkish Daily News" einige Gedanken zur Lage im Mittleren Osten. "Wir brauchen einen neuen!" sagt Ms.Rice. Unendlich kostspielige Gruppen von Think Tanks, die mächtigsten westlichen Regierungen, Haufen von Neo-Kons arbeiten daran herum. Auf der anderen Seite einige verblendete Mullahs in wuseligen Dritte-Welt-Städten oder womöglich in Erdhöhlen und abgelegenen Verstecken. Ganz klar, wie das ausgehen wird, nicht wahr?

Die Mullahs aber, weit entfernt von hinterwäldlerischem Tun, betreiben eine fast unsichtbare, spinnennetzartige Politik, die in den letzten 20 Jahren an Wirksamkeit kaum zu überbieten ist, asymetrisch, perfekt, so dass der gesamte Grossraum inzwischen um Generationen zurückgeworfen ist: wo früher Ansätze zu modernen, säkularen arabischen oder andern islamischen Staaten zu erkennen waren, herrscht heute Kampf aller gegen alle und Stammeskultur (nein, die war unendlich friedfertiger). Ahmedinedschad und Nasrallah lächeln fein. Wer kann schliesslich ausser ihnen behaupten, ihre schlimmsten Feinde dazu gebracht zu haben, die Drecksarbeit für sie zu erledigen?

Da brechen die USA im Irak zwei Kriege vom Zaun, erledigen Teherans schlimmsten Feind Saddam Hussein und gleich das ganze Land mit ihm, hinterlassen Bürgerkrieg und eine starke Schia. Die USA erledigen im Osten Irans deren zweite Bedrohung, die Taliban und verschaffen den Persern da Luft, hinterlassen ein Chaos und mehr einzelne Kriegsherren als zuvor. Amerikas Verbündeter Israel marschiert 1982 im Libanon ein. Daraufhin (ja: daraufhin!) begründet sich die Hizbollah, die nach und nach an Einfluss gewinnt, nach dem erzwungenen Rückzug der Israelis als Sieger dasteht und zu einer der ersten Mächte im Libanon und darüber hinaus wird. Nach der jüngsten Attacke sehen wir den ganzen Mittleren Osten voller Hizbollah-Fahnen und in den News fliehende Sunniten und Christen im Libanon (deren Hab und Gut inzwischen von Schiiten in Beschlag genommen wird.) Iran steht quasi unangreifbar da. Ahmedinedschad lächelt. Und in der Nuklearfrage drehen sie uns eine (feine) Nase.

 Ganz ehrlich, Mr.Bush, steht einem da nicht der Schweiss auf der Stirn?